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teachSam-YouTube-Playlist: Friederike Caroline
Neuber und Neubersche Truppe
Kurzbiographie
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1697 |
Friederike Caroline
Weißenborn wird am 9. 3.1697 in »Reichenbach
im Vogtland geboren; Vater: Daniel Weißenborn,
ein Advokat in »Zwickau
und Gerichtsdirektor; Mutter: Frau Anna Rosine
Wilhelmi (gest. 1705); sie unterrichtet ihre Tochter
im Lesen, Schreiben und in Französisch; |
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1702-1717 |
Kindheit und Jugend in Zwickau; wächst als einziges
Kind bei ihrem gewalttätigen Vater auf; wegen ihm
unternimmt Friederike drei Fluchtversuche, um seinen
Gewaltausbrüchen zu entkommen; als Fünfzehnjahriger
gelingt ihr dies beim ersten Mal nicht; nach ihrem
zweiten gescheiterten Versuch, den sie 1712 mit dem
Studenten Gottfried Zorn unternimmt. lässt sie ihr Vater für dreizehn
Monate ins Gefängnis werfen; |
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1717 |
Gemeinsame Flucht mit ihrem Geliebten »Johann
Neuber (1697-1759), einem Rechtsanwaltsgehilfen
ihres Vaters; beide schließen sich zunächst der
Wandertruppe von »Christian
Spiegelberg (1682-1732) in »Weißenfels
an; dieser war zuvor in der Schauspieltruppe von »Catharina
Elisabeth Velten (um 1646/1650-um 1712/1715),
der Tochter von »Carl
Andreas Paulsen (1620–1678),
einem der bedeutendsten
Theaterprinzipale des 17. Jahrhunderts, und
Witwe von
»Johannes
Velten (1634-1692), tätig gewesen und bereiste,
geschützt von einem Theaterprivileg seines
Landesherrn, mit seinen
Königl. Groß-Britannisch- und Churhannoversche
Hof-Comoedianten durch Nord- und
Mitteldeutschland;
Erste Auftritte von
Friederike und ihrem Geliebten während eines
Gastspiels der Spiegelberg'schen Truppe auf »Schloss
Neu-Augustenburg, der Residenz der »Herzöge
von Sachsen-Weißenfels; im Herbst treten beide
mit der Truppe am Hof von Herzog »Ludwig
Rudolf von Braunschweig-Wolfenbüttel (1671-1735)
an dessen Hof in »Blankenburg
(Harz) auf.
Danach Wechsel der Neubers zur Wandertruppe des
Harlekinspielers »Johann
Caspar Haack (um 1670-1722), der durch seine
Heirat mit der verwitweten Prinzipalin der
Elenson'schen Schauspielgesellschaft, »Sophie
Julie Elenson (um 1690-1725) das
mecklenburgische und sächsische Theaterpatent
besitzt, das »Johann
Caspar Haack (um 1670-1722) 1714 erteilt wurde
und das ihn zunächst berechtigt, neben den seit 1692
ausdrücklich für die Messezeit bevorrechtigten
Opernaufführungen 15 Komödien aufführen zu dürfen.
