Paper
(engl. "Papier); 1) allgemein: schriftliche Unterlage, Schriftstück; 2)
Bezeichnung für eine Zusammenstellung von Texten und Bildern, die an keine
klaren Kriterien zur inhaltlichen und/oder formalen Gestaltung gebunden ist;
häufig im Zusammenhang gesehen mit Materialien, die bei einer Präsentation
oder einem Vortrag an die anwesenden Personen ausgeteilt werden; mitunter
auch synonym verwendet mit Handout oder Thesenpapier - vgl.
Handout,
Thesenpapier
Parabel
ein zu einer selbständigen Erzählung erweiterter
Vergleich; kann nur von einem Vergleichspunkt
(Bildebene) aus durch
Analogie auf einen gemeinten Sachverhalt (Sachebene) übertragen
werden; ohne direkten Verweis wie beim Gleichnis - vgl.
Gleichnis,
Literatur, parabolische
Paradox
Scheinwiderspruch Beispiel: Merkwürdig, wie wenig im
ganzen die Erziehung verdirbt.
Parallelismus, grammatischer:
eindeutige Gleichordnung von Satzkonstruktionen Beispiel: Heiß ist die Liebe, kalt
ist der Schnee...
Paraphrase 1) verdeutlichende Umschreibung oder Wiedergabe eines Textes in derselben
Sprache, um z.B. bei einer Interpretation den Sinn einer Äußerung herauszustellen; 2)
freie, oder auch nur sinngemäße Übertragung eines Textes in eine andere Sprache 3)
in der Musik: freie, meist virtuose Konzertphantasie über beliebte Melodien - vgl.
paraphrasieren,
sinngemäßes Zitieren,
Paraphrasieren
Form der sinngemäßen, inhaltlichen Wiedergabe eines Textes, der erläutert und ggf.
erweitert wird; in
schulischen
Schreibformen wie
Textanalyse,
Texterörterung oder Textinterpretation
häufig problematisch, wenn die eigenen geistigen Leistungen des Schülers nicht über die
Paraphrase hinausgehen - vgl.
Paraphrase,
sinngemäßes Zitieren,
Parasoziale Interaktion
In den 1950er Jahren geprägter soziologischer Begriff zur Bezeichnung
intrapersonaler Vorgänge, bei denen Kommunikationsphänomene unter
Zwischenschaltung von Technik bzw. Medien so niederschlagen, als seien sie
eine "echte" Begegnung von Angesicht zu Angesicht; zwar bleibt der für die
Massenkommunikation typische "Einbahnstraßencharakter" erhalten, aber trotz
des Fehlens einer "wirklichen" sozialen Beziehung bilden sich beim Sender
und beim Empfänger besondere Formen der gegenseitigen Bezugnahme heraus
(z.B. Formulierungen, mit denen Anonymität überbückt werden soll; Beispiel
Sprecher/-in einer Nachrichtensendung: "Guten Abend, meine Damen und
Herren!" oder "Abschiedsfloskeln wie "Eine schöne und geruhsame Nacht!" -
vgl. Interaktion
Parasprache
1) meist metaphorisch verwendete Bezeichnung für sämtliche nichtsprachlichen
Mittel, die für die Kommunikation von Bedeutung sind, z. B. Mimik, Gestik,
Lautstärke, Sprachtempo 2) Merkmale der Sprache im Bereich der
suprasegmentalen Merkmale die nicht zu den
prosodischen
Merkmalen gehören wie z. B. Flüstern, das signalisieren soll, dass eine
bestimmte Mitteilung vertraulich ist- vgl. paraverbale Merkmale
suprasegmentalen Merkmale
Parataktischer Stil
sprachliche Darstellungsform, bei der die Abfolge von Hauptsätzen (Parataxe) dominiert;
vgl. Parataxe,
hypotaktischer Stil,
Satzverbindungen,
Satzfiguren Beispiel: Es ist heller Mittag, und es ist
schön. Das Haus ist weiß. An der Seite steht ein Stall. Auch der Stall
ist weiß. Und hier ist der Garten. Ein Stückchen den Berg hinunter steht
schon das nächste Gehöft, und dann kommt das Dorf, am Fluss entlang, und
die Chaussee biegt heran und geht vorbei und noch einmal auf den Fluss zu
und wieder zurück in den Wald. Es ist schön. Und es ist heller Mittag.
