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▪
Strukturbegriffe der Erzähltextanalyse
▪
Überblick
▪ Auswahl
(Zusammenstellungen wichtiger Strukturbegriffe)
▪
Alles auf einen Blick:
Sammelsurium und Sprungbrett
▪
Strukturbegriffe der älteren
Erzähltheorie
▪
Strukturbegriffe der neueren
Erzähltheorie
▪
ABC der schulischen
Erzähltextanalyse
▪
Darstellungsebene und Ebene des Dargestellten
▪
Wie wird erzählt? (Zeitgestaltung, Perspektiven, Darbietungsformen ...)
▪
Was wird erzählt?
(Handlung, erzählte
Welt, Figur, Raum)
▪
Bausteine
Die nachfolgende
strukturierte Erfassung des Textes des Kapitels • "Der
Prügler"
in
•
Franz Kafkas Roman • "Der
Prozess" geht von wichtigen •
Erzählstrukturen wie der
• Figuren-, •
Raum- und •
Zeitgestaltung
des Textes aus.
Der Prügler
-
steht wie die beiden Wächter
in gebückter Haltung in der niedrigen Rumpelkammer (HL 58 Z 27)
-
trägt eine Art dunkle
Lederkleidung, die vorne weit ausgeschnitten ist und die Arme nackt
lässt (HL 58 Z 31f.))
-
braun gebrannt (HL 59
Z 40f.)
-
hat "wildes frisches
Gesicht" (HL 59 Z 59)
-
hat eine Rute in der Hand
(HL 58 Z 37)
-
interveniert nach den
Erklärungsversuchen der Wächter für ihre Tat mit Hinweis, dass "die
Strafe (...) ebenso gerecht als vermeidlich (ist)" (HL 59 Z 21)
-
gibt den Wächtern den Befehl sich auszuziehen (HL S.60 Z 1)
-
behauptet gegenüber K., die
Wächter seinen "aus Angst vor den Prügeln schon ein wenig schwachsinnig
geworden" (HL 60 Z 2f.)
-
bestreitet gegenüber K. die von Willem angesprochene, den
Wächtern angeblich in Aussicht gestellte Beförderung zum Prügler,
wegen dessen Fettleibigkeit ("Sieh an, wie fett er ist ..." HL 60
Z 5f.)
(vgl. Widerspruch von Willem)
-
verweist darauf, dass die
Ursache der Fettleibigkeit sei, dass sie stets das Frühstück von
Verhafteten, wie auch K. widerfahren (HL 8 Z 17), aufäßen (HL 60 Z
7f.)
-
erklärt sich zum Ausführenden
von (sozialen) Anordnungen oder Befehlen: "Ich bin zum Prügeln
angestellt, also prügle ich." (HL 60 Z 37) Die geprügelten
Wächter Willem und Franz
Die geprügelten Wächter Willem und Franz
-
geben in Erwartung ihrer Prügelstrafe laute Seufzer von sich
(HL S.58 Z 17, 22)
-
stehen wie der Prügler auch in gebückter Haltung in der
niedrigen Rumpelkammer (HL 58 Z 27)
-
geben an, nur deshalb bestraft zu werden, weil sich K. vor
dem Untersuchungsrichter über sie beklagt habe (Hl 58)
-
begründen ihren Versuch, sich bei der Verhaftung von K. dessen
Wäsche zu bemächtigen (HL 7f.), mit ihrer schlechten finanziellen
Lage (HL 59 Z 5f.)
-
wissen allerdings, dass ein solches Verhalten verboten ist
und im Falle seines Bekanntwerdens geahndet werden muss
(!) (HL 59 Z 14)
-
dennoch erklären sie im Einklang mit einer alten Tradition
gehandelt zu haben, wonach die Wäsche eines Verhafteten stets den
Wächtern gehöre (HL 59 Z 10)
-
zweifeln an der Gerechtigkeit, weil sie meinen, nur wegen K.s
Äußerungen zur Rechenschaft gezogen zu werden (HL Z 25f,)
-
bedeuten K., dass eine solche Anzeige durch einen Angeklagten
"wirklich nur sehr selten" vorkomme (HL 59 Z 33)
-
sehen in Erwartung eines Laufbahnabsturzes ("noch viel
untergeordnetere Arbeiten [...] als der Wachdienst", HL 59 Z 34f.) sich
in ihren Hoffnungen, bald zum Prügler befördert zu werden,
getäuscht (HL 59 Z 30f.)