Später wird dieses Schutzpatent auf sämtliche Orte
im Kurfürstentum Sachsen ausgedehnt; mit der damit
zugesicherten Monopolstellung verteidigt Sophie
Haack nach dem Tode ihres Mannes den sächsischen
Theaterschauplatz entschieden gegen die Konkurrenz
anderer Wanderbühnen; |
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1718 |
5. Februar 1718
Heirat von Friederike Caroline und Johann Neuber |
| 1724 |
Friederike Caroline Neuber sorgte
mit dem von ihr selbst verfassten Stück "Gespräche
im Reich der Toten" für Aufsehen; darin trat sie in
vier männlichen Rollen, so genannten Hosenrollen,
auf. |
| 1725 |
»Sophie
Haack stirbt, nachdem sie 1723 das ihrem Ehemann Johann Caspar
erteilte • sächsisch-polnische Theaterprivileg mit
allen Rechten geerbt hat; nach ihrem Tod wurde das
Theaterprivileg »Karl
Ludwig Hoffmann, ihrem neuen, dritten Ehemann,
nur noch vorläufig für die Dauer eines Jahres
erteilt; bald danach löste sich die Haacksche Truppe
auf;
Friederike Caroline und ihr Mann verlassen die
Haacksche Truppe, um eine eigene Theatergesellschaft
zu gründen; dazu werben sie auch einige Mitglieder
ihrer alten Truppe ab;
»Joseph
Ferdinand Müller (1700-1761), ein ebenfalls
renommierter Schauspieler der Haack'schen Truppe und
seine Frau Susanne Katherine Elenson, eine Tochter
Sophie Haacks aus erster Ehe, gehen als
Hofschauspieler an den Hof von »Herzog
August Wilhelm von Braunschweig-Wolfenbüttel
(1632-1731), der sie fest anstellt; |
| 1727 |
Friederike Caroline Neuber und ihr Mann gründen zehn
Jahre nach dem Beginn ihrer Schauspielerkarrieren in
dem etwas mehr als 30.000 Einwohner zählenden
•
Leipzig
die Neuber'sche Komödiantengesellschaft, in der »Johann
Neuber (1697-1759) nominell Verwaltungsleiter
und sie die Prinzipalin ist;
Se
erhalten vom »Kurfürsten
von »Sachsen,
»August
dem Starken (1670-1733), der in »Personalunion
»König
von Polen und »Großfürst
von Litauen
ist, am 8. August 1727 das vielfach begehrte
•
kursächsisch und königlich polnische Theaterprivileg
als Hofkomödianten zugesprochen; sie dürfen
damit im ganzen Herrschaftsgebiet des Landesherrn
auftreten und erhalten zusätzlich das Recht, während
der »Leipziger
Messe eine feste Bühne zu errichten.
Errichtung einer ersten festen Spielstätte in
•
Leipzig durch die
Neuber’sche Gesellschaft im geräumigen Haus »Großer
Blumenberg am Brühl in einem über den
Fleischerbänken gelegenen großen Saal, der bis 1776
für Theateraufführungen in der Stadt genutzt wird;
die Neuberin baut den Saal mit eigenen finanziellen
Mitteln zu einem Theater um.
Beginnende Freundschaft von Friederike Caroline
Neuber mit dem Leipziger Professor »Johann
Christoph Gottsched (1700-1766), der die
Prinzipalin nach einem gescheiterten Versuch »Karl
Ludwig Hoffmann von der Haack-Hoffmannschen
Truppe dafür zu gewinnen, als Partnerin für seine
Theaterreform gewinnen will; |
| 1728 |
Erster längerer Gastspielaufenthalt
in dem annähernd 70.000 Einwohner zählenden •
Hamburg,
das nach Wien und Berlin die drittgrößte Stadt im
deutschsprachigen Raum ist; zunächst guter
Publikumszuspruch bei den aufgeführten Tragödien,
dann aber stark abflauendes Interesse an der
"gereinigten" Bühne der Neuber'schen Hofkomödianten; |
| 1730 |
Beginnender Briefwechsel zwischen Friederike
Caroline Neuber und »Johann
Christoph Gottsched (1700-1766) und erste
Repertoireänderungen bei der Neuber'schen Truppe;
Friederike beklagt den Mangel an geeigneten
Theaterstücken, die ihren und Gottscheds
Anforderungen genügen; Gottsched sagt zu, eine
angemessene Zahl französischer klassizistischer
Regeldramen zu übersetzen:
»Johann
Friedrich Schönemann (1704-1782), der mit
zwanzig Jahren am »königlichen
Hoftheater in »Hannover
erfolgreich debütiert hatte, wird von
Friederike Caroline Neuber für ihre Theatertruppe
engagiert; hier spielt er anfänglich Harlekins und
französische Bediente. Danach übernimmt er auch in
Gottscheds Musterstück "Der sterbende Cato“ den "Parther
Artabanus"; 1739 macht er sich mit einer eigenen
Truppe selbständig und wird zu einem Konkurrenten um
den Theaterplatz
•
Leipzig. |
| 1731 |
Uraufführung von »Johann
Christoph Gottscheds (1700-1766) Mustertragödie
"Sterbender Cato" durch die Neuber'sche Truppe |
| 1732 |
Die Spielstätte im »Großen
Blumenberg in
•
Leipzig wird auf
drei Jahre an die Neuber'sche
Komödiantengesellschaft verpachtet. |
| 1733 |
Nach
dem Tod des »Kurfürsten
von »Sachsen,
»August
dem Starken (1670-1733)
gibt es nach der herrschen Zeremonialverordnung ein
Trauerjahr, in dem keine Theaterveranstaltungen in
Leipzig und anderswo in Sachsen stattfinden dürfen.