Unter dem Apfelbäumchen dreht sich die alte Frau. Sie schwenkt die
bloßen Arme. Liebe Sonne, brenn mich, brenn mich. (Johannes Bobrowski,
Brief aus Amerika)
Parataxe
auch: Satzreihe; Form der Satzverbindung, bei der selbständige Sätze aneinandergereiht
und miteinander verbunden sind - vgl.
parataktischer Stil,
Hypotaxe,
Satzfiguren
Paratext
nach
»»Gérard Genette äußerliches, peripheres Strukturelement von Texten wie
z. B. Titelseiten, Kommentare zu einem Buch auf der Rückseite, im Vorspann
abgedruckte Ausschnitte aus Rezensionen, Informationen zu einem Autor und
seinem Werk, Hinweise auf Werke eines Autors, die im selben Verlag
erschienen sind, Inhaltsverzeichnis, Vorwort, Einführungen, erklärende
Anmerkungen des Herausgebers, Bibliographien; im dramatischen Text auch
Nebentext; Funktion: Erleichterung der Orientierung in gedruckten Texten
und Ermöglichung einer schnelleren Aufnahme der präsentierten Informationen
- vgl. Epitext, Peritext,
Parenthese
rhetorische Figur: grammatisch eigenständiges Einschiebsel in einen Satz;
dabei wird zwar der grammatische Zusammenhang unterbrochen, aber die
syntaktische Ordnung des Satzes nicht; unterschiedlicher Umfang; Inhalt
meist eine Mitteilung, die zwar erwünscht, aber nicht unbedingt nötig
ist; Zeichensetzung: zwischen Gedankenstrichen stehend - vgl.
Sinnfiguren,
rhetorische Figuren
Zur Rechtschreibung:
a) mit Komma (§ 77):Eines Tages, es war mitten im Sommer, hagelte es. Dieses Bild, es ist
das letzte und bekannteste des Künstlers, wurde nach Amerika verkauft.
Ihre Forderung, um das noch einmal zu sagen, halten wir für wenig
angemessen.
b) Gedankenstrich (§ 84):
Eines Tages – es war mitten im Sommer – hagelte es. Eines Tages – es war
mitten im Sommer! – hagelte es. Eines Tages – war es mitten im Sommer? –
hagelte es. Dieses Bild – es ist das letzte und bekannteste des Künstlers
– wurde nach Amerika verkauft. Ihre Forderung – um das noch einmal zu
sagen – halten wir für wenig angemessen.
c) mit Klammern (§ 86):
Eines Tages (es war mitten im Sommer) hagelte es. Eines Tages (es war
mitten im Sommer!) hagelte es. Eines Tages (war es mitten im Sommer?)
hagelte es. Dieses Bild (es ist das letzte und bekannteste des Künstlers)
wurde nach Amerika verkauft. Ihre Forderung (um das noch einmal zu sagen)
halten wir für wenig angemessen.
Parodie
In der Literatur Bezeichnung für Werke, die ein schon vorhandenes
"ernst gemeintes", den Adressaten der Parodie im Allgemeinen als
bekannt vorausgesetztes Werk eines anderen unter Beibehaltung äußerer
Formelemente, aber mit nicht dazu passendem Inhalt verspotten, verzerren
und damit auch kritisieren will (Ggs.
Travestie)
- vgl.
Travestie
Paronomasie
rhetorische Figur; Wortumbildung; Spiel mit klangähnlichen Wörtern; 1.
