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Wissenssoziologische Diskursanalyse (WDA)

Praktiken als Skripte für die Handlungsausführung

« Diskursanalytisches Modell – Diskursanalyse in der Praxis – Sozialwissenschaftliche Diskursanalysen

 
Fachbereich Deutsch
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Aus dem Werkzeugkasten der Wissenssoziologischen Diskursanalyse (WDA)
Aus dem Werkzeugkasten der Diskursanalyse

• Diskurs (Foucault)
•
Überblick
• Der Diskurs als diskursive Praxis
• Gegenstände als Materialisierungen des Diskurses
• Aufgaben der Diskursanalyse

• Diskursive Praktiken sind nach Auffassung der • Wissenssoziologischen Diskursanalyse (WDA) Handlungen oder Vollzugweisen, deren Muster mittels Konvention auf der Grundlage von "kollektiven Wissensvorräten" konstituiert werden. Im Grunde handelt es sich um • Skripte, die mal mehr, mal weniger bewusst und/oder reflektiert, unser Handeln bestimmen. Diese wurden in Sozialisationsprozessen gelernt bzw. erworben und vielfach so internalisiert, dass sie die Handlungen, die Menschen in bestimmten sozialen Situationen erwarten und ausführen. In Fällen wie z. B. beim Fahrradfahren, Tanzen, Fußballspielen, Autofahren, Schwimmen, Schreiben, Vortragen verfestigen sie auch als "körperlich habitualisierte Routinen" (Keller 2019, S. 48), bei denen wir, nachdem diese ausgetestet und erprobt worden sind, eigentlich nicht mehr nachdenken, es sei denn etwas gänzlich Unerwartetes tritt ein, das wir nicht mehr mit diesen körperlichen Automatismen handelnd lösen können.

Bei diskursiven Praktiken, wenn wir also mit Sprache und Begriffen zu tun haben, gilt dies in analoger Weise. Können wir das, was wir erleben, an dieser Stelle einmal • kognitionspsychologisch gesprochen, nicht mehr mit unseren gewohnten • kognitiven und • emotionalen Schemata verarbeiten, erzeugt dies im Allgemeinen »kognitive Dissonanzen und fordert einen erheblichen kognitiven Mehraufwand, um diese Schemata mit dem dafür nötigen ▪ Wissenszuwachs ("accreation") und einer entsprechend neuen ▪ Feinabstimmung (= "tuning") auch an das Neue und Fremde anzupassen oder ein ganz neues mentales Modell der Sache zu konstruieren.


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Anders ausgedrückt: Was für die oben ausgeführten • nicht-diskursiven Praktiken als Skripte gilt, "gilt auch für diskursive Praktiken, die als sedimentierte Formen der Nutzung von Begriffen Zusammenhangskonstruktionen, Argumentationsweisen, Beurteilungsmaßstäben usw. an basale Praxen des Sprechens und Schreibens andocken." (ebd., S.48f.)

Praktiken unterscheiden sich im Konzept der Wissenssoziologischen Diskursanalyse (WDA) auch dadurch, dass sie

  • sprachliche oder nicht sprachliche Diskurse erzeugen

  • in Diskursen selbst thematisiert werden

  • über den Diskurs Einfluss auf die Welt nehmen, d. h. "intervenieren" (Weltintervention)

Die WDA interessiert sich dabei immer wieder in besonderer Weise für die Inhalte des Diskurses, aber unter dem Blickwinkel der "ihnen zugrunde liegenden Formationsregeln (im Sinne Foucaults)." (ebd., S.49)

Das bedeutet, dass sie sich nicht darum kümmert, wie z. B. ein • Kommentar von einem einfachen Statement oder einer • Glosse, einem Hintergrundbericht oder einem • Leserbrief unterschieden werden kann und arbeitet auch die jeweiligen Textsortenmerkmale, Textstrukturen oder die unterschiedliche Art und Weise heraus, mit der sie ihr Thema entfalten, nicht heraus, sondern will stattdessen wissen, "wie diese unterschiedlichen Formate medialer Kommunikation bestimmte Diskurspositionen vollziehen und mit welchen Mitteln sie das tun." (ebd.) Sie orientiert sich also, könnte man auch sagen, an der Diskursivierung der jeweiligen Diskursgegenstände.

