▪
Absolutismus
und Aufklärung (ca. 1650-1789)
▪
Die Aufklärung
•
Aspekte der politischen und
gesellschaftlichen Entwicklung
•
Überblick
•
Bevölkerungsentwicklung
•
Ökonomische Verhältnisse
Größe
allein sagte im 18. Jahrhundert nicht unbedingt etwas über die sozialkulturelle
Bedeutung einer Stadt aus, auch wenn die Anzahl gebilderter Bürgerinnen und
Bürger in den Kleinstädten gewöhnlich natürlich nicht sehr groß war.
Eher
als die Größe spielte hier das soziokulturelle Profil der Stadt eine
entscheidende Rolle. So verteilten sich die Schwerpunkte des literarischen
Lebens, wie
D'Aprile/Siebers (2008, S.30) betonen, "anders als in den Phasen
der mittleren und späten Aufklärung. Während in der ersten Hälfte des
18.Jahrhunderts die handelsbürgerlichen Metropolen des Städtedreiecks
Hamburg, Leipzig und Zürich dominierende kulturelle Funktionen innehatten,
setzten sich seit 1740/50 zunehmend Universitäts- bzw. Residenzstädte wie
Halle, Göttingen, Braunschweig, Wolfenbüttel oder Berlin an die Spitze der
Aufklärungsöffentlichkeit."
Es gab eine Reihe
verschiedener Gründe, die dafür sorgten, dass eine Stadt zu einem "Zentralort
aufklärerischer Kommunikation" (ebd.)
werden konnte.
Die "literarische
Zentralität" (ebd.) Göttingens
beruhte auf verschiedenen Voraussetzungen und hatte eine Reihe mehr oder
weniger eigentümlicher Merkmale.
Dass die Mittelstadt mit
ihren Mitte des Jahrhunderts wohl etwa
6.000 Einwohnern zu einem wichtigen städtischen
Zentrum der Aufklärung werden konnte, verdankte sie zunächst einmal der
1734/35 gegründeten
»Georg-August-Universität
(Georgia Augusta), die binnen kurzer Zeit "zur
bevorzugten Studienstätte der geistigen und politischen Elite" (ebd.)
avancierte.

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Göttingen war damit auch in
Deutschland mit seiner "mit Abstand dichtesten Universitätslandschaft in
Europa" (Rosseaux 2006,
S.81, Kindle Version) unbestritten zu einer der renommiertesten
Universitäten geworden. Ihre Attraktivität zeigt sich auch darin, dass es
zahlreiche herausragende, "der Aufklärung verpflichtete Professoren" zog,
die an der von dem englischen König
Georg II. (1683-1760), "der sein Nebenland
Hannover als
Kurfürst
August regierte" (Fisch
2015, Kap: Reformanstöße innerhalb und außerhalb von Universitäten in
Mitteleuropa, Kindle Edition) Universität lehren und forschten.
Sie konnten sich in einem
vergleichsweise "liberalen" Klima freier entfalten als anderswo. So war die
theologische Fakultät der Reformuniversität weitgehend von der kirchlichen
Zensur befreit (ebd.)
und der theologischen Fakultät nicht mehr wie sonst üblich das
Aufsichtsrecht über die anderen Fakultäten zugesprochen wurde, damit die
Gelehrten ihre Forschungen ohne Aufsicht der Theologen durchführen und ohne
ohne Zensurauflagen kommunizieren konnten. Das galt auch für die seit 1739
erscheinenden »Göttingenschen
Gelehrten Anzeigen, der ersten wissenschaftlichen Zeitschrift im
deutschsprachigen Raum, die mit ihren Buchbesprechungen "ein Echo der
sachkundigen Fachkollegen auf die eigene Arbeit wieder(gaben)" (ebd.).
Die der Kommunikation unter Wissenschaftlern verpflichtete Zeitschrift wurde
ab 1751 von der von »König
Georg II. gegründeten »Akademie
der Wissenschaften zu Göttingen herausgegeben.