Wörter desselben Stammes mit bestimmten Bedeutungsunterschieden werden
zusammengestellt, z. B. "wer sich auf den verlässt, der ist
verlassen." 2. Wörter verschiedener Herkunft und Bedeutung, aber mit
gleicher oder ähnlicher Lautung werden zusammengestellt; auch
Parechese genannt; z. B. "kümmert sich um den
Krug mehr als um den Krieg" (Schiller, Wallensteins Lager) Beispiel: "ein messer mehr als eine messe" (Hoffmannswaldau in der
Grabschrift auf Heinrich IV. = Anspielung auf einen angeblichen Ausspruch
Heinrich IV,, wonach Paris eine Messe wert sei und auf seine Ermordung durch
Ravaillac im Jahr 1610)
Partikeln
Wortartgruppe; Bezeichnung in verschiedenen Grammatiken nicht einheitlich:
1)
Heringer 1989
zählt zu den unveränderlichen Wortarten: Partikeln,
Adverbien,
Präpositionen,
Konjunktionen
und Interjektionen 2)
DUDEN
- Grammatik der deutschen Gegenwartssprache 1973: Partikeln sind
Adverbien, Konjunktionen, Präpositionen 3)
Engel
1996,
Hinze 1968
Partikeln bezeichnet die gesamte Gruppe der unveränderlichen Wortarten
als Partikeln; Formen von Partikeln i. e. S.: Modalpartikeln
(sicherlich, zweifellos), Rangierpartikeln (eigentlich, erstens,
erstaunlicherweise), Gradpartikeln (sogar),
Kopulapartikeln (angst (sein),
quitt (sein)), (doch, eben, wohl) - vgl.
Partitur
in der Musik: übersichtliche und Takt für Takt geordnete Zusammenstellung
aller zu einer vielstimmigen Komposition gehörenden Stimmen, die in
Notenschrift auf einzelnen übereinander liegenden Liniensystemen angeordnet
sind
Partiturnotation
von
K. Ehlich und J. Rehbein (1976) entwickeltes
Transkriptionssystem für lautsprachliche Äußerungen im Gespräch
(Halbinterpretative Arbeitstranskription (HIAT)), das später um
intonatorische Phänomene und die Notation nonverbaler Aspekte erweitert
wurde (Ehlich 1979, Ehlich/Rehbein 1979, Ehlich 1993); das
Transkriptionssystem knüpft an konversationsanalytische
Transkriptionsverfahren an; Verschriftlichung auf der Grundlage der sog.
Partiturschreibung, d. h. verschiedene Sprecher werden parallel notiert,
ohne dass auf die Zeilennotation oder Seitenformate geachtet werden muss;
Standardorthographie mit der darin üblichen Verwendung der
Interpunktionszeichen; eignet sich besonders für Gespräche mit vielen
Gesprächsteilnehmern, die kürzere Beiträge äußern, bei denen der Sprecher
häufig wechselt und in denen häufig paralleles Sprechen vorkommt (vgl.
Brinker/Sager 1989, S.41) - vgl.
Gesprächsanalyse,
Transkription,
Notation,
Textnotation
Partizip
auch:
Mittelwort;
infinite
Verbform; Formen: Partizip I (Partizip Präsens), Partizip II
(Partizip Perfekt); auch Mittelwort, weil P. Mittelstellung zwischen Verb
und Nomen oder Verb und Adjektiv einnimmt; (a) Partizip I:
wird gebildet mit Infinitiv und Endung -d; charakterisiert Verlauf,
Vorgang, Zustand ohne zeitliche Begrenzung; als Nomen und Adjektiv
gebraucht; wird dekliniert; kann eigenständiges Satzglied oder Attribut
sein; als satzwertiges Partizip anstelle eines Nebensatzes (b) Partizip
II: wird verwendet in der 3. Stammform des Verbs zur Bildung der
zusammengesetzten Tempusformen (Perfekt, Plusquamperfekt); charakterisiert
ein vollendetes Geschehen oder einen Zustand; Beispiele: Partizip I: stolpernd, kochend,
glänzend - der Ankommende, der ankommende Besucher - das Glitzernde, ...
dem Glitzernden - Sie empfand es als störend. - Die störenden Blicke
gingen ihr zu weit. - Partizip II: Sie ist gegangen. - Er ist
geschlagen worden. - Sie hat studiert.
Partnerbezogene Sprechakte
Gruppe von Sprechakten, die darauf abzielen, das vorhandene Wissen, das
Verhalten oder die Beziehung der Gesprächspartner zueinander zu
beeinflussen; Typen:
Mitteilungsakte,
Ausgleichsakte, Personen festlegende Sprechakte - vgl.
Engel
1996, S.35f.) - vgl.
Sprechakte,
Pentameter
gr. "Fünffüßler"; Versmaß. das in der deutschen Sprache aus sechs
Daktylen besteht; dabei können die ersten zwei durch Spondeen
oder
Trochäen ersetzt werden; der
dritte und der letzte Versfuß ist senkungslos (katalektisch); velangt wist
außerdem eine Zäsur nach dem dritten Fuß Beispiele: Aber der große Moment findet ein kleines Geschlecht
(Goethe/Schiller in ihren Xenien) - vgl.
