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Friederike Caroline Neuber und ihre Truppe

Kurzbiographie - Zeittafel

 « Theater und Theaterwesen im 18. JahrhundertFormen Wanderbühnen/-truppen

 
FAChbereich Deutsch
Glossar
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teachSam-YouTube-Playlist: Friederike Caroline Neuber und Neubersche Truppe

»Friederike Caroline Neuber (1697-1760) war eine der herausragenden • Aufklärerinnen des 18. Jahrhunderts und hatte einen großen Einfluss auf die Entwicklung des • Theaters und Theaterwesens im 18. Jahrhundert und auch darüber hinaus.
Kurzbiographie

1697

Friederike Caroline Weißenborn wird am 9. 3.1697 in »Reichenbach im Vogtland geboren; Vater: Daniel Weißenborn, ein Advokat in »Zwickau und Gerichtsdirektor; Mutter: Frau Anna Rosine Wilhelmi (gest. 1705); sie unterrichtet ihre Tochter im Lesen, Schreiben und in Französisch;

1702-1717

Kindheit und Jugend in Zwickau; wächst als einziges Kind bei ihrem gewalttätigen Vater auf; wegen ihm unternimmt Friederike drei Fluchtversuche, um seinen Gewaltausbrüchen zu entkommen; als Fünfzehnjahriger gelingt ihr dies beim ersten Mal nicht; nach ihrem zweiten gescheiterten Versuch, den sie 1712 mit dem Studenten Gottfried Zorn unternimmt. lässt sie ihr Vater für dreizehn Monate ins Gefängnis werfen;

1717

Gemeinsame Flucht mit ihrem Geliebten »Johann Neuber (1697-1759), einem Rechtsanwaltsgehilfen ihres Vaters; beide schließen sich zunächst der Wandertruppe von »Christian Spiegelberg (1682-1732) in »Weißenfels an; dieser war zuvor in der Schauspieltruppe von »Catharina Elisabeth Velten (um 1646/1650-um 1712/1715), der Tochter von »Carl Andreas Paulsen (1620–1678), einem der bedeutendsten Theaterprinzipale des 17. Jahrhunderts, und Witwe von »Johannes Velten (1634-1692), tätig gewesen und bereiste, geschützt von einem Theaterprivileg seines Landesherrn, mit seinen Königl. Groß-Britannisch- und Churhannoversche Hof-Comoedianten durch Nord- und Mitteldeutschland;

Erste Auftritte von Friederike und ihrem Geliebten während eines Gastspiels der Spiegelberg'schen Truppe auf »Schloss Neu-Augustenburg, der Residenz der »Herzöge von Sachsen-Weißenfels; im Herbst treten beide mit der Truppe am Hof von Herzog »Ludwig Rudolf von Braunschweig-Wolfenbüttel (1671-1735) an dessen Hof in »Blankenburg (Harz) auf.

Danach Wechsel der Neubers zur Wandertruppe des Harlekinspielers »Johann Caspar Haack (um 1670-1722), der durch seine Heirat mit der verwitweten Prinzipalin der Elenson'schen Schauspielgesellschaft, »Sophie Julie Elenson (um 1690-1725) das mecklenburgische und sächsische Theaterpatent besitzt, das »Johann Caspar Haack (um 1670-1722) 1714 erteilt wurde und das ihn zunächst berechtigt, neben den seit 1692 ausdrücklich für die Messezeit bevorrechtigten Opernaufführungen 15 Komödien aufführen zu dürfen. Später wird dieses Schutzpatent auf sämtliche Orte im Kurfürstentum Sachsen ausgedehnt; mit der damit zugesicherten Monopolstellung verteidigt Sophie Haack nach dem Tode ihres Mannes den sächsischen Theaterschauplatz entschieden gegen die Konkurrenz anderer Wanderbühnen;

1718

5. Februar 1718 Heirat von Friederike Caroline und Johann Neuber

1724 Friederike Caroline Neuber sorgte mit dem von ihr selbst verfassten Stück "Gespräche im Reich der Toten" für Aufsehen; darin trat sie in vier männlichen Rollen, so genannten Hosenrollen, auf.
1725

»Sophie Haack stirbt, nachdem sie 1723 das ihrem Ehemann Johann Caspar erteilte • sächsisch-polnische Theaterprivileg mit allen Rechten geerbt hat; nach ihrem Tod wurde das Theaterprivileg »Karl Ludwig Hoffmann, ihrem neuen, dritten Ehemann, nur noch vorläufig für die Dauer eines Jahres erteilt; bald danach löste sich die Haacksche Truppe auf;

