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Formal-logische Ansätze

Entdeckungs- und Begründungszusammenhang


  Beim Argumentieren passiert es schnell, dass die eigentlichen Argumente und die Motive, die jemanden zur Äußerung bestimmter Argumente veranlassen, durcheinander gebracht werden. Dabei handelt es sich um grundverschiedene Dinge. Ihre Verwechslung kann natürlich auch bewusst herbeigeführt werden.
Die so genannte Ad-personam- oder Personalisierungstechnik der Eristik, jene Methode nichtpartnerschaftlichen Argumentierens also, bei dem die sich äußernde Person und deren vermeintliche Motive angegriffen werden, statt sich mit der Wahrheit ihrer Äußerung auseinanderzusetzen, legt davon ein beredtes Zeugnis ab.

Aus diesem Grunde wird in der Logik und Wissenschaftstheorie beides streng voneinander abgehoben. Man unterscheidet dabei den Entdeckungs- vom Begründungszusammenhang, denn „wie eine Behauptung zustande gekommen ist, sagt in der Regel nichts über ihre Wahrheit oder Falschheit“ aus. (Bayer 1999, S.99f.)

In der formal-logischen Argumentationsanalyse wird, wenn Einzelheiten des Entdeckungszusammenhangs unangemessen in den Begründungszusammenhang eingehen, von einem genetischen Fehlschluss gesprochen. Der genetische Fehlschluss ist dabei auch Grundlage zahlreicher Killerphrasen, mit denen die Äußerungen eines anderen abgewertet werden sollen. (z. B. Sie als Frau sollten das doch besser wissen ... – Mit Ihrer Vorgeschichte würde ich hier den Mund nicht so voll nehmen... etc.)

  • Der Entdeckungszusammenhang eines Arguments umfasst den Kontext, in dem bestimmte Argumente vorgebracht werden. Dazu zählen psychische, soziale, historische, persönliche etc. Faktoren.
  • Zum Begründungszusammenhang zählen dagegen die Argumente, mit denen eine bestimmte Behauptung gestützt wird.

Für die alltägliche Argumentation ist der Entdeckungszusammenhang dennoch besonders wichtig. Wie Klaus Bayer (1999, S.102) betont, bestimmt er mit seinen intuitiven und assoziativen Verknüpfungen und Schlüssen im "freien Spiel von Intuition, Phantasie, Kreativität und Scharfsinn" nämlich die ersten Phasen des Erkenntnisprozesses. Gerade dabei entfaltet er eine außerordentlich hohe Produktivität. Aus diesem Grund müsse man sich aller „schulmeisterlichen Versuche“ enthalten, "das Denken an strenge logische Regeln zu binden", denn sie würden "das Denken behindern und schließlich ganz ersticken."
Die Geistesblitze, Ideen, anfänglichen Eingebungen und Hypothesen gehen nämlich der logischen Argumentationsanalyse im Allgemeinen voraus, die "erst bei deren nachträglicher Kontrolle und Kritik von Bedeutung ist."

 
      
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