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Techniken der szenischen Interpretation

Methodenrepertoire zur szenischen Erarbeitung von Dramentexten

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Die Lektüre dramatischer Texte, die vom Partiturcharakter des Textes ausgeht, wird immer bemüht sein, seine szenische Realisierung beim Lesen mitzudenken. Waldmann (52008, S.117-133) hat in Anlehnung an Scheller (1993) eine Liste von Aufgaben zusammengestellt, die "durchweg ohne Vorkenntnisse und praktische Erfahrungen im szenischen und darstellenden Spiel" umgesetzt werden können. (ebd., S. 120) Seine Liste greift auf die von Scheller (1999) im Rahmen seines Konzepts der szenischen Interpretation vorgestellten Methoden zurück (Fantasiereise, Rollentexte, Rollenbiographie,  (/Selbstdarstellung), Habitus- und Haltungsübungen, szenisches Lesen, Raumbeschreibung, Rollengespräche, Szenische Improvisation, Standbilder, Stimmenskulptur ...).(vgl. auch Scheller 22008,, S.62-64). Nachfolgend wird auf diese und andere Quellen Bezug genommen. Dabei werden aber auch einige Ergänzungen hinzugefügt.


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Reflexion

1. Einen Dramentext erlesen
1.1
  • Setzen Sie für die erste Lektüre des Textes im Kreis zusammen.

  • Jeder Schüler/jede Schülerin liest reihum jeweils einen Satz (bzw. einen Redebeitrag), wobei auch der Nebentext, als Bühnenanweisungen etc. vorgelesen werden.

 
1.2
  • Stellen Sie für jede Figur, die in der jeweiligen Szene vorkommt, einen Stuhl in die Mitte des Kreises.

  • Ein weiterer Stuhl, der für den Spielleiter vorgesehen ist, der die Bühnenanweisungen vorliest, wird etwas abseits davon aufgestellt. Der Spielleiter nennt die Namen der jeweils sprechenden Figuren und weist ihnen einen bestimmten Stuhl zu.

  • Jeder Schüler liest reihum einen Satz und setzt sich auf den für diese Figur vorgesehen Stuhl.

 
1.3
  • Stellen Sie die Stühle für die Figuren so zusammen, dass ihre Stellung zueinander der Beziehung entspricht, die die Figuren zueinander haben.

  • Lesen Sie den Text dann mit verteilten Rollen.

 
2. Eine Szene mit eigenen Worten erspielen
2.1
  • Lesen Sie den Text der Szene zunächst jeder für sich durch.

  • Verteilen Sie im Anschluss daran die in der Szene vorkommenden Rollen.

  • Überlegen Sie dann - jeder für die ihm zugefallene Rolle -, was die Figur in dieser Situation beabsichtigt und wie sie sich gegenüber den anderen Figuren verhält.

  • Im Anschluss daran spielen Sie die Szene miteinander und verwenden dabei ihre eigenen Worte.

  • Berichten Sie im danach Ihren Mitspielern bzw. Zuschauern, wie Sie die Rolle erlebt haben.

  • Zum Abschluss spielen Sie die Szene ein zweites Mal mit dem Originaltext.

 
3. Rollenbiografien schreiben
  • Übergeordnete Aufgabe:
    Verfassen Sie in Ich-Form eine Biografie der Figur.
3.1
  • Überlegen Sie, was der Text über die Figur aussagt.

  • Sie können sich dabei auch an den folgenden Fragen zu den äußeren Rahmenbedingungen und den psychischen Dispositionen der Figur orientieren, diese aber auch ergänzen.

  • Verfassen Sie im Anschluss daran die Rollenbiografie.

 Äußere Rahmenbedingungen

Geschlecht, Alter, Name ...
  • Welches Geschlecht hast du?

  • Wie alt bist du?

  • Wie heißt du?

  • Welches religiöse Bekenntnis hast du?

  • Welche Nationalität hast du?

  • ...

Körperbau
  • Wie siehst du vom Körperbau her gesehen aus (groß, klein, dick, dünn ...?

  • Hast du besondere körperliche Merkmale?

  • Wie bewegst du dich? (z.B. leichtfüßig, schwerfällig ...)

  • Wie trägst du deine Haare (Haar und Haargestaltung)

  • ...

