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Kontaktumgrenzung

Anrede


Gewöhnlich sprechen wir jemanden an, nachdem wir einen Gruß ausgesprochen haben. Gruß und Anrede treten also häufig in Kombination miteinander auf. Sie dienen als Sprechakte der Kontaktumgrenzung, indem sie eine bestimmte Kommunikationssituation eröffnen oder abschließen. Es kommt nur selten vor, wirkt dabei meistens sehr unhöflich, wenn man ohne vorangegangenen Gruß direkt angesprochen wird. Als Schlusssignal kann schon mal einfach die Anrede verwendet werden. Dabei werden aber gewöhnlich weitere nonverbale, körpersprachliche Signale  gesendet. So ist es bei dieser Form des Schlusssignals üblich, dass man sich kurz und knapp verbeugt oder das Signal mit Blickkontakt und Kopfnicken (Zunicken) unterstreicht. In den meisten Fällen kommt dieser in die Anredeform gekleidete Abschiedsgruß indessen als sehr förmlich und distanziert an, wenn andere Formen der Verabschiedung möglich sind.

In der mündlichen Kommunikation hängen die Formen der Anrede von den Kommunikationspartnern und der jeweiligen Kommunikationssituation ab und davon, ob ein Sie- oder Du-Verhältnis vorliegt.

  • Beim Siezen (Sie-Verhältnis) kombinieren wir bei der Anrede das Anredepronomen mit dem Namen oder Titel (z.B. Frau Heinze, Herr Professor), wobei →Anredepronomen wie "Herr" oder "Frau" im Allgemeinen nicht alleine stehen.

  • Spricht man jemanden im Sie-Verhältnis nur mit seinem Nachnamen an, dann geht das im Prinzip nur, wenn der Angesprochene hierarchisch deutlich niederer gestellt ist, ist aber auch dann nicht sonderlich höflich. (z. B. Maier, Sie sollen verschwinden, habe ich gesagt!)

  • Beim Duzen (Du-Verhältnis) wird, wenn es korrekt eingesetzt wird, auch bei der Anrede eine vertraulichere Form gewählt. Beruht das Duzen aber nicht auf einer Vereinbarung zwischen den Kommunikationspartnern wirkt es schnell herabsetzend, zumindest aber unhöflich. (z. B. Du sollst abhauen, Hempel!)

Im geschriebenen Deutsch gibt es nicht so viele Anredeformen wie beim mündlichen Sprechen. In Briefen, ob privat, offiziell oder "halboffiziell" (privater Geschäftsbrief) gehört die Anrede als Briefeinleitung auch in ihrer Nebenfunktion als (mediostrukturelle) Positionsmarkierung  (vgl. Engel 1996, S.105) in jedem Fall dazu. In dieser Funktion signalisiert sie die besondere Gelenkstelle des Briefes, nämlich den Beginn des (Brief-)Haupttextes. (vgl. Engel 1996, S.105). 
Grundsätzlich muss die Anrede situationsangemessen und adressatenspezifisch der Beziehung des Verfassers und Empfängers des Briefes entsprechen. Damit gewinnt die Anrede auch eine kommunikationspsychologische Bedeutung (Beziehungsaspekt).

  • Beim →Siezen, im privaten Geschäftsbrief zum Beispiel (Sie-Verhältnis), verwendet man u. a. Formulierungen wie a) "Sehr geehrte Frau Müller", b) "Lieber Herr Dr. Lundt" c) "Sehr geehrte Damen und Herren". Jemanden ohne eine vollständige Anredefloskel schriftlich anzusprechen (z. B. "Herr Jung") gilt als schroff und unhöflich.

  • Beim →Duzen gibt es zum Ausdruck der Intensität der Beziehung verschiedene Varianten, die in der Regel mit dem Vornamen verbunden werden: a) "Lieber Jens" b) "Liebste Karla", c) "Meine liebe Astrid" d) "Geliebte Ingeborg".

 (vgl. Engel 1996, S.62-64)

Gert Egle. zuletzt bearbeitet am: 29.09.2013

 

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