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Wanderbühnen
im Barock (1600-1720)
•
Überblick
• Robert Browne und die englischen Komödianten
• Johannes Velten
und die deutschen Wandertruppen
•
Die Narrenfigur des
Pickelhäring
Die •
Wanderbühnen, deren "Wandertruppen"
schon im •
Barock (1600-1720) aus Italien,
• England, Frankreich und den
Niederlanden kommend überall in Europa unterwegs waren, gehörten
auch in der ▪
Literaturepoche der
▪
Aufklärung
(1720-1785) zu dem Erscheinungsbild der
Theaterlandschaft im deutschsprachigen und europäischen Raum.
Dem ausländischen Bespiel folgend hatten sich schon im 17.
Jahrhundert auch verschiedene deutsche Wandertruppen wie z. B.
die von •
Carl Andreas Paulsen (1620–1678) und •Johannes
Velten (1634-1692) gebildet, die, auch wenn sie lange
kopierten, was die englischen Komödianten im Repertoire hatten,
als • "Hochteutsche
Komödianten" von Stadt zu Stadt zogen, um das breite
Publikum mit ihren Aufführungen zu unterhalten.
Im 18.
Jahrhundert wurden
»etliche deutsche Wanderbühnen gegründet, die sich im
deutschsprachigen Raum Konkurrenz machten.
Hier werden
exemplarisch die drei Gruppen von
Konrad Ernst Ackermann,
Abel Seyler und Conrad
Ekhof, sowie mit besonderem Fokus, die sog. •
Neubersche Truppe von Caroline Neuber (1697-1760)
»Konrad
Ernst Ackermann (1712–1771) war einer der bedeutendsten
Schauspieler und Theaterunternehmer (Prinzipale) des 18.
Jahrhunderts. Er gründete 1751 eine eigene Truppe gründete und
erhielt 1753 das Privileg zum Bau eines eigenen Theaters in »Königsberg
erhielt. Allerdings musste er das 1755 als erstes größeres
deutsches Privattheater eröffnete »Königsberger
Theater mit mehr als 800 Plätzen schon ein Jahr später
nach dem Ausbruch des »Siebenjährigen
Krieges (1756-1763) wieder aufgeben. 1764 kam Ackermann mit
seiner Theatergruppe zu Auftritten nach Hamburg, wo er gegen
Zahlung von 40 Reichstalern ein Jahr später (1765) als erster
Schauspieler im 18. Jahrhundert das Bürgerrecht einer Stadt
erwarb, das ihm neue Möglichkeiten bot. So eröffnete er im
selben Jahr das von ihm erbaute »Theater
am Gänsemarkt. Im März 1767 verpachtete er sein Theater an
eine von dem Kaufmann Abel Seyler
(1730-1800) gegründete Aktiengesellschaft zur Gründung eines
Hamburger Nationaltheaters. Wie die meisten Schauspieler seiner
Gesellschaft wurde er Mitglied dieser »Hamburgischen Entreprise
(1767-1769). Nach dem Scheitern des »Nationaltheater-Projekts
in Hamburg 1769 übernahm Ackermann noch einmal die Leitung einer
eigenen Wandertruppe und ging mit ihr auf Tournee.
»Abel
Seyler (1730-1800) war im Gegensatz zu den anderen
Prinzipalen der Theatergruppen selbst kein Schauspiele, sondern
eigentlich Unternehmen. Sein Theaterprojekte zeigen dabei auch
die Handschrift des ökonomisch denkenden Unternehmers, auch wenn
er sich nach Aufgabe seines Geschäftes gänzlich dem Theater
verpflichtet sah. Er brachte sich und sein Vermögen in die so
genannte »Hamburgische Entreprise
(1767-1769), die sich als Gründung eines
Nationaltheaters
in Hamburg verstand und ein Projekt war, dem sich auch »Gotthold
Ephraim Lessing (1729-1781) als »Dramaturg
anschloss. Nach dem finanziellen Aus des ambitionierten Projekts
im Jahr 1769 gründete Abel Seyler eine eigene Wandertruppe.
Die »Seylersche
Schauspiel-Gesellschaft galt in den zehn Jahren ihres
Bestehen als eine der herausragenden Theatertruppen der Zeit. Zu
der 60 Mitglieder zählenden Truppe gehörten immer wieder die
Topstars der Schauspielszene, namhafte Dramaturgen und
Komponisten.
1711 erhielt die Truppe am so genannten »"Weimarer
Musenhof" von »Anna
Amalia von Braunschweig-Wolfenbüttel (1739-1807), der »Herzogin
von Sachsen-Weimar und Eisenach, ein dauerhaftes Engagement
und inszenierte seine Aufführungen im Opernsaal des
Stadtschlosses, im Redoutenhaus oder auf den Schloss- und
Naturbühnen von »Schloss
Ettersburg und von
»Schloss Tieffurt, der Sommerresidenz der Herzogin, wo auch
immer wieder Aufführungen ihres Liebhabertheaters stattfanden.