Hexameter
Performanz
aktuelle Sprachverwendung, konkrete Realisierung von Ausdrücken in
bestimmten Situationen bei gleichzeitigem Vorhandensein aller möglichen situativen
Unzulänglichkeiten (z.B. Stottern, Versprechen, Unterbrechung, Gedächtnisschwäche,
Redundanz etc.) beim jeweiligen Sprecher - vgl.
Pragmatik
Performative Äußerung
Verwendungsweise von Verben, die sprachliche Handlungen beschreiben; daher
auch Sprechaktverben genannt; wenn ein Sprecher eine performative
Äußerung macht, vollzieht er damit eine bestimmte Handlung, die das Verb
beschreibt. - vgl.
Sprechakte
Periode
rhetorisches Mittel auf Satzebene; eine gegliederte Satzeinheit oder eine
Folge von mehreren in inhaltlicher Hinsicht eng aufeinander bezogenen
Sätzen; Funktion: Kombination oder Kontrastierung mehrerer
gleichgerichteter oder gegensinniger Gedanken
Peripetie
Handlungselement im Drama, das einen Umschwung in der Entwicklung auf ein
gutes oder böses Ende bringt; dabei wird eine sich vorher angebahnte
Entwicklung zunichte macht; in der Tragödie meist der Wendepunkt, an dem
der tragische Held die Möglichkeit einer autonomen Entscheidung im
Handeln verliert; in der fünfaktigen Tragödienform (geschlossenes
Drama) befindet sich die P. am Ende des 3. Aktes bzw. Beginn des 4.
Aktes; im dreiaktigen Drama am Ende des 2. Aktes bzw. am Beginn des 3.
Aktes- vgl.
Drama,
geschlossenes
Drama, pyramidaler Aufbau,
Periphrase
rhetorisches Stilmittel: Umschreibung einer Person, einer Sache oder eines
Begriffes durch Tätigkeiten, Eigenschaften oder Wirkungen, die es
kennzeichnen vgl.
Peritext
nach
»»Gérard Genette äußerliches, peripheres Strukturelement von Texten, das
dem Verleger zugeordnet werden kann; z.B. Format; Reihe, in der das Werk
erscheint; Aufmachung des Umschlags und der Titelseite - vgl.
Paratext,
Epitext
Permutation
1. Vertauschung, Umstellung; im Zusammenhang mit rhetorischen
Änderungsoperationen: Umstellung zweier oder mehrerer Elemente 2.
Umstellen einer Reihenfolge einer Zusammenstellung mathematischer Größen
3. Umstellung aufeinander folgender sprachlicher Elemente durch strenges
oder unsystematisches Durchspielen möglicher Kombinationen = Platzwechsel
einzelner Worte, Satzglieder, Verse; häufige Form im Umfeld der
konkreten
Poesie - vgl.
rhetorische
Änderungsoperationen
Personal
1. im dramatischen Text Ensemble der auftretenden Figuren, die in
vielfältigen Korrespondenz- und Kontrastrelationen zueinander stehen,
Haupt- und
Nebenfiguren, aber
keine Hintergrundfiguren (backstage characters) (vgl.
Pfister
1977, S. 225)- vgl.
Drama,
Dramentheorie,
Figur,
backstage
character,
Nebenfigur
Personifikation Vermenschlichung eines abstrakten
Begriffes (Welt, Liebe, Tod), von Kollektiva (Städte, Länder), Naturphänomenen (Regen,
Abendrot, Flüsse), Tieren (vgl. Fabel) Gegenstandes; besondere Form der
Anthropomorphisierung bzw.
Allegorie; - vgl.
Allegorie,
Bild,
Symbol Beispiel: Die Revolution frisst ihre
Kinder. - "Vater Rhein" (Hölderlin) - "Gevatter Tod" (Claudius) -
"Schwager Chronos" (Goethe)
Perspektivfigur
in der Erzähltheorie Bezeichnung für die Wahl eines subjektiven,
begrenzten Blickpunktes einer oder mehrerer Figuren beim personalen
Erzählen, deren äußere Wahrnehmung von der jeweiligen
subjektiv-psychologischen Sichtweise eingegrenzt ist, (Außensicht
auf andere Personen); gleichzeitig meist starke Betonung der Gedanken,
Gefühle und Erinnerungen der Perspektivfigur, d.h. Dominanz der inneren
Handlung (Innensicht) - vgl.
