Die Vorgeschichte
1713 heiratete
der Harlekinspieler »Johann
Caspar Haack (um 1670-1722) die verwitwete Prinzipalin der
Elenson'schen Schauspielgesellschaft, »Sophie
Julie Elenson (um 1690-1725). Diese war in Schauspielkreisen
eine "gute Partie. Hatte sie doch das von ihrem Ehemann Julius
Franz Elenson, der im Jahr 1708 verstorben war, hochfürstlich mecklenburgische Schauspielprivileg geerbt. Schon
bald hatte sie ihre Konkurrenten ausgeschaltet. So musste der in
Dresden beheimatete Prinzipal Gabriel Müller "zunächst aus dem
Dresdner Gewandhaus am Neumarkt in ein erstmals erwähntes
kleines Theatrum und wenig später ins Baltikum" (Schlegel
2012b) weichen. Und auch aus dem Konkurrenzkampf mit der •
Veltenschen Truppe, die seit 1692 von Catharina
Elisabeth Velten (um 1646/1650-1712/1715), der Witwe ihres
Gründers »Johannes
Velten (1634-1692) geführt wurde, ging Witwe Elenson mit ihrem
Schutzpatent des Kurfürsten in der Tasche als Siegerin hervor.
(vgl.
ebd.)
»Johann
Caspar Haack (um 1670-1722) hatte im Jahr 1714 das
sächsische Theaterprivileg erteilt bekommen, das ihn zunächst
berechtigte, neben den seit 1692 ausdrücklich für die Messezeit
bevorrechtigten Opernaufführungen 15 Komödien aufführen zu
dürfen. Später wurde dieses Schutzpatent auf sämtliche Orte im
Kurfürstentum Sachsen ausgedehnt. (vgl.
Schlegel
2012a)
Als seine Frau »Sophie
Haack,
geb. Elenson (um 1690-1725), die nach dem Tode von Johann
Caspar dessen Theaterprivileg 1723 geerbt »Karl
Ludwig Hoffmann geheiratet hatte, selbst im Jahr
1725 verstarb, erhielt ihr neuer Mann das • sächsisch-polnische Theaterprivileg
allerdings
nur noch vorläufig für die Dauer eines Jahres
erteilt. Aus verschiedenen Gründen wirtschaftete
dieser die Theatergesellschaft herunter und so löste sich die Haack-Hoffmannsche
Truppe bald danach auf.
Friederike Caroline Neuber und ihr Mann verließen in
diesen Zeiten die
Haack-Hoffmannsche Truppe, um ihre eigene Theatergesellschaft
zu gründen. Dazu warben sie auch einige Mitglieder
ihrer alten Truppe ab.
»Joseph
Ferdinand Müller (1700-1761), ein ebenfalls
renommierter Schauspieler und Harlekindarsteller der Haack'schen Truppe und
seine Frau Susanne Katherine Elenson, eine Tochter
Sophie Haacks aus erster Ehe, gingen nach der
Auflösung der Haack-Hoffmannschen Truppe als
Hofschauspieler an den Hof von »Herzog
August Wilhelm von Braunschweig-Wolfenbüttel
(1632-1731), der sie zunächst einmal fest
anstellte.
Die Neuberin erhält das kursächsisch-polnische Theaterprivileg
1727 gründeten
Friederike Caroline Neuber und ihr Mann »Johann
Neuber (1697-1759) zehn
Jahre nach dem Beginn ihrer Schauspielerkarrieren in
dem etwas mehr als 30.000 Einwohner zählenden
•
Leipzig
die Neuber'sche Komödiantengesellschaft, in der
Johann Neuber als Mann nominell Verwaltungsleiter
und sie die Prinzipalin war.
Sie erkannten wohl schnell, dass
die Situation um das sächsisch-polnische
Theaterprivileg nach der Auflösung der
Haack-Schönemannschen Truppe unklar war, bewarben
sich um das Schutzpatent und erhielten dies
vom »Kurfürsten
von »Sachsen,
»August
dem Starken (1670-1733), der in »Personalunion
»König
von Polen und »Großfürst
von Litauen
war, am 8. August 1727 zugesprochen.
Sie durften
damit im ganzen Herrschaftsgebiet ihres Landesherrn
auftreten und erhielten zusätzlich das Recht,
während der »Leipziger
Messen eine feste Bühne zu errichten.