-
beklagen sich darüber, zu alledem noch "diese schrecklich
schmerzhaften Prügel" zu erhalten (HL Z 34f.)
-
müssen sich auf Befehl des Prüglers "ganz nackt ausziehen"
(HL 58. Z 38f., HL S.60 Z 1)
-
Willem widerspricht dem Prügler, der
meint "ein Mann mit einem solchen Bauch kann nie und nimmer Prügler
werden" (HL 60 Z 10f.) mit dem Satz, es gebe auch solche Prügler
(HL 60 Z 11f.)
-
Franz
distanziert sich mit einem "von Tränen ganz überlaufene(n)
Gesicht" (HL 61 Z 7) von Willem und hofft, durch eine Intervention
von K. für ihn allein, davonzukommen (HL 60 Z 41f.)
-
Willem
schaut "heimlich" zu, wie Franz verprügelt wird (HL 61 Z 9)
-
Franz
schreit unter den Schmerzen sehr laut auf (HL 61 Z 11f.)
(vgl.
Reaktion K.s!)
-
Franz wird von K.
zu Boden gestoßen (HL 60 Z 17)
Josef K.
-
ist an diesem Abend dabei,
die Bank "fast als der Letzte" zu verlassen (HL 58 Z 14
-
will,
als er den ersten Seufzer hört für einen Augenblick Zeugen holen
(HL 58 Z 22)
-
wird aber, ehe er das tun
kann, von einer "derart unbezähmbare(n) Neugierde" gefasst, dass
er die Tür "förmlich aufriss" (HL 58 Z 23f.)
-
rechtfertigt sein Verhalten
vor dem Untersuchungsrichter den Wächtern gegenüber, es sei ihm nicht um
ihre Bestrafung, sondern "um ein Prinzip" gegangen (HL 59 Z 16)
-
will - entgegen früher
geäußerter Prinzipien (HL 43 Z 18) -
den Prügler mit Geld bestechen,
damit er die Wächter laufen lässt (HL 60 Z 15f.)
-
betont, dass er zu keinem
Zeitpunkt die Bestrafung der Wächter gewünscht habe, weil er nicht so,
sondern "die Organisation" und "die hohen Beamten" für "schuldig"
betrachte (HL 60 Z 27f.)
-
hindert den Prügler für
einen Moment am Prügeln ("drückte, während er sprach, die Rute, die
sich schon wieder erheben wollte, nieder", HL 60 Z 32f.)
-
findet die Prügelstrafe
für die schuldigen höheren Beamten für angebracht (HL 60 Z 34)
-
verbindet den Schrei, den Franz wegen den Schmerzen, die er erleiden
muss, ausstößt mit der Vorstellung von einem gemarterten Instrument
("der Schrei [...] schien nicht von einem Menschen, sondern von einem
gemarterten Instrument zu stammen") (HL 61 Z 12f.)
-
fürchtet, das ganze Haus
- K.
will als fast Letzter die Bank verlassen (!) (HL 58 Z 14), außer ihm
sind nur noch zwei Diener im Haus (HL
58 Z 16) - könnte den Schrei von Franz hören (HL 60 Z 14)
-
schreit ("rief") Franz
seinerseits an, das Schreien einzustellen (HL 60 Z 14)
-
kann "sich nicht
zurückhalten" und stößt Franz zu
Boden (HL 60 Z 17)
-
verlässt die Rumpelkammer,
als die
beiden Diener, durch das Schreien von Franz angelockt, herankommen
(HL 61 22ff.)
-
erklärt den Dienern,
die ihn fragen, ob etwas geschehen sei: "es schreit nur ein `Hund auf
dem Hof" und schickt sie wieder an ihre Arbeit (HL 61 Z 27ff.)
