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Franz Kafka: Der Prozess - Handlungsverlauf

Der Onkel / Leni


 
Kurzinhalt:
Eines Tages bekommt Josef K. von seinem Onkel Karl (der Advokat nennt ihn später Albert K.), einem kleinen Grundbesitzers auf dem Lande in der Bank Besuch. Der Onkel, von Josef. K. "das Gespenst vom Lande" genannt, war ehemals sein Vormund. Nachdem er von seiner Tochter Erna per Brief über die Anklage seines Neffen erfahren hatte, hatte er sich sofort auf den Weg gemacht. Der Onkel ist wegen des Prozesses sehr in Sorge und bietet K., so wie es dessen Cousine Erna in ihrem Brief gewünscht hatte, seine Hilfe an. Allerdings zeigt er keine Verständnis dafür, wie Josef K. bis dahin mit dem gegen ihn angestrengten Prozess umgeht. Da der Onkel seine Kritik sehr lautstark vorbringt, machen sich die beiden auf, das Bankgebäude zu verlassen. Auf dem Weg nach draußen führen sie ihren Disput weiter und K. hat das Gefühl, dass alle, denen sie dabei begegnen horchen, was zwischen Onkel und Neffe gesprochen wird. K. bedeutet dem Onkel, dass es sich bei seinem Prozess nicht um ein gewöhnliches Gerichtsverfahren handle. Diese Tatsache beunruhigt den Onkel noch mehr und er macht Josef K. Vorwürfe, ihn nicht rechtzeitig darüber informiert zu haben. Dennoch will er zu seinem Neffen stehen und schlägt ihm vor, für einige Zeit zu ihm aus Land zu kommen,  um sich physisch und psychisch zu stärken. Zudem sei er damit dem unmittelbaren Zugriff und den Machtmitteln des Gericht für einige Zeit entzogen. Doch K. lehnt das Angebot ab, weil er annimmt, das Gericht werde ihm ein solches Verhalten als Flucht und Schuldbewusstsein auslegen. Als der Onkel zustimmt und erklärt, er habe den Vorschlag ja nur gemacht, weil er die Untätigkeit K.s für der Sache nicht zuträglich halte und er sich in aller Ruhe selbst um die Angelegenheit kümmern wollte, räumt er aber auch ein, dass seine Verbindungen zu Personen in der Stadt eben auch nicht mehr die besten seien. So nimmt er seinen Neffen, dem er erklärt, dass das Wichtigste jetzt sei, keine Zeit zu verlieren, mit zu seinem ehemaligen Schulfreund, dem Advokaten Huld, auch wenn dieser als Armenanwalt in den Augen K.s nicht gerade die erste Adresse eines Rechtsbeistandes für einen Mann mit seinem sozialen Status darstellt. Am Ende der Autofahrt zum Advokaten, die sie in die Vorstadt führt, wo sich auch die Gerichtskanzleien befinden, stehen sie vor dem dunklen Haus Hulds. Dort erklärt ihnen ein Mann im Schlafrock zunächst, dass der Anwalt krank sei, was den Onkel nicht verwundert, weiß er doch offenbar schon länger von dessen Herzleiden. En Mädchen, namens Leni, lässt die beiden Ankömmlinge ins Haus und bringt sie zum Zimmer des bettlägrigen Adovkaten, der auf K. einen insgesamt hinfälligen Eindruck macht. Der Onkel scheint trotz gegenteiliger Beteuerungen Hulds Leni für den schwachen körperlichen Zustand seines ehemaligen Schuldfreundes verantwortlich zu machen und sorgt dafür, dass sie den Raum verlassen muss. Huld gibt vor auf Grund seiner Verbindungen zum Gerichtswesen über den Prozess und seine Entwicklung im Bilde zu sein, auch wenn er nach Ansicht K.s ja nur mit Gerichten im Justizpalast, aber nicht mit dem Gerichtswesen auf dem Dachboden zu tun hat. Dann fällt die Aufmerksamkeit auf den ebenfalls im Zimmer anwesenden Kanzleidirektor, der, sobald er zu sprechen beginnt das Gespräch im Zimmer dominiert. Das geht soweit, dass Josef K. das Gefühl bekommt, von ihm absichtlich ignoriert zu werden. K., der kaum mitbekommt, worüber sich die drei Älteren unterhalten, glaubt allerdings, den Kanzleidirektor bei der ersten Untersuchung gesehen zu haben. Als sich K. auf ein Geräusch hin ins Vorzimmer begibt, wird er dort von Leni, die allem Anschein nach nicht nur Pflegerin, sondern auch Geliebte Hulds ist, in das nur vom Mondschein erleuchtete Arbeitszimmer des Advokaten geführt. Leni erklärt K., dass sie ihn mit dem Geräusch absichtlich aus dem Krankenzimmer des Advokaten herausgelockt habe, weil sie seinen anfangs stets auf sie gerichteten Blicken auf den Grund gehen und wissen wolle, ob sie K. wirklich gefalle. K. macht klar, dass er von Leni außerordentlich angetan ist und sieht dann im Zimmer ein Bild, das, wie Leni ihm sagt, einen Untersuchungsrichter darstellt, was K. zur Bemerkung veranlasst, dass sich die hohen Beamten offenbar verstecken würden. Leni, der offenkundig missfällt, dass sich K. mehr für seinen Prozess als für sie interessiert, gibt K. den Rat, sich im Verlauf des Prozesses nicht so unnachgiebig zu zeigen und bald ein Geständnis abzulegen. Als Leni sich daraufhin bei K. auf den Schoß setzt, kommt K. zu Bewusstsein, dass er offensichtlich immer Frauen als Helferinnen anwerbe. Als Leni von K. schließlich noch wissen will, ob er eine Geliebte habe, zeigt dieser ihr eine Fotografie von Elsa beim Tanzen, die Leni aber nicht sympathisch findet. K. räumt wohlwissend ein, dass Elsa sich auch gewiss nicht für ihn opfern werde, erwähnt aber auch, dass Elsa gegenüber Leni den Vorzug habe, von seinem Prozess nichts zu wissen und sich, auch wenn es anders wäre, nicht darum kümmern würde. Von Leni gefragt nach körperlichen Fehlern Elsas zeigt ihm Leni ihren eigenen. Sie besitzt nämlich fischähnliche Verbindungshäute zwischen ihren Fingern. Daraufhin bedrängt sie K. weiter, bis dieser sie am Ende flüchtig küsst. K. will sich Leni nach weiteren Liebkosungen von ihr entziehen, landet aber wegen einer Ungeschicklichkeit dabei, gemeinsam mit ihr auf dem Boden, was Leni mit der triumphierenden Aussage quittiert, K. gehöre jetzt ihr. Bevor K. das Haus des Advokaten daraufhin verlässt, reicht ihm Leni noch den Hausschlüssel und fordert ihn auf zu kommen, wann immer er es wolle. Draußen auf der Straße wird K. von seinem Onkel zur Rede gestellt. Dieser macht ihm Vorwürfe, dass er sich mit der verkommenden Leni, die dazu noch die Geliebte des Advokaten sei, eingelassen habe. Auch wenn Huld und dem Kanzleidirektor sehr wohl bewusst gewesen sei, was sich da abgespielt habe, hätten sie aus Höflichkeit darüber hinweggesehen. Weil K. dem Gespräch mit Huld und dem für seinen Prozess im augenblicklichen Stadium geradezu beherrschenden Kanzleidirektor einfach ferngeblieben sei, habe er seiner Sache, die nach Ansicht des Onkels gerade auf einem guten Weg gewesen sei, schrecklich geschadet.

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