Sprache/Stimme
(u. a. prosodische und paraverbale Merkmale der gesprochenen Sprache)
  • Sprichst du in der Standardsprache/Hochsprache oder im Dialekt?

  • Benutzt du einen bestimmten Slang (Soziolekt) oder neigst du dazu, dich in einer Fachsprache auszudrücken?

  • Wie klingt deine Stimme?

  • Welches Sprechtempo, welche Lautstärke hat deine Stimme?

  • Hast du einen Akzent?

  • Machst du beim Sprechen auffällige Pausen?

  • ...

Kleidung, →Abzeichen und Schmuck
  • Welche Kleidung trägst du?

  • Welche Dinge nutzt du zu deinem körperlichen Schmuck (Frisur, Tattoos, Schmuck, )

  • Wie reagieren die anderen Figuren auf deine äußere Erscheinung?

  • ...

Soziale Stellung und soziale Beziehungen
  • Wo lebst du?

  • Zu welcher gesellschaftlichen Schicht gehörst du?

  • Wie trittst du anderen gegenüber auf (dominierend, partnerschaftlich, freundschaftlich etc.)?

  • Wie wirkt dein sozialer Status auf die anderen Figuren?

  • Wie sind deine sozialen Verhältnisse?

  • Welche Konsumvorlieben hast du?

  • Was für einen Lifestyle pflegst du?

  • Wie lange wohnst du schon hier?

  • Mit wem wohnst du zusammen? Wie lange schon?

  • Wie sieht dein soziales Netzwerk aus? Wo stehst du darin (Zentrum, am Rande)?

  • In welchen sozialen Beziehungen mit anderen  stehst du (familiär, Partnerschaft, Freundschaft o. ä.)?

  • Bist du Mitglied in einem Social Network?

  • Was bedeuten dir diese Beziehungen? Zu wem?

  • Hast du viele oder eher wenige Freunde?

  • Was unternehmt ihr gemeinsam?

  • Wen magst du am liebsten?

  • Mit wem hast du Probleme?

  • Machst du in einem Verein mit?

  • ...

Arbeitsalltag
  • Was interessiert dich besonders?

  • Wie sieht dein normaler Alltag aus?

  • Was tust du im Alltag?

  • Welche beruflichen Tätigkeiten führst du aus?

  • Wo arbeitest du?

  • Wie lange bist du beim Arbeiten?

  • Bist du angestellt oder freiberuflich tätig?

  • Arbeitest du vorwiegend allein oder mit anderen Kollegen und Kolleginnen gemeinsam?

  • Wie verstehst du dich mit ihnen? Mit wem besonders gut, mit wem weniger?

  • Was macht dir beim Arbeiten Spaß?

  • Was ist dir dabei lästig?

  • Was verdienst du?

  • Wofür gibst du deinen Verdienst aus?

  • ...

Freizeit
  • Was machst du in deiner Freizeit?

  • Wie viel Freizeit hast du?

  • Was ist deine Lieblingsfreizeitbeschäftigung?

  • ...

Interessen
  • Hast du Interesse an Politik und Weltgeschehen?

  • Für welche ihrer Themen interessierst du dich?

  • Bist du politisch aktiv?

  • Wählst du oder gehst du nicht zur Wahl?

  • Machst du in einer Partei, einem Verband oder einer Bürgerinitiative aktiv mit?

  • Glaubst du an Gott?

  • Bist du Mitglied in einer Kirche?

  • Bist du mit Gesellschaft und Welt zufrieden?

  • Liegen dir bestimmte politisch-gesellschaftliche, religiöse oder sonstige Angelegenheiten besonders am Herzen?

  • Welche Musik hörst du am liebsten?

  • Welche Filme/Fernsehsendungen bevorzugst du?

  • ... 

Sexualität
  • Welcher sexuellen Orientierung folgst du?

  • Wie sieht dein Verhältnis zum anderen Geschlecht aus?

  • Welche Erfahrungen hast du gemacht?

  • Was wünschst du dir?

  • Welche Erwartungen hast du gegenüber dem anderen Geschlecht?

  • Wie möchtest du gerne vom anderen Geschlecht gesehen werden?

  • ...

