Hauptformen des Kurzreferats (Abstracts)

Überblick

DIN 1426 (Fassung vom Oktober 1988)

 
 
  Nach DIN 1426 lassen sich die verschiedenen Hauptformen des Abstracts/Kurzreferats nach folgenden Kriterien einteilen:

Verfasserbezogene Typologie:

  • Autorenreferat: Der Verfasser des Dokuments ist zugleich der Abstractor, d.h. der Verfasser des Abstracts/Kurzreferats. Solche Abstracts gelten im vergleich zu Fremdabstracts gemeinhin "als subjektiver und weniger konsistent". (Baßler 2007, S.366)

  • Fremdreferat: Das Original wird von einem anderen als dem Autor in einem Abstract zusammengefasst. Solche Abstracts gelten im Allgemeinen "als homogener, da den Verfassern Richtlinien zur Abfassung eines Abstracts an die Hand gegeben werden, um ein einheitliches Format für das Referatorgan zu erhalten." (ebd.)

Inhaltsbezogene Typologie:

  • Informatives Referat: Informiert über den behandelten Sachverhalt, Zielsetzungen, Hypothesen, Methoden, Ergebnisse und Schlussfolgerungen des Originaldokuments.

  • Indikatives Referat: Gibt lediglich an, wovon das Originaldokument handelt.

  • Informativ-indikatives Referat: Mischform, die über einige relevante Inhalte informiert und andere Sachverhalte nur erwähnt

  • Strukturreferat (Positionsreferat): Die wesentlichen Inhalte eines Originaldokuments werden in einer vorgegebenen Reihenfolge auf der Grundlage feststehender Kategorien (z.B. Gegenstand, Zielsetzung, Verfahren, Methode, Ergebnis etc.)

  • Kurzreferat aus besonderer Perspektive: Wiedergabe bestimmter Aspekte eines Dokumentes unter einem bestimmten Blickwinkel bei gleichzeitigem, bewusstem Verzicht auf Wiedergabe des Gesamtinhalts

Daneben lassen sich noch so genannte Grenzformen des Referats unterscheiden. Dazu zählen:

  • das ersetzende Referat (Kurzfassung):
    Damit beabsichtigt man, das Lesen des Originaldokuments überflüssig zu machen.

  • das kritische Referat
    Ein Referat, das neben der Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte auch explizit wertende Äußerungen des Abstractors beinhalten. Damit bewegt sich das Abstract allerdings an der Grenze zur Rezension. Damit wird, wie auch im englischen Sprachraum eher üblich, die strenge Bedingung der Objektivität gelockert (vgl. Kretzenbacher 1990, S.25)

Beispiel für ein kritisches Referat aus DIN 1426:
"Die vorliegende Fassung ist die längst fällige Revision der Ausgabe von 1973 und gleichzeitig Vorbild für die Arbeiten an einer in Vorbereitung befindlichen internationalen Norm. Das Kurzreferat wird nicht wie bisher isoliert gesehen, sondern in den Gesamtzusammenhang der Inhaltsangaben gestellt und gegen andere Formen abgegrenzt (z. B. Annotation, Zusammenfassung, Rezension). Beim Kurzreferat selbst wird unterschieden nach dem Produzenten (Autorenreferat, Fremdreferat), nach der Form (Strukturreferat) und dem inhaltlichen Bezug (indikatives, informatives, indikativ-informatives Referat, Kurzreferat aus besonderer Perspektive). Als Grenzformen werden ersetzendes und kritisches Referat erwähnt. Neben der Systematik und den allgemeinen Gestaltungshinweisen werden einige Festlegungen und Hinweise für Kurzreferate in Originaldokumenten und Inhaltsangaben in Informationsdiensten gegeben, die bei einer weiteren Revision zweifellos noch ausgebaut werden müssten. Begrüßenswert sind die Hinweise zu Literaturberichten, die die Anpassung an neuere Tendenzen der Informations- und Dokumentationstätigkeit verdeutlichen."  [Hervorhebung der kommentierenden Wertungen durch den Verfasser]

(vgl. Payer, Alois <1944 - >: Einführung in Formalien wissenschaftlicher Arbeiten. -- 5. Abfassung von Inhaltsangaben, besonders Kurzreferaten (Abstracts). -- Fassung vom 3. Mai 2000. -- URL: http://www.payer.de/wissarbeit/wissarb05.htm)

 
    
                   

          CC-Lizenz
 

 

Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA) Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de