Das vergleichsweise
liberale Forschungsklima an der Göttinger Universität wohl auch an den auf
der britischen Insel geltenden Gepflogenheiten. Denn dort herrschte eine
vergleichsweise so große Gewissens- und Religionsfreiheit, ja sogar eine
weitreichende Meinungsfreiheit, dass "an den Ufern der Themse jeder Einzelne
seine Spleens und Obsessionen, aber auch seinen Drang nach Wissen und
Erkenntnis weitgehend unbehindert von Zensur und Rechtgläubigkeitswächtern
ausleben (durfte)" (Reinhardt
2022, S. 173)
Für die Attraktivität der Universität sorgte aber auch, dass
Göttingen mit seinen vergleichsweise vielen kulturellen Angebotenmein
gesellschaftliche Umfeld bot, das die Gelehrten
offenbar zu schätzen wussten.
Die
Georgia Augusta
hatte innerhalb von knapp 25 Jahren Jahren nicht nur mit ihren
Bauten das Stadtbild sehr verändert, sondern unter dem Einfluss ihres
ersten Kurators »Gerlach
Adolph von Münchhausen (1688-1770)
auch zahlreiche berühmte Gelehrte und Persönlichkeiten aus aller Welt
anzogen. Mit ihren teilweise sehr repräsentativen Bauten und der großen
Zahl adeliger Studenten, die sich das teure Pflaster der ca. 6.000
Einwohner zählenden Universitätsstadt leisten konnten.
Unter
dem Einfluss ihres ersten Kurators
»Gerlach
Adolph von Münchhausen (1688-1770)
zog die neu gegründete Universität binnen weniger Jahrzehnte
zahlreiche berühmte Gelehrte und Persönlichkeiten aus aller Welt als
Lehrende und männliche Studierende an,
die sich das teure Pflaster der Universitätsstadt leisten konnten.
Zu
den namhaften »Professoren, die an an der Universität lehrten, gehörten u. a.
der Mediziner
»Albrecht von Haller (1708-1777), der Altertumswissenschaftler
»Christian Gottlob Heyne /1729-1812), der Physiker, Naturforscher,
Mathematiker, Schriftsteller
»Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799), der Professor für Staatsrecht »August
Ludwig von Schlözer (1735-1809) und der Professor für Theologie
und Orientalistik »Johann
David Michaelis (1717-1791.
Aber auch unter den Studenten finden sich zahlreiche bekannte Namen. Von
1773 bis 1777 studierte der spätere preußische Reformer »Karl
Freiherr vom und zum Stein (1757-1831) hier Jura, Geschichte und »Kameralistik,
die Wissenschaft von der staatlichen Verwaltung, musste aber als adliger
Student kein Examen ablegen.
1788 schrieb sich »Wilhelm
von Humboldt (1767-1835), der spätere preußische Gelehrte,
Schriftsteller und Staatsmann in Göttingen für die Dauer von vier
Semestern in den Rechtswissenschaften ein, ein Jahr später wurde auch
sein Bruder »Alexander
von Humboldt (1769-1859), der später weltweit bekannte
Forschungsreisende und Naturforscher, für einige Zeit Student in
Göttingen.
Eine neu gegründete Universität wie Göttingen musste sich aber auch
strukturellen Veränderungen anpassen, die sich aus ihren neuen
institutionellen Rahmenbedingungen ergaben, die von den Landesherren bei der
Neugründung durchgesetzt wurden. Da auch die Universität Göttingen ohne
Zuweisung von finanziellen Mitteln aus der Staatskasse ihren Betrieb nicht
hätte aufrechterhalten können, nahm der Staat auch direkt auf die
Zusammensetzung des Lehrkörpers Einfluss. In Göttingen überließ daher der
zuständige Minister nicht mehr den Fakultäten, wer zum Professor berufen
wurde, sondern übte das alleinige Berufungsrecht aus. (vgl.
Fisch 2015, ebd.)
1738 wurde in Göttingen im Rahmen des Aufbaus der neuen
»Georg-August-Universität
eine »Deutsche
Gesellschaft gegründet, die unterbrochen durch den »Siebenjährigen
Krieg (1756–1763) bis zum Jahr 1791 bestand.
