Home
Nach oben
Zurück
 

 

Schiller, Maria Stuart: Sprachliche Form

Rhetorik der Idealisierung

 
 
  Die wichtigsten rhetorischen Elemente der sprachlichen "Idealisierkunst" Friedrich Schillers in seinem Dramas Maria Stuart sind:

Stilhöhe

Schiller lässt alle seine Figuren im Dramen den gleichen »öffentlichen«, hohen Stil sprechen, unabhängig von ihrem sozialen Stand und ihrer jeweiligen emotionalen Befindlichkeit. Auch wenn sämtliche Figuren dem höfischen Umfeld zugerechnet werden können, in denen ein bestimmte höfische Sprache gepflegt wird, ist doch festzustellen, dass es so gut wie keine individuelle Charakterisierung der Figuren (implizit-figurale Charakterisierungstechnik) durch die Sprache gibt. Die Sprache ist damit typisiert und will keine irgendwie durch ihr Leben, Scheinen und Sein definierbare Individuen schaffen, die Menschen, die sie sprechen, stehen als Beispiele für die Gattung Mensch.

Stilmittel

Die von Schiller verwendeten rhetorischen Figuren sollen die Sprache von der Alltagssprache abheben.

Dies lässt sich z. B. exemplarisch an Disput zwischen Maria Stuart und Burleigh in Szene I,7 zeigen. Am Ende dieses Dialoges (V 934-974) findet man eine ganze Fülle von Stilmitteln in dieser Abfolge:

  1. V 934-937: Ellipse, Epiher, Polyptoton, Alliteration, Inversion

  2. V 938-943: Inversion, Metapher, Chiasmus, Parallelismus, Epitheton, Metapher, Epitheton, Personifikation, Metapher, Parallelismus, Asyndeton

  3. V 944 f.: Periphrase, rhetorische Fragen, Variatio(n)

Ihre Verwendung, insbesondere aber ihre Häufung, die das gesprochene Wort ganz eindeutig von der Individualsprache abhebt, bringt den Zuschauer in die Distanz, aus der heraus er allein zum (objektiven) Richter über Anklage und Verteidigung werden kann, wie es seine Aufgabe in dieser Szene wohl sein soll.

Darüber hinaus verwendet Schiller auch Metaphernkomplexe:

Ein weiteres wichtiges Stilmittel, das Schiller häufig verwendet sind Sentenzen. Mit ihrer die eigentliche Handlungsfolge "unterbrechenden" abstrakten und allgemeinen Reflexion, verweisensie auf ein allgemein gültiges Gesetz oder eine allgemein anerkannte Norm.

Beispiele:

  • "So sind die Männer. Lüstlinge sind alle!" (II,9 V  1988)

  • "Denn ein gebrechlich Wesen ist das Weib" (II,3 V 1373)

In der Staatsratsszene (II,3) steigert Schiller dieses rhetorische Mittel, indem er eine Sentenzenklimax gestaltet.

"Nicht Stimmenmehrheit ist des Rechts Probe,
England ist nicht die Welt, dein Parlament
Nicht der Verein der menschlichen Geschlechter.
Dies heut'ge England ist das künft'ge nicht,
Wie's das vergangne nicht mehr ist – Wie sich
Die Neigung anders wendet, also steigt
Und fällt des Urteils wandelbare Woge (II, 3 V 1323ff.

Die antithetische Grundstruktur

Schillers Drama besitzt eine dominierende antithetische Grundstruktur, die Komposition und Sprache des Dramas prägt.

Sprachlich äußert sich dieser "exemplarische Darstellungsmodus" (Leipert 2000, S.86) in der häufigen Verwendung von Antithesen, wie sie die Szene I,7 (V 934-974) prägen:

  • Schwert – Bittende

  • Gewalt - Schutz

  • Pflichten - Gerechtigkeit

  • heilig - roh

  • ermorden - richten

  • Verbrechen - Tugend

  • Sein - Schein

Die Antithesen verweisen auf die Zweipoligkeit des Konflikts wie auch die grundsätzlich antithetische Bedingtheit menschlicher Existenz.

Die Häufung von Antithesen findet sich in allen Monologen des Dramas, in sämtlichen Beratungs- und Streitgesprächen (I,7; II,3; III,4; IV,9; IV,10; V,6), die je auf ihre Weise den moralischen, sozialen oder auch politischen Konflikt antithetisch, in Gegensätzen zum Ausdruck bringen.
  

 
      
  Überblick ] Grundzüge ] [ Idealisierung ]  
     

          CC-Lizenz
 

 

Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA) Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de