Partnerschaft
  • Lebst du in einer Partnerschaft (hetero- oder homosexuell)?

  • Wie wichtig ist dir diese Partnerschaft?

  • Wie lange hält die Partnerschaft (Liebe, Ehe) schon an?

  • Worauf beruht die Partnerschaft und was hält sie zusammen?

  • Welche Erfahrungen hast du mit deinem Partner/deiner Partnerin gemacht?

  • Was gefällt dir an ihm/an ihr?

  • Was sollte er/sie deiner Ansicht nach ändern?

  • Wie wird er/sie wohl von anderen Personen wahrgenommen?

  • Was erwartest du von deinem Partner/deiner Partnerin besonders?

  • Was kannst du am wenigsten leiden?

  • ...

 

  Innere Welt der Figur

Selbstbild
  • Wie siehst du dich selbst?

  • Was magst du an dir?

  • Was kannst du an dir nicht leiden?

  • Wie schätzt du deine Intelligenz ein? Wie, meinst du, sehen das andere?

  • Kannst du Gefühle zeigen?

  • Welche Gefühle machen dir Angst?

  • Machst du dir über vieles Sorgen?

  • Wie gehst du mit deinen Träumen, Sorgen und Ängsten um?

  • Nimmst du das Leben, wie es kommt oder willst du alles mögliche planen?

  • Wie möchtest du von anderen gesehen werden?

  • In welchen Situationen kommst du gut, in welchen schlecht zurecht?

  • Was von dir möchtest du am liebsten verborgen halten?

  • Wie sehen dich wohl die anderen?

  • ...

Sozialisation und Erziehung
  • Aus was für einem Elternhaus stammst du?

  • Wo bist du aufgewachsen?

  • Wie waren eure/deine Lebensverhältnisse in der Kindheit und Jugend?

  • Welche besonderen Ereignisse deiner Kindheit haben einen bleibenden Eindruck bei dir hinterlassen? Inwiefern haben sie dich geprägt?

  • Wie sah dein Alltag in der Kindheit aus?

  • Wie gingen dein Vater und deine Mutter miteinander um?

  • Wie war dein Verhältnis zu deinem Vater? Wie zu deiner Mutter?

  • Was hat dein Vater beruflich gemacht?

  • Wie hat sich dein Vater dir gegenüber verhalten?

  • Wie bist du deinem Vater begegnet?

  • Was hast du dir von ihm erwartet und gewünscht?

  • Wie ist dein Verhältnis heute zu ihm?

  • Was hat deine Mutter im Alltag getan?

  • Wie hat sich deine Mutter dir gegenüber verhalten?

  • Welche Gefühle hast du deiner Mutter gegenüber gehabt?

  • Was hättest du dir deiner Mutter mehr gewünscht?

  • Was bedeutet dir deine Mutter heute?

  • Hattest du Geschwister? Wie viele?

  • Waren die Geschwister älter oder jünger?

  • Wen hattest du am liebsten?

  • Wer liebte dich wohl am meisten?

  • Hattest du Brüder? Wie viele?

  • Wie war dein Verhältnis zu ihnen?

  • Was hast du dir von ihnen erwartet?

  • Wer war dein Lieblingsbruder?

  • Was gefiel dir an ihm?

  • Hattest du Schwestern? Wie viele?

  • Wie war das Verhältnis deiner Geschwister zu den Eltern?

  • Stehst du noch heute in Kontakt mit deinen Geschwistern?

  • Welche Personen haben sonst noch in deiner Kindheit und Jugend eine wichtige Rolle für dich gespielt?

  • Welche Medienerfahrungen haben dich geprägt?

  • Wer waren deine bevorzugten Stars?

  • Welche Musik hast du am liebsten gehört?

  • ...

Träume, Gefühle ..
  • Welche Ereignisse deiner Kindheit und Jugend sind dir besonders in Erinnerung geblieben?

  • Wie hast du früher ausgesehen?

  • Inwiefern haben sie deinen weiteren Lebensweg beeinflusst?

  • Wie hast du dich in der Kindheit und Jugend selbst wahrgenommen?

  • Konntest du dich leiden?

  • Was konntest du besonders gut? Was gelang dir weniger?

  • Wie bist du mit Erfolg und Versagen umgegangen?