Vogt
1990, S.54 - vgl.
personales Erzählen,
Reflektorfigur
Perspektivraum Raumtyp der
Raumgestaltung im epischen Text: Raum
und Raumelemente werden in ihrer von einer Figur wahrgenommenen, erlebten Art
(Perspektivierung) dargestellt; im Bewusstsein oder Unterbewusstsein der Figuren erscheint
der Raum und seine Elemente als vertraut/fremd, freundlich/feindlich,
verständlich/unverständlich; der Raum wird gesehen als Idylle, Arbeitsraum,
alltäglicher Lebensraum, phantastischer, unheimlicher, grotesker, halluzinatorischer Raum
Perzeption
1) allg. Wahrnehmung 2) sprachpsychologisch sämtliche Prozesse, in denen
sprachliche Informationen akustisch oder visuell wahrgenommen, strukturiert,
verarbeitet und verstanden werden (aktive Sinngebungsprozesse)
Phantasieerzählung
Darstellungsform des Aufsatzes
Erzählung;
Gestaltung eines frei erfundenen Geschehens nach den Aufbauprinzipien
Spannung und Höhepunkt / Lösung - vgl.
Erzählung
Plagiat
unrechtmäßige Nachahmung bzw. Veröffentlichung eines künstlerischen oder
wissenschaftlichen Werkes, das von einem anderen geschaffen worden ist
(Urheberrecht); Diebstahl geistigen Eigentums; auch
ein ganzes künstlerisches oder wissenschaftliches Werk, das auf diese Weise
entstanden ist, wird als Plagiat bezeichnet.
Pleonasmus
meistens überflüssiger, synonymer Zusatz zu einem Wort oder einer
Redewendung; auch als Stilfehler möglich: der weiße Schimmel, neu
renoviert); zur nachdrücklichen Betonung: ich habe es mit meinen eigenen
Augen gesehen - vgl.
Wortfiguren,
Tautologie Beispiele: Ich habe es mit meinen eigenen Augen
gesehen. -
Plot
1. gleichartiges Inhaltselement in unterschiedlichen Dichtungen; beim Plot bleiben die
zeitlich zusammenhängende Folge fiktiver Ereignisse und ihre zeitliche und/oder
motivierende Verknüpfung die gleichen.2. Handlungsschema im Gegensatz zur
Geschichte (story); im Drama Bezeichnung für die Handlungsstruktur eines
Stückes, die die vom Autor intendierten Zuschauerwirkungen erreichen
soll; auch verwendet als Synonym für Dramenhandlung im Vergleich zur
Geschichte (story), die mehr als die Bühnenhandlung umfasst - vgl.
Thema,
Motiv,
Stoff,
Story,
Dramaturgie Beispiel: Das Märchen "Von den Fischer un siine Fruu" der
Brüder Grimm wird von Othmar Schoeck in seiner dramatischen Kantate "Vom Fischer und
syner Fru" zwar in eine andere Gattung übertragen, aber im Übrigen genau bewahrt.
Poetik
Teilbereich der Ästhetik; Bezeichnung für die Lehre bzw. die Theorie der
Literatur; ehemals Regelpoetik, heute vornehmlich Abweichungs- und
Verfremdungspoetiken
Polyptoton
Wiederholung desselben Wortes in verschiedenen (Flexions-)Formen, Beispiel: Auge um Auge; homo
hominis lupus
Polysyndeton
rhetorische Figur in Form der sog. syndetischen Reihung; Verknüpfung
mehrerer gleichgeordneter Wörter, Wortgruppen, Satzteile oder Sätze durch
dieselbe
Konjunktion - vgl.
