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Texte überarbeiten

Sozialformen


Die Überarbeitung von Texten, die entweder als Prätextrevisionen vor dem Niederschreiben schon im Kopf vorgenommen werden oder die Textrevisionen i. e. S., die während oder nach einer Textproduktion vorgenommen werden, lassen sich auf der Grundlage unterschiedlicher Methoden durchführen.
Dabei geht es an dieser Stelle nicht um die Handlungsrichtungen beim Überarbeiten, und auch nicht um die jeweiligen  Revisionsebenen, die Revisionsklassen und konkreten Revisionshandlungen, sondern um die Sozialformen, mit denen solche Überarbeitungen in schulischen Schreibprozessen durchgeführt werden können.

Die individuelle Textüberarbeitung

Individuelle Textüberarbeitungen finden während eines Schreibprozesses fortlaufend statt. Als Prätextrevisionen werden schon im Kopf, ehe der Text niedergeschrieben wird, Überarbeitungen vorgenommen, die allerdings häufig dem Schreiber selbst nicht unbedingt bewusst sind. Und von außen zu beobachten sind, von einem entsprechenden Mienenspiel einmal abgesehen, solche Prätextrevisionen auch nicht.
Bedeutung und Umfang von Textrevisionen i. e. S., die von einem Schreiber individuell während oder nach seinem Schreiben vorgenommen werden, hängen neben den äußeren Rahmenbedingungen (z. B. Zeitvorgaben, Recherchemööglichkeiten, Hilfsmittelverfügbarkeit), von der jeweiligen Schreibaufgabe, dem Stand der individuellen Schreibentwicklung, vorhandenen Schreiberfahrungen und den vom Schreiber angewendeten Schreibstrategien ab. Dazu kommen weiter die vorhandene Schreibkompetenz in den verschiedenen Teilbereichen (Zielsetzungskompetenz, inhaltliche Kompetenz, Strukturierungskompetenz), sowie ganz allgemein eine gewisse Revisionskompetenz, die auf einem Mindestmaß an Kompetenzen auf nahezu allen linguistischen Ebenen beruht.
Alles dies macht die individuelle Textüberarbeitung alles andere als zu einem einfach zu bewältigenden Schreibproblem. Dazu kommen in der Regel motivationale Probleme. Wird die Textüberarbeitung, wie oft praktiziert, sehr bald nach dem vollständigen Abfassen eines umfangreicheren Textentwurfs angegangen, fehlt dem Schreiber häufig die nötige zeitliche Distanz zu seinem Text, der ihm erst das Identifizieren von Auffälligkeiten ermöglicht. Daher gelingt es dem einzelnen oft nur schwer, seine "Fehlerblindheit" gegenüber dem eigenen Text zu überwinden. Und dies gilt sowohl für sequenzielle wie auch konzeptionelle Revisionen. So werden, solange ein Schreiber nicht über entsprechende literale Routinen verfügt, auch gröbere Verstöße gegen die Rechtschreibung einfach "überlesen" und Textlöcher" und "Leerstellen" schon im Kopf "gestopft". Dem lässt sich nur durch den Aufbau von Distanz zum eigenen Text sinnvoll entgegenwirken. Damit ist zunächst einmal die Herstellung einer zeitlichen Distanz gemeint. Wird ein Text vom Schreiber nämlich ein, zwei Tage "liegen gelassen", kann er seinen Text sehr viel eher "mit anderen Augen sehen" und seine "Fehlerblindheit" überwinden. (vgl. Merz-Grötsch 2010, S.87) Eine vollständig eigenverantwortliche und vor allem rein selbstgesteuerte Überarbeitung eines geschriebenen Textes stellt daher, wenn der gesamte Schreib- und Überarbeitungsprozess in Einzelarbeit erfolgt ein unter normalen Bedingungen des Schulalltags nur ein bedingt zum Erfolg führendes Verfahren zu sein, das vor allem schwächere Schüler überfordert.
Wird das Verfahren aus bestimmten Gründen praktiziert, z. B. im Gefolge von Rand- oder Abschlusskommentaren zur Verbesserung von Textproduktionen (→ "Berichtigungen" (Fritzsche 1994, S.196) von Klassenarbeiten, Klausuren) sollten die nicht-direktiv gehaltenen Bemerkungen sich auf ganz bestimmte Textstellen beziehen, Hinweise auf die Handlungsrichtung beim Überarbeiten geben und, je nach Leistungsstand des Schreibers, auch Angaben zur Art und Weise der gewünschten Überarbeitung ( Revisionsebene, Revisionsklasse und Revisionshandlungen) machen. Ansonsten können auch Kriterienkataloge oder Checklisten zur Verfügung gestellt werden, die den individuellen Überarbeitungsprozess anleiten können. Dennoch: Motivationale Probleme, die beim Verbessern schon "fertiger" Texte auftreten können (vgl. Fritzsche 1994, S.196), lassen sich eben nicht ohne weiteres aus der Welt schaffen. Wohl nur ein geringer Teil der Schülerinnen folgt, lernstrategisch betrachtet, beim ungeliebten Verbessern widerspruchslos einer problem- und aufgabenbezogenen Orientierung im Zusammenhang mit der gestellten Überarbeitungsaufgabe. Die meisten lassen sich daher, wenn ihnen beim Überarbeiten nicht ihre ich-bezogene Orientierung direkt im Wege steht, von ihrer sozialen Abhängigkeitsorientierung leiten, mühen sich also der Lehrperson bzw. der Note zuliebe damit ab, ihre fertige Textproduktion noch einmal als Entwurf anzupacken.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 29.09.2013
 

                 
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