Friederike Caroline und ihr Mann verlassen die Haacksche Truppe, um eine eigene Theatergesellschaft zu gründen; dazu werben sie auch einige Mitglieder ihrer alten Truppe ab;

»Joseph Ferdinand Müller (1700-1761), ein ebenfalls renommierter Schauspieler der Haack'schen Truppe und seine Frau Susanne Katherine Elenson, eine Tochter Sophie Haacks aus erster Ehe, gehen als Hofschauspieler an den Hof von »Herzog August Wilhelm von Braunschweig-Wolfenbüttel (1632-1731), der sie fest anstellt;

1727

Friederike Caroline Neuber und ihr Mann gründen zehn Jahre nach dem Beginn ihrer Schauspielerkarrieren in dem etwas mehr als 30.000 Einwohner zählenden Leipzig die Neuber'sche Komödiantengesellschaft, in der »Johann Neuber (1697-1759) nominell Verwaltungsleiter und sie die Prinzipalin ist;

Se erhalten vom »Kurfürsten von »Sachsen, »August dem Starken (1670-1733), der in »Personalunion »König von Polen und »Großfürst von Litauen ist, am 8. August 1727 das vielfach begehrte • kursächsisch und königlich polnische Theaterprivileg als Hofkomödianten zugesprochen; sie dürfen damit im ganzen Herrschaftsgebiet des Landesherrn auftreten und erhalten zusätzlich das Recht, während der »Leipziger Messe eine feste Bühne zu errichten.

Errichtung einer ersten festen Spielstätte in Leipzig durch die Neuber’sche Gesellschaft im geräumigen Haus »Großer Blumenberg am Brühl in einem über den Fleischerbänken gelegenen großen Saal, der bis 1776 für Theateraufführungen in der Stadt genutzt wird; die Neuberin baut den Saal mit eigenen finanziellen Mitteln zu einem Theater um.

Beginnende Freundschaft von Friederike Caroline Neuber mit dem Leipziger Professor »Johann Christoph Gottsched (1700-1766), der die Prinzipalin nach einem gescheiterten Versuch »Karl Ludwig Hoffmann von der Haack-Hoffmannschen Truppe dafür zu gewinnen, als Partnerin für seine Theaterreform gewinnen will;

1728 Erster längerer Gastspielaufenthalt in dem annähernd 70.000 Einwohner zählenden • Hamburg, das nach Wien und Berlin die drittgrößte Stadt im deutschsprachigen Raum ist; zunächst guter Publikumszuspruch bei den aufgeführten Tragödien, dann aber stark abflauendes Interesse an der "gereinigten" Bühne der Neuber'schen Hofkomödianten;
1730

Beginnender Briefwechsel zwischen Friederike Caroline Neuber und »Johann Christoph Gottsched (1700-1766) und erste Repertoireänderungen bei der Neuber'schen Truppe; Friederike beklagt den Mangel an geeigneten Theaterstücken, die ihren und Gottscheds Anforderungen genügen; Gottsched sagt zu, eine angemessene Zahl französischer klassizistischer Regeldramen zu übersetzen:

»Johann Friedrich Schönemann (1704-1782), der mit zwanzig Jahren am »königlichen Hoftheater in »Hannover erfolgreich debütiert hatte, wird von  Friederike Caroline Neuber für ihre Theatertruppe engagiert; hier spielt er anfänglich Harlekins und französische Bediente. Danach übernimmt er auch in Gottscheds Musterstück "Der sterbende Cato“ den "Parther Artabanus"; 1739 macht er sich mit einer eigenen Truppe selbständig und wird zu einem Konkurrenten um den Theaterplatz Leipzig.

1731 Uraufführung von »Johann Christoph Gottscheds (1700-1766) Mustertragödie "Sterbender Cato" durch die Neuber'sche Truppe
1732 Die Spielstätte im »Großen Blumenberg in Leipzig wird auf drei Jahre an die Neuber'sche Komödiantengesellschaft verpachtet.
1733

Nach dem Tod des »Kurfürsten von »Sachsen, »August dem Starken (1670-1733) gibt es nach der herrschen Zeremonialverordnung ein Trauerjahr, in dem keine Theaterveranstaltungen in Leipzig und anderswo in Sachsen stattfinden dürfen. Daher begibt sich die Neuber'sche Truppe auf eine Tournee durch Norddeutschland und vertraut darauf, dass sie nach ihrer Rückkehr wieder das kursächsisch und königlich polnische Theaterprivileg zugesprochen bekommen und damit ihre privilegierte Stellung am Theaterschauplatz in Leipzig behaupten kann. Zu blauäugig kümmert sich das Ehepaar Neuber offenbar zu wenig darum;

