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Sprechen als Handeln

Handlungsarten


Handlungen lassen sich nicht mit mentalen Komponenten wie Absicht, Bewusstheit oder Wille, sondern am besten mit verschiedenen Merkmalen sozialer Zuschreibung definieren. Aus diesen Überlegungen heraus kann man verschiedene Handlungsarten unterscheiden. (vgl. Holly 2001, S. 12-13)

Handeln wird noch häufig auf das rationale, verstandesmäßig begründete und reflektierte Handeln (= Rationalhandeln) reduziert. Wer einen Aufsatz genau gliedert, einen Richterspruch fällt oder ein Ehrenwort gibt, wird im Allgemeinen wohl gründlich überlegen und reflektiert handeln.
Im Alltag freilich ist unser Handeln in vielen Bereichen so eingespielt und automatisiert, dass wir nur noch routinemäßig vorgehen (= Routinehandeln). Beim Radfahren, Schwimmen oder Gehen brauchen wir unter normalen Umständen nicht mehr zu überlegen, wie man die entsprechende Handlung ausführt. Wir greifen dabei auf verschiedene Schemata zurück, die neben der Wahrnehmung und der Informationsverarbeitung steuern Schemata eben  auch das (Routine-)Handeln steuern. So können wir mit Hilfe von Schemata Bestandteile von Ereignissen (Ereigniskonzepte) erfassen. Statt unser Wissen über stereotype Ereignisse auf Einzelheiten (Konzepte) zu stützen, werden Schemata herangezogen, um das Handeln zu steuern. So wird beim Besuch eines Kinos das entsprechende Ereignisschema aktiviert, das den Weg zum Kino, das Lösen der Eintrittskarten, das Kaufen von Süßigkeiten und Erfrischungen, das Ansehen des Films und das Verlassen des Kinos und die Beziehung dieser Elemente zueinander in einer Wissensstruktur organisiert. Die einzelnen Elemente des Ereignisschemas stellen Leerstellen (Slots) dar, die entweder mit den jeweils besonderen Ausprägungen des stattfindenden Ereignisses oder aber mit dafür typischen Werten (Default-Werten) besetzt werden
Auch wenn Routinehandeln also nicht mehr bewusst kontrolliert wird, geschieht es doch absichtlich und willentlich. Wenn wir freilich handeln, ohne dass dies unser Wille ist, dann verfolgen solche erzwungenen oder widerwilligen Handlungen zwar auch eine Absicht, doch ändert sich damit der Charakter dieses Zwangshandelns nicht. Wer unter der Folter ein Geständnis abgibt, tut dies eben nur unter Zwang. In Fällen, bei denen eine Handlung ohne jede Absicht vollzogen wird, sprecht man von Versehenshandlungen. Allerdings kann man natürlich für derartige Versehenshandlungen ebenfalls zur Verantwortung gezogen werden.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 29.09.2013

       

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