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Text III,4
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Friedrich Schiller: Maria Stuart - 3. Akt

Szene III,4

 
 
Die Handlung der Szene III,4 (4. Auftritt) im 3. Akt von Schillers Drama »Maria Stuart« spielt im Park von Schloss Fotheringhay.

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< III,3

Elisabeth trifft in unmittelbarer Begleitung Leicesters mit ihrem Jagdgefolge auf Maria Stuart, Shrewsbury, Paulet und Kennedy. Elisabeth entlässt ihr Gefolge nach London zurück und erklärt, sie selbst wolle noch im Park verweilen, weil die Verehrung, die ihr allerorten von ihrem Staatsvolk entgegengebracht werde, im Moment zu viel für sie sei. Mit dieser zu ihren Begleitern gesprochenen, in Wahrheit aber schon an Maria adressierten Bemerkung betont sie von Anfang an ihren auf das Volk gestützten Herrschaftsanspruch. Maria, die im Anschluss daran erstmals den Blickkontakt mit Elisabeth sucht, spürt sofort die Kälte, die zwischen ihr und Elisabeth herrscht und spricht dies (ad spectatores = zum Publikum hin) aus. Elisabeth tut so, als nehme sie Maria erst jetzt wahr. Mit gekünstelter Entrüstung über Leicester, dem sie das Arrangieren der Begegnung in Fotheringhay nach außen hin anlastet, nimmt die englische Königin die Ratschläge von Shrewsbury und Leicester zur Kenntnis, Maria gegenüber Milde und Großmut walten zu lassen. Da sie aber genau registriert, dass Maria Stuart sich in einem inneren Kampf befindet, macht sie ihren Lords den Vorwurf, sie über die Haltung Maria Stuarts nicht richtig informiert zu haben. Statt wie versprochen auf eine demütige Maria zu treffen, sähe sie sich mit einer ungebrochenen und stolzen schottischen Königin konfrontiert. In einem kurzen, wieder ad spectatores gesprochenen Monolog verarbeitet Maria die offene Provokation Elisabeths und ist entschlossen, sich vor Elisabeth niederzuwerfen. Als sie dies unter ausdrücklicher Anerkennung der Macht Elisabeths in die Tat umsetzt, verweigert ihr Elisabeth mit scharfen Worten die Geste die vor ihr niederkniende Maria wieder zu erheben. Maria Stuart, die sich zu ihrer Geste der Unterwerfung nur mit Mühe durchgerungen hat, fühlt sich durch diese Zurückweisung zutiefst verletzt. Sie warnt Elisabeth vor Hochmut und appelliert an sie, die gemeinsame Abstammung aus dem Hause Tudor nicht zu vergessen. Doch sie erkennt rasch an der Haltung der völlig unbeweglich stehenden Elisabeth, dass sie kaum eine Chance besitzt, aus eigener Kraft Elisabeths Herz mit Bitten und Flehen zu erweichen. Elisabeth ändert ihren "Eisesblick" nicht, als sie Maria auffordert, ihr Anliegen vorzubringen. Sie müsse allerdings wissen, dass dies angesichts der Tatsache, dass Maria sie habe ermorden lassen wollen, eine großmütige Geste sei. Bevor Maria zur Sache spricht, erklärt sie Elisabeth, dass sie ihr Anliegen kaum vorbringen könne, ohne damit zugleich Anschuldigungen gegen Elisabeth zu erheben. So hält sie Elisabeth daher vor, sie unter Bruch des Völkerrechts unter unwürdigen Bedingungen inhaftiert zu haben. Sie sei allerdings bereit, die Schuldfrage zu vergessen und alles als Fügungen des Schicksals zu sehen, das sie beide gegeneinander aufgebracht habe. Als sie sich darauf hin Elisabeth zutraulich nähert und mit schmeichelnden Tonfall bittet, ihr ihre Schuld zu nennen, die sie zu tragen bereit sei, bleibt Elisabeth ungerührt. Sie lässt Marias Interpretation, die Streitigkeiten seien einfach Schicksal, nicht gelten. Für sie steht fest, dass der Streit einzig und allein der Machtgier der Stuarts und ihrer französischen Hintermänner zuzuschreiben ist, die sich den englischen Königstitel angemaßt und immer wieder Unruhen in England angezettelt hätten. Sarkastisch fügt sie an, dass aber trotz alledem nicht ihr Leben bedroht sei, sondern das Haupt von Maria Stuart in Gefahr sei. Als Maria ihr auf diese offene Drohung entgegnet, dass Elisabeth dies nicht wagen werde, wird sie von der englischen Königin heftig unterbrochen. Nicht zuletzt Maria Stuarts eigene Verwandtschaft habe auf dem Kontinent in der Bartholomäusnacht gezeigt, wie wenig ihnen Blutsverwandtschaft und Völkerrecht selbst wert seien. Zudem könne sie sich im Falle einer Begnadigung Maria Stuarts nach allen Erfahrungen, die sie mit der Papstkirche gemacht habe, nicht auf ihre Loyalität verlassen. Als Maria daraufhin erklärt, sie wäre beizeiten ja durch die Erklärung zufrieden zu stellen gewesen, dass sie Thronerbin nach Elisabeth werde, unterstellt Elisabeth, dass Maria in einem solchen Fall um so mehr auf ihren Sturz hingearbeitet hätte. So sieht sich Maria zu einem weiteren Schritt genötigt. Um ihre Freiheit wieder zu erlangen, ist sie bereit, auf ihren Thronanspruch endgültig zu verzichten. Als sie dazu eingesteht, dass sie in der Haft gebrochen sei und nun demütig auf Gnade hoffe, kostet Elisabeth ihren Triumph aus. Auch als Frau habe sie nämlich nun ausgespielt, die Mittel ihrer Männer mordenden Politik seien damit am Ende. Als sie bemerkt, wie schwer sie Maria verletzt hat, lässt sie die schottische Königin noch einmal ihre ganze Verachtung spüren, indem sie sie mit umschreibenden Worten als Hure bezeichnet. Zornig, aber ohne die Fassung zu verlieren, verteidigt sich Maria und zeigt nun ihrerseits mit dem Finger auf Elisabeth, deren Mutter Anne Boleyn ja gerade wegen Ehebruchs hingerichtet worden sei. Nun schreitet Shrewsbury ein und gibt seinem Ärger über den Wutausbruch Maria Stuarts offen Ausdruck. Doch diese versteigt sich in ihrer Wut sogar noch dazu, selbst – wenn auch nur bildhaft – Morddrohungen gegen Elisabeth auszusprechen. Als Shrewsbury und Leicester intervenieren, um Elisabeth von dem Ort wegzuführen, gipfelt die Begegnung in der offenen Kampfansage Marias an Elisabeth, die von ihr als Bastard verhöhnt wird. Während Maria ihr hinterher ruft, sie selbst sei der rechtmäßige König, verlässt Elisabeth mit ihren völlig bestürzten Begleitern die Szenerie.

> III,5

 

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