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Perspektiven beim Erzählen

Innen- und Außensicht

 
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Innere Vorgänge oder nur äußeres Verhalten erzählen

In erzählenden Texten kann der Erzähler über die Fähigkeit verfügen, den Leser "in den Kopf" und damit in das Innenleben einer Figur hineinblicken zu lassen (Innensicht) oder diese nur über ihr äußeres Verhalten zu beschreiben (Außensicht).

Ob der Erzähler dies kann oder nicht, hängt von der ▪ Erzählsituation bzw. der Erzählperspektive ab, mit der die Geschichte (Diegesis, story) präsentiert wird. Dabei muss ein Erzähler, wenn er über die Fähigkeit verfügt, Figuren auf beide Weise darzustellen, natürlich nicht von beiden Gebrauch machen.

Die Fähigkeit des Erzählers, Figuren auf solche Weise darzustellen, kann mit dem Begriff der ▪ Perspektive dann verbunden werden, wenn man darunter den Blickwinkel versteht, von dem der Erzähler auf die von ihm dargestellten Figuren blickt.
Analytisch und systematisch betrachtet ist eine solche Zuordnung allerdings problematisch, andererseits aber wohl kaum aus der Welt zu schaffen, weil eine solche Verwendung sich mit dem ▪ Alltagsgebrauch des Begriffs Perspektive eben doch gut in Einklang bringen lässt. Literaturdidaktisch ist damit wohl das Wesentliche gesagt.

Innen- und Außensicht beim Erzählen

Die Begriffe Innen- und Außensicht bezeichnen also insofern Perspektiven beim Erzählen, die einem Erzähler zur Verfügung stehen können oder nicht.

Innen- und Außensicht bedeuten dabei nicht das Gleiche wie Innen- und Außenperspektive, die in der strukturalistisch ausgerichteten neueren Erzähltheorie kaum Verwendung finden. Innen- und Außenperspektive beziehen sich nämlich auf den Standort des Erzählers (point of view) gegenüber der von ihm dargebotenen Geschichte.

Innen- und Außensicht bezeichnen dagegen Fähigkeiten des Erzählers-

  • Innensicht oder auch Introspektion bedeutet, dass der Erzähler in das Innere, in Gefühle und Gedanken einer Figur Einblick hat. Dabei übernimmt der Erzähler allerdings nicht die Wahrnehmungsperspektive (perzeptive Perspektive) der Figur selbst, weil das Bewusstsein der Figur dabei Objekt des Erzählers bleibt. Innensicht heißt demnach nicht, dass der Erzähler hinter dem Bewusstsein der Figur verschwindet. (vgl.  (Schmid 2005, S.132) Vereinfacht könnte man sagen: Er kann, wenn er will, ihre Gedanken und Gefühle "lesen" und diese erzählen.

  • Außensicht bedeutet, dass der Erzähler die Figuren nur (ggf. als Beteiligter) von außen sieht.

Innen- und Außensicht in den verschiedenen Erzählperspektiven (Erzählsituationen)

Ein auktorialer Erzähler (bzw. der Autor) kann in seiner Allmächtigkeit (Omnipotenz) natürlich entscheiden, ob er bei seiner Informationsvergabe an den Leser, eine Figur aus der Innen- oder Außensicht darbietet. Dabei präsentiert er das Geschehen aber immer noch (als heterodiegetischer Erzähler) aus der Außenperspektive.

Außenperspektive und auktoriales Erzählen gibt es sowohl in Er-Form als auch in Ich-Form.

  • Auktoriale Erzählsituation

    • Distanz zum Geschehen und zu den Romanfiguren (nicht gleichbedeutend mit mögl. Antipathie- und Sympathiebekundungen);

    • Innen- und Außensicht;

    • Kommentare, Wertungen, direkte Leseransprachen, Arrangement von Zeit und Ort des Geschehen

  • Auktoriale Ich-Erzählsituation

    • zeitliche, im Extremfall bewusstseinsmäßige Distanz zum Geschehen und mögliche Distanzierung des Ichs von sich selbst (ein sich erinnerndes Ich erzählt, was das gleiche Ich zu einer anderen Zeit erlebt hat;

    • Unterschied zwischen dem sich erinnernden, erzählenden Ich und dem erinnerten, erlebenden Ich)

    • Der Ich-Erzähler (auktorial, wie personal) bleibt grundsätzlich auf seine eigene Innensicht beschränkt (FAQ). Dennoch kann der Ich-Erzähler als erinnerndes Ich sich kritisch distanzierend zu dem erinnerten Ich verhalten, seine Auffassungen etc. von "früher" beurteilen.
      Im Extremfall allerdings können die beiden Ichs auch so miteinander verschmelzen, dass sich auktoriales Erzählen personalem Erzählen weitgehend annähert.

Beim ▪ personalen Erzählen bleibt die Innensicht auf die jeweils als Erzähler fungierende Figur (Reflektorfigur) beschränkt, die keinerlei Möglichkeiten besitzt in das Innenleben anderer Figuren hineinzusehen. Was sie darüber sagen kann, sind Vermutungen, Rückschlüsse seiner eigenen Beobachtungen oder ist ihm irgendwie zur Kenntnis gebracht worden.

 Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 01.10.2019

 
 

 
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