Daher begibt sich die Neuber'sche Truppe auf eine
Tournee durch Norddeutschland und vertraut darauf,
dass sie nach ihrer Rückkehr wieder das kursächsisch
und königlich polnische Theaterprivileg zugesprochen
bekommen und damit ihre privilegierte Stellung am
Theaterschauplatz in
•
Leipzig
behaupten kann. Zu blauäugig kümmert sich das
Ehepaar Neuber offenbar zu wenig darum;
Die
Abwesenheit der Neubers und ihrer Truppe nutzt »Joseph
Ferdinand Müller (1700-1761), dem bzw. dessen
Frau als Erbin Sophie Haacks das Privileg ohnehin
eher zusteht, die Gelegenheit, diese Ansprüche geltend
zu machen und
bekommt Anfang September auf Verfügung der Landesregierung
in Dresden das Theaterprivileg zugesprochen;
Da
Müller allerdings befürchten muss, dass nach der
1732 erfolgten Verpachtung des »Großen
Blumenbergs an
die Neubers, sich die konkurrierenden
Theatergesellschaften den sächsischen
Theaterschauplatz teilen sollten, startet er eine
erfolgreiche persönliche Intrige gegen Friederike
Caroline Neuber und bezichtigt sie in einem
sechsseitigen Dossier an den Landesherrn, die zwei
jüngsten Kinder Sophie Julie Haacks entführt und
statt römisch-katholisch protestantisch erzogen zu
haben; |
| 1734 |
Die
Neuber'sche Komödiantengesellschaft wird aus dem
sächsischen Theaterschauplatz endgültig
herausgedrängt, als »Joseph
Ferdinand Müller (1700-1761)
als Ergebnis seiner erfolgreichen Intrige trotz des
bestehenden Pachtvertrags auch
die Aufführungsrechte für den »Großen
Blumenberg in
•
Leipzig
übertragen bekommt Damit haben die »Hanswurstiaden
den Theaterschauplatz
•
Leipzig
vorläufig
zurückerobert.
Die
Theatergesellschaft der Neuberin darf danach
lediglich noch während den »Leipziger
Messen in der Stadt auftreten; daher vermehrt sie
ihre Gastspiele in Städten wie •
Hamburg,
Frankfurt/Main, Hannover, Lübeck, Kiel, Braunschweig
und Straßburg.
Im Juni führt die Neuber'sche Theatergesellschaft,
als sie bis zur endgültigen Entscheidung noch einmal
für kurze Zeit ihr Theater im »Großen
Blumenberg beziehen darf,
Friederike Neubers Stück »"Ein
Deutsches Vorspiel" auf (• Vorrede 1734).