Im Bereich der Praktiken erfüllen im Konzept der WDA Modellpraktiken eine besondere Funktion. Mit ihnen werden in einem Diskurs exemplarische, meist komplexere Handlungsweisen formuliert, die den Appell zum Ausdruck bringen, ihnen zu folgen. Im Grunde enthalten sie die Aufforderung an das Subjekt, wenn es eine bestimmte Subjektposition einnehmen will, einem Set von Vorschlägen, Tipps und Anleitungen mehr oder weniger genau zu folgen bzw. auf mehr oder weniger genau definierte "No Gos" zu verzichten.

Wer also als umweltbewusst gelten will, dem werden für einen derartigen • Subjektivierungsprozess eine ganze Palette von Hinweisen, Ratschlägen oder Anregungen gegeben, die er zum Aufbau einer entsprechenden Subjektposition bzw. zur Identitätskonstruktion bzw. • Selbstdarstellung benötigt: Beim Zähneputzen das Wasser abstellen. die Heizung bei Sonnenschein herunterzudrehen, mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, nicht fliegen, den eigenen Fleischkonsum verringern oder am besten ganz darauf verzichten, den Rasen auch bei Trockenheit nicht zu bewässern, Mehr-weg- statt Ein-Weg-Produkte kaufen etc. (vgl. ebd.)

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Aus dem Werkzeugkasten der Wissenssoziologischen Diskursanalyse (WDA)

Akteure

Deutungsmuster

Diskursarena

Diskursbegriff

Diskursfelder

Diskurskoalition

diskursive Praktiken

diskursiver Wandel

Dispositive

Dispositive der Diskursproduktion

Dispositive zur problembezogenen Weltintervention

Klassifikationen

implizite Akteure

Modellpraktiken

narrative Strukturen

Phänomenstrukturen

Plot

Spezialdiskurse

Sprecherinnen/Sprecher

Sprecherpositionen

story lines

Subjektfiguren

Subjektpositionen

Subjektivierungmuster

tatsächliche Subjektivierungsweisen

Aus dem Werkzeugkasten der Diskursanalyse (Foucault)

Allianzdispositiv der Souveränitätsmacht

Alltags- und bildungssprachlicher Diskursbegriff

Akteure

Analyse von Dispositiven

Archäologische Methode zur Analyse der Wissensordnungen (Episteme)

Archäologisches Vorgehen

Archiv

Aussage(n)

Aussagensystem

Ausschlussmechanismen

Autor

Biopolitik

Biomacht

Diskursbegriff

Diskursexterne Ausschlussprozeduren

Diskursive Praktiken

Diskursiver Wandel

Diskursive Ereignisse

Diskursive Formation

Diskursspezifisches Wissen

Diskurs über Geschlechterbinarität

Dispositiv

Dispositivanalyse

Dispositive der Macht

Dispositiv vom "guten" Amerikaner

Disziplinarmacht und Disziplinargesellschaft

Einzeltextanalyse

Episteme

Genealogie
Gesagtes und Ungesagtes

Gesetzesmacht

Gouvernementalität

Grunddimensionen des diskursiven Regelsystems

Hermeneutischer Zirkel

Horizontverschmelzung

Juridisch-diskursive Machtkonzepte

Klassifikationen

Kontrollgesellschaft

Materialität von Aussagen

Macht-Wissens-Komplexe

Macht und Herrschaft

Medialiät der Diskurse

Normalisierungsmacht

Oberfläche

Polymorphe Techniken der Macht

Praxen

Produktive Seite der Macht

Repressionshypothese

richtiges/falsches Bewusstsein

Sagbarkeitsregeln

Schicht des konstitutiven historischen Wissens

Schwelle der Epistomologisierung

Souveränitätsmacht

Wissen und Ideologie

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 07.08.2026

  

 
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