Die Abwesenheit der Neubers und ihrer Truppe nutzt »Joseph Ferdinand Müller (1700-1761), dem bzw. dessen Frau als Erbin Sophie Haacks das Privileg ohnehin eher zusteht, die Gelegenheit, diese Ansprüche geltend zu machen und bekommt Anfang September auf Verfügung der Landesregierung in Dresden das Theaterprivileg zugesprochen;

Da Müller allerdings befürchten muss, dass nach der 1732 erfolgten Verpachtung des »Großen Blumenbergs an die Neubers, sich die konkurrierenden Theatergesellschaften den sächsischen Theaterschauplatz teilen sollten, startet er eine erfolgreiche persönliche Intrige gegen Friederike Caroline Neuber und bezichtigt sie in einem sechsseitigen Dossier an den Landesherrn, die zwei jüngsten Kinder Sophie Julie Haacks entführt und statt römisch-katholisch protestantisch erzogen zu haben;

1734

Die Neuber'sche Komödiantengesellschaft wird aus dem sächsischen Theaterschauplatz endgültig herausgedrängt, als »Joseph Ferdinand Müller (1700-1761) als Ergebnis seiner erfolgreichen Intrige trotz des bestehenden Pachtvertrags auch die Aufführungsrechte für den »Großen Blumenberg in Leipzig übertragen bekommt  Damit haben die »Hanswurstiaden den Theaterschauplatz Leipzig vorläufig zurückerobert.

Die Theatergesellschaft der Neuberin darf danach lediglich noch während den »Leipziger Messen in der Stadt auftreten; daher vermehrt sie ihre Gastspiele in Städten wie • Hamburg, Frankfurt/Main, Hannover, Lübeck, Kiel, Braunschweig und Straßburg. Im Juni führt die Neuber'sche Theatergesellschaft, als sie bis zur endgültigen Entscheidung noch einmal für kurze Zeit ihr Theater im »Großen Blumenberg beziehen darf, Friederike Neubers Stück »"Ein Deutsches Vorspiel" auf (• Vorrede 1734).

In »Braunschweig stellt der »Herzog Ludwig Rudolf von Braunschweig-Wolfenbüttel (1671-1735) der Neuber'schen Truppe daraufhin das »Opernhaus am Hagenmarkt, in dem sonst nur Opern gezeigt wurden, für eine Aufführung von »Johann Christoph Gottscheds (1700-1766) Mustertragödie "Sterbender Cato" zur Verfügung.

1735 Nach dem Tod ihres Gönners »Herzog Ludwig Rudolf von Braunschweig-Wolfenbüttel (1671-1735) gastiert die Neuber'sche Truppe vom 18. April. bis 5. Dezember mit mäßigem Erfolg in • Hamburg; Friederike Caroline Neuber versucht dort, mit der Comoedien Bude eine feste Spielstätte zu errichten und vom Magistrat eine Spielerlaubnis für die Dauer von 12 Jahren zu erhalten, doch ihre Eingabe wird negativ beschieden;
1736

Danach zieht sie im Dezember mit ihrer Truppe auf Einladung des »Herzog Karl Friedrich von Schleswig-Holstein (1700-1739) zu einem längeren Gastspiel in dessen etwa »5.000 Einwohner zählende Residenzstadt »Kiel, wo sie im Saal des Ball-Hauses eine Spielstätte einrichten darf. Der Herzog verleiht ihrer Truppe das schleswig-holsteinische Privileg als Hof-Comoedianten, befreit sie von allen Abgaben und zeigt sich auch finanziell ihr gegenüber großzügig; die Stadt ist aber für das Auskommen der Truppe deutlich zu klein; zum Geburtstagsfest des Herzogs wird das Stück Friederike Caroline Neubers »"Die von der Weisheit wider die Unwissenheit beschützte Schauspielkunst“ 1736 wahrscheinlich im  im Saal des Ball-Hauses in »Kiel aufgeführt, (• Vorrede 1736)

