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Wanderbühnen/-truppen

Die Wandertruppen und Theatergesellschaften von Ackermann, Seyler und Eckhof

« Literaturepochen Aufklärung (1720-1785) « Theater und Theaterwesen im 18. JahrhundertFormen

 
FAChbereich Deutsch
Glossar
Literatur Autorinnen und Autoren Literarische Gattungen Literaturgeschichte Didaktische und methodische Aspekte Überblick Literatur auf dem Weg in die Moderne Literaturepochen Überblick Epochenüberblick Literatur des Mittelalters (ca. 750-1500) Frühe Neuzeit, Renaissance und Humanismus (1300-1600) Barock (1600-1720) Aufklärung (1720-1785) Didaktische und methodische Aspekte ÜberblickHistorischer Hintergrund  • Einzelne Aspekte der Epoche Überblick Wichtige Vertreter und ihre Werke in der Epoche Wichtige Literaturtheorien im Überblick • Theater und Theaterwesen im 18. Jahrhundert Überblick Lage des Theaters in Europa im 18. Jahrhundert Formen Überblick [ Wanderbühne/-truppen • Überblick Sozialer Status der Schauspieler und materielle Situation der Schauspielgruppen Die Wandertruppen und Theatergesellschaften von Ackermann, Seyler und Eckhof Friederike Caroline Neuber und ihre Truppe ] Errichtung fester Spielstätten in Deutschland Textauswahl BausteineFragen und Antworten (KI) Drama der Aufklärung Textauswahl Bausteine Fragen und Antworten (KI) Empfindsamkeit (1740-1780)  Sturm und Dang (1760-1785) Weimarer Klassik (1786-1805) Jakobinismus (1789-1796) ▪ Romantik (1793-1835) Biedermeier (1820-1850) Das junge Deutschland und die politische Dichtung des Vormärz(1830-1850) Realismus (1850-1890) Naturalismus (1880 - 1910)  ▪ Gegenströmungen zum Naturalismus (1890-1930) Expressionismus (1910-1925)Literatur der Weimarer Republik (1918-1933) Deutsche Exilliteratur (1933-1945)  ▪ Literatur nach 1945 Literatur nach 1989 Literatur im 21. Jahrhundert Motive der Literatur Grundlagen der Textanalyse und Interpretation Literaturunterricht Schreibformen  Operatoren im Fach Deutsch
 

Wanderbühnen im Barock (1600-1720)
Überblick
Robert Browne und die englischen Komödianten
• Johannes Velten und die deutschen Wandertruppen

Die Narrenfigur des Pickelhäring

Die • Wanderbühnen, deren "Wandertruppen" schon im • Barock (1600-1720) aus Italien, • England, Frankreich und den Niederlanden kommend überall in Europa unterwegs waren, gehörten auch in der Literaturepoche der Aufklärung (1720-1785) zu dem Erscheinungsbild der Theaterlandschaft im deutschsprachigen und europäischen Raum. Dem ausländischen Bespiel folgend hatten sich schon im 17. Jahrhundert auch verschiedene deutsche Wandertruppen wie z. B. die von • Carl Andreas Paulsen (1620–1678) und •Johannes Velten (1634-1692) gebildet, die, auch wenn sie lange kopierten, was die englischen Komödianten im Repertoire hatten, als • "Hochteutsche Komödianten" von Stadt zu Stadt zogen, um das breite Publikum mit ihren Aufführungen zu unterhalten.

Im 18. Jahrhundert wurden »etliche deutsche Wanderbühnen gegründet, die sich im deutschsprachigen Raum Konkurrenz machten.

Hier werden exemplarisch die drei Gruppen von Konrad Ernst Ackermann, Abel Seyler und Conrad Ekhof, sowie mit besonderem Fokus, die sog. • Neubersche Truppe von Caroline Neuber (1697-1760)