  • An welche Ängste erinnerst du dich?

  • Sind diese Ängste heute alle ausgestanden?

  • Wann und wobei hast du dich glücklich gefühlt?

  • Was stimmte dich besonders traurig?

  • Wann hast du welche Erfahrungen mit Sexualität gemacht?

  • Was wusstest du darüber?

  • Welche Vorstellungen vom anderen Geschlecht hast du dir gemacht?

  • Welche Vorstellungen über dein künftiges Leben hattest du?

  • Was wolltest du werden, was erreichen im späteren Leben?

  • ...

Katalog von Einfühlungsfragen

Selbstdarstellung im Rahmen nonverbaler Kommunikation

 

4. Körperhaltungen erarbeiten
4.1
  • Wählen Sie einen Auftritt der Figur aus, zu der sie eine Rollenbiografie verfasst haben.

  • Suchen Sie im Anschluss daran eine Gehhaltung, die zu der Figur und Situation passt.

  • Sprechen Sie, während Sie so gehen, einen Satz ihrer Figur oder äußern sie mit ihren eigenen Worten in Ich-Form, was die Figur gerade denkt.

Dramaturgie und Inszenierung

Nonverbale Kommunikation

4.2
  • Wählen Sie einen Satz oder einen Redebeitrag der Figur aus, zu der sie eine Rollenbiografie verfasst haben.

  • Suchen Sie im Anschluss daran eine Körperhaltung als Steh- oder Sitzhaltung, die zu der Figur und Situation passt.

4.3
  • Wählen Sie einen Satz oder einen Redebeitrag der Figur aus, zu der sie eine Rollenbiografie verfasst haben.

  • Versuchen Sie sich im Anschluss daran an Gestik, Mimik und Körperhaltung der Figur.

 

5. Sprechhaltungen erarbeiten

Dabei spielen vor allem die so genannten nonverbalen Vokalisierungen, die beim Sprechen zum Tragen kommen, die maßgebende Rolle. Dazu zählen prosodische Merkmale und paraverbale Merkmale der gesprochenen Sprache wie Akzent, Sprechtempo, Pausen, Ton, Intonation und Lautstärke.

5.1
  • Wählen Sie einen Satz oder einen Redebeitrag der Figur aus, zu der sie eine Rollenbiografie verfasst haben.

  • Überlegen Sie, wie Ihre Figur diese Äußerung in der gegebenen Situation artikuliert.

  • Sie können, um eine geeignete Sprechhaltung zu finden und einnehmen zu können, die Situation auch kurz ansprechen.

 
6. Dialogische Sprechhaltung erarbeiten

Dabei spielen die Absichten und Kommunikationsziele der Partner mit ihren (partnertaktischen) Einstellungen (→Partnerorientierung und Partnerbezug) zueinander die maßgeblich Rolle, die sich auch in den so genannten nonverbalen Vokalisierungen zeigen, die beim Sprechen zum Tragen kommen. Dazu zählen prosodische Merkmale und paraverbale Merkmale der gesprochenen Sprache wie Akzent, Sprechtempo, Pausen, Ton, Intonation und Lautstärke.

6.1
  • Wählen Sie einen Dialog aus, den Ihre Figur mit einem, ggf. auch mehreren Dialogpartnern führt.

  • Überlegen Sie, in welcher Beziehung die Figuren zueinander (in dieser Situation) stehen.

  • Probieren Sie mit ihrem/ihren Partner(n) aus, welche Körperhaltung und welche Sprechhaltung bzw. Sprechweise zu diesem Dialog/zu dieser Dialogstelle passen-

 
7. Stellungen von Dialogpartnern im Raum erarbeiten (vgl. Renk 1984, S.402)

Hier geht es vor allem um die Bereiche der Proxemik (Territorial- und Distanzverhalten), das sich in den Auf- und Abtritten der Figuren und ihrer jeweiligen Art sowie bei ihrer Positionierung und Bewegung im Raum niederschlägt. Ferner rückt dabei auch die Kinesik (Körberbewegungen und körperliche Aktivitäten) in den Mittelpunkt, die sich in Haltungs-, Positions- und Orientierungsveränderungen einer Figur zeigt, wie z. B. das Herumrücken mit dem eigenen Stuhl, Kopfbewegungen, (selbst-)manipulative und objektorientierte Tätigkeiten wie Herumblättern in Unterlagen, Abstreifen von Zigarettenasche oder Herumnippen an einem Glas oder das Synchronisieren einer eigenen Tätigkeit mit der Tätigkeit anderer Teilnehmer, z. B. Zurücklehnen des Stuhls

7.1
  • Wählen Sie einen Dialog aus, den Ihre Figur mit einem, ggf. auch mehreren Dialogpartnern führt.

