Home
Nach oben
Zurück
Weiter
 

 

deu.jpg (1524 Byte)

Kontaktumgrenzung

Gruß


Der Gruß gehört eigentlich immer dazu, wenn sich Menschen begegnen. Selbst wenn man über einen Kurzkontakt im öffentlichen Raum, z. B. auf der Straße, nicht hinausgeht, ist es üblich sich auch im Vorübergehen auf irgendeine Art und Weise zu grüßen. Wer einen offenkundig empfangenen Gruß nicht erwidert, gilt im Allgemeinen als unhöflich, unfreundlich und/oder einfach ignorant. Beim Begrüßen und Verabschieden können weitere nonverbale, körpersprachliche Signale verwendet werden. Am häufigsten kommt wohl der Händedruck vor, dessen konkrete Anwendung allerdings sehr von der Kommunikationssituation und der Beziehung der Kommunikationspartner abhängt. Aber auch ein begleitendes Kopfnicken (Zunicken)kann zur Intensivierung des Kontakts beitragen. Genaueres versuchen Regeln zu den »Umgangsformen, kurz auch Benimmregeln genannt, festzulegen.

Nach ihrer Funktion betrachtet kann man Grüße unterscheiden in

Ferner unterscheiden sie sich danach, ob sie eher im Bereich der mündlichen oder schriftlichen Kommunikation oder auch in beiden Bereichen verwendet werden. (vgl. Engel 1996, S.60f.) Grüße gehören zu den kontaktumgrenzenden Sprechakten, die sowohl das Verhalten des Sprechers als auch das Partnerverhalten festlegen.

Eröffnungsgrüße

Als formelhafte Eröffnungsgrüße sind solche Sprechakte beim Beginn einer mündlichen Kommunikation oft noch geradezu obligatorisch. Dabei folgt dem Eröffnungsgruß häufig die Anrede (z.B. Guten Tag, Herr Moser!)
Sie können sich in der mündlichen Kommunikation dabei nach der Tageszeit richten, z.B. Guten Tag, guten Abend oder guten Morgen. Seltsamerweise haben wir im Deutschen keine Grußformel, die sich auf die Zeit von Mitternacht bis zum Morgen erstreckt. Sobald es anfängt zu dämmern, bis gegen Mitternacht, verwendet man die Grußformel "Guten Abend". "Gute Nacht" ist dagegen kein Eröffnungs-, sondern ein Abschiedsgruß.
Rund um die Uhr, d. h. also zu jeder Tageszeit, lassen sich Grußformeln wie "Grüß Gott", "Grüß dich", "Gruezi" (Schweiz), "Hallo", "Servus" oder "Hi" u. ä. verwenden. Zum Teil lassen sich solche Formen bestimmten Varietäten der deutschen Sprache zuordnen (z.B. Dialekte, Soziolekte).
In der schriftlichen Kommunikation spielen derartige Eröffnungsgrüße nur eine geringe Rolle, auch explizit-performative Grußformeln wie etwa "Ich (be-)grüße Sie" oder auch "Grüß dich" kommen hier im Grunde nicht vor. Allerdings hat sich das Bild im Rahmen der E-Mail-Kommunikation etwas gewandelt. Heutzutage sind es nicht mehr nur junge Leute, die schriftliche Ausführungen in Briefen und E-Mails mit der Grußformel "Hallo" ( z.B. "Hallo Herr Kisterberg") beginnen. (vgl. Engel 1996, S.60f.)

Abschiedsgrüße

Die üblichen Abschiedsgrüße, mit der in der mündlichen Kommunikation die Kontaktbeendigung signalisiert wird, können in den meisten Fällen zu jeder Tageszeit verwendet werden.
Am Ende eines Gesprächs sagt man z. B. (Auf) Wiedersehen, bis dann, servus, tschüss(i), ciao oder auch: man sieht sich. Dazu kommen weitere wortspielerische Abwandlungen wie z. B. "tschüsschen" oder "tschüssikowski". Welcher Abschiedsgruß passt, hängt dabei neben der Beziehung der Kommunikationspartner auch von den Rahmenbedingungen, dem gesamten Setting, der Kommunikation ab.
Sagt man, nachdem es schon dunkel geworden ist, "Gute Nacht", dann geht man gewöhnlich davon aus, dass man sich am gleichen Tag nicht mehr zu Gesicht bekommt bzw. der Gegrüßte über kurz oder lang zu Bett gehen wird.
In geschriebenem Deutsch, in Briefen jedweder Art, in Privatbriefen ebenso wie in (privaten) Geschäftsbriefen gehört ein Abschiedsgruß einfach dazu. Mehr oder weniger standardisierte Grußformeln sind bei letzteren obligatorisch und fungieren dort auch als Gliederungssignale (vgl. Engel 1996, S.92), die die Struktur des Textes hervorheben und in diesem Fall den Schluss des Haupttextes, des eigentlichen Brieftextes markieren. Gängige Abschiedsgruß-Formeln in Briefen sind z. B. "Hochachtungsvoll" (offiziell, neutral, förmlich), "Mit freundlichen Grüßen" (persönlich, neutral), "Mit herzlichen Grüßen" (vertraulich). Einige dieser Grußformeln werden auch in verkürzter Form verwendet, z. B. "Freundliche Grüße", "Herzliche Grüße". Ansonsten sind je nach Verhältnis der Kommunikationspartner noch etliche andere Abschiedsgrüße möglich (z.B. "Herzlichst", "Tschüss" "CU" (Grußformel am Ende von E-Mails, Chat- und News-Beiträgen, engl. see you = man sieht sich).

Ergehensfragen

Mit Fragen wie "Wie geht's?" oder "Wie geht es Ihnen/dir?" kann man seinen Gruß ergänzen. Solche Ergehensfragen wirken im ersten Fall eher vertraulich, im zweiten Fall etwas eindringlicher. Wer es schließlich ganz besonders höflich ausdrücken will, kann auch sagen: "Darf ich fragen, wie es Ihnen/dir geht?" Solche Ergehensfragen sind keine rhetorischen Fragen, sondern echte Fragen, d. h. wer fragt, erwartet auch eine Antwort. Üblicherweise wird mit Äußerungen wie "Danke, gut.", "Danke, ganz gut.", "Danke, es geht." o. ä. geantwortet. Diese Antwort reicht indessen im Allgemeinen nicht aus. Wird die Ergehensfrage gestellt, wird nach dieser Antwort eben auch die entsprechende Gegenfrage erwartet nach dem Muster: "Danke, es geht so. - Und Ihnen/dir?"
Die Ergehensfrage steht indessen nicht unbedingt jedem im Gespräch zu. Ihre Verwendung ist kulturell und sozial konventionalisiert. So kann es durchaus als eine gewissen Respektlosigkeit aufgefasst werden, wenn ein Mitarbeiter seinem Vorgesetzten nach dem Gruß und der Anrede eine Ergehensfrage stellt, ehe er selbst gefragt worden ist.

Gert Egle. zuletzt bearbeitet am: 29.09.2013

 

  Angebot ] Drohung ] Kontaktumgrenzung ]  
 

          CC-Lizenz
 

 

Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA) Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de