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▪
Absolutismus
und Aufklärung (ca. 1650-1789)
▪
Die Aufklärung
•
Aspekte der politischen und
gesellschaftlichen Entwicklung
•
Überblick
•
Bevölkerungsentwicklung
»
•
Ökonomische Verhältnisse
•
Dörfer und Städte in der Agrargesellschaft
Im deutschsprachigen Raum
stieg die Gesamtzahl der deutschen Städte von etwa 3.500 zu Beginn der
Frühen Neuzeit (1500) •
auf etwa 4.000 um das Jahr 1800. Meistens handelte es
sich dabei um Städte kleinerer und mittlerer Größe.
Zu Beginn der Frühen
Neuzeit um das Jahr 1500 herum gehörten 90 Prozent aller deutschen Städte zu
den Kleinstädten unter 2.000 Einwohnern. Die restlichen 10 Prozent entfielen
auf Mittelstädte mit einer Einwohnerzahl von 2.000-10.000 Einwohnern und
Großstädte mit mehr als 10.000 Einwohnern. Auch wenn sich um 1800 sowohl die
Anzahl der Großstädte (61 gegenüber 26) als auch die der Mittelstädte (ca.
400 gegenüber knapp 200) merklich vergrößert hatte, blieben die etwa 3.000
Kleinstädte in der deutlichen Mehrheit, hatten sich die Gewichte zwischen
den Kategorien kaum verschoben. (vgl.
Rosseaux 2006,
S.20f.)
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Von den ehemaligen
Reichsstädten waren um das Jahr 1800 herum lediglich noch Frankfurt am Main,
Köln und Hamburg unter den ersten zehn einwohnerreichsten Kommunen.
Stattdessen setzten sich die Haupt- und Residenzstädte Wien, Berlin und
Dresden an die Spitze. Hinzu kam noch Hamburg, das seinen Aufschwung seiner
Bedeutung als Handelsmetropole verdankte. Auch die Städte, die
administrative und ökonomische Oberzentren einer ganzen Region waren, wie
Königsberg oder Breslau stiegen in der Rangliste auf sowie das als Finanz-
und Handelszentrum herausragende Frankfurt am Main. Hingegen hatten Köln,
Danzig oder Magdeburg ihre ehemalige Größe nicht behaupten können. (vgl.
ebd.) (vgl.
auch Mitchell 2003,
S.74 ff., zit. n.
https://www.atlas-europa.de/t04/bevoelkerung/europ_staedte/pdf/BevStaedte-Tabelle_dt.pdf)
Größe
allein sagte allerdings nicht unbedingt etwas über die sozialkulturelle
Bedeutung einer Stadt aus, auch wenn die Anzahl gebilderter Bürgerinnen und
Bürger in den Kleinstädten gewöhnlich natürlich nicht sehr groß war.
Eher
als die Größe spielte hier das soziokulturelle Profil der Stadt eine
entscheidende Rolle. So verteilten sich die Schwerpunkte des literarischen
Lebens, wie
D'Aprile/Siebers (2008, S.30) betonen, "anders als in den Phasen
der mittleren und späten Aufklärung. Während in der ersten Hälfte des
18.Jahrhunderts die handelsbürgerlichen Metropolen des Städtedreiecks
Hamburg, Leipzig und Zürich dominierende kulturelle Funktionen innehatten,
setzten sich seit 1740/50 zunehmend Universitäts- bzw. Residenzstädte wie
Halle, Göttingen, Braunschweig, Wolfenbüttel oder Berlin an die Spitze der
Aufklärungsöffentlichkeit."
Es gab eine Reihe
verschiedener Gründe, die dafür sorgten, dass eine Stadt zu einem "Zentralort
aufklärerischer Kommunikation" (ebd.)
werden konnte
•
Göttingen entwickelte sich ab 1734/35
dank der Georg-August-Universität zu einem wichtigen Zentrum der Aufklärung.
Renommierte Gelehrte wie Haller, Lichtenberg oder Michaelis prägten das
intellektuelle Leben; bedeutende Persönlichkeiten wie Lessing, Franklin und
Goethe besuchten die Stadt. Auch gebildete Professorentöchter
("Universitätsmamsellen") trugen literarisch und wissenschaftlich bei,
darunter Dorothea Schlözer, erste Frau mit deutschem Doktortitel in
Philosophie. Trotz französischer Besetzung im Siebenjährigen Krieg blieb die
Universität weitgehend funktionsfähig und zog internationale Studenten an,
darunter englische Prinzen. Göttingen verband universitäre Eleganz mit dem
Charakter einer Ackerbürgerstadt; wohlhabende Professorenfamilien lebten
räumlich und sozial getrennt von armen Stadtbewohnern. Neubauten wie
Reithalle, Botanischer Garten und Logierhäuser boten der wohlhabenden
Studentenschaft gehobenes Ambiente, während ein Drittel der Bevölkerung in
armen Randvierteln lebte.
•
Hamburg, 1750 mit etwa 75.000 Einwohnern
drittgrößte Stadt Deutschlands, vereinte als eigenständiger Stadtstaat und
bedeutende Hafenstadt wirtschaftliche Stärke mit kultureller Dynamik. Es
entstanden aufklärerische Zeitungen wie der Hamburgische
Correspondent, Moralische Wochenschriften, die Patriotische
Gesellschaft sowie das ambitionierte, wenn auch gescheiterte,
Nationaltheaterprojekt.
Unter Friedrich II. wurde •
Berlin ein Zentrum der
Aufklärung, gefördert durch enge Verbindungen zur französischen Kultur und
die Preußische Akademie der Wissenschaften, die Natur- und
Geisteswissenschaften vereinte. Zahlreiche bedeutende Gelehrte wie Euler,
Voltaire, Diderot oder Kant gehörten ihr an, unterstützt von eigenen
Forschungseinrichtungen wie Sternwarte, Botanischem Garten und Laboratorien.
Auch als publizistisches Zentrum spielte Berlin eine Schlüsselrolle:
Verleger Friedrich Nicolai und Autoren wie Lessing oder Mendelssohn prägten
das Zeitschriftenwesen. Die Berlinische Monatsschrift wurde
Sprachrohr der "Mittwochsgesellschaft2, die über zentrale Fragen von
Aufklärung, Pressefreiheit, Justiz- und Bildungsreformen debattierte.
•
Zürichs Bedeutung als "Zentralort
aufklärerischer Kommunikation" m 18. Jahrhundert beruhte vor allem auf Jakob
Bodmer und Johann Jakob Breitinger, die ab 1721 die Moralische Wochenschrift
Discourse der Mahlern herausgaben. Bodmer entdeckte die
mittelhochdeutsche Dichtung neu, übersetzte Homer und Milton und wandte sich
in seiner Critischen Abhandlung von dem Wunderbaren in der Poesie (1740)
gegen Gottscheds Ablehnung des Wunderbaren, das er als wesentliches Element
der Dichtung betrachtete. Der daraus entstandene Zürcher Literaturstreit
(1730–1745) war eine zentrale literarische Auseinandersetzung der Zeit, in
der Bodmer viele Autoren auf seine Seite zog. Breitinger teilte Bodmers
Ansichten und betonte die idealisierende Naturnachahmung und verteidigte die
affektiven Wirkungen der Dichtung. Seine Critische Dichtkunst (1740)
stellte ein Gegenstück zu Gottscheds Critischer Dichtkunst (1712)
dar.
•
Jena
•
Weimar
•
Wolfenbüttel
•
Leipzig

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
20.08.2025