Im Gegensatz zu den frühneuzeitlichen Vereinigungen (Korporationen)
waren solche Gesellschaften ein "nicht-korporativ-ständischer
Zusammenschluss einer Gruppe von Personen, in der zeitlich
uneingeschränkt die Freiheit zum Eintritt und Austritt bzw. zur
Auflösung der Vereinigung bestand. Mit dem Eintritt in eine Sozietät
trat das Individuum aus seiner tradierten Lebenswelt, die durch Haus,
Korporation und Herrschaft begrenzt war, heraus. Der neue Wirkungskreis
war nun durch einen Individualismus der Mitglieder bestimmt. der sich
beispielsweise in der Freundschaftspflege oder dem Streben nach Bildung
äußerte." (Zaunstöck
1999, S.1)
Die Göttinger Deutsche Gesellschaft verstand sich als
Tochtergesellschaft der in •
Leipzig von »Johann
Christoph Gottsched (1700-1766) 1729 »neu
aufgestellten Sozietät (»Deutsche
Gesellschaft), die sich vor allem um die überregionale Pflege der
deutschen Sprache kümmerte und eine von Fremdwörtern gesäuberte und
mundartfreie deutsche Einheitssprache anstrebte. Zugleich ging es ihr
auch in Abgrenzung von der dominierenden französischen Sprache und
Kultur um die "Achtung der deutschen Nation" (Schmidt
2009, S.96, unter Bezug auf
Hardtwig
1993, S.178ff.) Dabei waren ihre Konzepte gegen "Sprachüberfremdung"
(Schmidt 1999,
S.261) zugleich Ausdruck der immer wieder erhobenen "Klage über den
Mangel an Selbstachtung und ein deutsches Inferioritätsbewußtsein"
(ebd.) Auch
in den Deutschen Gesellschaften wurde die "Spracharbeit"
(ebd.) in
einen politischen Rahmen gestellt. Sie sahen, ähnlich wie »Gottfried
Wilhelm Leibniz (1646-1716), einem der wichtigsten Philosophen der »Frühaufklärung
zwischen 1680 und 1730, in einem gelehrten bzw. bildungswilligen
mittleren Stand die künftige Nation im Gegensatz zu der Adels- und
Ständernation und verbanden ihre Spracharbeit mit der Entwicklung einer
Sprachkultur in einem politischen Programm, "das die Nation nicht mehr (geburts)ständisch
segmentierte, sondern an die Bereitschaft zur Bildung sowie an deutsche
Kultur und Tradition band."
(ebd.) Auch
wenn die geschaffene "literarische Öffentlichkeit als elitärer, aber
ständisch, konfessionell und regional entgrenzter Kommunikationsraum des
gebildeten Mittelstandes" für das Aufweichen ständischer Strukturen eine
wichtige Rolle spielte, war diese neuartige "politische Öffentlichkeit
teilhabewilliger Bürger"
(ebd.) war
dies kein Raum für den "gemeinen Mann" in den Städten und auf dem Land,
der, selbst wenn er lesen konnte, was aber die meisten nicht taten,
"kaum Zugang zu diesen Zirkeln und einen Nationenentwurf (fand), der das
gesellschaftliche Gleichgewicht über ‹bildungsbürgerliche›
Wertvorstellungen erreichen wollte."
(ebd.)
Nach Göttingen kamen neben
hochrangigen Aristokraten aus ganz Europa, auch immer wieder international
bedeutende Köpfe der Zeit und machten z. B. Professoren wie Michaelis ihre
Aufwartung, darunter
»Gotthold
Ephraim Lessing (1729-1781) 1766, »Benjamin
Franklin (1706-1790), zu dieser Zeit noch »Interessenvertreter
der nordamerikanischen britischen Kolonien in England, später
einer der »Gründerväter
der Vereinigten Staaten und
Unterzeichner der »Unabhängigkeitserklärung
der Vereinigten Staaten (Kleßmann
1975, S.31) oder auch »Johann
Wolfgang von Goethe (1749-1832) 1783, der berühmte Autors des »Werther.
Prominentestes Beispiel dafür,
dass Göttingen auch die Hocharistokratie attraktiv was, waren
die drei englischen Prinzen »Ernst
August (1771-1851), Herzog von Cumberland (er wird später im Jahr 1837 der König von
Hannover), »Augustus
Frederick (1773-1843), Herzog von Sussex, und »Adolphus
Frederick (1774-1850), Herzog von Cambridge, 15, 13
und 12 Jahre alt (vgl.
Kleßmann
1975, S.67). Sie
kamen im Jahr 1786 zum Studium in die Stadt.