Die Theatergesellschaft von Konrad Ernst Ackermann

»Konrad Ernst Ackermann (1712–1771) war einer der bedeutendsten Schauspieler und Theaterunternehmer (Prinzipale) des 18. Jahrhunderts. Er gründete 1751 eine eigene Truppe gründete und erhielt 1753 das Privileg zum Bau eines eigenen Theaters in »Königsberg erhielt. Allerdings musste er das 1755 als erstes größeres deutsches Privattheater eröffnete »Königsberger Theater  mit mehr als 800 Plätzen schon ein Jahr später nach dem Ausbruch des »Siebenjährigen Krieges (1756-1763) wieder aufgeben. 1764 kam Ackermann mit seiner Theatergruppe zu Auftritten nach Hamburg, wo er gegen Zahlung von 40 Reichstalern ein Jahr später (1765) als erster Schauspieler im 18. Jahrhundert das Bürgerrecht einer Stadt erwarb, das ihm neue Möglichkeiten bot. So eröffnete er im selben Jahr das von ihm erbaute »Theater am Gänsemarkt. Im März 1767 verpachtete er sein Theater an eine von dem Kaufmann Abel Seyler (1730-1800) gegründete Aktiengesellschaft zur Gründung eines Hamburger Nationaltheaters. Wie die meisten Schauspieler seiner Gesellschaft wurde er Mitglied dieser »Hamburgischen Entreprise (1767-1769). Nach dem Scheitern des »Nationaltheater-Projekts in Hamburg 1769 übernahm Ackermann noch einmal die Leitung einer eigenen Wandertruppe und ging mit ihr auf Tournee.

Abel Seyler und die Seylersche Schauspielgesellschaft

»Abel Seyler (1730-1800) war im Gegensatz zu den anderen Prinzipalen der Theatergruppen selbst kein Schauspiele, sondern eigentlich Unternehmen. Sein Theaterprojekte zeigen dabei auch die Handschrift des ökonomisch denkenden Unternehmers, auch wenn er sich nach Aufgabe seines Geschäftes gänzlich dem Theater verpflichtet sah. Er brachte sich und sein Vermögen in die so genannte »Hamburgische Entreprise (1767-1769), die sich als Gründung  eines Nationaltheaters in Hamburg verstand und ein Projekt war, dem sich auch »Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) als »Dramaturg anschloss. Nach dem finanziellen Aus des ambitionierten Projekts im Jahr 1769 gründete Abel Seyler eine eigene Wandertruppe.

Die »Seylersche Schauspiel-Gesellschaft galt in den zehn Jahren ihres Bestehen als eine der herausragenden Theatertruppen der Zeit. Zu der 60 Mitglieder zählenden Truppe gehörten immer wieder die Topstars der Schauspielszene, namhafte Dramaturgen und Komponisten.

1711 erhielt die Truppe am so genannten »"Weimarer Musenhof" von »Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbüttel (1739-1807), der »Herzogin von Sachsen-Weimar und Eisenach, ein dauerhaftes Engagement und inszenierte seine Aufführungen im Opernsaal des Stadtschlosses, im Redoutenhaus oder auf den Schloss- und Naturbühnen von »Schloss Ettersburg und von »Schloss Tieffurt, der Sommerresidenz der Herzogin, wo auch immer wieder Aufführungen ihres Liebhabertheaters stattfanden. Nach dem verheerenden Schlossbrand am 6.10.1774 musst Seyler jedoch mit seiner Truppe weiterziehen.

Im Jahr 1776 erhielt er das kursächsische Privileg und eröffnete im gleichen Jahr in Dresden ein neuerbautes Sommertheater. In den darauf folgenden Jahren zog die Wandertruppe in anderen Gegenden im Westen Deutschlands umher.

In seinen späteren Jahren bis zu seinem Tod im Jahr 1800 beteiligte er sich an der Errichtung des »Nationaltheaters in Mannheim, war dort von 1791 bis 1781 Direktor, danach zwei Jahre lang Direktor des »Schleswigschen Hoftheaters in der Nähe von »Schloss Gottdorf in »Schleswig, das er nach einem erneuten Zwischenspiel als Leiter des Ackermannschen Comödiantenhauses in Hamburg (1783 bis 1787), bis 1792 erneut leitete. Schleswig war neben Gotha und Mannheim 1781 die einzige Stadt in Deutschland, die ein Hoftheater mit einem eigenem Ensemble besaß.

Conrad Ekhof und das Gothaer Hoftheater

»Conrad Ekhof (1720-1776) galt zu seiner Zeit als einer herausragendsten Schauspieler, dessen besondere Leistung für die Theaterentwicklung in Deutschland in dem  realistischen Darstellungsstil bestand, den er auf den deutschen Bühnen einführte.