Einen besseren Start in die Selbständigkeit mit
ihrer eigenen Truppe hätte sich Friederike Caroline
Neuber wohl kaum erträumen können. Und so machte sie
sich sofort daran, mit eigenen finanziellen Mitteln
einen im geräumigen
Haus »Großer
Blumenberg am Brühl über den Fleischerbänken gelegenen
großen Saal in ein Theater umzubauen.

Für größere Ansicht bitte an*klicken*tippen!
Das Reformbündnis der Neuberin mit Johann
Christoph Gottsched
Im gleichen Jahr (1727) beginnt die Freundschaft Friederike
Caroline Neubers mit dem Leipziger Philosophen und
Aufklärer »Johann
Christoph Gottsched (1700-1766). Dieser hatte
sich schon seit 1725 deutschlandweit einen Namen als
Herausgeber seiner
moralischen Wochenschrift Die vernünftigen
Tadlerinnen gemacht und danach ab 1729 unter dem
Pseudonym Ernst Wahrlieb Biedermann die
Wochenschrift »Der
Biedermann veröffentlicht. Zugleich leitete
er seit 1727 die in Leipzig beheimatete »Deutsche
Gesellschaft, einer Sprachgesellschaft, die
sich zum Ziel gesetzt hatte, die Entwicklung einer
von Fremdwörtern und mundartlichen und dialektalen
Sprachvarietäten befreiten deutschen Standard- bzw.
Einheitssprache zu fördern.
Gottsched sah sich in dieser Zeit schon seit einiger
Zeit nach einer Theatergesellschaft um, mit der er
seine theoretischen Vorstellungen über eine Bühnen-
und Theaterreform in der Praxis umsetzen konnte.
Seine diesbezüglichen Ambitionen, »Karl
Ludwig Hoffmann und die Haack-Hoffmannsche
Truppe als Partner für seine •
Theaterreform zu gewinnen, schlugen allerdings
im Zuge des raschen Niedergangs dieser Truppe fehl.
So kam ihm die Prinzipalin der
neuen Neuber'schen Komödiantengesellschaft, die gerade mit
dem Theaterprivileg ausgestattet worden war, gerade
recht, um mit ihr Kontakt aufzunehmen und in der
Folge ein Reformbündnis zur Erneuerung des deutschen
Theaters zu schließen.
Ihm war wohl bei Aufführungen der Neuberschen Truppe
aufgefallen, dass sie schon selbst begonnen hatte,
erste Schritte in Richtung seines propagierten Wegs
der • Literarisierung des
Theaters zu gehen. So hatte sie schon damit
begonnen, ihr Improvisationsspiel einzuschränken,
sich strenger an die zumeist französischen
Dramentexte zu halten und diese mittels des
französisch-pathetischen Theaterstils darstellerisch
umzusetzen
Außerdem bemühte sich Friederike Caroline Neuber, mit ihren
Mitteln Voraussetzungen für ein neuartiges,
zeitgemäßes und niveauvolles Theater zu
schaffen, indem sie u. a. die Professionalisierung der
Schauspielkunst ihrer Truppe vorantrieb und herausragende Schauspieler
verpflichtete. Zugleich setzte
sie alles daran, ihre Schauspieler auch außerhalb
des Theaters zu einem anständigen und moralisch
unanstößigen Verhalten anzuhalten, um das
Negativ-Image der Schauspieler als • "fahrendes Volk", auf das die meisten
herabsahen, zu verbessern. Wahrscheinlich hegte sie
damit auch
die Hoffnung auf den Erwerb des
Bürgerrechts und damit die Chance, in der Stadt eine
dauerhafte feste Spielstätte eröffnen zu
können. Und vor allem:
Sie war bereit, nach den •
Regeln zu spielen, die
Gottsched für Tragödien und •
Komödien (1730), orientiert an
den französischen Vorbildern, aufgestellt hatte, um
dem "Pöbeltheater" den Kampf anzusagen.
Vorausgesetzt: Gottsched lieferte eine hinreichende
Anzahl von Übersetzungen der französischen Dramen,
mit denen man den moraldidaktischen Zielen des
"gereinigten" Theaters Genüge leisten konnte.