Dass Göttingen die Heimat der etwas abschätzig »"Universitätsmamsellen"
genannten Professorentöchter »Caroline
Michaelis (1763-1809), »Therese
Heyne (1764–1829), »Philippine
Gatterer (1756–1831),
»Meta
Wedekind (1765-1853) und »Dorothea
Schlözer (1770–1825)
war,
zeigt, wie weit der Geist der Aufklärung in Göttingen schon gediehen war.
Alle
diese Frauen waren "umfassend gebildete, mit soliden Kenntnissen der
französischen und deutschen Literatur ausgestattete Intellektuelle"
(Alt,
Bd. II, 2004, S.321), von denen sich »Philippine
Gatterer ( ab 1780 verh. Engelhard) literarisch als »Lyrikerin
einen Namen machen konnte, Caroline und Meta Wedekind sehr
erfolgreiche und produktive Übersetzerinnen wurden und die
hochbegabte und von ihrem Vater vom Kindesalter an intensiv
geförderte »Dorothea
Schlözer (1770–1825)
konnte sogar 1787 im Alter von gerade mal 17 Jahren auf Initiative
von Carolines Vater. »Johann
David Michaelis (1717-1791) als erste Frau in Deutschland einen
Doktortitel in Philosophie nach einer über dreieinhalb Stunden dauernden Prüfung in
zahlreichen Fächern erwerben. Auch wenn sie ihre Promotion nur mit
»rite (also
mit der schlechtesten Note) abschließen konnte, eine weitere
akademische Karriere für eine junge Frau ohnehin nicht möglich war,
hat der Doktortitel, und das klingt angesichts der Tatsache, dass
ihre Promotion doch eine herausragende Sache war, ziemlich
ernüchternd, "der Demosielle jedenfalls für das weitere Leben
sicherlich nicht geschadet."
(Appel
2013, S.31)

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Göttingen war aber nicht nur Universitätsstadt, sondern seit 1715 auch eine Festungsstadt. Im
»Siebenjährigen
Krieg (1756-1763) war
sie dennoch verglichen mit Dresden oder Berlin mit einem blauen Auge
davongekommen, auch wenn es mal von dieser oder jener Kriegspartei
besetzt wurde. Trotzdem die Stadt auch beschossen wurde (z. B. 1760 von
den Truppen des Herzogs »Ferdinand von Braunschweig
(1721-1792), wurde sie nicht
gänzlich zerstört.
Allerdings musste sie zwischen 1757 und
1762 das Schicksal einer von der französischen Armee besetzten Stadt
mit ihren ernormen Folgen erdulden. Das bedeutete zu den schlimmsten
Zeiten hohe Belastungen zur Versorgung der bis zu 10.000 Mann und 4.000
Pferde starken französischen Besatzungsmacht, für viele Männer
Zwangsarbeit beim Ausbau ihrer Festungswerke rund um die Stadt (sie
werden 1762 nach dem Abzug der Franzosen wieder geschleift) und vor
allem auch Zwangseinquartierungen, um die
Soldaten, vor allem die französischen Offiziere, unterzubringen.
Kirchen und Hörsäle wurden zu Magazinen, die Stadtschule zu einem
Lazarett und einem Pferdestall umfunktioniert. Weil die Besatzer aber
immer stärker auf die Ressourcen der Stadt zugriffen, "nahmen nicht nur
Spannungen zu und verschlechterte sich die Versorgungslage" (Vierhaus
2002S.33), sondern die Stadt verzeichnete auch einen
deutlichen Bevölkerungsverlust.
Immerhin der Lehrbetrieb der erst 1737 als zweite Universität des
Kurfürstentums Hannover eröffneten
Georg-August-Universität
(Georgia
Augusta) konnte, wenn auch empfindlich gestört, weiterlaufen.
Dabei war Göttingen keineswegs nur Universitätsstadt. Es war zugleich
bis zur Industrialisierung auch eine typische Ackerbürgerstadt, in der
die meisten Einwohnerinnen und Einwohner vom Handel und vom Handwerk
lebten und dazu entweder in den großen Gärten, die zahlreiche Häuser
umgaben oder auf Äckern vor der Stadt Stallungen unterhielten, in denen
Kühe, Schweine und Schafe im Haupt- oder Nebenerwerb gehalten wurden.
