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Aspekte der Erzähltextanalyse

Affektverschiebung von Josef K.

Franz Kafka: Der Prozess - Handlungsverlauf - Der Prügler

 
FAChbereich Deutsch
Glossar Literatur
Literarische Gattungen Autorinnen und Autoren  Franz Kafka Überblick Biografischer Überblick Brief an den Vater Parabeln Der Prozess (Roman) Didaktische und methodische Aspekte Überblick Gesamttext (Kapiteleinteilung nach Malcom Pasley 1990)  • Handlungsverlauf Überblick KapitelanordnungVerhaftungGespräch mit Frau Grubach/ Dann Fräulein BürstnerErste UntersuchungIm leeren Sitzungssaal/ Der Student/ Die Kanzleien Der Prügler Text Überblick [ Aspekte der Erzähltextanalyse Strukturierte Texterfassung Affektverschiebung von Josef K.] BausteineDer Onkel / Leni Advokat / Fabrikant / Maler Kaufmann Block / Kündigung des AdvokatenIm DomEndeB.s FreundinStaatsanwaltZu ElsaKampf mit dem Direktor-StellvertreterDas HausFahrt zur MutterBausteine Erzählstrukturen Einzelne InterpretationsaspekteTextauswahlBausteineLinks ins Internet   Das Schloss (Roman) Erzählungen Links ins Internet Schreibformen Operatoren im Fach Deutsch
 

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Eisbergmodell des Bewusstseins
Abwehrmechanismen des Ichs
Überblick
Tabellarische Übersicht
Formen von Abwehrmechanismen
Überblick
Primäre Abwehrmechanismen
Sekundäre Abwehrmechanismen

• Baustein: Josef K.s Verhalten als psychischen Abwehrmechanismus verstehen und visualisieren

Am Kapitel •"Der Prügler" in • Franz Kafkas Roman • "Der Prozess" lässt sich mit Hilfe der nachfolgenden Strukturskizze zeigen, wie das Selbstgericht, die "permanente Folter" bzw. das "procedierende‹ innere Gestraftwerden" (vgl. Hiebel 2008, S.468), auf dem Wege einer mehr oder weniger klassischen • (Affekt-)Verschiebung, Josef K. trotz der ihn bedrängenden Schuldfantasien für einen Moment "Luft" verschafft.

Für die »Psychoanalyse ist die Untersuchung von Aktivitäten des ▪ Ichs, die der ▪ Abwehr von Ängsten dienen, außerordentlich wichtig.

Sie interessiert sich dabei vor allem für die unbewussten Anteile der Antworten auf die folgenden vier Fragen, mit denen sie das Erleben und Handeln einer Person beschreibt:

  • Was wünscht sich die Person?

  • Wovor hat sie Angst?

  • Was unternimmt sie gegen ihre Angst?

  • Welche Befriedigungsmöglichkeiten bleiben ihr?

(vgl. Haubl u. a. 1986, S.190)

Die Angstabwehr gehört zu den automatischen Tätigkeiten des Ichs, mit denen es sich vor der unkontrollierten Dynamik schützt, die das Fortbestehen eines Angstzustandes für das Erleben und Handeln einer Person bedeuten könnte. Meist mit einer akzeptablen Ersatzbefriedigung versehen, verhindert die Abwehr damit eine traumatische Angstentwicklung.

Für »Sigmund Freud (1856 -1939), den  Begründer der Psychoanalyse, stellt die Verdrängung die Hauptfunktion der Abwehr dar.

Mit bestimmten mental-psychischen Mechanismen sollen dabei Vorstellungen beeinflusst werden, die wir uns über ein Objekt unserer Begierde (Libido) machen, oder, anders gesagt:
Unsere Vorstellungen über ein Objekt, auf das sich unsere triebhaften Es-Ansprüche richten (Sachvorstellungen bzw. Objektbeziehungsvorstellungen), sollen damit beeinflusst werden. Mit Abwehrmechanismen, die auch im Kontext psychischer Gesundheit als "Reaktionsbereitschaften" eine große Rolle spielen, stabilisieren auch "psychisch gesunde" Menschen ein Handeln und Erleben, das als "normal" gilt. (vgl. Haubl u. a. 1986, S.198) 

Verdrängung stellt dabei immer auch eine "Sprachzerstörung" (Lorenzer 1970) dar, die sich wie folgt darstellen lässt:

"In einem ersten Schritt kann eine Person ihre themenspezifischen Unlustgefühle nicht mehr benennen und deshalb auch nicht über sie sprechen; im zweiten Schritt spürt sie nur noch eine affektive Erregung, aber hat keine Vorstellung mehr davon, was sie bedeutet; im dritten Schritt schließlich wird der Affektbetrag unterdrückt, so dass in letzter Konsequenz Apathie entsteht. Genau genommen liegt die Veränderung im Zusammenhang der Repräsentationsformen nicht in einer völligen Abkoppelung, sondern in einer Verwirrung der Bezüge. Im ersten Schritt kommt es zur Koppelung zwischen einem Gefühl und einem unangemessenen Gefühlsausdruck, so dass eine Person von ihrem Sprachbewusstsein her ihr Gefühl verkennt und dadurch nicht zu Bewusstsein kommen lässt. Im zweiten Schritt wird der Affekt mit einer unangemessenen Objektbeziehungsvorstellung gekoppelt, so dass er deplaziert wirkt und die tatsächlich affizierende Objektbeziehungsvorstellung unbewusst bleibt; im dritten Schritt schließlich wird die wahre Intensität des Affektes durch partielle Erregungsbindung gedämpft, so dass sie nicht zu Bewusstsein kommt." (Haubl u. a. 1986, S.193).


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Grundsätzlich kann man zwischen ▪ sekundären und ▪ primären Abwehrmechanismen unterscheiden. Sie kommen einzeln, aber auch in Kombination miteinander vor. Sie treten - in den Kategorien der älteren Persönlichkeitspsychologie ausgedrückt, vor allem im Zusammenhang mit der Kontrolle von »neurotischer und »psychotischer Angst auf.

Dabei ist trotz des vordergründig so einleuchtenden begrifflichen Unterschieds, nämlich der Schwere der psychischen Störung (neurotisch < psychotisch!) und der Unterschiede bei ihrer Therapie, zu beachten, dass die beiden Begriffe in der Psychologie heute nicht mehr sehr gebräuchlich sind:

Man spricht, beide Angstformen umfassend, im Konzept ▪ psychischer Störungen heute von ▪ Angststörungen.

Sekundäre Abwehrmechanismen, zu denen auch die • (Affekt-)Verschiebung zählt, setzen ein starkes • Ich voraus, das zur Abwehr "in das psychische Repräsentationssystem ( Affekt - Objektbeziehungsvorstellung - Objektbeziehungssprache)" eingreift. Auch wenn die moderne Psychologie gerade bei der Affektverschiebung beklagt, dass sie empirisch nicht wirklich nachzuweisen ist, wird der ihr zugrunde liegende ▪ Verdrängungsbegriff nicht nur im Fall von Josef K. K.s Verhalten zur Deutung in anderen Kontexten herangezogen werden.

Sekundäre Abwehrmechanismen, zu denen auch die • (Affekt-)Verschiebung zählt, setzen ein starkes • Ich voraus, das zur Abwehr "in das psychische Repräsentationssystem ( Affekt - Objektbeziehungsvorstellung - Objektbeziehungssprache)" eingreift. Auch wenn die moderne Psychologie gerade bei der Affektverschiebung beklagt, dass sie empirisch nicht wirklich nachzuweisen ist, wird der ihr zugrunde liegende ▪ Verdrängungsbegriff nicht nur im im Fall von Josef K. K.s Verhalten zur Deutung in anderen Kontexten herangezogen werden.

 Bei der • (Affekt-)Verschiebung

  • wird die Beziehung zwischen dem Affekt und dem Objekt des Affektes (Objektbeziehungsvorstellung) gelöst

  • verbindet sich der freigesetzte Affekt mit einer anderen Objektbeziehungsvorstellung, nur noch wenig oder indirekt auf die ursprüngliche Koppelung verweist: "Das Objekt, dem ein bestimmter Wunsch gilt, büßt seine Wirkung ein - es affiziert nichts mehr"

  • zeigt die betroffene Person aufgrund dieser Verschiebung plötzlich einen starken Affekt gegenüber einem bis dahin neutralen Objekt, den sie sich selbst nicht erklären kann

Ein • Beispiel für die Affektverschiebung ist, wenn jemand statt sich mit dem vermeintlich "Stärkeren" auseinanderzusetzen, die ganze, eigentlich auf diesen zu richtende Aggression gegen sich selbst richtet (Autoaggression) und sich in Selbstvorwürfen verliert.


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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 25.11.2023

 
 

 
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