rhetorische Figuren,
Asyndeton Beispiel: "und es wallet und siedet und brauset und
zischt" (Schiller,
Der Taucher)
Prädikation
1. Bezeichnung für das Verfahren, bestimmten Personen, Ereignissen,
Dingen oder Sachverhalten bestimmte Eigenschaften oder Attribute
zuzusprechen oder abzusprechen; 2. semantisch Bezeichnung dafür, dass
einem durch das Subjekt eines Satzes bezeichneten Gegenstand die im Prädikat
ausgedrückte Eigenschaft zu oder abgesprochen wird 3. pragmatisch, in
der
Sprechakttheorie J. R. Searles, Bezeichnung für einen Bestandteil
des
propositionalen Aktes, der den neben dem
illokutionären Akt, den zweiten (grammatisch abhängigen) Teil einer
Sprechhandlung repräsentiert; bestehend aus Referenz (= Setzung eines
Kommunikationsgegenstandes; syntaktisch repräsentiert durch Eigennamen,
Pronomen, andere Pronominalgruppen) und der Prädikation (= Zuordnung von
Eigenschaften zum gesetzten Gegenstand, syntaktisch repräsentiert durch
Prädikate);
(vgl.
Brinker 1997, S.26)
Prädikativsatz
Gliedsatz, bei dem der untergeordnete Nebensatz anstelle des Satzgliedes
Prädikativum steht; - vgl.
Gliedsatz Beispiele: Der Film war, wie es vorher erzählt
worden war. (= Der Film war langweilig. (Prädikativum)) -
Ferdinand war, was er sich gewünscht hatte. (=Ferdinand war Mittelstürmer
(Prädikativum))
Pragmatik
Lehre von der Sprachverwendung (Performanz) unter Bezugnahme
auf die jeweilige Sprechsituation und ihren Einfluss auf Inhalt und Art der
Sprachhandlung, auf die jeweilige verbale Strategie der Sprachbenutzer (Sprecher/Schreiber
oder Hörer/Leser); untersucht wird nicht die abstrakte
Kompetenz eines idealisierten
Sprechers, sondern immer konkrete sprachliche Äußerungen bestimmter Personen zu einer
bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort. - vgl.
Performanz,
pragmatisch,
pragmatischer Text
pragmatisch
1. allgemein: sachbezogen, sachlich, auf Tatsachen beruhend;
anwendungs-, handlungs- bzw. sachbezogen; 2. linguistisch: die
Sprachverwendung betreffend, die
Pragmatik betreffend
Prämisse
Voraussetzung; logisch: Vordersatz eines logischen Schlussverfahrens;
Prämissen liefern im Argument bzw. im Rahmen einer Argumentation Gründe,
damit eine bestimmte Konklusion (Schlussfolgerung/These) akzeptiert werden
kann - vgl.
Argument,
Argumentation,
Konklusion,
Syllogismus,
Präposition
unveränderliche Wortart; auch: Verhältniswort; vgl.
unveränderliche
Wortarten Beispiele: wegen, mit, auf, gegen, beim
Präsentationstechnik
Form der Darstellung von Sachverhalten, Arbeitsergebnissen usw. vor einem
Publikum; Typen: mündliche Formen, rein audiovisuelle Formen - vgl.
Referat,
Facharbeit
Précis
(frz. le précis = kurze Zusammenfassung, Übersicht, Abriss); kurze, aber
sehr präzise Form Inhaltsangabe/Inhaltswiedergabe; im Gegensatz zur
schulischen Schreibform Inhaltsangabe gilt: a) Stil und Standort des
Originalverfassers muss beibehalten werden, b) Originaltext muss auf ein
Drittel des Ausgangstextes bei Beibehaltung der Stilmerkmale gekürzt werden
(+ 10%) c) keine Veränderung der Gedanken des Ausgangstextes, keine
Interpretation und kein willkürliches Weglassen wesentlicher Gedanken d)
andere, aber den inhaltlichen Kern der Textvorlage treffende Überschrift e)
Wiedergabe des Ausgangstextes mit eigenen Worten in Form eines
zusammenhängenden Texts
- vgl.
schulische Schreibformen,
Inhaltsangabe,
Summary,
Klappentext,
strukturierte Textwiedergabe
Primärliteratur
frz.: primaire = zuerst vorhanden; meist literarische oder philosophische Werke, die von
der diese erklärenden Sekundärliteratur interpretiert werden - vgl.
Sekundärliteratur
Printwerbung
Textsorte der Werbung, meist gleichgesetzt mit Werbeanzeigen bzw.