Nach dem verheerenden
Schlossbrand am 6.10.1774 musst Seyler jedoch mit seiner
Truppe weiterziehen.
Im Jahr 1776
erhielt er das kursächsische Privileg und eröffnete im gleichen
Jahr in
Dresden ein neuerbautes Sommertheater. In den darauf
folgenden Jahren zog die Wandertruppe in anderen Gegenden im
Westen Deutschlands umher.
In seinen
späteren Jahren bis zu seinem Tod im Jahr 1800 beteiligte er
sich an der Errichtung des »Nationaltheaters
in Mannheim, war dort von 1791 bis 1781 Direktor, danach
zwei Jahre lang Direktor des »Schleswigschen
Hoftheaters in der Nähe von »Schloss
Gottdorf in »Schleswig,
das er nach einem erneuten Zwischenspiel als Leiter des
Ackermannschen Comödiantenhauses in Hamburg (1783 bis 1787),
bis 1792 erneut leitete. Schleswig war neben
Gotha und
Mannheim 1781 die einzige Stadt in Deutschland, die ein
Hoftheater mit einem eigenem Ensemble besaß.
»Conrad
Ekhof (1720-1776) galt zu seiner Zeit als einer
herausragendsten Schauspieler, dessen besondere Leistung für die
Theaterentwicklung in Deutschland in dem realistischen
Darstellungsstil bestand, den er auf den deutschen Bühnen
einführte.
Zunächst
arbeitete er als erster Schauspieler in den Theaterkompagnien
von Abel Seyler – der »Hamburgischen Entreprise
(1767-1769) und der »Seylerschen
Schauspiel-Gesellschaft.
Als die
Seylersche Schauspielgesellschaft wegen zurückgehender Einnahmen
in finanzielle Schwierigkeiten geriet, übernahm »Ekhof
als Prinzipal vorübergehend die erfolgreiche Leitung der Truppe,
bis sie 1771 nach der Einladung an den Weimarer
Hof von Herzogin Anna Amalia wieder von
Abel Seyler als Prinzipal übernommen
wurde. Als Seyler nach dem Schlossbrand 1774 Weimar verließ,
ging nur ein Teil der Truppe mit ihm, um in Dresden
weiterzuarbeiten.
Ekhof war einer
der Prinzipale, die sich mit besonderem Ernst daran machten, •
soziale
Vorurteile gegen die Schauspieler durch eigene Initiative
abzubauen, um Voraussetzungen für den Erwerb des Bürgerrechts
und damit die Sesshaftigkeit seiner Theatergruppe zu schaffen.
Seine
bürgerliche Respektabilität erwarb er sich durch seine
"moralische Lebensführung", "seine persönliche Integrität",
seine Bemühungen um eine Professionalisierung der
Schauspielkunst durch die Gründung einer Schauspieler-Akademie
(vgl.
Maurer-Schmoock 1982, S.120), alles zusammen wichtige Faktoren für
seinen Erfolg, sich in Gotha mit seiner Truppe niederlassen zu
können.
Herzog
»Ernst II. (1745-1804), Landesfürst des thüringischen
Herzogtums
»Sachsen-Gotha-Altenburg, gründete mit Ekhof und den anderen
zurückgebliebenen Schauspielern daraufhin im Herbst 1775 in
Gotha das
erste deutsche Hoftheater, das über ein festes Ensemble von
Schauspielern verfügte. Conrad Ekhof wurde einer der beiden
Direktoren.
Ekhof war am »Gothaer
Hoftheater drei Jahre tätig und schaffte es in dieser Zeit,
dass dieses Hoftheater, das unter Herzog
»Friedrich I. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1646-1691) in
mehreren Bauphasen von 1681 bis 1683 in den ehemaligen Ballsaal
des »Schlosses
Friedenstein eingebaut worden war, mit seinen spektakulären
und viel Beachtung findenden Aufführungen von »Shakespeare-,
»Goldoni-
und »Molière-Stücken
sowie Stücken von »Lessing
eine herausragende Rolle in der •
deutschen
Theaterlandschaft eingenommen hat.
Dabei konnten
auch Bürger, die sich den Eintritt leisten konnten, die
Aufführungen besuchen, ein Recht, das früher nur Adeligen und
der Hofgesellschaft zustand.
Nach dem frühen
Tod von Conrad Ekhof im Jahr 1776 verpflichtete der Intendant
des »Mannheimer
Nationaltheaters »Wolfgang
Heribert von Dalberg (1750-1806) die
Seylersche Schauspielgesellschaft, darunter auch renommierte
Schauspieler, die mit Eckhof am Gothaer Hoftheater engagiert
gewesen waren wie »August
Wilhelm Iffland (1759-1814), »Heinrich
Beck (1760-1803) und »Johann
David Beil (1753-1974).
Gert Egle. zuletzt bearbeitet am:
01.09.2025
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