In »Braunschweig
stellt der »Herzog
Ludwig Rudolf von Braunschweig-Wolfenbüttel
(1671-1735) der Neuber'schen Truppe daraufhin
das »Opernhaus
am Hagenmarkt, in dem sonst nur Opern gezeigt
wurden, für eine Aufführung von »Johann
Christoph Gottscheds (1700-1766) Mustertragödie
"Sterbender Cato" zur Verfügung.
|
| 1735 |
Nach dem Tod ihres Gönners »Herzog
Ludwig Rudolf von Braunschweig-Wolfenbüttel
(1671-1735) gastiert die Neuber'sche Truppe vom
18. April. bis 5. Dezember mit mäßigem Erfolg in •
Hamburg;
Friederike Caroline Neuber versucht dort, mit der
Comoedien Bude eine feste Spielstätte zu errichten
und vom Magistrat eine Spielerlaubnis für die Dauer
von 12 Jahren zu erhalten,
doch ihre Eingabe wird negativ beschieden; |
| 1736 |
Danach zieht sie im Dezember mit ihrer Truppe auf
Einladung des »Herzog
Karl Friedrich von Schleswig-Holstein (1700-1739)
zu einem längeren Gastspiel in dessen etwa »5.000
Einwohner zählende Residenzstadt »Kiel,
wo sie im Saal des Ball-Hauses eine Spielstätte
einrichten darf. Der Herzog verleiht ihrer Truppe
das schleswig-holsteinische Privileg als
Hof-Comoedianten, befreit sie von allen Abgaben und
zeigt sich auch finanziell ihr gegenüber großzügig;
die Stadt ist aber für das Auskommen der Truppe
deutlich zu klein; zum Geburtstagsfest des Herzogs
wird das Stück Friederike Caroline Neubers »"Die
von der Weisheit wider die Unwissenheit beschützte Schauspielkunst“ 1736
wahrscheinlich im im Saal des Ball-Hauses in »Kiel
aufgeführt, (•
Vorrede 1736)
Ein
Gastspiel in dem etwa 25.000 Einwohner zählenden »Frankfurt
beginnt mit der Errichtung einer Comoedien-Bude
während der Herbstmesse und endet im Juni 1767. Das
Repertoire der Truppe aus übersetzten französischen
Stücken, manierlichen Burlesken und teils lustigen,
teils besinnlichen Nachspielen findet dabei großen
Anklang. Während des Frankfurt-Aufenthalts
vierwöchiges Gastspiel während der Adventszeit in
einem festen und beheizten (!) Theater in dem etwa
30.000 Einwohner zählenden »Straßburg vor einem
begeisterten Publikum. In Straßburg wird das Stück
Friederike Caroline Neubers »"Die
Verehrung der Vollkommenheit durch die gebesserten deutschen Schauspiele"
am 8. Januar 1737 aufgeführt. (•
Vorrede 1737) |
| 1737 |
Die
Neubersche Truppe kehrt nach über dreijähriger
Abwesenheit nach
•
Leipzig zurück,
wo ihr trotz heftiger Proteste von »Joseph
Ferdinand Müller (1700-1761)
und dem Pochen auf seinen Privilegien gestattet
wird, eine eigene neue Komödien-Bude am Bosischen
Garten vor dem Grimmaischen Tor zu errichten: dort
gastiert ihre Truppe,
mit einer kleinen Unterbrechung im November, wo sie
auf Schloss
Hubertusburg auftreten, bis zur Fastenzeit 1738;
Im
Rahmen einer Aufführung im Herbst in Leipzig
verbannt Neuber in einem Stück symbolisch den »Hanswurst
als Sinnbild für das alte Theater von der Bühne
ebenso wie die bis dahin üblichen »"Haupt-
und Staatsaktionen"; dabei übernimmt sie selbst
die Rolle des Hanswurst;
Aufführungen im »Jagdschloss
Hubertusburg vor dem sächsischen Kurfürsten »Friedrich
August II. (1696.1763) an fünf Abenden
hintereinander. Der Neuber'schen Truppe wird
daraufhin wieder die Auszeichnung als sächsische
Hofkomödianten zuteil.