Ein Gastspiel in dem etwa 25.000 Einwohner zählenden »Frankfurt beginnt mit der Errichtung einer Comoedien-Bude während der Herbstmesse und endet im Juni 1767. Das Repertoire der Truppe aus übersetzten französischen Stücken, manierlichen Burlesken und teils lustigen, teils besinnlichen Nachspielen findet dabei großen Anklang. Während des Frankfurt-Aufenthalts vierwöchiges Gastspiel während der Adventszeit in einem festen und beheizten (!) Theater in dem etwa 30.000 Einwohner zählenden »Straßburg vor einem begeisterten Publikum. In Straßburg wird das Stück Friederike Caroline Neubers »"Die Verehrung der Vollkommenheit durch die gebesserten deutschen Schauspiele"  am 8. Januar 1737 aufgeführt. (• Vorrede 1737)

1737

Die Neubersche Truppe kehrt nach über dreijähriger Abwesenheit nach Leipzig zurück, wo ihr trotz heftiger Proteste von »Joseph Ferdinand Müller (1700-1761) und dem Pochen auf seinen Privilegien gestattet wird, eine eigene neue Komödien-Bude am Bosischen Garten vor dem Grimmaischen Tor zu errichten: dort gastiert ihre Truppe, mit einer kleinen Unterbrechung im November, wo sie auf Schloss Hubertusburg auftreten, bis zur Fastenzeit 1738;

Im Rahmen einer Aufführung im Herbst in Leipzig verbannt Neuber in einem Stück symbolisch den »Hanswurst als Sinnbild für das alte Theater von der Bühne ebenso wie die bis dahin üblichen »"Haupt- und Staatsaktionen"; dabei übernimmt sie selbst die Rolle des Hanswurst;

Aufführungen im »Jagdschloss Hubertusburg vor dem sächsischen Kurfürsten »Friedrich August II. (1696.1763) an fünf Abenden hintereinander. Der Neuber'schen Truppe wird daraufhin wieder die Auszeichnung als sächsische Hofkomödianten zuteil.

Wegen anhaltender Angriffe des Harlekins »Joseph Ferdinand Müller (1700-1761) gehen die Neuber'schen Komödianten nach • Hamburg; Friederike Caroline Neuber ersucht den dortigen Stadtrat, ihr ein Monopol zur Errichtung eines festen Theaters zu gewähren, hat damit aber keinen Erfolg. Auch ihr französisches Theater kommt kaum an, so dass sie Zugeständnisse beim Repertoire macht und statt die der Komödien von Moliere und der Tragödien von Racine wieder Burlesken und Lustspiele darbietet, um ihre Truppe finanziell zu erhalten; in ihrer • Hamburger Theaterrede (1739) thematisiert die Neuberin, die Widerstände gegen ihre Reformbemühungen und appelliert an die städtische Obrigkeit, sie in ihrer Arbeit zu unterstützen.

1740

Friederike Caroline Neuber tritt zum letzten Mal in der »Oper am Gänsemarkt in • Hamburg auf; sie verabschiedet sich enttäuscht vom Publikum mit sarkastischer Kritik: "Denn von der Schauspielkunst habt ihr sehr wenig Licht, / weils Euch an Zärtlichkeit, Natur und Kunst gebricht.“ ( • Abschied der Neuberschen Theatergesellschaft aus Hamburg, 1740) Daraufhin verbietet der Magistrat die letzte Aufführung und entzieht der Neuberin die Spielerlaubnis für die Stadt.

Auf Einladung der russischen Zarin »Anna Iwanowna (1693-1740) begibt sich Friederike Caroline Neuber nach »Sankt Petersburg, wo sie und die Mitglieder ihrer Theatergesellschaft kurz nach ihrer Ankunft von der Zarin zu "Hofschauspielern" ernannt werden; allerdings verstirbt die Zarin schon im Herbst des gleichen Jahres; die frisch ernannten "Hofschauspieler" verlieren damit ihre Gönnerin und damit die höfische Protektion.

1741

Die Neuber'sche Truppe kehrt nach dem Tod der Zarin »Anna Iwanowna (1693-1740) aus St. Petersburg nach Leipzig zurück, wo ihr »Heinrich von Brühl, seit 1737 Graf von Brühl (1700-1763) ermöglicht, wieder eine feste Spielstätte im Saal des »Großen Blumenberg zu errichten.