Das Reformbündnis der beiden hatte zum Ziel, das deutsche Theater nach dem Muster der »französischen
Klassizisten »Pierre
Corneille (1606-1684), »Jean Racine (1639-1699)
und »Molieres
(1622-1673) umzubauen. Dazu sollten die »Stegreifkomödie,
die derb-komischen Possenreißerei der "Comedians"
der Zeit, der »Harlekins,
»Hanswursts
und •
Pickelhärings etc., die allesamt Symbolfiguren
für oberflächliche und auf bloße Showeffekte
ausgerichtete Rivalitäten in einem dominant •
nonverbalen, körperbetonten Spiel
waren, von der Bühne vertrieben werden (vgl. Brauneck
2012, S.199). Kurzum "alles Possenhafte und Burleske wie
auch alle spektakulären Effekte der
Bühnenmaschinerie" (ebd.) sollte im deutschsprachigen Raum
zurückgedrängt werden, um den Weg für ein davon
"gereinigtes" Theater freizumachen, das der
Unterhaltung und moralischen Besserung des Publikums
gleichermaßen dienen konnte.
Gottsched sagte der Prinzipalin zu, sie mit einer hinreichen Zahl von
Übersetzungen französischer Klassiker zu versorgen
und
sie versprach, diese Stücke textgetreu und nach
seinen
Regeln aufzuführen. Was sie sich vornahmen, war
nicht weniger als eine •
grundlegende
Geschmacksveränderung beim Publikum.
Angesichts der
Tatsache, dass das Publikum die »Hanswurstiaden der anderen
Wandertheater eigentlich mit großem Genuss sah, war der
Weg, den
Friederike Caroline Neuber ging, nicht ohne Risiko, schließlich hatte sie
auch dafür zu sorgen, dass ihre Theaterkompanie finanziell
versorgt war. Dass sie diese Risiken einging, und dabei die
ersten Schritte "in die Richtung einer disziplinierten
Schauspielkunst, weg von einem den Stars in den Truppen
überlassenen Improvisationstheater" (Brauneck
2012, S.199) ging, macht sie im Nachhinein zur wichtigsten
Theaterreformerin ihrer Zeit. Im Vertrauen darauf, dass die
Geschmacksveränderung gelingen würde, verfolgte sie
ihre Ziele auch bei ihren Gastspielreisen in
in den mittleren und großen Städten Deutschlands wie
Hamburg, Frankfurt, Braunschweig oder Straßburg und
galt dadurch binnen kurzer Zeit als eine der besten
Schauspielerinnen ihrer Zeit. (vgl.
Fischer-Lichte 1993,
S.90).
Die für die neue Neuber'sche Komödiantengesellschaft nahezu
optimalen Ausgangsbedingungen in Sachsen und Leipzig und das
Gefühl, mit »Johann
Christoph Gottsched (1700-1766) den bedeutendsten
Theoretiker der neuen Schaubühne hinter sich zu haben, hielten
Friederike Caroline Neuber aber nicht lange auf ihrem
Erfolgskurs. Dieser hatte 1731 mit der umjubelten Uraufführung von Johann
Christoph Gottscheds Mustertragödie "Sterbender
Cato" einen Höhepunkt und verhieß 1732 mit einem mit dem
Leipziger Magistrat auf drei Jahre geschlossenen
Pachtvertrag für den Theatersaal im »Großen
Blumenberg auch weiterhin mehr oder weniger rosige
Zukunftsaussichten.
Der Tod »Augusts
des Starken (1670-1733) führte allerdings dazu, dass im Jahr
• 1733 die Karten um
das kursächsisch-polnische Theaterprivileg neu gemischt wurden
und der Kampf um die Monopolstellung in Leipzig neu entbrannte.
Nach
dem Tod des »Kurfürsten
von »Sachsen,
»August
dem Starken (1670-1733)
gab es nach der herrschen Zeremonialverordnung ein
Trauerjahr, in dem keine Theaterveranstaltungen in
Leipzig und anderswo in Sachsen stattfinden durften.
Daher begab sich die Neuber'sche Truppe auf eine
Tournee durch Norddeutschland. Friederike Caroline vertraute darauf,
dass sie nach ihrer Rückkehr das kursächsisch
und königlich-polnische Theaterprivileg erneut zugesprochen
bekommen würde und sie damit ihre privilegierte Stellung am
Theaterschauplatz in
•
Leipzig
behaupten würde behaupten können. Offenbar ziemlich blauäugig kümmerte sich das
Ehepaar Neuber zu wenig darum.
