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Versdrama

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Korrespondenzbezug zwischen Sprache und Figur
Der Blankvers in Lessings "dramatischem Gedicht in fünf Aufzügen "Nathan der Weise"
Schillers ästhetische Theorie und die Funktion der sprachlichen Gestaltung des Dramas
Sprecherwechsel in der Gesprächslinguistik
 ▪ Formen des Sprecherwechsels

Verse machen die Abstand der Dramensprache zur Normalsprache offenkundig
In kaum einem ▪ dramatischen Text wird der ▪ artifizielle Charakter der ▪ Dramensprache, die Abweichung der ▪  dramatischen Rede von der "natürlichen" Sprache, mehr deutlich als in Dramen, welche die dramatische Rede der Figuren auf der binnenfiktionalen Ebene der ▪ dramatischen Kommunikation im ▪ Haupttext mit Versen gestalten oder sich bei verschiedenen Formen zur ▪ Episierung des Dramas (z. B. Songs und Lieder im epischen Theater »Bertolt Brechts (1898-1956) der Versform bedienen.

Verse verbindet man heutzutage vor allem mit ▪ lyrischen Texten, zu deren Merkmalen oft auch ein bestimmtes Versmaß (Metrum) gehört, das bestimmten Schemata folgt und Gedichten einen bestimmten rhythmischen Charakter verleiht. Dass Dramen in der Regel nicht in Prosa verfasst werden (Ausnahme: Prosagedicht), wie dies heute in den allermeisten Fällen ist, gilt indessen für bestimmte frühere Zeiten nicht. Manche gingen, wie z. B. ▪ Gotthold Ephraim Lessing (1723-1781) mit seinem Drama ▪ "Nathan der Weise (1779)", dessen Figurenrepliken im Blankvers gestaltet sind, so weit, das ganze Drama als "dramatisches Gedicht" zu bezeichnen. Und auch ▪ Friedrich Schiller (1759-1805) benutzte diese Bezeichnung für seine Dramen »"Don Carlos" (1783/1787) und »"Wallenstein" (1799).

Werden sämtliche Repliken der Figuren in einem Drama in Versform gestaltet, kann man von einem Versdrama sprechen. Die Zeiten, in denen solche Dramen eine gewisse Konjunktur besaßen, änderten sich jedoch schon im 18. Jahrhundert allmählich unter dem Einfluss der ▪ aufklärerischen Forderung nach einer "natürlichen" Dramensprache wieder, wenngleich, wie das Beispiel Lessings zeigt, selbst einer der Vertreter gegen die "unnatürliche" Sprache auf der Bühne, aus verschiedenen Gründen in seinem bedeutendsten Werk zur prosanahen Form des ▪ Blankverses zurückkehrte.

Mit der Versform, den meistens alle Figuren eines Dramas sprechen, wird die Dramensprachein einem "rhetorisch hohen und metrisch gebundenen Stil" (Pfister 1977, S.172) ästhetisch homogenisiert. Damit stellt der Autor die poetische Funktion der dramatischen Rede heraus und macht die Sprache selbst mit ihrer konkreten Materialität und Strukturiertheit zum Gegenstand der Betrachtung durch den Rezipienten. (vgl. ebd.) Dass also die Figuren in solchen Fällen von der Normalsprache abweichen und deren Normen durchbrechen, hat also in der Regel nichts mit dem Charakter der Figuren zu tun, sondern zielt auf die Reflexion des Lesers bzw. Zuschauer über die Sprache selbst. Für die Kommunikation der Figuren untereinander spielt "diese 'unnatürliche' Redeweise" (vgl. ebd., S.167), solange sie nicht selbst im Drama in Dialogen oder Monologen thematisiert wird, keine Rolle.

Wird die Sprache von Figuren in solchen Fällen zur Figurencharakterisierung herangezogen, muss man sich die homogenisierende Dominanz der ▪ poetischen Funktion der Sprache berücksichtigen und nur das heranziehen, was die dramatische Rede einer bestimmten Figur von denen anderer Figuren unterscheidet.

Verse und Versmaße im Drama

In den sogenannten Versdramen spielen vor allem drei verschiedene Versmaße eine Rolle, wobei im Allgemeinen gilt, dass in den meisten Versdramen ein einziges Versmaß (wie immer mit Ausnahmen, z. B. »Johann Wolfgang von Goethes (1749-1832) »"Faust" (1808)) benutzt wird, nämlich:

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Die Gestaltung des Sprecherwechsels in dramatischen Dialogen von Versdramen

Die Art und Weise wie sich ein Sprecherwechsel, also das Wechseln der Sprecherrolle von einer auf die andere Figur übergeht, in dramatischen Dialogen von Versdramen abspielt, hat neben den allgemeinen Bedingungen und Formen des Sprecherwechsels in Dialogen, die auch außerhalb der dramatischen Fiktion eine Rolle spielen, einige stilistisch-rhetorische Besonderheiten.

Das Versmaß (Metrum) legt nicht fest, wie und an welcher Stelle sich der Sprecherwechsel in einem Vers vollzieht. Dafür gibt es aber verschiedene Varianten.

  • Die seit der Antike bekannte Stichomythie (Zeilenrede) organisiert den Sprecherwechsel dadurch, dass alternierend jeder Sprecher in einem Dialog jeweils einen ganzen Vers lang zur Sprache kommt.

  • Es kann aber auch sein, dass der Sprecherwechsel, ohne dass es zu einem regelrechten Unterbrechungsverhalten kommt, auch innerhalb eines Verses vollzogen werden. Eine Besonderheit stellt dabei der sogenannte Hakenstil (Antilabe) dar, bei dem eine Äußerung in der Mitte eines Verses beginnt und in der Mitte des nächsten oder später folgenden Verses endet.

  • Findet ein erregter Wortwechsel zwischen einem oder mehreren Figuren statt, "können sich in einem Vers mehrere Äußerungen zusammendrängen." (Asmuth 62004, S.80)

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Der Blankvers in Lessings "dramatischem Gedicht in fünf Aufzügen "Nathan der Weise"
Schillers ästhetische Theorie und die Funktion der sprachlichen Gestaltung des Dramas
Sprecherwechsel in der Gesprächslinguistik
 ▪ Formen des Sprecherwechsels

Gert Egle. zuletzt bearbeitet am: 18.07.2020

 
 

 
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