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Schreibfunktionen


Schreiben kann in kognitionspsychologischer Betrachtung als ein "zielorientiertes Problemlösen" verstanden werden, bei dem es für die Erreichung des Ziels nötig ist, einen Handlungsplan zu entwickeln (vgl. Fix 2008, S. 39). In diesem Zusammenhang gewinnt auch die Frage nach den Intentionen, die ein Schreiber mit seinem Text verfolgt, großes Gewicht. Die Zielorientierung ist ein wichtiger "Maßstab für die einzelnen Formulierungsentscheidungen, z. B. hinsichtlich der Bedeutung von Textsortenormen und des Beachtens stilistischer Konventionen." (Fix 2008, S.42). Allerdings hat man angesichts der Vielfalt unterschiedlicher Schreibstrategien wie sie z. B. Ortner (2000) entwickelt, nicht ganz zu Unrecht, gegen eine solche Zielorientierung vorgebracht, sie sei, wie der gesamte Problemlöseansatz zu zweckrational ausgerichtet. (→ZielsetzungskompetenzFormulierungskompetenz)
Die Reflexion über die Schreibfunktion liefert einen Rahmen, der das Schreiben an bestimmten Stellen des Schreibprozesses mehr, an anderen Stellen weniger leiten kann. Ohne Klarheit hinsichtlich der Schreibfunktion kann z. B. das →Überarbeiten eines Textes kaum gelingen. (vgl. ebd,) (Revisionskompetenz)
Dies gilt insbesondere dann, wenn es sich bei den Revisionshandlungen nicht nur um "kleinere kosmetische Korrekturen am Schriftbild, Streichungen und Ergänzungen im formalen Bereich" oder Korrekturen handelt, mit denen man "Verstöße (oder vermeintliche Verstöße) gegen die Normen der Orthographie, Zeichensetzung, Syntax oder Semantik" beheben will. (Baurmann 2002/2008, S.94). Sollen nämlich beim Überarbeiten "Verbesserungen" vorgenommen werden, erfolgen diese auf der Grundlage bestimmter Überarbeitungsstrategien "leser-, schreiber- oder textorientiert". Maßgebend sind dabei  Erwägungen, "die den jeweiligen Grad an Angemessenheit, Wirksamkeit, Verständlichkeit u. dgl." berücksichtigen. (ebd.) (→Texte überarbeiten)

Ludwig (1980, S,85ff.) unterscheidet neun Funktionen, die das Schreiben zwischen den Extremen eines adressatenfreien Schreibens und eines sehr stark leserorientierten Schreibens (vgl. Girgensohn/Sennewald 2012, S.37) kennzeichnet. Danach gibt es Schreiberinnen und Schreiber, die

In Anlehnung an Ludwig (1980, 1983) haben Ossner (1995) und, auf diesem aufbauend, Fix (2008, S.41) verschiedene Kategorisierungen von Schreibfunktionen vorgenommen, welche die Intentionen des Schreibers erfassen:

Ossner (1995, zit. n. Fix (2008, S.41) unterscheidet dabei fünf Textfunktionen, die er drei verschiedenen Bereichen zuordnet:

   

Wer für sich schreibt, verfasst z. B. ein Tagebuch, wer für andere schreibt, kann ihnen eine Geschichte erzählen. Eine Einladung ist dagegen ein Textprodukt, das an andere geschrieben ist, und Notizen oder die Abfassung eines Exzerptes dient dazu, die entsprechenden Inhalte aus dem Kopf zu bekommen und damit das Gedächtnis zu entlasten. Beim Erörtern schließlich können neue Erkenntnisse gewonnen werden.

Fix (2008, S.41) hat das Modell auf zwei Bereiche vereinfacht (s. Abb. unten). Ferner betont er die Zwischenstellung literarisch-ästhetisch orientierter Texte, die sowohl personal-selbstreflexiven als auch leserorientiert-kommunikativen Intentionen folgen könnten. Im Zusammenhang mit dem Essay als literarische Zweckform oder als Essay schulische Schreibform lässt sich dies besonders gut verdeutlichen, da er in beiden Fällen sogar in einem einzigen Text  Passagen enthalten kann, die ihrer Intention nach eindeutig für andere geschrieben sind, und Ausführungen, die für sich selbst abgefasst sind oder als solche erscheinen. (→Entfaltung des Essaythemas)

Fritzsche (1994, S.32f.) hat in seiner Systematisierung traditioneller und moderner Aufsatzarten (→Kommunikative Funktionen des Schreibens in der Schule) die kommunikative Funktionen des Schreibens im Unterricht zur Grundlage seiner Einteilung gemacht, wobei es seiner Ansicht nach  zwischen allen "Sparten"  vielfältige "Funktionsüberschneidungen" gibt. Er unterscheidet:

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 29.09.2013

                 
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