Die
Abwesenheit der Neubers und ihrer Truppe nutzte »Joseph
Ferdinand Müller (1700-1761), dem bzw. dessen
Frau das Privileg als Erbin Sophie Haacks, die das •
Schutzpatent ihres
Mannes 1722 offiziell geerbt hatte, ohnehin
eher zustand, die Gelegenheit, diese Ansprüche geltend
zu machen. Anfang September bekam er auf Verfügung
der Landesregierung in Dresden das Theaterprivileg
zugesprochen.
Da
Müller allerdings befürchten musste, dass nach der
1732 erfolgten Verpachtung des »Großen
Blumenbers
an die Neubers, sich die konkurrierenden
Theatergesellschaften den sächsischen
Theaterschauplatz teilen sollten, startete er eine
persönliche Intrige gegen Friederike Caroline Neuber
und bezichtigte sie in einem sechsseitigen Dossier
an den Landesherrn, die zwei jüngsten Kinder Sophie
Julie Haacks entführt und statt römisch-katholisch
protestantisch erzogen zu haben. Die Intrige hatte
Erfolg.
Die
Neuber'sche Komödiantengesellschaft wurde am Ende
nach längerem Hin und Her von Eingaben aller Art aus dem
sächsischen Theaterschauplatz endgültig
herausgedrängt, als »Joseph
Ferdinand Müller (1700-1761)
als Ergebnis seiner erfolgreichen Intrige trotz des
bestehenden Pachtvertrags auch
die Aufführungsrechte für den »Großen
Blumenberg in
•
Leipzig
übertragen bekam. Damit hatten die »Hanswurstiaden
den Theaterschauplatz
•
Leipzig
vorläufig
zurückerobert.
Die Neuberin, die sich in der Auseinandersetzung
um die Spielstätte stets gegen das Argument Müllers verwehrt
hatte, in der Stadt könne nur eine einzige Theatergesellschaft
finanziell halten, zog am Ende den Kürzeren, weil Müller klar
war, dass Leipzig nicht der Ort war, wo er "neben Neuber
bestehen konnte, denn gewann er selbst allenfalls für einige
Zeit das Publikum der unteren Classe in Leipzig, so war doch
dessen gewiß. daß das "gelehrte und gebildete Publikum allein
der Neuber gehörte. Müller fürchtete die Neuber und suchte sie
deshalb auf diese Weise aus Leipzig zu verdrängen." (Reden-Esbeck
1881, S. 135)
Am Ende war es
aber nicht Müller allein, der dies bewirkt, sondern Johann
Neuber. Denn als die Neuberin mit ihrer Truppe wider aller
Erwartungen auf Fürsprache einflussreicher Gönner hin, ihre
Theaterräume 1734 im »Großen
Blumenberg in
•
Leipzig
wieder beziehen durfte, "(macht) ausgerechnet Johann,
stets an ihrer Seite und Kämpfer für die Theaterreform wie sie
selbst, (...) den hart errungenen Sieg zunichte. Gemeinsam mit
seinem Widersacher Müller erscheint er an einem Morgen in diesem
Mai auf dem Leipziger Rathaus und erklärt «vor sich und in
ehelicher Vormundschafft seines Eheweibes Fridericen Carolinen
daßwenn diese Meße die Commoedien zu Ende seyn würden, er das
Theatrum und was darzu gehöre von Fleischhause wegschaffen auch
geschehen laßen wolte, daß Müller ins künfftige Commoedien
daselbst agiren möchte». Johann verzichtet auf das Theater und
macht Müller den Weg frei." (Oelker
2024, S. 82, Kindle Edition)
Friederike wehrt sich in verschiedenen Eingaben beim
Rat der Stadt, an den König und andere
einflussreiche Personen und will die «irrige und
ganz wiederrechtliche Erklärung» (zit. n.