  • Überlegen Sie, in welcher Beziehung die Figuren zueinander (in dieser Situation) stehen.

  • Probieren Sie dann miteinander aus, welche räumliche Entfernung und Stellung der Dialogpartner dazu passt. Berücksichtigen Sie dabei auch die mögliche Zugewandtheit oder Abgewandtheit der Figuren zueinander, die Art und Weise ihres Blickes und Blickkontakts, Körperhaltungen und Annäherungsverhalten (Proxemik).

 
8. Standbilder bauen

Standbilder können die Konstellation der Figuren zueinander, ihr gegenseitiges Verhältnis, soziale Hierarchien zwischen ihnen zeigen und dabei Einstellungen und Befindlichkeiten von Figuren zu anderen Figuren oder einem bestimmten Geschehen in ihrer Körpersprache, in Körperhaltungen, Gesten und Mimik widerspiegeln. Nach Scheller (1998/52007, S.59-68, ders., 22008, S.72ff.) die folgenden Techniken einzeln oder in Kombination miteinander verwendet werden: Situationen einfrieren, Situationsbezogene Standbilder aufbauen, Statuen bauen und Haltungen fixieren.

8.1
  • Wählen Sie einen Partner aus, der Ihrer Ansicht nach zu der von Ihnen ausgewählten Figur passt.

  • Bei dieser Übung soll nicht geredet werden! Die Standbildfiguren selbst lassen den Standbildner gewähren und verhalten sich wie formbare Puppen.

  • Stellen Sie diese Person an einer geeigneten Stelle auf und gestalten Sie dann ihren körperlichen Ausdruck so, wie er Ihrer Ansicht nach zu der von Ihnen gewählten Figur passt.

  • Wenn Sie mit einer bestimmten Haltung zufrieden sind, "frieren" sie diese mit einem Stoppsignal z. B. einem Geräusch wie Schnalzen mit der Zunge, Fingerschnippen o. ä. "ein".

  • Wenn Sie das Standbild fertig gestellt haben, erläutern Sie den Anderen, was sie sich bei der "Körperformung" gedacht haben. Die Standbilddarsteller verbleiben dabei in einem Zustand der Körperspannung in dem eingefrorenen Körperausdruck.

  • Wenn es gewünscht wird, kann sich auch der Darsteller des Standbildes darüber äußern, wie er den körpersprachlichen Ausdruck der Figur erlebt hat.

 
9. Eine Figur sich "privat" äußern lassen

Mit dieser Technik sollen jene Aspekte des dramatischen Sprechens herausgearbeitet werden, die im Text nicht unmittelbar beschrieben sind. Denn, was die Figuren denken und fühlen, während sie miteinander reden, wird ja meistens nicht explizit formuliert.

9.1
  • Suchen Sie eine Textstelle für die von Ihnen ausgewählte Figur aus, bei der diese oder ihr Dialogpartner etwas besonders Bemerkenswertes oder auch zum Widerspruch Reizendes äußert oder tut.

  • Sprechen Sie dann in einer Art "innerem Monolog" in Form des Beiseite-Sprechens (ad spectatores) in Ihrer eigenen "privaten" Sprache (u. U. Dialekt, Slang, Soziolekt) und ihrem ganz eigenen Tonfall, was Ihnen dabei durch den Kopf geht und was sie dabei fühlen.

Rollengespräche

10. Innere Vorgänge bewusst machen

Mit dieser Technik sollen jene Aspekte des dramatischen Sprechens herausgearbeitet werden, die im Text nicht unmittelbar beschrieben sind. Denn, was die Figuren denken und fühlen, während sie miteinander reden, wird ja meistens nicht explizit formuliert.