Anzeigenwerbung; Zusammenspiel von bild und Text - vgl.
Werbeanzeige
Privatbrief
Form des Briefes; schriftliche
Mitteilung, die formal weitgehend frei gestaltbar ist; geprägt durch die
Beziehung zwischen dem Verfasser und dem Empfänger des Briefes
("persönliche Note") - vgl.
Brief,
Geschäftsbrief
Produktive
Textarbeit
Sammelbegriff für verschiedene Verfahren des nicht-analytischen,
erfahrungsorientierten, kreativen, konkretisierenden oder
transformierenden Umgangs mit Literatur; Formen (häufig miteinander
kombiniert): textproduktive, szenische, akustische und visuelle
Gestaltungen - vgl.
szenische
Interpretation,
Textarbeit,
textproduktive
Gestaltung,
Pro-Formen
auch: Verweisformen; in der
Textlinguistik:
Kohäsionsmittel, mit
denen auf der
Textoberflächenstruktur
Verknüpfungen zwischen einer weitgehend inhaltsleeren Pro-Form und einem
Bezugselement des vorhandenen sprachlichen Kontextes hergestellt werden
kann; weitgehend inhaltsleere Pro-Form fungiert als eine Art
Suchanweisung, um es mit Inhalt (Bezugselement, Referenzbezug) zu füllen
(vgl.
Linke
u.a. 1994, S.218); Pro-Formen:
Pronomina,
Adverbien,
Pronominaladverbien
(z.B. dort, da), Demonstrativpronomen (z.B. dieser, diese); Verweisrichtungen:
a)
Rückverweis
(anaphorisch) b)
Vorverweis
(kataphorisch) Beispiele: Das ist Anna. Sie ist Schülerin.
- Peter geht in die Disco. Es gefällt ihm dort. - Ich
möchte eine Party, wo nicht nur schräge Musik läuft. Darauf
kommt es mir vor allem an. - Es war einmal ein Mädchen. Das
hatte einen Teddybär. Der hatte ein Ohr verloren. - Viele
ältere Schüler gehen morgens zur Schule, danach kurz zum Mittagessen,
arbeiten nachmittags in irgendeinem Geschäft und verschwinden abends in
die Kneipe. Das alles kann nicht so leicht unter einen Hut
gebracht werden.
Prolog
Ein dem dramatischen Text (manchmal auch in epischen Texten)
vorgeschalteter Teil (Vorrede), der entweder in die dramatische Handlung
integriert oder selbständig szenisch inszeniert ist; vorgetragen von
spielinterner oder spielexterner Figur in monologischer oder dialogischer
Vermittlung; Funktionen: Begrüßung und u. U. Huldigung des Publikums,
expositorische Informationsvergabe über das Stück, bestimmte
Handlungsstränge, Vorausdeutungen über das Dramenende,
ideologiekritische, moralische, sozialkritische Reflexionen und
Erörterungen - vgl. dramatische Rede, Epilog
Proposition
1. In der Logik: Aussage, Urteil 2. In der Rhetorik: Die P. enthält den
Ausgangspunkt, den Hauptgedanken, das Thema 3. In der
Sprechakttheorie Searles einer der drei in einem Sprechakt vollzogenen
Akte: Äußerungsakt, illokutiver Akt und propositionaler Akt;
eigentlicher Satzinhalt (Sachverhaltsbeschreibung) 4. manchmal auch
einfach Bezeichnung für einen Satz unter inhaltlichen Gesichtspunkten
oder für den in einem Satz ausgedrückten Gedanken(gang) - vgl.
illokutiver
Akt,
Illokution,
Sprechakte,
Sprechakttheorie, Sprechhandlungstheorie,
performative
Äußerung
Propositionaler Akt
In der Sprechakttheorie Searles einer der drei in einem Sprechakt
vollzogenen Akte: Äußerungsakt, illokutiver Akt und propositionaler Akt;
eigentlicher Satzinhalt (Sachverhaltsbeschreibung); besser:
propositionaler
Gehalt eines Sprechaktes - vgl.
Sprechakte,
Proposition,
illokutiver Akt
Propositionaler Gehalt
Um bessere Abgrenzung vom logischen Begriff der Proposition zu
ermöglichen, aber auch weil bei bestimmten sprachlichen Handlungen nur
Teile einer Proposition sprachlich artikuliert werden, statt des Begriffes
Proposition in der Sprechakttheorie bzw. Sprechhandlungstheorie verwendet.