Wegen
anhaltender Angriffe des Harlekins »Joseph
Ferdinand Müller (1700-1761)
gehen die Neuber'schen Komödianten nach •
Hamburg; Friederike Caroline Neuber ersucht den dortigen
Stadtrat, ihr ein Monopol zur Errichtung eines
festen Theaters zu gewähren, hat damit aber keinen
Erfolg. Auch ihr französisches Theater kommt kaum
an, so dass sie Zugeständnisse beim Repertoire macht
und statt die der Komödien von Moliere und der
Tragödien von Racine wieder Burlesken und Lustspiele
darbietet, um ihre Truppe finanziell zu erhalten; in
ihrer • Hamburger
Theaterrede (1739) thematisiert die Neuberin,
die Widerstände gegen ihre Reformbemühungen und
appelliert an die städtische Obrigkeit, sie in ihrer
Arbeit zu unterstützen.
|
| 1740 |
Friederike Caroline Neuber tritt zum letzten Mal in
der »Oper
am Gänsemarkt in •
Hamburg
auf; sie verabschiedet sich enttäuscht vom Publikum
mit sarkastischer Kritik: "Denn von der
Schauspielkunst habt ihr sehr wenig Licht, / weils
Euch an Zärtlichkeit, Natur und Kunst gebricht.“
( • Abschied der Neuberschen
Theatergesellschaft aus Hamburg, 1740) Daraufhin verbietet der Magistrat die letzte
Aufführung und entzieht der Neuberin die
Spielerlaubnis für die Stadt.
Auf
Einladung der russischen Zarin »Anna
Iwanowna (1693-1740) begibt sich Friederike
Caroline Neuber nach »Sankt
Petersburg, wo sie und die Mitglieder ihrer
Theatergesellschaft kurz nach ihrer Ankunft von der
Zarin zu "Hofschauspielern" ernannt werden;
allerdings verstirbt die Zarin schon im Herbst des
gleichen Jahres; die frisch ernannten
"Hofschauspieler" verlieren damit ihre Gönnerin und
damit die höfische Protektion. |
| 1741 |
Die
Neuber'sche Truppe kehrt nach dem Tod der Zarin »Anna
Iwanowna (1693-1740) aus St. Petersburg nach
•
Leipzig zurück,
wo ihr »Heinrich
von Brühl, seit 1737 Graf von Brühl (1700-1763)
ermöglicht, wieder eine feste Spielstätte im Saal
des »Großen
Blumenberg zu errichten.
Beginn des Zerwürfnisses von Friederike Caroline
Neuber und »Johann
Christoph Gottsched (1700-1766); ausgelöst durch
einen längeren Streit über die angemessene
Kostümierung der Schauspieler fordert Gottsched ein
zeitgebundenes Kostüm der Akteure, um eine bessere
Bühnenwirkung zu erzielen; die Neuberin hält aber an
der dem Publikum gewohnten Kostümierung nach der
aktuellen Mode fest; als sie dessen "Sterbenden
Cato" nach Gottscheds Wunsch im römischen Kostüm
auftreten lässt, erntet sie das Gelächter des
Publikums; Gottsched fühlt sich daraufhin von der
Neuberin sabotiert; sie hält dem
Leipziger "Literaturpapst" zudem vor, dass es
weiterhin zu wenige geeignete Damentexte gebe, die Texte
seiner Stücke kraftlos seien und eine Übersetzung,
die seine Frau verfasst habe, gänzlich ungeeignet
sei. In ihrem Stück "Der allerkostbarste Schatz"
macht sie sich über die "Gottschedin", »Luise
Adelgunde Victorie Gottsched (1713-1762) als riesengroße
Nachtgestalt mit Fledermausflügeln lustig. Gottsched
will die Aufführung verhindern, muss sich aber einem
von »Heinrich
von Brühl (1700-1763)
erteilten Cabinetsbefehl fügen, der auch
weitere Aufführungen genehmigt.
|
| 1743 |
Friederike Caroline Neuber löst wegen rückläufiger
Einnahmen erstmals ihre Theatergesellschaft auf und
zieht sich nach in das 55 Kilometer von Leipzig
gelegene »Oschatz zurück.