10.1
  • Beginnen Sie Ihr szenisches Spiel oder Ihre Improvisationen.

  • Der Spielleiter oder auch andere Zuschauer beobachten das Ganze. Diese wählen dann einen Zeitpunkt aus, an dem sie das Spiel durch Zuruf unterbrechen. (Gedanken-Stopp durch Spielleiter oder Beobachter) Dabei eignen sich besonders Situationen, bei denen eine Diskrepanz zwischen äußerem Verhalten und inneren Einstellungen von Figuren vermutet bzw. ein inkongruentes Verhalten beobachtet werden kann.

  • Die Spieler und Spielerinnen werden dann aufgefordert nacheinander zu artikulieren, was ihnen in ihrer Rolle während des szenischen Spiels durch den Kopf geht, welche Gefühle sie bewegen und was sie in der jeweiligen Situation beabsichtigen.

  • Im Anschluss daran wird das szenische Spiel fortgesetzt.
    (vgl. Scheller 22008, S.69)

Rollengespräche
11. Innere Vorgänge durch Doppeln bewusst machen

Mit dieser Technik sollen jene Aspekte des dramatischen Sprechens herausgearbeitet werden, die im Text nicht unmittelbar beschrieben sind. Denn, was die Figuren denken und fühlen, während sie miteinander reden, wird ja meistens nicht explizit formuliert. Dabei übernehmen die Zuschauer bzw. der Spielleiter zeitweise die Rolle der Figur und machen deren innere Vorgänge sichtbar.

11.1
  • Beginnen Sie Ihr szenisches Spiel oder Ihre Improvisationen.

  • Der Spielleiter oder auch andere Zuschauer beobachten das Ganze.

  • Das Spiel kann durch einen Zuruf eines der Zuschauer für einen Gedanken-Stopp unterbrochen werden. Dafür eigenen sich besonders Situationen, bei denen eine Diskrepanz zwischen äußerem Verhalten und inneren Einstellungen von Figuren vermutet bzw. ein inkongruentes Verhalten beobachtet werden kann.

  • Der Zuschauer, der das Spiel unterbrochen hat, stellt sich dann hinter der von ihm ausgewählten Figur auf und äußert, was die Figur seiner Ansicht nach in der jeweiligen Situation denkt und fühlt. (= Doppelung)

  • Danach geht der Zuschauer wieder an seinen Platz zurück und die Szene läuft mit den Darstellern weiter.

 
12. Innere Vorgänge durch ein Hilfs-Ich darstellen

Mit dieser Technik sollen jene Aspekte des dramatischen Sprechens herausgearbeitet werden, die im Text nicht unmittelbar beschrieben sind. Denn, was die Figuren denken und fühlen, während sie miteinander reden, wird ja meistens nicht explizit formuliert. Als Hilfs-Ich wird ein anderer Zuschauer oder der Spielleiter ein fester Teil der Figur und spricht, am besten in besonders schwierigen Situationen mit inkongruentem Verhalten der Figur aus, was diese denkt und fühlt und sich öffentlich u. U. nicht eingesteht.

12.1
  • Vor dem Beginn des szenischen Spiels stellt sich die Person, die das Hilfs-Ich übernommen hat, hinter seiner Figur auf.

  • Der Darsteller der Figur und das Hilfs-Ich vereinbaren, dass das Hilfs-Ich die Äußerung der Figur jederzeit mit einer Berührung (z. B. Hand auf Schulter legen) unterbrechen darf.

  • Ist das Spiel damit unterbrochen, äußert das Hilfs-Ich, was die Figur seiner Ansicht nach in dieser Situation bewegt, was sie denkt und fühlt und/oder nicht auszusprechen wagt.

  • Dann geht das szenische Spiel weiter.

  • Gewinnt das Hilfs-Ich dabei den Eindruck, dass die Figur die artikulierten Gedanken und Gefühle nicht so recht annimmt, kann er das Spiel erneut unterbrechen. Dann kann das Hilfs-Ich versuchen, durch die erneute Wiederholung mit größerer Lautstärke und einem eindringlicheren Tonfall das Spiel seiner Figur so zu beeinflussen, dass diese sich u. U. getraut, diese Gedanken und Gefühle auch in ihrer Körpersprache, ihrem mimisch-gestischen Spiel "unterzubringen", ohne sie selbst zu äußern. (vgl. Scheller 22008, S.70)

  • Man kann allerdings auch vereinbaren, dass die Figur auf die Äußerungen des Hilfs-Ich nicht reagiert.