-
wagt nach dem Weggehen der
Diener nicht, erneut in die Rumpelkammer zu gehen, bleibt
stattdessen im Korridor an einem geöffneten Hoffenster stehen und
denkt über das Erlebte nach (HL 61 Z 32f,)
-
ist von dem Gedanken gequält,
"dass es ihm nicht gelungen war, das Prügeln zu verhindern" [HL
61 Z 39)
-
gibt dem Schreien von
Franz die Schuld dafür ("aber in einem entscheidenden Augenblick
muss man (!) sich sich beherrschen", HL 61 Z 42f,), dass er sie nicht
habe mit seinem
Bestechungsversuch h ("die ganze untere Beamtenschaft Gesindel", HL
62 Z 2f.) habe freikaufen können: "Aber in dem Augenblick, wo Franz
zu schreien anfing, war natürlich (!) alles zu Ende." (HL 62 Z 12)
-
erklärt sein Vorgehen, das
Ganze nicht öffentlich werden zu lassen, mit einer daraus resultierenden
Rufschädigung: "Diese Aufopferung konnte wirklich (!) niemand
von K. verlangen." (HL 61 Z 16f.)
-
bedauert im Nachhinein
seine
Gewalttätigkeit gegen Franz und entschuldigt sie mit seiner
Aufregung (HL 62 Z 27 ff.)
-
auf dem Weg nach draußen
kommt er noch einmal an der Rumpelkammer vorbei, erhorcht von
außen freilich keine Geräusche, so dass ihm der Gedanke kommt, der
Prügler könne "die Wächter totgeprügelt haben" (HL 62 Z 33ff.)
-
öffnet die Türe dennoch
nicht und entscheidet sich, da er meint, er könne eh nicht mehr
helfen und außerdem müssten die Diener gleich kommen, stattdessen "die
Sache noch zur Sprache zu bringen und die wirklich Schuldigen, die hohen
Beamten, von denen sich ihm noch keiner zu zeigen gewagt hatte, soweit
es in seinen Kräften war, gebührend zu bestrafen." (HL 62 Z 37-41)
-
auf der Freitreppe nach
draußen kann er die nach Angaben von Franz auf diesen wartende Braut
nicht finden, so dass er dessen Aussage für eine "allerdings
verzeihliche Lüge" ansieht (HL 63 Z 2)
-
öffnet am Abend des
nächsten Tages "wie aus Gewohnheit" auf dem Nachhauseweg die Tür
zur Rumpelkammer (HL 63 Z 8)
-
entdeckt, dass alles darin
wie am Vortag ist (Prügler, Wächter, Gegenstände) (HL 63 Z 9ff.)
-
schlägt sofort (!) die
Türe zu und schlägt mit Fäusten gegen sie, "als sei sie dann
fester verschlossen" (HL 63 Z 15f.)
-
läuft "fast weinend"
zu den Dienern und weist sie an, die Dunkelkammer "endlich" (!)
aufzuräumen mit der Begründung: "Wir versinken ja im Schmutz."
(HL 63 Z 16, 19)
-
geht danach "müde und
gedankenlos nach Hause." (HL 63 Z 27, Kapitelende)
Die Rumpelkammer
-
befindet sich hinter einer
Tür des Korridors, der von K.s Büro zur Haupttreppe und damit zum
Ein-/Ausgang führt (HL 58 Z 13-17)
-
darin befinden sich "unbrauchbare
alte Drucksorten, umgeworfene leere irdene Tintenflaschen" (HL Z
25f.)
-
Licht spendet, indem
fensterlosen Raum, "eine auf einem Regal festgemachte Kerze" (HL
Z 28)
Erzählte Zeit
-
"an einem der nächsten
Abende" (HL 58 Z 13)
-
nach dem Verlassen der
Rumpelkammer bleibt K. "ein Weilchen" an einem Hoffenster im
Korridor stehen (HL 61 Z 31)
-
als er auf den viereckigen
Hof nach dem Weggehen der Diener herabsieht, sind alle Fenster der
Büroräume dunkel und der Mond ist aufgegangen (HL 61 Z 36)
-
"am nächsten Tage" (HL
63 Z 8)
-
"noch ein wenig länger im
Büro [...] als am Tag vorher" (HL 62 Z 6)
-
"jetzt spät am Abend"
(HL 63 Z 21)
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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
25.11.2023
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