Etliche Schmähschriften erscheinen gegen sie. Darin
wird sie u. a. als zänkische, frömmelnde Kokotte,
als unfähige Poetin und Prinzipalin dargestellt
wird. Unter diesen Schmähschriften war auch ein Spottgedichts über sie mit
dem Titel Probe eines Heldengedichtes in 8
Büchern… Leben und Taten der weltberüchtigten und
besten Komödiantin unserer Zeit… Friederica Carolina
Neuberin. |
| 1744 |
Begegnung mit
»Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) in
•
Leipzig; dieser
hatte früher schon Aufführungen der "Neuberin"
besucht und übersetzt die Tragödie
»Anibal
(1720) von
»Pierre
Carlet de Marivaux (1688-1763) und die Komödie
Le Distrait (= Der Zerstreute, 1697) von
»Jean-François
Regnard (1655-1709), dem wohl wichtigsten
Komödiendichter der Generation nach
»Molière
(1622-1673).
Friederike Caroline Neuber gründet wieder eine
Wandertruppe mit zum Teil alten Ensemblemitgliedern
in
•
Leipzig und tritt mit ihr
dort in Gastspielen
alljährlich während der Leipziger Messe auf, außerdem
auch in Dresden, Warschau und Frankfurt a. M. auf.
Sie spielt Volksstücke des Dänen
»Ludwig
Holberg (1684-1754) und Lustspiele
»Christian
Fürchtegott Gellerts (1715-1769) (»Die
Betschwester (1745),
»Die
zärtlichen Schwestern (1747). |
| 1748 |
Uraufführung von
»Lessings Jugenddrama und Lustspiel
»"Der
junge Gelehrte" durch die Neuber'sche
Theatergesellschaft in
•
Leipzig.
Streit und zunehmende Konkurrenz mit der Truppe von
»Johann
Friedrich Schönemann (1704-1782); »Heinrich
Gottfried Koch (1703-1755), einer der
renommiertesten Mitschauspieler der Neuberin
verlässt ihre Truppe und wird 1749
Hofkomödiant am
sächsischen Hof und gründet eine eigene
Theatergesellschaft (Kochsche Truppe), geht aber im
Sommer zunächst nach Wien an das Theater am
Kärntner-Tor |
| 1749 |
Die
Aufführungen der Neuber'schen Truppe in Zotens Hof
in
•
Leipzig
werden nur noch mäßig besucht, so dass sie wegen
rückläufiger Einnahmen immer wieder in Mietrückstand
gerät. Der Hausbesitzer vermietet die Spielstätte
daher an »Johann
Friedrich Schönemann (1704-1782), der inzwischen
auch die Protektion »Johann
Christoph Gottsched (1700-1766) hat; zudem hat
die Neuber'sche Theatergesellschaft auch bei der
Stadt Schulden, weil sie seit drei Jahren ihre
Spielgebühren nicht entrichtet hat.
Im
Oktober Eröffnung einer neuen Bühne durch die
Neuberin auf dem Färberboden im »Großen
Blumenberg.
»Heinrich
Gottfried Koch (1703-1755) kommt mit der
Kochschen Truppe zurück und bekommt das
sächsisch-polnische Hof-Komödianten-Privileg.»Johann
Friedrich Schönemann (1704-1782) einigt sich mit
Koch und kann weiterhin in Leipzig auftreten. Als
Koch durch Überbietung des Pachtzinses für die Bühne
der Neuberin im »Großen
Blumenberg die Neuber'sche Theatergesellschaft
dort ausbootet, muss diese auch hier weichen. |
| 1750 |
Friederike Caroline Neuber gibt
ihre Prinzipalschaft endgültig auf; danach noch
verschiedentlich Einzelauftritte bei Gastspielen an
verschiedenen Orten mit mäßigem Erfolg. |
| 1753 |
Friederike Caroline
Neuber reist auf Einladung der österreichischen
Kaiserin »Maria
Theresia (1717-1780) nach »Wien,
der mit über 100.000 Einwohnern größte Stadt im
deutschsprachigen Raum, und soll mit ihren
Auftritten an der »"k.k.
