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Wanderbühnen
im Barock (1600-1720)
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Überblick
• Robert Browne
und die englischen Komödianten
• Johannes
Velten und die deutschen Wandertruppen
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Die Narrenfigur
des Pickelhäring
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teachSam-YouTube-Playlist: Friederike Caroline
Neuber und Neubersche Truppe
Die •
Wanderbühnen, deren "Wandertruppen" schon im •
Barock (1600-1720) aus Italien, England, Frankreich
und den Niederlanden kommend überall in Europa unterwegs waren,
gehörten auch in der ▪
Literaturepoche der
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Aufklärung (1720-1785) zu dem Erscheinungsbild der
Theaterlandschaft im deutschsprachigen und europäischen Raum.
Anfang des 18. Jahrhunderts gab es in den Städten nur in
Ausnahmefällen feste Spielstätten für Theater. Andere Formen des
Theaters wie höfische Festspiele und Hoftheater zählten ebenso
dazu, wie auch verschiedene Formen des Laientheaters sowie
Opern.
Theatertruppen
hatten mitunter große Schwierigkeiten, Auftrittsgenehmigungen zu
erhalten, da viele Obrigkeiten Schausteller als Bedrohung für
Moral und Ordnung ansahen. Behörden prüften Truppen und Stücke
streng, verboten Aufführungen oder verlangten Streichungen. Und
auch der Klerus hatte gewöhnlich nichts für das Theater der
Wanderbühnen übrig. Konkurrenz bestand nicht nur zwischen
Wanderbühnen, sondern auch mit zahlreichen anderen
Unterhaltungsanbietern wie Quacksalbern, Seiltänzern, Gauklern
oder Menagerien. Als Auftrittsorte waren Messestädte wie
Leipzig besonders attraktiv, weil Wanderbühnen während der
Messen am ehesten ihre Bretterbuden errichten durften. Wer von
ihnen dabei zum Zuge kam, hing oft von den landesherrlichen
Theaterprivilegien ab. Diese verliehen den damit ausgezeichneten
Gruppen quasi Monopolrechte im Herrschaftsgebiet des
Landesherrn. Solche mit dem Titel "Hofkomödianten"
ausgezeichneten Gruppen waren damit meistens für eine längere
Zeit finanziell abgesichert. Ob man Hofkomödiant wurde, hing
aber nicht ´davon ab, ob man niveauvolles Theater oder einfache
Hanswurstiaden darbot, sondern letztlich allein von der Gunst
des Landesherrn.
»Friederike
Caroline
Neuber (1697-1760) gründete 1727 mit ihrem Mann »Johann
Neuber (1697-1759) eine eigene Theatergesellschaft.
Mit dem
sächsisch-polnischen Hofprivileg Augusts des Starken erhielt sie
das lukrative Monopol im Herrschaftsgebiet und durfte zur
Messezeit eine feste Bühne betreiben. Auf eigene Kosten ließ sie
im „Großen Blumenberg“ einen Saal zum Theater umbauen und
orientierte sich an französischen Vorbildern mit einem moralisch
anspruchsvollen Repertoire.
Im selben Jahr
verband sie sich mit dem Leipziger Aufklärer Johann Christoph
Gottsched. Er stellte Regeln und Übersetzungen französischer
Klassiker bereit, während sie textgetreues, diszipliniertes
Spiel, Professionalisierung der Schauspielkunst und
bürgerlich-sittliches Auftreten versprach. Gemeinsam wollten sie
die populären Hanswurst- und Harlekinpossen verdrängen und das
Theater literarisch erneuern. 1731 feierte die Truppe mit
Gottscheds „Sterbendem Cato“ großen Erfolg; 1732 erhielt sie den
Saal im Großen Blumenberg auf drei Jahre verpachtet.
Nach Augusts Tod
1733 ruhte der Spielbetrieb und die Neuber'schen Hofkomödianten
gingen auf Tournee in Norddeutschland. Während ihrer Abwesenheit
beanspruchte ihr früherer Mitspieler Joseph Ferdinand Müller,
verwandt mit der privilegierten Familie Haack/Elenson, das
Theaterprivileg und erhielt es.
Um den Leipziger
Schauplatz zu sichern, intrigierte Müller gegen Neuber und
setzte schließlich auch Aufführungsrechte im Großen Blumenberg
durch – trotz bestehender Pacht. 1734 durfte Neuber zwar
kurzzeitig zurück, doch ihr Mann Johann erklärte überraschend,
das Theater nach der Messe an Müller zu überlassen. Neubers
Eingaben an Rat und König blieben erfolglos.
Sie verlor
Leipzig endgültig und verließ die Stadt „gedemütigt und mit
leerer Kasse“. In einem Brief an Gottsched bat sie um Beistand
und fürchtete um den Verlust ihrer Förderer. Dennoch fand sie
neue Unterstützung: In Braunschweig durfte sie Gottscheds
„Sterbenden Cato“ im Opernhaus geben, in Hamburg scheiterte ihr
Plan einer festen Bühne. Auf Einladung Herzog Karl Friedrich von
Schleswig-Holstein (1700-1739) spielte sie länger in Kiel,
erhielt dort das Hofprivileg, Abgabenfreiheit und finanzielle
Hilfe. Für die dauerhafte Versorgung der Truppe war Kiel jedoch
zu klein.
Der
Kampf um die Geschmacksveränderung des Publikums
Mitte des 18.
Jahrhunderts versuchten Wandertheatergruppen, angeregt durch
Gottsched und den französischen Klassizismus, das improvisierte
Stegreifspiel durch literarisch anspruchsvollere Stücke zu
ersetzen. Besonders Friederike Caroline Neuber setzte sich für
ein moralisch-gebildetes Theater ein, verpflichtete gute
Schauspieler, förderte professionelles Verhalten und arbeitete
eng mit Gottsched zusammen. Ihr Ziel war es, Possen,
Hanswurstiaden und körperbetonte Derbkomik von der Bühne zu
verdrängen und durch regelgeleitete Dramen nach französischem
Vorbild zu ersetzen. Das Publikum jedoch bevorzugte weiterhin
unterhaltsame, derbe und visuell eindrucksvolle Aufführungen,
sodass Neubers Reformtheater meist leer blieb, während Opern,
Possen und Akrobatik Volk und Adel anzogen. Trotz mancher
Erfolge, etwa mit Gottscheds „Sterbendem Cato“, scheiterte sie
am mangelnden Publikumsinteresse und an den wirtschaftlichen
Zwängen. Dennoch gilt Neuber als bedeutendste Reformerin des
deutschsprachigen Theaters, da sie die Professionalisierung
vorantrieb und den Grundstein für ein literarisch
anspruchsvolleres Schauspiel legte.
Gert Egle. zuletzt bearbeitet am:
02.09.2025
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