ebd.) ihres Mannes annullieren lassen, doch ihr
Aufbäumen "gegen die Fessel der ehelichen
Vormundschaft, die doch in dieser geschäftlichen
Sache nicht ausreichen dürfe, um ihren Mann ohne
ihre Mitsprache entscheiden zu lassen" (ebd.,
S.83f.), bleibt ohne Erfolg. Während die Sache noch
in der Schwebe ist, "zeigt sie ihrem Publikum den
ganzen Streit als allegorisches Vorspiel. (ebd.,
S.84), indem sie ihren Streit mit Müller und die
unversöhnliche Kontroverse zwischen dem
Hanswurst-Theater und dem geregelten Schauspiel
thematisiert. (• Vorrede der Verfasserin
zu "Ein Deutsches Vorspiel", 1734)
1734 hatte die
Neuberin den Kampf um den Theaterschauplatz in Leipzig endgültig
verloren und muss "gedemütigt – und mit leerer Kasse" (ebd.,
S.86), und mit einer ungewissen Zukunft die Stadt verlassen.
Im Unklaren
darüber, ob das alte Reformbündnis mit »Johann
Christoph Gottsched (1700-1766) halten und das von ihr
geknüpfte Netzwerk an Beziehungen zu höher stehenden
Fürsprecher*innen und Gönner*innen angesichts ihrer
offenkundigen Niederlage gegen einen "Afterkomödianten“,
"Pöbelprinzipal" und Hanswurst weiterhin Bestand haben würde,
war sie frustiert, aber auch sehr verunsichert, als sich die
Stadttore Leipzigs hinter ihr und ihrer Truppe der ehemaligen
Neuber'schen Hofkomödianten schlossen.
In einem Brief
an Gottsched, den sie ihm am 13. November 1734 aus Lübeck
schrieb, artikulierte sie schonunglos, was sie in dieser Zeit
umtrieb: " … ich bin gescheucht, verjagt und verstoßen geblieben
und bis an das äußerste des Meeres hier her getrieben [ … ]
wolte ich mich endlich mit mein übel gesinnten Schicksaal
friedlich vertragen und gedult haben bis ich Mein allerliebstes
vernünfftiges Leipzig wieder sehen könte, wenn ich nur
versichert wäre, daß mein unglück nicht auch ein räuber meiner
sehr werthen Freunde mit der Länge der zeit werden könte. Ich
gestehe es, ich fürchte mich davor mehr als ich Furcht hatte gut
und glück zu verlieren, und ich bitte Sie vermöge Ihrer guten
eigenschafften mein beystand zu verbleiben und mir durch Dero
aufrichtige Freundschaft auch das gute andencken und die wahre
Freundschaft der übrigen sicher und vor mich gut zu erhalten …"
(Reden-Esbeck
1881, S. 168)
Friederike
Caroline Neuber, die inzwischen überall als herausragende
Schauspielerin bekannt ist, hatte aber noch einflussreiche und
mächtige Freunde. In »Braunschweig
stellte ihr der »Herzog
Ludwig Rudolf von Braunschweig-Wolfenbüttel
(1671-1735) das »Opernhaus
am Hagenmarkt, in dem sonst nur Opern gezeigt
wurden, für eine Aufführung von »Johann
Christoph Gottscheds (1700-1766) Mustertragödie
"Sterbender Cato" zur Verfügung. Und nach
dem baldigen Tod des Herzogs und einem mehrmonatigen Gastspiel
in Hamburg, dessen Magistrat sie nicht dazu bewegen konnte, ihr
die Einrichtung einer festen Spielstätte für die Dauer von 12
Jahren zu erlauben, zog sie mit ihrer Truppe auf Einladung des »Herzog
Karl Friedrich von Schleswig-Holstein (1700-1739)
zu einem längeren Gastspiel in dessen etwa »5.000
Einwohner zählende Residenzstadt »Kiel.
Dort durfte sie im Saal des Ball-Hauses eine Spielstätte
einrichten. Zudem verlieh der Herzog ihrer Truppe
das schleswig-holsteinische Privileg als Hof-Comoedianten, befreite sie von allen Abgaben und
zeigte sich auch finanziell ihr gegenüber großzügig.
Zum Geburtstagsfest des Herzogs
wurde das Stück Friederike Caroline Neubers »"Die
von der Weisheit wider die Unwissenheit beschützte Schauspielkunst“ 1736
wahrscheinlich im im Saal des Ball-Hauses in »Kiel
aufgeführt (•
Vorrede 1736). Die Stadt selbst war aber für das Auskommen der Truppe
deutlich zu klein.