privilegierten Stadtschaubühne nächst dem Kärtnertor"
dem beim Wiener Publikum noch immer in größter Gunst
stehenden »Hanswurst
etwas entgegenzusetzen; anfangs beachtenswerte
Erfolge; zum Namenstag der Kaiserin wird im Oktober
1753 ihr selbst verfasstes fünfaktiges Schäfer- und
Lustspiel »"Das
Schäferfest oder Die Herbstfreude" mit großem
Erfolg aufgeführt: |
| 1754 |
Friederike Caroline
Neuber kehrt Ende des Jahres nach
•
Leipzig
zu ihrem Mann Johann Neuber zurück, der
zwischenzeitlich in der Kochschen Truppe engagiert
ist. |
| 1755 |
Erneute Gründung einer kleinen Schauspieltruppe unter Leitung
der Neuberin, die in dem etwa 50.000 Einwohner
zählenden Residenzstadt »Dresden
und kleineren Städten in dessen Umgebung auftritt.
Vergebliche gemeinsame Bewerbung mit ihrem Mann um
die Leitung der herzoglichen Bühne im Schloss in »Weimar,
der um die 5.000 Einwohner zählenden kleinen, aber
kulturell bedeutsamen Residenzstadt von »Herzogin
Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbüttel
(1739-1807). |
| 1756 |
Endgültige Aufgabe der
Prinzipalschaft durch Friederike Caroline Neuber nach Ausbruch
des Dritten Schlesischen Krieges im »Siebenjährigen.
Krieg (1756-1763); Ihr Mann und sie finden bei dem Königlichen Leibarzt Dr. Löber in
»Dresden,
einem langjährigen Bewunderer ihrer Schauspielkunst,
vor den Kriegswirren Unterschlupf und Schutz in
einer kleinen Kammer in dessen Haus in »Dresden.
Am 9. September 1756 kommt es zum Beschuss der
Stadt, als sich preußische Truppen Gefechte mit
sächsischen und österreichischen Kräften liefern.
Dabei werden Teile Dresdens, u. a. Gebäude in der
Innenstadt, durch preußisches Artilleriefeuer
beschädigt. |
| 1759
|
Tod von Johann Neuber,
der im März auf dem Neuen Kirchhof am »Pirnaischen
Platz in »Dresden
beerdigt wird. |
| 1760
|
Friederike Caroline Neuber flieht nach dem
Artilleriebeschuss der Stadt während der Belagerung
durch österreichische Truppen im Juli 1760, bei dem
zahlreiche Gebäude, darunter auch das Haus des
Leibarztes. stark beschädigt oder zerstört wurden,
mit den Löbers aus Dresden in das nahe gelegene,
kleine Dorf »Laubegast
an der Elbe, wo sie knapp fünf Monate lebt. Im
Bauernhaus des Bauern Löbe verstirbt die seit der
Flucht schwer erkrankte Neuberin am 29. November
1760.
Der
Legende nach verweigert ihr der Pfarrer als
unehrenhafter Person ein Begräbnis auf dem nahe der
Kirche gelegenen Friedhof. Deshalb habe der Bauer
Löbe ihren Sarg heimlich über die Friedhofsmauer
gebracht. In Wahrheit dürfte sie aber, wie viele der
in dieser Kriegszeit zu Tode gekommenen Personen,
aber kein unehrenhaftes Begräbnis ohne den
christlichen Segen erhalten haben, sondern eben ein
schlichtes Begräbnis ohne Trauerfeier, wie es auch
andere verarmte Verstorbene zu dieser Zeit erhalten.
(vgl.
Oelker 2024, S.153f.) |
 |
(Quellen u. a.:
Reden-Esbeck
1881;
Maurer-Schmoock
1982;
Fischer-Lichte 1993;
Schlegel
2012,
2012a,
2012b,
2012c;
Oelker
2024,verschiedene Wikipedia-Artikel)
Gert Egle. zuletzt bearbeitet am:
31.08.2025
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