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Städtische Zentren der deutschen Aufklärung

Überblick

« Aufklärung (1720-1785)Historischer HintergrundGesellschaftliche, politische und kulturelle Rahmenbedingungen


FAChbereich Deutsch
Glossar
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Absolutismus und Aufklärung (ca. 1650-1789)
Die Aufklärung
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Bevölkerungsentwicklung »
Ökonomische Verhältnisse

  Dörfer und Städte in der Agrargesellschaft

Im deutschsprachigen Raum stieg die Gesamtzahl der deutschen Städte von etwa 3.500 zu Beginn der Frühen Neuzeit (1500) • auf etwa 4.000 um das Jahr 1800. Meistens handelte es sich dabei um Städte kleinerer und mittlerer Größe.

Zu Beginn der Frühen Neuzeit um das Jahr 1500 herum gehörten 90 Prozent aller deutschen Städte zu den Kleinstädten unter 2.000 Einwohnern. Die restlichen 10 Prozent entfielen auf Mittelstädte mit einer Einwohnerzahl von 2.000-10.000 Einwohnern und Großstädte mit mehr als 10.000 Einwohnern. Auch wenn sich um 1800 sowohl die Anzahl der Großstädte (61 gegenüber 26) als auch die der Mittelstädte (ca. 400 gegenüber knapp 200) merklich vergrößert hatte, blieben die etwa 3.000 Kleinstädte in der deutlichen Mehrheit, hatten sich die Gewichte zwischen den Kategorien kaum verschoben. (vgl. Rosseaux 2006, S.20f.)

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Von den ehemaligen Reichsstädten waren um das Jahr 1800 herum lediglich noch Frankfurt am Main, Köln und Hamburg unter den ersten zehn einwohnerreichsten Kommunen. Stattdessen setzten sich die Haupt- und Residenzstädte Wien, Berlin und Dresden an die Spitze. Hinzu kam noch Hamburg, das seinen Aufschwung seiner Bedeutung als Handelsmetropole verdankte. Auch die Städte, die administrative und ökonomische Oberzentren einer ganzen Region waren, wie Königsberg oder Breslau stiegen in der Rangliste auf sowie das als Finanz- und Handelszentrum herausragende Frankfurt am Main. Hingegen hatten Köln, Danzig oder Magdeburg ihre ehemalige Größe nicht behaupten können. (vgl. ebd.) (vgl. auch Mitchell 2003, S.74 ff., zit. n. https://www.atlas-europa.de/t04/bevoelkerung/europ_staedte/pdf/BevStaedte-Tabelle_dt.pdf)

Städtische Zentren der deutschen Aufklärung

Größe allein sagte allerdings nicht unbedingt etwas über die sozialkulturelle Bedeutung einer Stadt aus, auch wenn die Anzahl gebilderter Bürgerinnen und Bürger in den Kleinstädten gewöhnlich natürlich nicht sehr groß war.

Eher als die Größe spielte hier das soziokulturelle Profil der Stadt eine entscheidende Rolle. So verteilten sich die Schwerpunkte des literarischen Lebens, wie D'Aprile/Siebers (2008, S.30) betonen, "anders als in den Phasen der mittleren und späten Aufklärung. Während in der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts die handelsbürgerlichen Metropolen des Städtedreiecks Hamburg, Leipzig und Zürich dominierende kulturelle Funktionen innehatten, setzten sich seit 1740/50 zunehmend Universitäts- bzw. Residenzstädte wie Halle, Göttingen, Braunschweig, Wolfenbüttel oder Berlin an die Spitze der Aufklärungsöffentlichkeit."

Es gab eine Reihe verschiedener Gründe, die dafür sorgten, dass eine Stadt zu einem "Zentralort aufklärerischer Kommunikation" (ebd.) werden konnte

Göttingen entwickelte sich ab 1734/35 dank der Georg-August-Universität zu einem wichtigen Zentrum der Aufklärung. Renommierte Gelehrte wie Haller, Lichtenberg oder Michaelis prägten das intellektuelle Leben; bedeutende Persönlichkeiten wie Lessing, Franklin und Goethe besuchten die Stadt. Auch gebildete Professorentöchter ("Universitätsmamsellen") trugen literarisch und wissenschaftlich bei, darunter Dorothea Schlözer, erste Frau mit deutschem Doktortitel in Philosophie. Trotz französischer Besetzung im Siebenjährigen Krieg blieb die Universität weitgehend funktionsfähig und zog internationale Studenten an, darunter englische Prinzen. Göttingen verband universitäre Eleganz mit dem Charakter einer Ackerbürgerstadt; wohlhabende Professorenfamilien lebten räumlich und sozial getrennt von armen Stadtbewohnern. Neubauten wie Reithalle, Botanischer Garten und Logierhäuser boten der wohlhabenden Studentenschaft gehobenes Ambiente, während ein Drittel der Bevölkerung in armen Randvierteln lebte.

Hamburg, 1750 mit etwa 75.000 Einwohnern drittgrößte Stadt Deutschlands, vereinte als eigenständiger Stadtstaat und bedeutende Hafenstadt wirtschaftliche Stärke mit kultureller Dynamik. Es entstanden aufklärerische Zeitungen wie der Hamburgische Correspondent, Moralische Wochenschriften, die Patriotische Gesellschaft sowie das ambitionierte, wenn auch gescheiterte, Nationaltheaterprojekt.

Unter Friedrich II. wurde •  Berlin ein Zentrum der Aufklärung, gefördert durch enge Verbindungen zur französischen Kultur und die Preußische Akademie der Wissenschaften, die Natur- und Geisteswissenschaften vereinte. Zahlreiche bedeutende Gelehrte wie Euler, Voltaire, Diderot oder Kant gehörten ihr an, unterstützt von eigenen Forschungseinrichtungen wie Sternwarte, Botanischem Garten und Laboratorien. Auch als publizistisches Zentrum spielte Berlin eine Schlüsselrolle: Verleger Friedrich Nicolai und Autoren wie Lessing oder Mendelssohn prägten das Zeitschriftenwesen. Die Berlinische Monatsschrift wurde Sprachrohr der "Mittwochsgesellschaft2, die über zentrale Fragen von Aufklärung, Pressefreiheit, Justiz- und Bildungsreformen debattierte.

Zürichs Bedeutung als "Zentralort aufklärerischer Kommunikation" m 18. Jahrhundert beruhte vor allem auf Jakob Bodmer und Johann Jakob Breitinger, die ab 1721 die Moralische Wochenschrift Discourse der Mahlern herausgaben. Bodmer entdeckte die mittelhochdeutsche Dichtung neu, übersetzte Homer und Milton und wandte sich in seiner Critischen Abhandlung von dem Wunderbaren in der Poesie (1740) gegen Gottscheds Ablehnung des Wunderbaren, das er als wesentliches Element der Dichtung betrachtete. Der daraus entstandene Zürcher Literaturstreit (1730–1745) war eine zentrale literarische Auseinandersetzung der Zeit, in der Bodmer viele Autoren auf seine Seite zog. Breitinger teilte Bodmers Ansichten und betonte die idealisierende Naturnachahmung und verteidigte die  affektiven Wirkungen der Dichtung. Seine Critische Dichtkunst (1740) stellte ein Gegenstück zu Gottscheds Critischer Dichtkunst (1712) dar.

Jena

Weimar

Wolfenbüttel

Leipzig

 

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 20.08.2025

 
 

 
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