▪
Absolutismus
und Aufklärung (ca. 1650-1789)
▪
Die Aufklärung
•
Aspekte der politischen und
gesellschaftlichen Entwicklung
•
Überblick
•
Bevölkerungsentwicklung
•
Ökonomische Verhältnisse
Größe
allein sagte im 18. Jahrhundert nicht unbedingt etwas über die sozialkulturelle
Bedeutung einer Stadt aus, auch wenn die Anzahl gebilderter Bürgerinnen und
Bürger in den Kleinstädten gewöhnlich natürlich nicht sehr groß war.
Eher
als die Größe spielte hier das soziokulturelle Profil der Stadt eine
entscheidende Rolle. So verteilten sich die Schwerpunkte des literarischen
Lebens, wie
D'Aprile/Siebers (2008, S.30) betonen, "anders als in den Phasen
der mittleren und späten Aufklärung. Während in der ersten Hälfte des
18.Jahrhunderts die handelsbürgerlichen Metropolen des Städtedreiecks
Hamburg, Leipzig und Zürich dominierende kulturelle Funktionen innehatten,
setzten sich seit 1740/50 zunehmend Universitäts- bzw. Residenzstädte wie
Halle, Göttingen, Braunschweig, Wolfenbüttel oder Berlin an die Spitze der
Aufklärungsöffentlichkeit."
Es gab eine Reihe
verschiedener Gründe, die dafür sorgten, dass eine Stadt zu einem "Zentralort
aufklärerischer Kommunikation" (ebd.)
werden konnte.
Die "literarische
Zentralität" (ebd.)
Leipzigs, das 1750 ca. 35.000 Einwohner hatte, beruhte neben der Tatsache, dass in der Stadt mit
Johann Christoph
Gottsched (1700-1766) einer der wichtigsten Theoretischer der literarischen Aufklärung
wohnte. vor allem dadurch, dass es als Handelsplatz mit seinen
verschiedenen Messen und seinen zahlreichen Druckereien ein wichtiges
Zentrum der aufklärerischen Kommunikation in Deutschland wurde Ideen und
Wissen beitrugen. Die Buchdruckereien spielten eine entscheidende Rolle bei
der Verbreitung aufklärerischer Schriften und Gedanken.
Gottsched machte sich schon
früh als Herausgeber seiner ersten
moralischen
Wochenschrift Die vernünftigen Tadlerinnen
(1724-1726) einen Namen und publizierte im Anschluss daran unter dem
Pseudonym Ernst Wahrlieb Biedermann veröffentlichte Wochenschrift »Der
Biedermann.(1727-1729). Damit leistete er schon in der
Frühaufklärung einen wichtigen Beitrag zur Herausbildung einer bürgerlichen
Öffentlichkeit.
Solche Zeitschriften waren
mit ihrer Kombination aus Räsonnement und Information, wie Inge
Stephan (31989,
S.123) betont, "selbst ein Produkt der Aufklärung. [...] Durch ihre kurzen
populärwissenschaftlichen Abhandlungen, ihre moralphilosophischen
Erörterungen und Untersuchungen, ihre neuen literarische Verfahrens- und
Vermittlungsweise weckten sie die Aufnahmebereitschaft des Publikum für neue
Inhalte und Formen, erschlossen breitere Leserschichten und schufen auf
diese Weise erst die Voraussetzungen für literarische Bildung und das
Entstehen eines literarischen Marktes."
1729 wurde er, zunächst
ohne Bezahlung außerordentlicher Professor der Poetik und vier Jahre später
ordentlicher Professor der Logik und Metaphysik.
Gottsched bestimmte mit
seinen literaturästhetischen Vorstellungen die Epoche maßgeblich und sein
oft selbstherrliches Agieren in den von ihm angestoßenen Debatten, ließ ihn
in den Augen etlicher Zeitgenossen zu einer Art "Literaturpapst" werden,
dessen Autorität lange Zeit nicht ohne heftige Gegenreaktion des Leipziger
Professors in Frage gestellt werden konnte.
Gottsched
Wegbereiter und Vordenker in Gottscheds Reformbestreben war sein
ehemaliger Königsberger Professor Johann Valentin Pietsch (1690–1733).
Dieser bestärkte Gottsched immer wieder in dessen Abneigung gegen die
Barockliteratur insbesondere der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und
deren sprachlichen Manierismus. Gottscheds sprachliche und literarische
Reformbestrebungen setzten sich in seinen literaturkritischen Periodika
fort. In den Jahren 1732 bis 1744 erschienen die Beyträge zur critischen
Historie der deutschen Sprache, Poesie und Beredsamkeit. Fortgesetzt wurden
sie von 1745 bis 1750 mit dem Neuen Büchersaal der schönen Wissenschaften
und freyen Künste und in den Jahren 1751 bis 1762 erschien Das Neueste aus
der anmuthigen Gelehrsamkeit. Gottsched war Hauptautor und Herausgeber der
Zeitschriften, die aber auch anderen Wissenschaftlern ein Diskussionsforum
boten. Insgesamt produzierte der Leipziger Gelehrte so im Laufe seines
Lebens etwa 20.000 gedruckte Zeitschriftenseiten.
1731 wurde in Leipzig Gottscheds Tragödie Sterbender Cato uraufgeführt.
Dieses überaus erfolgreiche Stück hatte er streng nach den Vorgaben der
zeitgenössischen französischen Dramenpoetik verfasst, die sich auf
Aristoteles berief (siehe Regeldrama). Gottsched wurde zu seinem Werk, das
als das erste deutsche „Originaldrama“ galt, das nach den Regeln der
aufklärerischen Poetik geschrieben wurde, durch das gleichnamige Stück von
Joseph Addison angeregt. Das Drama war wenig später Zielscheibe für Spott
und Kritik seiner Gegner, deren es nicht wenige gab, vor allem von Seiten
der Schweizer Johann Jakob Bodmer und Johann Jakob Breitinger sowie des
Hallensers Jakob Immanuel Pyra; Pyra behauptete, Gottsched habe das Drama
„mit Scheere und Kleister“ verfertigt, und glaubte massive Verstöße gegen
die aristotelischen Regeln feststellen zu können.
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
20.08.2025