Daktylus
(gr. daktylos = der Finger; jeder Finger mit Ausnahme des Daumens besteht
aus 3 Gliedern); auch: Doppelfaller; 1) antiker Versfuß: Bezeichnung
für einen dreisilbigen Versfuß mit langer erster Silbe und nachfolgend zwei
kurzen Silben (/ ˇ ˇ ) 2) in
deutscher Metrik: einmal betont und zweimal unbetont bzw. schwächer betont
(x'xx, bzw. -vv) - vgl.
Anapäst,
Jambus,
Metrum,
Takt,
Taktart,
Trochäus,
Vers,
Versfuß,
Versmaß,
Beispiele: Heilige, Königin, Buttermilch, Neulinge,
Sturmwetter
Schiller: Nimmer, das glaubt mir, erscheinen die Götter
Deduktiver Fehlschluss
in der formal-logischen Argumentationsanalyse Bezeichnung für einen
unkorrekten Schluss bei einem deduktiven Argument; lässt sich ein
Gegenbeispiel für ein deduktives Argument finden, handelt es sich beim
ursprünglichen deduktiven Argument um einen deduktiven Fehlschluss; - vgl.
Schluss, deduktiv,
deduktives
Argument, Beispiel:
Wenn die Schule aus ist, läutet es.
Es läutet.
Also ist die Schule aus.
Definition, lexikalische
auch: Bedeutungsanalyse, deskriptive Definition, Festsetzungsdefinition; legt fest, was
unter einem bestimmten Begriff im bestehenden Sprachgebrauch zu verstehen ist - vgl.
Definition,
Nominaldefinition,
Realdefinition Beispiel: Unter Linguistik versteht man die
Wissenschaft, die wissenschaftlich mit den Strukturen und der Verwendung von Sprache
befasst.
Deklination
auch: Beugung;
Flexion der
nominalen Wortarten (Substantiv, Adjektiv, Artikel, Numerale, Pronomen) in
Numerus (Zahl: Singular, Plural) und Kasus (Fall: Nominativ, Genitiv,
Dativ, Akkusativ) - vgl.
Flexion,
Flexionsformen,
Konjugation,
Komparation Beispiel: (der) Vater (Nominativ Singular), (des)
Vaters (Genitiv Sg.), dem Vater (Dativ Sg.), (den) Vater (Akkusativ Sg.),
(die) Väter (Nominativ Plural), (der) Väter (Genitiv Pl.), (den) Vätern
(Dativ Pl.), (die) Väter (Akkusativ Pl.)
Denkvers
Merkvers, der als unliterarische Gedächtnisstütze für grammatische Regeln o.
ä. dienen soll Beispiel: In die Semmel biss der Kater - Einprägung
der lateinischen Zahlwörter semel, bis, ter, quater;
Denotat
(lat. denotare= bezeichnen) ; 1. Außersprachliches Phänomen, das von einem
Sprecher mit einem bestimmten sprachlichen Zeichen gemeint wird, z.B. das Wort Tisch
bezieht sich auf einen physikalisch klar bestimmbaren Gebrauchsgegenstand; 2.
Begrifflicher Inhalt eines (sprachlichen) Zeichens im Unterschied zu den Nebenbedeutungen,
die es besitzt (z.B. Emotionen, Wirkung) - denotativ:
nur den begrifflichen Inhalt des sprachlichen Zeichens betreffend, ohne die z.B. von den
Emotionen geprägten Nebenbedeutungen und inhaltlichen Nuancen, die ein Zeichen bei einem
Sprecher oder Hörer hervorruft - vgl.
sprachliche
Zeichen,
Konnotat,
konnotativ
Deskriptive Aussage
Aussage, die sich auf einen Sachverhalt bezieht; deskriptive Aussagen sind
prinzipiell empirisch nachprüfbar und können daher wahr oder falsch sein;
deskriptive Aussagen beziehen sich auf ein Sein; Thesen (Konklusionen) mit
deskriptiver Aussage sind dann haltbar, wenn die Voraussetzungen
(Prämissen), auf denen sie beruhen wahr sind. (vgl.
Bayer 1999, S.232)- vgl.
normative Aussage,
Argumentation,
Argumentationstheorie Beispiel: Konstanz liegt am Bodensee.
Deskriptive Themenentfaltung
Form der thematischen Entfaltung: Thema aufgegliedert in seine
Einzelkomponenten (Teilthemen) und eingeordnet in einen raum-zeitlichen
Zusammenhang; Ausprägungen: einmaliger Vorgang, historisches Ereignis;
regelhaft dargestellter Vorgang; Lebewesen oder Gegenstand; Textorten;
Ereignisbericht, Vorgangsbeschreibung, Gegenstandsbeschreibung,
Personenbeschreibung; thematische Kategorien: Spezifizierung
(Aufgliederung), Situierung (Einordnung) - vgl.
thematische
Entfaltung,
explikative
Themenentfaltung,
argumentative
Themenentfaltung
Detraktion
1. Ausheben größerer Gesteinspartien aus dem Untergrund eines Gletschers
2. im Zusammenhang mit rhetorischen
Änderungsoperationen (detractio): Entfernen eines Elementes oder
mehrerer Elemente; vgl.
rhetorische
Änderungsoperation, Adjektion
Beispiele:blau / lau;
Deutungsmuster, konzeptionelle
vergleichsweise eng gefasster Wissensbestand; Teil und zugleich Voraussetzung von
Weltwissen (enzyklopädischem Wissen); Interpretationsmuster zur Steuerung und
Strukturierung der alltäglichen Wahrnehmung von "Welt", die dadurch aufeinander
bezogen werden; drei Grundmuster: koordinative Beziehung, temporale Beziehung, kausale
Beziehung (vgl.