Zunächst arbeitete er als erster Schauspieler in den Theaterkompagnien von Abel Seyler – der »Hamburgischen Entreprise (1767-1769) und der »Seylerschen Schauspiel-Gesellschaft.

Als die Seylersche Schauspielgesellschaft wegen zurückgehender Einnahmen in finanzielle Schwierigkeiten geriet, übernahm »Ekhof als Prinzipal vorübergehend die erfolgreiche Leitung der Truppe, bis sie 1771 nach der Einladung an den Weimarer Hof von Herzogin Anna Amalia wieder von Abel Seyler als Prinzipal übernommen wurde. Als Seyler nach dem Schlossbrand 1774 Weimar verließ, ging nur ein Teil der Truppe mit ihm, um in Dresden weiterzuarbeiten.

Ekhof war einer der Prinzipale, die sich mit besonderem Ernst daran machten, • soziale Vorurteile gegen die Schauspieler durch eigene Initiative abzubauen, um Voraussetzungen für den Erwerb des Bürgerrechts und damit die Sesshaftigkeit seiner Theatergruppe zu schaffen. Seine bürgerliche Respektabilität erwarb er sich durch seine "moralische Lebensführung", "seine persönliche Integrität", seine Bemühungen um eine Professionalisierung der Schauspielkunst durch die Gründung einer Schauspieler-Akademie (vgl. Maurer-Schmoock 1982, S.120), alles zusammen wichtige Faktoren für seinen Erfolg, sich in Gotha mit seiner Truppe niederlassen zu können.

Herzog »Ernst II. (1745-1804), Landesfürst des thüringischen Herzogtums »Sachsen-Gotha-Altenburg, gründete mit Ekhof und den anderen zurückgebliebenen Schauspielern daraufhin im Herbst 1775 in Gotha das erste deutsche Hoftheater, das über ein festes Ensemble von Schauspielern verfügte. Conrad Ekhof wurde einer der beiden Direktoren.

Ekhof war am »Gothaer Hoftheater drei Jahre tätig und schaffte es in dieser Zeit, dass dieses Hoftheater, das unter Herzog »Friedrich I. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1646-1691) in mehreren Bauphasen von 1681 bis 1683 in den ehemaligen Ballsaal des »Schlosses Friedenstein eingebaut worden war, mit seinen spektakulären und viel Beachtung findenden Aufführungen von »Shakespeare-, »Goldoni- und »Molière-Stücken sowie Stücken von »Lessing eine herausragende Rolle in der • deutschen Theaterlandschaft eingenommen hat.

Dabei konnten auch Bürger, die sich den Eintritt leisten konnten, die Aufführungen besuchen, ein Recht, das früher nur Adeligen und der Hofgesellschaft zustand.

Nach dem frühen Tod von Conrad Ekhof im Jahr 1776 verpflichtete der Intendant des »Mannheimer Nationaltheaters »Wolfgang Heribert von Dalberg (1750-1806) die Seylersche Schauspielgesellschaft, darunter auch renommierte Schauspieler, die mit Eckhof am Gothaer Hoftheater engagiert gewesen waren wie »August Wilhelm Iffland (1759-1814), »Heinrich  Beck (1760-1803) und »Johann David Beil (1753-1974).

Gert Egle. zuletzt bearbeitet am: 01.09.2025

    
   Arbeitsanregungen
  1. Welche Rolle spielten Wanderbühnen in der Theaterlandschaft der Aufklärung, und woher stammten ihre Vorbilder?
  2. Welche Bedeutung hatte Konrad Ernst Ackermann für die Entwicklung des deutschen Theaters, und welches besondere Recht erhielt er 1765 in Hamburg?
  3. Warum gilt die Seylersche Schauspielgesellschaft als eine der bedeutendsten Theatertruppen ihrer Zeit, und welche Unterstützung erhielt sie von Herzogin Anna Amalia?
  4. Welche Neuerung brachte Conrad Ekhof in die deutsche Schauspielkunst ein, und wie versuchte er das Ansehen von Schauspielern zu verbessern?
  5. Was machte das Gothaer Hoftheater unter der Leitung von Conrad Ekhof zu einer Besonderheit in der deutschen Theatergeschichte?
 
   
 

 
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