Rollengespräche

13. Unterdrückte Fantasien einer Figur ausagieren

Mit dieser Technik sollen Figuren, die in einem Stück oder einer Szene von einer anderen Figur aufgrund ihrer sozialen Stellung, persönlichen Macht oder einfach wegen ihrer körperlichen Kraft unterdrückt und gedemütigt werden ein Ventil geöffnet werden, das ihnen ermöglicht zumindest in der Fantasie sich dagegen zu wehren. Dabei können Kränkungen, Verletzungen u. ä. ebenso zur Sprache kommen wie Rachgelüste und Gewaltfantasien u. ä.

13.1
  • Der Darsteller der Figur, die ihre unterdrückten Fantasien ausagieren will, wählt die Figur aus, auf die sich ihre Fantasien beziehen.

  • Die beiden Figuren stehen sich dann Face-to-face gegenüber.

  • Während die unterdrückte und/oder gedemütigte Figur ihren Gedanken und Gefühlen freien Lauf lässt, hört der/die Adressat/in der Äußerungen nur zu und kommentiert das Gehörte auch körpersprachlich nicht.

Rollengespräche
14. Eine Figur oder Figuren situationsbezogen befragen oder ins "Kreuzverhör" nehmen

Bei der situationsbezogenen Rollenbefragung, hier zur Verdeutlichung Kreuzverhör genannt, wird das szenische Spiel mit einem Stoppsignal unterbrochen, um Beobachtern  des szenischen Spiels Gelegenheit zu geben, den Figuren Fragen zu stellen. Dabei soll sich das, was bei diesem Rollengespräch gefragt wird, ausschließlich auf die Situation beziehen, in der sich die Figur beim Unterbrechen des szenischen Spiels befindet. Die Fragen der Bebachter sollten dabei darauf abzielen, Vorstellungen, Gefühle und Absichten der Figur zu ergründen, seine Empfindungen gegenüber anderen Figuren zu verdeutlichen und damit zur inneren Selbstklärung der Figur beitragen. Mit dieser Technik der szenischen Interpretation kann die Einfühlung der Spieler in ihre Rollen intensiviert werden. (vgl. Scheller 22008, S.70) Eine besondere Rolle spielt dabei auch die verwendete Fragetechnik: W-Fragen betonen den Verhörcharakter, Impulsfragen (wie z. B. "Bestimmt hast du dir schon Gedanken darüber gemacht, wie du weiter vorgehen willst." ) dienen eher der Selbstklärung. Sehr gut geeignet sind Situationen, in denen sich eine Figur in einem »ethischen oder »sozialen Dilemma oder als Figur einem »Rollenkonflikt befindet.

14.1
  • Wenn beim beim szenischen Spiel oder der Improvisation Widersprüche, Ungereimtheiten zwischen den Figuren auftauchen oder bei einer Figur inkongruentes Verhalten beobachtet werden kann, wird/werden der/die Darsteller der Figur/en aufgefordert, vor den Zuschauern jeweils auf einem Stuhl Platz nehmen und sich einer situationsbezogenen Befragung zu stellen.

  • Die situationsbezogene Rollenbefragung kann von allen Beobachtern des szenischen Spiels durchgeführt werden. Die Fragerolle und -berechtigung kann aber auch an einzelne Beobachter delegiert werden.

Rollengespräche

14.2
  • Wenn beim beim szenischen Spiel oder der Improvisation besonders deutliche Widersprüche, Ungereimtheiten zwischen den Figuren auftauchen oder bei einer Figur inkongruentes Verhalten in besonders starkem Maße beobachtet werden kann, wird der Darsteller der Figur aufgefordert, vor den Zuschauern jeweils auf einem Stuhl Platz nehmen und sich einem Kreuzverhör zu stellen. Besonders gut für das Kreuzverhör eignen sich Situationen, in denen sich eine Figur in einem »ethischen oder »sozialen Dilemma oder als Figur einem »Rollenkonflikt befindet.