Und doch strahlte es vor allem im Zentrum um die Universität herum
eine gewisse höfische Eleganz aus, auch wenn
morgens in aller Hergottsfrühe
Hirten mit lautem Klingeln annähernd 200 Kühe, dazu noch Schafe und Ziegen der Kleinbürger,
die diese auf ihren Grundstücken in der Stadt hielten, einsammelten, am
Brunnen vor dem Rathaus tränkten und
auf die Gemeindewiesen vor den Toren der Stadt hinausführten.
Ein gesellschaftliches
Miteinander zwischen den unterschiedlichen sozialen Schichten und
Gruppen in der Stadt gab es nicht und ihre sozialen Berührungspunkte
waren, wenn es nicht durch die Lebensführung der bürgerlichen
Oberschicht notwendig war (z.B. Bedienstete, Versorgung etc.) auf das
Notwendige beschränkt. Stände und Klassen, Wohlhabende und Gebildete auf
der einen, Arme und Ungebildete auf der anderen Seite, lebten ihre Leben
in klarer sozialer, aber auch räumlicher Distanz voneinander. Vor allem
zwischen der Mehrheit der Stadtbevölkerung und der Minderheit der
Universitätsbevölkerung fiel diese Distanz besonders stark aus und "fand
in Sprache, Auftreten und Statusempfindlichkeit" (Vierhaus
2002, S.36) der wohlhabenden und gebildeten bürgerlichen
Oberschicht, zu der auch die 40-50 Professorenfamilien gehörten, ihren
Ausdruck.
Auch wenn
es Studenten aus ärmeren Schichten gab, die, mit allerdings sehr gering
bemessenen Stipendien ihres jeweiligen Landesvaters ausgestattet, in die
Stadt kamen und dort oft in Schlafsälen mit bis zu 20 anderen auf Stroh
schliefen, war Göttingen aber auch eine Stadt, in die die feine
Gesellschaft des Adels und wohlhabender Patrizierfamilien gerne ihre adeligen Söhne zum Studium schickte.

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Mochte Göttingen
mit seinen kaum befestigten Straßen und den Hühnern und Gänsen darauf
und
tausender freilaufender Hunde und Katzen auch mit dem
eher mondänen gesellschaftlichen Leben in den meisten Residenzstädten der
Zeit nicht mithalten, konnte die mittelgroße Stadt aber neben der angesehenen
Universität inzwischen auch mit anderem punkten.
Die
Stadt hatte kräftig gebaut. Die Universität hatte ein
repräsentatives Wohn- und Logierhaus bekommen. Das weitläufige Gebäude
mit verschiedenen Seitenflügeln wurde später während der französischen
Besatzung im •
Siebenjährigen Krieg (1756-1763) zu einem französischen
Militärhospital und kam danach herunter und war letztlich die wohl
ziemlich verrufene • "Londonschänke".
Diese wurde 1764 von dem Professor für Theologie und Orientalistik »Johann
David Michaelis (1717-1791) gekauft, umfassend renoviert und
dann teils von seiner Familie und Studenten bewohnt sowie als Gebäude
für private Vorlesungen genutzt..
Dazu
kamen eine Fechthalle
»Universitätsreitstall,
eine Rennbahn, der Botanische Garten,
eine große Zahl von Gaststätten und Speiselokalen entlang der
repräsentativen Allee und eine ausreichende
Zahl von Frisören für die adelige Kundschaft. Man bot Kurse für das »Tranchieren
von »Wildbret
(die Jagd war schließlich Adelsprivileg) So war es gelungen, das von der
zahlungskräftigen Studentenelite erwartete Ambiente
mit einem vergleichsweise hohen Wohn- und Freizeitwert zu schaffen.
(vgl.
Appel
2013, S.15)
Aber natürlich hatte Göttingen insgesamt eine sozial sehr heterogen
zusammengesetzte Bevölkerung, die räumlich deutlich voneinander
separiert in unterschiedlichen Vierteln der Stadt lebte. Während die
Wohlhabenden im Zentrum der Stadt im Umfeld der Universität wohnten,
lebten die Armen und Bettler der Stadt – sie machten immerhin ca. ein
Drittel der Stadtbevölkerung aus – vorrangig an den Stadträndern, wie
zum Beispiel im Ritterplan, an der Neuen Leine oder in der Turmstraße (Reincke
2012/2013, dort unter Bezug auf
Rohrbach 1987,
S.183).
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
20.08.2025
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