Beginn des Zerwürfnisses von Friederike Caroline Neuber und »Johann Christoph Gottsched (1700-1766); ausgelöst durch einen längeren Streit über die angemessene Kostümierung der Schauspieler fordert Gottsched ein zeitgebundenes Kostüm der Akteure, um eine bessere Bühnenwirkung zu erzielen; die Neuberin hält aber an der dem Publikum gewohnten Kostümierung nach der aktuellen Mode fest; als sie dessen "Sterbenden Cato" nach Gottscheds Wunsch im römischen Kostüm auftreten lässt, erntet sie das Gelächter des Publikums; Gottsched fühlt sich daraufhin von der Neuberin sabotiert; sie hält dem Leipziger "Literaturpapst" zudem vor, dass es weiterhin zu wenige geeignete Damentexte gebe, die Texte seiner Stücke kraftlos seien und eine Übersetzung, die seine Frau verfasst habe, gänzlich ungeeignet sei. In ihrem Stück "Der allerkostbarste Schatz" macht sie sich über die "Gottschedin", »Luise Adelgunde Victorie Gottsched (1713-1762) als riesengroße Nachtgestalt mit Fledermausflügeln lustig. Gottsched will die Aufführung verhindern, muss sich aber einem von »Heinrich von Brühl (1700-1763) erteilten Cabinetsbefehl fügen, der auch weitere Aufführungen genehmigt.

1743

Friederike Caroline Neuber löst wegen rückläufiger Einnahmen erstmals ihre Theatergesellschaft auf und zieht sich nach in das 55 Kilometer von Leipzig gelegene »Oschatz zurück.

Etliche Schmähschriften erscheinen gegen sie. Darin wird sie u. a. als zänkische, frömmelnde Kokotte, als unfähige Poetin und Prinzipalin dargestellt wird. Unter diesen Schmähschriften war auch ein Spottgedichts über sie mit dem Titel Probe eines Heldengedichtes in 8 Büchern… Leben und Taten der weltberüchtigten und besten Komödiantin unserer Zeit… Friederica Carolina Neuberin.

1744

Begegnung mit »Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) in Leipzig; dieser hatte früher schon Aufführungen der "Neuberin" besucht und übersetzt die Tragödie »Anibal (1720) von »Pierre Carlet de Marivaux (1688-1763) und die Komödie Le Distrait (= Der Zerstreute, 1697) von »Jean-François Regnard (1655-1709), dem wohl wichtigsten Komödiendichter der Generation nach »Molière (1622-1673).

Friederike Caroline Neuber gründet wieder eine Wandertruppe mit zum Teil alten Ensemblemitgliedern in Leipzig und tritt mit ihr dort in Gastspielen alljährlich während der Leipziger Messe auf, außerdem auch in Dresden, Warschau und Frankfurt a. M. auf. Sie spielt Volksstücke des Dänen »Ludwig Holberg (1684-1754) und Lustspiele »Christian Fürchtegott Gellerts (1715-1769)Die Betschwester (1745), »Die zärtlichen Schwestern (1747).

1748

Uraufführung von »Lessings Jugenddrama und Lustspiel »"Der junge Gelehrte" durch die Neuber'sche Theatergesellschaft in Leipzig.

Streit und zunehmende Konkurrenz mit der Truppe von »Johann Friedrich Schönemann (1704-1782); »Heinrich Gottfried Koch (1703-1755), einer der  renommiertesten Mitschauspieler der Neuberin verlässt ihre Truppe und wird 1749 Hofkomödiant am sächsischen Hof und gründet eine eigene Theatergesellschaft (Kochsche Truppe), geht aber im Sommer zunächst nach Wien an das Theater am Kärntner-Tor

1749

Die Aufführungen der Neuber'schen Truppe in Zotens Hof in Leipzig werden nur noch mäßig besucht, so dass sie wegen rückläufiger Einnahmen immer wieder in Mietrückstand gerät. Der Hausbesitzer vermietet die Spielstätte daher an »Johann Friedrich Schönemann (1704-1782), der inzwischen auch die Protektion »Johann Christoph Gottsched (1700-1766) hat; zudem hat die Neuber'sche Theatergesellschaft auch bei der Stadt Schulden, weil sie seit drei Jahren ihre Spielgebühren nicht entrichtet hat.

Im Oktober Eröffnung einer neuen Bühne durch die Neuberin auf dem Färberboden im »Großen Blumenberg.

»Heinrich Gottfried Koch (1703-1755) kommt mit der Kochschen Truppe zurück und bekommt das sächsisch-polnische Hof-Komödianten-Privileg.»Johann Friedrich Schönemann (1704-1782) einigt sich mit Koch und kann weiterhin in Leipzig auftreten. Als Koch durch Überbietung des Pachtzinses für die Bühne der Neuberin im »Großen Blumenberg die Neuber'sche Theatergesellschaft dort ausbootet, muss diese auch hier weichen.

