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Friedrich Schiller: Maria Stuart - 2. Akt

Szene II,9

 
 
Die Handlung der Szene II,9 (9. Auftritt) im 2. Akt von Schillers Drama »Maria Stuart« spielt im Palast von Westminster.

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< II,8

Leicester reagiert sichtlich erschrocken auf die ankommende Elisabeth. Auf ihre besorgte Frage nach der Ursache seiner offenkundigen Betretenheit reagiert, greift Leicester zur Lüge. Mit schmeichelnden Worten über Elisabeths außerordentliche Schönheit gesteht er ihr gegenüber offen ein, dass ihm die französische Brautwerbung um die englische Königin sehr zusetze. Im Gegensatz zu den rein machtpolitischen-dynastischen Überlegungen die Elisabeth einen König als Gemahl zuführen sollten, stünden seine Gefühle, seine Liebe zu ihr, die er ausdrücklich bekennt. Elisabeth bittet Leicester um Verständnis und versichert ihm ihrerseits ihre Zuneigung, auch wenn eine Liebesheirat mit ihm nach Lage der Dinge keine realistische Option sei. Ihre Bereitschaft, eigene Gefühle hintanzustellen, unterscheide sie von Maria Stuart, die sich herausgenommen habe, nach dem Lustprinzip zu leben. Maria Stuart habe ohne Rücksicht auf die öffentliche Meinung nur mit ihrer erotischen Ausstrahlung Politik gemacht, den Männern nach Belieben den Kopf verdreht und deren sexuelle Triebhaftigkeit, wie sogar das Beispiel Shrewsburys zeige, für ihre Ziele ausgenutzt. Als Elisabeth von Leicester wissen will, was denn an der sprichwörtlichen Schönheit Marias dran sei, kann der Lord sein Doppelspiel fortführen. Maria könne gerade auch an weiblicher Schönheit nicht im entferntesten mit der englischen Königin mithalten. Bei einer persönlichen Begegnung mit ihr könne sich Elisabeth, gerade jetzt, da ihr die französische Brautwerbung besondere Ausstrahlung verleihe, davon selbst überzeugen. In einer derartigen Begegnung gelänge es Elisabeth daher, Maria darin zu treffen, worin sie sich immer so überlegen geglaubt habe und einen endgültigen, aber keinen blutbefleckten Sieg über die ungeliebte Konkurrentin zu erringen. Die Gunst des Augenblicks nutzend, legt Leicester ihr nahe, Maria noch am gleichen Tag gegenüberzutreten. Elisabeth, die sichtlich um Worte ringt, zögert. Sie will sich mit Burleigh beraten. Doch Leicester lässt nicht locker. Statt abstrakter Staatsräson kämen bei der Beurteilung der Chancen und Risiken einer solchen Begegnung eigentlich nur die ureigensten und rein persönlichen Empfindungen Elisabeths in Betracht. Dass sich die Begegnung mit Maria darüber hinaus  auch noch öffentlichkeitswirksam als großmütige Tat der englischen Königin verkaufen lasse, schränke ihre für alle Entwicklungen offenen Handlungsmöglichkeiten im Fall der Maria Stuart nicht im Geringsten ein. Als Leicester ihr dazu noch erklärt, dass sich ein Zusammentreffen bei der nachmittäglichen Jagd bei Schloss Fotheringhay wie zufällig arrangieren lasse, willigt Elisabeth ein, auch wenn sie davon nicht wirklich überzeugt ist. Mit einem zärtlichen Blick für Leicester ist sie für den Augenblick nur und ganz Frau und damit für die "Grille" Leicesters empfänglich.

> III,1

 

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