- vgl.
Sprechakte,
Proposition
Prosa
die "natürliche", nicht durch formale Gestaltungsmittel
veränderte (=gebundene) regulierte Schreib- und Redeweise; Alltagsrede,
die etwas geradewegs auf ungezwungene Weise sagt, aber auch
ästhetisch-künstlerisch ausgestaltete Redeform in nicht-fiktionalen und
fiktionalen Texten (prosaischer Stil); verschiedene Möglichkeiten zur
Annäherung an die gebundene Rede z.B. durch Wortwahl, Bilder,
Metaphern,
Syntax und Rhythmisierungen der gebundenen Rede - vgl.
gebundene
Rede
Prosagedicht
Bezeichnung für Texte, die nur noch von ihrer äußeren graphischen Gestalt
her betracht Versgliederungen aufweisen
Prosodie
Sprachliche Lauteigenschaften, die neben den segmentalen Eigenschaften existieren bzw. diese überlagern (suprasegmentale Merkmale); Beispiele:
Akzent, Intonation, Pausen; prosodische Merkmale der Sprache und
suprasegmentale Merkmale der Sprache werden häufig als Synonyme verwendet;
differenzierter dagegen die Einteilung der Supragementalia in prosodische
und paraverbale Merkmale - vgl. suprasegmentale Merkmale,
paraverbale Merkmale
prosodisch
Eigenschaft von Merkmalen, die bei einer sprachlichen Äußerung Dauer
(Quantität), Tonhöhe und -stärke (Qualität) bestimmen, u. a.
Akzent,
Intonation, Rhythmus etc. - vgl.
Prosodie,
prosodisches
Merkmal,
suprasegmentale Merkmale
Protokollant
Schriftführer in einem Gespräch (Diskussion, Sitzung, Besprechung),
über die ein schriftlicher Bericht in Form eines Protokolls verfasst wird
- vgl. Protokollführer,
Protokoll
Proxemik
Teil nonverbalen Verhaltens in der nonverbalen Kommunikation; Annäherungs-
und Distanzverhalten zwischen Kommunikationspartnern - vgl.
nonverbale Kommunikation,
Körpersprache
Prüfungsfrage
unter inhaltlichem Aspekt: keine wirkliche Frage, da derjenige, der die Frage stellt, die
Antwort schon weiß - vgl.
Fragearten Beispiel: Wie viel ist eins und eins?
Psycho-narration
Begriff aus der Erzählforschung; Form der
Figurenrede;
stumme Rede;
Gedankenbericht,
der zu einer bildhaften Erzählung von Bewusstseinsinhalten benutzt wird;
Inhalte des Gedankenberichts können nicht von der Figur selbst
versprachlicht werden; thematische Schwerpunkte: 1. Gedanken und Gefühle
von Kindern, 2. Ironisierungen der Figur und ihrer Gedanken und
Empfindungen durch den Erzähler, 3. Träume, Halluzinationen, visionäre
Bilder- vgl.
Vogt 1990,
S.159f.
Vogt
1996, S.304 - vgl.
Figurenrede,
Gedankenbericht,
stumme
Rede Beispiel: "Und siehe da: plötzlich war es,
als wenn die Finsternis vor seinen Augen zerrisse, wie wenn die samtne
Wand der Nacht sich klaffend teilte und eine unermesslich tiefe, eine
ewige Fernsicht von Licht enthüllte ..."(Thomas Mann, Die
Buddenbrooks)
Pyramidaler Aufbau
dramaturgisches Aufbauprinzip des plots der dramatischen Handlung; auf die
Aristoteles-Rezeption zurückgehende, zunächst dreiteilige Dramenstruktur
(Ausgangslage, Entwicklung, Auflösung), die später von der fünfaktigen
Struktur abgelöst worden ist; beide Aufbaustrukturen basieren auf der
Symmetrie der dramatischen Handlung; für das Drama der geschlossenen Form
(Klotz 1969) von
Freytag
(1863) als Grundstruktur verlangt - vgl.
Drama,
Dramaturgie,
geschlossenes
Drama, Tektonik