1750 Friederike Caroline Neuber gibt ihre Prinzipalschaft endgültig auf; danach noch verschiedentlich Einzelauftritte bei Gastspielen an verschiedenen Orten mit mäßigem Erfolg.
1753 Friederike Caroline Neuber reist auf Einladung der österreichischen Kaiserin »Maria Theresia (1717-1780) nach »Wien, der mit über 100.000 Einwohnern größte Stadt im deutschsprachigen Raum, und soll mit ihren Auftritten an der »"k.k. privilegierten Stadtschaubühne nächst dem Kärtnertor" dem beim Wiener Publikum noch immer in größter Gunst stehenden »Hanswurst etwas entgegenzusetzen; anfangs beachtenswerte Erfolge; zum Namenstag der Kaiserin wird im Oktober 1753 ihr selbst verfasstes fünfaktiges Schäfer- und Lustspiel »"Das Schäferfest oder Die Herbstfreude" mit großem Erfolg aufgeführt:
1754 Friederike Caroline Neuber kehrt Ende des Jahres nach Leipzig zu ihrem Mann Johann Neuber zurück, der zwischenzeitlich in der Kochschen Truppe engagiert ist.
1755

Erneute Gründung einer kleinen Schauspieltruppe unter Leitung der Neuberin, die in dem etwa 50.000 Einwohner zählenden Residenzstadt »Dresden und kleineren Städten in dessen Umgebung auftritt.

Vergebliche gemeinsame Bewerbung mit ihrem Mann um die Leitung der herzoglichen Bühne im Schloss in »Weimar, der um die 5.000 Einwohner zählenden kleinen, aber kulturell bedeutsamen Residenzstadt von »Herzogin Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbüttel (1739-1807).

1756 Endgültige Aufgabe der Prinzipalschaft durch Friederike Caroline Neuber nach Ausbruch des Dritten Schlesischen Krieges im »Siebenjährigen. Krieg (1756-1763); Ihr Mann und sie finden bei dem Königlichen Leibarzt Dr. Löber in »Dresden, einem langjährigen Bewunderer ihrer Schauspielkunst, vor den Kriegswirren Unterschlupf und Schutz in einer kleinen Kammer in dessen Haus in »Dresden. Am 9. September 1756 kommt es zum Beschuss der Stadt, als sich preußische Truppen Gefechte mit sächsischen und österreichischen Kräften liefern. Dabei werden Teile Dresdens, u. a. Gebäude in der Innenstadt, durch preußisches Artilleriefeuer beschädigt.
1759 Tod von Johann Neuber, der im März auf dem Neuen Kirchhof am »Pirnaischen Platz in »Dresden beerdigt wird.
1760

Friederike Caroline Neuber flieht nach dem Artilleriebeschuss der Stadt während der Belagerung durch österreichische Truppen im Juli 1760, bei dem zahlreiche Gebäude, darunter auch das Haus des Leibarztes. stark beschädigt oder zerstört wurden, mit den Löbers aus Dresden in das nahe gelegene, kleine Dorf »Laubegast an der Elbe, wo sie knapp fünf Monate lebt. Im Bauernhaus des Bauern Löbe verstirbt die seit der Flucht schwer erkrankte Neuberin am 29. November 1760.

Der Legende nach verweigert ihr der Pfarrer als unehrenhafter Person ein Begräbnis auf dem nahe der Kirche gelegenen Friedhof. Deshalb habe der Bauer Löbe ihren Sarg heimlich über die Friedhofsmauer gebracht. In Wahrheit dürfte sie aber, wie viele der in dieser Kriegszeit zu Tode gekommenen Personen, aber kein unehrenhaftes Begräbnis ohne den christlichen Segen erhalten haben, sondern eben ein schlichtes Begräbnis ohne Trauerfeier, wie es auch andere verarmte Verstorbene zu dieser Zeit erhalten. (vgl. Oelker 2024, S.153f.)

(Quellen u. a.: Reden-Esbeck 1881; Maurer-Schmoock 1982; Fischer-Lichte 1993; Schlegel 2012, 2012a, 2012b, 2012c; Oelker 2024,verschiedene Wikipedia-Artikel)

Gert Egle. zuletzt bearbeitet am: 31.08.2025

   
 

 
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