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Sprechakte

Überblick


Die so genannte »Sprechakttheorie wurde von »John Austin (1911-1960) begründet und »John R. Searle (geb. 1932) weiterentwickelt. Sprechen wird in dieser Theorie als kommunikatives und soziales Handeln verstanden. Sprechen ist demnach eine sprachliche Handlung.

In einem einzelnen Sprechakt werden dabei gleichzeitig drei bzw. vier Teilakte vollzogen.

Man unterscheidet folgende Teilakte eines Sprechaktes:

Linke/Nussbaumer/Portmann (2. Aufl., 1994, S.187) haben die vier Teilaktes eines Sprechaktes (nach J. R. Searle) in einer Matrixdarstellung am Beispiel der Äußerung <Der Hund ist bissig> dargestellt, welche die zentralen Aspekte umfasst, die bei der "klassischen" Sprechakttheorie grundlegend sind:

Der Äußerungsakt

So ist das, was die Person in der untenstehenden Abbildung sagt, zunächst einmal eine die Äußerung von Lauten, Wortformen und/oder Sätzen, die wohlgeformt sein können oder nicht. (vgl. Linke/Nussbaumer/Portmann, 2. Aufl., 1994, S.187). Das "Autsch" als Ausruf, wenn man einen Schmerz empfindet, ist natürlich nicht sonderlich "wohlfgeformt", insbesondere wenn er von einem prosodischen "Gegrummel" begleitet wird. Der Ausruf rutscht einem mit hoher Wahrscheinlichkeit als eine Art sprachliche Reflexhandlung heraus, auch wenn ihn niemand hören kann. In einem solchen Fall hat man nicht die Absicht zu kommunizieren, das "Autsch" ist somit eine Äußerungsakt auf der einfachsten Stufe, vergleichbar etwa den SingSang-Reimen beim Seilspringen oder den Auszählreimen oder dem Singen von Tonleitern zur Stimmschulung. (vgl. www.mediamanual.at, 3.6.2012) (Äußerungsakt).

Der propositionale Akt

Propositionale Akte beinhalten "Aussagen über die Welt" (Linke/Nussbaumer/Portmann, 2. Aufl., 1994, S.189). Mit dem propositionalen Akt gibt man "die Bedeutung der Äußerung im engeren Sinn wieder". (Engel, 2. Aufl. 2009; S.34) Zugleich wird im Vollzug des propositionalen Akt  eine prinzipiell wahre oder unwahre Proposition (hier etwa: eigentlicher Satzinhalt, Sachverhaltsbeschreibung) realisiert. Zugleich schafft das Vollziehen eines propositionalen Aktes unter zwei Bedingungen wichtige Voraussetzungen für die Kommunikation des Sprechers mit seinem Kommunikationspartner: Erstens müssen beide dieselbe Sprache sprechen bzw. denselben sprachlichen  Code verwenden und zweitens müssen sie beide auch das Objekt kennen, auf das der Sprecher referiert.

In der Theorie Searles besteht der propositionale Akt aus zwei verschiedenen Teilakten, und zwar, dem Referenz- und Prädikationsakt.

  • Mit dem Referenzakt bezieht man sich mit einer sprachlichen Äußerung auf ein Objekt.
  • Der Prädikationsakt ordnet einem Objekt, auf das sich die sprachliche Äußerung bezieht, eine Eigenschaft zu. So erhält das Haus, auf das sich die sprachliche Äußerung in der nebenstehenden Abbildung als Objekt bezieht, die Eigenschaft "schön" zugeordnet. Dabei ist es egal, ob diese Prädikation als Behauptung, Frage, Befehl etc. formuliert wird (= illokutionäre Akte, →Illokutionsakt). So prädiziert also auch die Frage "Ist das Haus schön?" das Objekt, auf das es es sich bezieht (referiert).

Der illokutive Akt

Der Illokutionsakt, der auch illokutionärer oder illokutiver Akt genannt wird, "stellt den Handlungstyp der Äußerung" (Engel, 2. Aufl. 2009; S.34) dar und besteht im Vollzug einer bestimmten konventionalisierten Sprechhandlung, die glücken oder nicht glücken kann. (vgl. (Linke/Nussbaumer/Portmann, 2. Aufl., 1994, S.188) Man kann in ihm den wichtigsten Aspekt des Sprechaktes sehen, weil er, wie Searle meint, zur Bedeutung einer Äußerung hinzugehört. Nur so kann der Adressat einer Äußerung die Intention des Sprechers erfassen und erkennen, "dass etwas versprochen wird, das vor etwas gewarnt wird, dass neue Information mitgeteilt werden soll usw." (ebd.)

Das nachfolgende, anschauliche Beispiel für die Bedeutung des illokutiven Aktes findet sich auf  (www.mediamanual.at, 3.6.2012

"Ich bin müde"
Kontext Intention Bedeutung Art des Aktes
Ein Freund hat sich gerade nach meinem Befinden erkundigt. Die Frage beantworten Ich fühle mich erschöpft Feststellung
Jemand, dem ich lieber aus dem Weg gehe, fragt mich, ob ich tanzen gehen möchte. Höflich ausweichen Ich möchte eigentlich nicht. Feststellung
Mein Mann und ich sehen uns ein Fußballmatch im Fernsehen an. Etwas anderes tun Können wir das abdrehen? Frage oder Wunsch
Es ist spät und meine kleinen Kinder wollen ins Kino gehen. Kinder ins Bett bringen Nein, geht zu Bett. Anordnung

Der perlokutive Akt

Die Perlokution ist der Aspekt eines Sprechakts, bei dem es um die Wirkung auf die angesprochene Person geht, die Art und Weise wie sie durch das Gesagte beeinflusst werden kann. Dies kann erfolgreich sein oder nicht. Der perlokutionäre Akt geht dabei über die Illokution hinaus, will eine bestimmte Wirkung erzielen beim Drohen, Kränken, Trösten, Verunsichern, Überreden, Überzeugen usw. Der perlokutive Akt wird also "»hinzugefügt«, sofern der beim Hörer erreichte Effekt als solcher . wie etwa im Fall des Überzeugens - eigens bezeichnet wird." (Metzler Lexikon Sprache, 1993, S..592)

<Der Hund ist bissig>

An diesem Beispiel zeigen Linke/Nussbaumer/Portmann (2. Aufl., 1994, S.191), dass "das Verhältnis zwischen sprachlichen Ausdrücken und Illokutionen bzw. Perlokutionen ein mehr-mehr-deutiges" ist. Dabei zeige sich ihrer Ansicht auch, dass der propositionale Gehalt einer Äußerung in der Regel zwar eine wichtige, aber nicht die alleinige Rolle für das Zustandekommen einer bestimmten Illokution/Perlokution spiele. So genüge es eben nicht einfach etwas zu sagen, um den anderen vom Kraulen des Hundes abzuhalten, aber man könne dieses Ziel mit etlichen Äußerungen anstreben. So könnte man beispielweise äußern, wenn man als Hundebesitzer jemanden davon abhalten wolle, in der Straßenbahn den Hund zu streicheln, Folgendes sagen: »

  • "Würden Sie das bitte lassen", oder

  • "Mein Hund ist bissig", oder

  • "Ich würde ihm nicht zu nahe kommen", oder

  • "Haben Sie es gern, wenn ihnen wildfremde Leute den Kopf kraulen?" usw. «

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 29.09.2013

      

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