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Wanderbühnen
im Barock (1600-1720)
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Überblick
• Robert Browne und die englischen Komödianten
• Johannes Velten
und die deutschen Wandertruppen
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Die Narrenfigur des
Pickelhäring
Die •
Wanderbühnen, deren "Wandertruppen"
schon im •
Barock (1600-1720) aus Italien, England, Frankreich und den
Niederlanden kommend überall in Europa unterwegs waren, gehörten
auch in der ▪
Literaturepoche der
▪
Aufklärung
(1720-1785) zu dem Erscheinungsbild der
Theaterlandschaft im deutschsprachigen und europäischen Raum. Da
es in dieser Zeit •
noch kaum feste
Spielstätten gab, wo sie ihre Bühnen hätten dauerhaft
einrichten können, waren sie zu einem immerwährenden Wanderleben
gezwungen und waren ständig bemüht, in einer möglichst größeren
Stadt oder auch an einem der Höfe von Fürsten für ein paar Tage
oder Wochen gastieren zu können.
Theatertruppen
hatten mitunter große Schwierigkeiten, Auftrittsgenehmigungen zu
erhalten, da viele Obrigkeiten Schausteller als Bedrohung für
Moral und Ordnung ansahen. Behörden prüften Truppen und Stücke
streng, verboten Aufführungen oder verlangten Streichungen. Und
auch der Klerus hatte gewöhnlich nichts für das Theater der
Wanderbühnen übrig. Konkurrenz bestand nicht nur zwischen
Wanderbühnen, sondern auch mit zahlreichen anderen
Unterhaltungsanbietern wie Quacksalbern, Seiltänzern, Gauklern
oder Menagerien. Als Auftrittsorte waren Messestädte wie
Leipzig besonders attraktiv, weil Wanderbühnen während der
Messen am ehesten ihre Bretterbuden errichten durften. Wer von
ihnen dabei zum Zuge kam, hing oft von den landesherrlichen
Theaterprivilegien ab. Diese verliehen den damit ausgezeichneten
Gruppen quasi Monopolrechte im Herrschaftsgebiet des
Landesherrn. Solche mit dem Titel "Hofkomödianten"
ausgezeichneten Gruppen waren damit meistens für eine längere
Zeit finanziell abgesichert. Ob man Hofkomödiant wurde, hing
aber nicht ´davon ab, ob man niveauvolles Theater oder einfache
Hanswurstiaden darbot, sondern letztlich allein von der Gunst
des Landesherrn.
»Friederike
Caroline
Neuber (1697-1760) gründete 1727 mit ihrem Mann »Johann
Neuber (1697-1759) eine eigene Theatergesellschaft.
Mit dem
sächsisch-polnischen Hofprivileg Augusts des Starken erhielt sie
das lukrative Monopol im Herrschaftsgebiet und durfte zur
Messezeit eine feste Bühne betreiben. Auf eigene Kosten ließ sie
im „Großen Blumenberg“ einen Saal zum Theater umbauen und
orientierte sich an französischen Vorbildern mit einem moralisch
anspruchsvollen Repertoire.
Im selben Jahr
verband sie sich mit dem Leipziger Aufklärer Johann Christoph
Gottsched. Er stellte Regeln und Übersetzungen französischer
Klassiker bereit, während sie textgetreues, diszipliniertes
Spiel, Professionalisierung der Schauspielkunst und
bürgerlich-sittliches Auftreten versprach. Gemeinsam wollten sie
die populären Hanswurst- und Harlekinpossen verdrängen und das
Theater literarisch erneuern. 1731 feierte die Truppe mit
Gottscheds „Sterbendem Cato“ großen Erfolg; 1732 erhielt sie den
Saal im Großen Blumenberg auf drei Jahre verpachtet.
Nach Augusts Tod
1733 ruhte der Spielbetrieb und die Neuber'schen Hofkomödianten
gingen auf Tournee in Norddeutschland. Während ihrer Abwesenheit
beanspruchte ihr früherer Mitspieler Joseph Ferdinand Müller,
verwandt mit der privilegierten Familie Haack/Elenson, das
Theaterprivileg und erhielt es.

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Um den Leipziger
Schauplatz zu sichern, intrigierte Müller gegen Neuber und
setzte schließlich auch Aufführungsrechte im Großen Blumenberg
durch – trotz bestehender Pacht. 1734 durfte Neuber zwar
kurzzeitig zurück, doch ihr Mann Johann erklärte überraschend,
das Theater nach der Messe an Müller zu überlassen. Neubers
Eingaben an Rat und König blieben erfolglos.
Sie verlor
Leipzig endgültig und verließ die Stadt „gedemütigt und mit
leerer Kasse“. In einem Brief an Gottsched bat sie um Beistand
und fürchtete um den Verlust ihrer Förderer. Dennoch fand sie
neue Unterstützung: In Braunschweig durfte sie Gottscheds
„Sterbenden Cato“ im Opernhaus geben, in Hamburg scheiterte ihr
Plan einer festen Bühne. Auf Einladung Herzog Karl Friedrich von
Schleswig-Holstein (1700-1739) spielte sie länger in Kiel,
erhielt dort das Hofprivileg, Abgabenfreiheit und finanzielle
Hilfe. Für die dauerhafte Versorgung der Truppe war Kiel jedoch
zu klein.