  • Das Kreuzverhör kann dann in der von US-amerikanischen Gerichtsverfahren bekannten Form durchgeführt werden. Bei dieser Art des Verhörs (engl. cross-examination) werden Beschuldigte und Zeugen abwechselnd (=über Kreuz) von der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung befragt.

  • Dazu werden die Beobachter, am besten schon vor dem szenischen Spiel, in Staatsanwaltschaft und Verteidigung eingeteilt. Die Durchführung des Kreuzverhörs kann aber auch an einzelne oder kleinere Gruppen delegiert werden.

  • Im Kreuzverhör versucht dann jede der beiden Seiten mit Fragen an die im Kreuzverhör vernommene Figur/en zur (Selbst-)Klärung der Motive, Gedanken und Gefühle der Figur beizutragen.

  • Dabei kann sich "Tonlage" des Verhörs, je nach Situation, auch durchaus der übertragenen Bedeutung des Begriffs annähern, wenn "jemanden ins Kreuzverhör nehmen", nämlich bedeutet, "jemanden mit vielen Fragen in Bezug auf etwas hart bedrängen mit der Absicht, etwas Bestimmtes zu erfahren" (»Duden.de)

 

15. Varianten einer Handlung erproben (vgl. Boal 1989, S.82-85)
15.1
  • Für diese Methode wird eine besonders markante Szene ausgewählt, die den Figuren grundsätzlich verschiedene Handlungsoptionen lässt.

  • Dazu kann die Szene zunächst in einem ersten Durchgang von den Darstellern durchgespielt werden.

  • Währendessen überlegen sich die Beobachter, mit welchen Handlungen und/oder aus den Handlungen entstehenden Lösungen sie nicht einverstanden sind.

  • Dann wird die Szene erneut vorgespielt.

  • Wenn das Spiel an die Stelle gelangt, die nach Ansicht eines Beobachters anders weitergehen müsste, hält er/sie die Szene mit einem Stoppsignal an und übernimmt von da an die Rolle der Figur, deren Verhalten er/sie ändern will.

  • Dann wird das Spiel fortgesetzt. Die anderen Mitspieler/innen versuchen dabei ihr bisheriges Spiel in gewohnter Weise fortzusetzen und der (neue) Darsteller versucht mit seinem Spiel seine Vorstellungen vom weiteren Handlungsverlauf durchzusetzen.

  • Gelingt dem (neuen) Darsteller den neuen Handlungsinput mit den anderen fortzusetzen, kann das szenische Spiel mit ihm fortgesetzt werden. Ebenso kann er/sie die Rolle wieder an den ursprünglichen Darsteller "zurückgeben".

  • Gibt der (neue) Darsteller auf, weil es ihm nicht gelingt, seinen neuen Handlungsinput im Spiel mit den anderen durchzusetzen, gibt er seine Rolle wieder an den ursprünglichen Darsteller ab. Dann wird das szenische Spiel solange fortgesetzt, bis ein anderer Beobachter der Handlung durch sein Spiel eine andere Richtung geben will.

 
16. Ein Tableau erstellen
16.1
  • Im Anschluss an die (szenische) Erarbeitung einer Szene oder mehrerer Szenen oder auch eines ganzen Stückes werden die Figuren des Stücks als jeweils eingefrorene Standbilder von einer einzelnen Person so im Raum aufgestellt und gruppiert, dass sich ihre persönlichen und/oder sozialen Beziehungen zueinander in einem Statuenensemble abbilden.

  • Die anderen Beobachter/-innen des Tableaus äußern sich zu der Darstellung.

 
16.2
  • Nach der ersten Lektüre eines Stückes werden die Schülerinnen und Schüler aufgefordert, die Figuren des Stücks als jeweils eingefrorene Standbilder so im Raum aufzustellen und zu gruppieren, dass sich ihre persönlichen und/oder sozialen Beziehungen zueinander in einem Statuenensemble abbilden.

  • Das Tableau, das dabei entsteht, wird fotografiert und in eine Skizze übertragen. Es dient als Folie, auf deren Grundlage die weitere (szenische) Erarbeitung des Stückes erfolgen kann.

 

Gert Egle. zuletzt bearbeitet am: 02.07.2014

     
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