Die •
Literarische Charakteristik ist jedoch ein mehr oder minder
vorgegebenes
globales
schulisches Textmuster, dessen
Schreibaufgaben in
textmusterkonformen Schreiben zu bewältigen sind. Beim
produktorientierten Schreiben soll dabei ein
stilistisch sachlicher, diskursiver Text mit
ausgewiesenem Textbezug herauskommen, so wie es die gegenüber dem
Text distanzierte Schreibrolle verlangt.
Pointiert gesagt: Die Charakteristik beschreibt und erklärt, wie
eine Figur ist, warum sie so ist und woran man das im Text erkennt.
Sie stellt, vereinfacht, die Frage: Was sagt der Text über die
Figur?
Typische Formulierungen
-
"Die Figur will
darauf hinaus…"
-
"Dies zeigt sich
daran, dass …"
-
"Die Figur
verändert ihre Position dazu Im Verlauf der Handlung nicht…"
Literarische Charakteristik des Dorfrichters
•
Adam
in
•
Heinrich von Kleists (1777-1811)
• Komödie • ›Der zerbrochne
Krug‹:
"Kleist charakterisiert Dorfrichter
•
Adam
als eine Figur, die ihr Amt missbraucht, um die Nachbarstochter Eve
zu sexuellen Handlungen zu nötigen. Seine Bemühungen, die fehlende
Perücke zu erklären, verdeutlichen seine verzweifelte Lage, den
Schein der richterlichen Integrität aufrechtzuerhalten (vgl. v. 480
ff.).“

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Im Gegensatz zur •
Literarischen Charakteristik
ist die Ich-Perspektive bei der Rollenbiografie subjektiv,
parteiisch und emotional-expressiv. Um sie textnah zu gestalten,
müssen in der Regel in zuvor ausgeführten •
Arbeitsschritten zur
•
Stoffsammlung und
•
Stoffordnung die
Informationen erfasst, erschlossen und analysiert werden, die ein ▪
dramatischer Text
im Rahmen seiner Möglichkeiten zur ▪
Figurengestaltung
verwendet.
Pointiert gesagt:
Die Rollenbiografie zeigt, wie eine Figur sich selbst sieht, welche
Selbstdarstellung sie betreibt, wie sie denkt und fühlt und welche
(biografisch relevanten) Ereignisse und Verhältnisse sie zu dem
gemacht haben, was sie für sich und andere ist. Sie stellt,
vereinfacht, die Frage: Was würde die Figur selbst über sich und ihr
ihr Leben sagen?
Typische Formulierungen
-
"Ich bin
aufgewachsen in …"
-
"Als junge Frau
habe ich daran geglaubt …“
-
"Wahnsinn! Das
gibt's doch nicht, dass ..."
Beispiel:
Rollenbiografie des Dorfrichters
•
Adam
in
•
Heinrich von Kleists (1777-1811)
• Komödie • ›Der zerbrochne
Krug‹:
"Es ist aus! Aus und vorbei! Sie werden mich jagen, diese Kanaillien!
Zehn Jahre lang Dorfrichter in Huisum und jetzt das. Diese
gottverdammte Perücke! Licht, dieser Schuft, der mir doch noch in
den Rücken gefallen ist. Noch nie sind mir solche Missgeschicke
passiert. Ruprecht, dieser verdammte verdammte Ruprecht. Zieht der
mir doch einfach mit der Klinke eins über und wollte jetzt wieder
handgreiflich werden. Na warte! Naja, Eve hat ja lange dicht
gehalten. Aber Walter, der ließ einfach nicht locker. Ein
durchtriebener, scheinheiliger Bürokrat. Erst tut er so freundlich,
lässt sich von mir munter bewirten. Trinkt, bis er fast betrunken
ist. Jetzt wird die Jungfer alles haarklein erzählen. Wahrscheinlich
nicht alles, sonst vergeht sie vor Scham. Das ist meine einzige
Chance...."
Grundlage der Rollenbiografie
einer dramatischen Figur ist also bei beiden •
schulischen Schreibform der vorgegebene Text.
Was sie dabei unterscheidet, ist der Textbezug. Während sich die
literarische Charakteristik als schulische •
Interpretation eines dramatischen Textes an
literaturwissenschaftlichen Analysekriterien, die Belegbarkeit ihrer
Aussagen und die wissenschaftliche Fachsprache halten muss,
gestaltet die Rollenbiografie ihren Textbezug offener und und ihre
Sprache folgt ästhetischen Wirkungsabsichten.