Linke/Nussbaumer/Portmann
1994) - vgl.
Textarbeit,
Textverstehen,
Weltwissen,
enzyklopädisches Wissen
Direkte Rede
1. (auch: wörtliche Rede) 2. als
Darbietungsform des Erzählens: Redewiedergabe
in der 1. bzw. 2. Pers. Indikativ Präsens; keine
Innensicht;
keine kommentierende Einmischung; mal mit, mal ohne redeeinleitende Zeichen oder sonstige
Satzzeichen; vgl.
indirekte Rede,
szenische Darstellung Beispiel: - Deine Entschuldigungen kannst du dir sparen,
ging Antonia zum Angriff über.
- Aber... so hör doch, beschwichtigte Martin Bach.
- Das werde ich nicht, du bist...
- Ach, so geht es also weiter
Disambiguierung
auch: Desambiguierung, Entambiguisierung, Monosemierung; Beseitigung
lexikalischer oder struktureller Mehrdeutigkeit durch den jeweiligen
außersprachlichen und sprachlichen Kontext, indem die sprachliche
Information steht - vgl.
Monosemierung,
sprachliche Eindeutigkeit,
Polysemie
Diskursanalyse
weitgehend synonym verwendeter Begriff für die
Gesprächsanalyse; Bezeichnung orientiert sich am englischen terminus
discours analysis, der allerdings auch Textanalyse umfassen kann und
mitunter auch nur auf argumentative Gespräche angewendet wird - vgl.
Gesprächsanalyse
Diskussionsbeitrag
Form der mündlichen oder schriftlichen Beteiligung an einer Diskussion - vgl.
Diskussion,
Fünfsatz,
Redebeitrag
Distichon
gr. "Zweiversler; nach antikem Vorbild und Muster ein
Strophenmaß, das aus einem
Hexameter und einem
Pentameter besteht; in der deutschen Sprache bestehend aus zwei
sechshebigen Versen - vgl.
Hexameter,
Pentameter
Dominante Figur
Begriff aus der Dramentheorie: eine Figur ist
an jeder der Konfigurationen mit einer bestimmten anderen Figur beteiligt,
erscheint aber darüber hinaus noch in anderen Konfigurationen - vgl.
Konfiguration
Dramatischer Auftakt
Einsetzen der szenisch präsentierten Handlung in einem
Drama
(=
point of attack);
häufig Teil des Eröffnungsdreischrittes von dramatischem Auftakt,
eigentlicher Exposition und erregendem Moment; Funktion: im
Allgemeinen nicht expositorische Informationsvergabe, sondern
Aufmerksamkeitslenkung der Zuschauer auf das dramatische Geschehen (phatische
Funktion) (vgl.
Pfister
1977, S.124,
Asmuth
1980, S.106f.). - vgl. Drama,
Exposition,
erregendes Moment
Dramaturg
literatur- und theaterwissenschaftlicher Berater einer Theaterleitung;
Aufgaben: Spielplanaufstellung, Beschaffung von Texten, Sichten von
Neuerscheinungen zu Originalwerken, Übersetzungen und Bearbeitungen, dazu
weitere verschiedene Beratungsaufgaben u. die Erstellung des
Programmheftes; - vgl.
Dramaturgie
Dramaturgie
1. Tätigkeiten des Dramaturgen, mit Schwerpunkt
auf der praktisch-szenischen Umsetzung eines Dramas 2. Theorie (von
Lessing als Begriff dafür eingeführt), die sich mit der für die
Aufführung von Theaterstücken grundlegenden poetischen und ästhetischen
Regeln und Normen befasst; Beispiele: (Dramen-)Poetik des
Aristoteles,
Lessings Hamburgische Dramaturgie
Durative Raffung Erzähltechnisches Mittel zur Zeitgestaltung; Angabe allgemeiner,
einen ganzen Zeitraum überdauernder Vorgänge oder Gegebenheiten; häufig
eng verflochten mit der
iterativen
Raffung; Formen: grob zusammenfassend oder stagnierend-verweilend;
Zeit stellt häufig nur einen Rahmen für die Erzählinhalte dar, die
häufig keiner zeitlichen, sondern einer zeitunabhängigen räumlichen
oder thematischen Ordnung folgen; Grundformel: "Die ganze Zeit
hindurch ..." (vgl.
Lämmert
1955, S.86) - vgl.
iterative
Raffung,
Zeitgestaltung,
Zeitraffung Beispiel: "Unterdessen wurde die
Stadt Lissabon in Portugal durch ein Erdbeben zerstört und der
Siebenjährige Krieg ging vorüber [...] und der Kaiser Leopold der Zweite
ging auch ins Grab. Napoleon eroberte Preußen und die Engländer
bombardierten Kopenhagen und die Ackerleute säten und schnitten. Der
Müller mahlte und die Schmiede hämmerten und die Bergleute gruben nach
Metalladern ..." (aus:
Johann
Peter Hebel,
Unverhofftes
Wiedersehen, iterativ-durative Raffung)