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Schreibprozess

Prozess- und Produktorientierung

Schreibdidaktische Konzepte

 
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Ohne Schreibprozess kein Schreibprodukt

Es ist eigentlich wie immer nicht ganz so einfach, wie sich die Verfechter des produktorientierten und prozessorientierten Schreibens in ihrem Streit vorstellen: Das eine geht nämlich nicht ohne das andere, denn "Schreibprozess und Schreibprodukt sind dergestalt aufeinander bezogen, dass ohne Schreibprozess kein Schreibprodukt existiert und umgekehrt ebenso wenig." (Pohl 2017, in: Forschungshandbuch empirische Schreibdidaktik (2017), Kindle-Version, S.91)

Klingt auf den ersten Blick lapidar, hat es aber doch in sich: In verschiedenen empirischen Untersuchungen, z. B. von Michael H. Prosser und C. Webb (1994)



. Forschungshandbuch empirische Schreibdidaktik (German Edition) (Seite91). Waxmann Lehrbuch. Kindle-Version.

Trotzdem lässt sich von der Qualität des Schreibprozesses nicht zwingend auf die Qualität des Schreibproduktes schließen, und auch hier ist der umgekehrte Weg nicht möglich: Ein aufwändig geplanter Schreibprozess kann zu einem mäßigen oder gar schlechten Schreibprodukt führen bzw. ein herausragendes Schreibprodukt kann aus einem ungeplanten und völlig chaotischen Schreibprozess hervorgegangen sein (vgl. Ortner, 2000). Obwohl also kein strikter Kausalzusammenhang zwischen den Seiten besteht, existieren statistisch signifikante Korrelationen zwischen besonders stark geplanten Schreibprozessen und besonders guten Schreibproduktqualitäten". (Pohl 2017, in: Forschungshandbuch empirische Schreibdidaktik (2017), Kindle-Version, S.91)

Schreiben ist ein Prozess

Schreiben ist ein vielschichtiger Prozess. Natürlich  Verschiedene Modelle versuchen den Schreibprozess zu analysieren und zu beschreiben.

Das bekannteste Modell stellt das Schreibprozessmodell von John Hayes und Linda Flower (Hayes/Flower 1980) dar. Ausgehend von äußeren Faktoren des sog. Aufgabenumfelds (Schreibaufgabe, bereits geschriebener Text im weiteren Schreibprozess) geht es davon aus, dass sich Schreiben in drei Phasen (planen - formulieren - überarbeiten)  abspielt. Diese Phasen sind mit all ihren Teilprozessen rekursiv, d. h. dass sie nicht linear hintereinander ablaufen müssen, sondern sich immer wieder aufs Neue auf einander beziehen.
Rekursivität als Organisationsprinzip beim Formulieren und Überarbeiten von Texten bedeutet nämlich, dass jede gewählte Formulierung der Auslöser einer nachfolgenden Überarbeitung sein kann, die eine Neuformulierung bringt, und in der Folge diese wieder erneut Auslöser für eine weitere Neuformulierung sein kann.

Prozessorientierte Schreibdidaktik

Die unterrichtliche Schreibpraxis muss das Schreiben als Prozess auffassen und daraus die entsprechenden Konsequenzen ziehen.

Statt wie bei der produktorientierten Schreibdidaktik den Fokus auf das gelungene oder misslungene Endprodukt zu legen, muss sich die Aufmerksamkeit des schulischen Schreibers und seiner Lehrkräfte darauf richten, wie er schreibt (Schreibverhalten, Schreibstrategien) und wie er die gesetzten Schreibziele erreicht oder erreichen kann.

Dabei zeichnet die prozessorientierte Schreibdidaktik aus, was für die prozessorientierte Didaktik (Apelojg o. J., 2017?, S. 3ff.) im Allgemeinen gilt.

Prozessorientierte didaktische Konzepte

  • beruhen auf einer guten Lehrer-Schülerbeziehung mit gegenseitiger Wertschätzung

  • richten den Fokus auf den Prozess des Lernens

  • berücksichtigen den individuellen Entwicklungsstand des Einzelnen

  • handeln die Lerngegenstände zwischen Lernenden und Lehrenden miteinander aus

  • greifen Lernwiderstände auf und versuchen sie in weiteren Entwicklungsprozessen produktiv zu machen

  • erlauben dem Lernenden Fehler zu machen

  • fußen auf einer fortlaufenden Reflexion des Lernprozesses durch Lernende und Lehrende

  • stärken die Eigenverantwortlichkeit des Lernenden für seinen Lernprozess

  • lassen dem Lernenden viel Zeit zum Üben, um seine persönlich gesetzten Ziele zu erreichen

Es kommt als Lehrkraft also nicht hauptsächlich darauf an, nach dem Verfassen mit Korrekturzeichen und Anmerkungen Mängel am Schreibprodukt festzustellen, sondern als Schreibberater zu agieren, der den individuell sehr unterschiedlichen Schreibtypen gerecht wird, und seine Beurteilungen förderlich formuliert. (Förderliche Begleitung von Schreibprozessen)

Der Schreiblehrer wird Schreibcoach

Die prozessorientierte Schreibdidaktik krempelt in letzter Konsequenz den schulischen Schreibunterricht in einen Coachingprozess um, der auch die Rolle der Lehrenden im Schreibprozess eines Lernenden neu festlegt. (»Coaching)  Die Lehrkraft wird in einer prozessorientierten Schreibdidaktik zum Schreibberater bzw. zum Schreibcoach, der sein eigenes Handeln reflektiert und stets nicht direktiv, sondern kooperativ agiert. (vgl. auch: Lernprozesse coachen)

Damit diese Rolle eingenommen werden kann bedarf es offener Unterrichtskonzepte mit dem für sie konstitutiven erweiterten Lern- und Leistungsbegriff und ihrer Orientierung an selbstreguliertem, eigenverantwortlichen Lernen.

Prozessorientiertes Schreiben betont die Rekursivität

Prozessorientierung des Schreibens bedeutet vor allem der Rekursivität der Phasen und Teilprozesse Rechnung zu tragen und die Fixierung auf das am Ende des Schreibens herauskommende Schreibprodukt hinter sich zu lassen.

Die Bedeutung der Rekursivität anzuerkennen verlangt aber auch, dass die prozessorientierte Schreibdidaktik aufzeigen muss, wie "Schreibanlässe durch die Moderation und Kontrolle der internen Strukturen transparent und lernwirksam" (Portmann 1996, S.163) gemacht werden können.

Prozessorientiertes und kooperatives Schreiben

Prozessorientiertes Schreiben in der Schule kann am besten beim kooperativen Schreiben im Allgemeinen bzw. dem teilweise oder schrittweise kooperativen Schreiben im Besonderen gelernt und umgesetzt werden. (vgl. Sozialformen für unterrichtliche Textrevisionsprozesse)

Dabei liegt ein wesentlicher Akzent bei prozessorientiertem Schreiben darin, "der ständigen Durchmischung und Wechselwirkung aller beteiligten Prozessphänomene Rechnung (zu) tragen" indem den Schülerinnen und Schülern ermöglicht wird, "sich ausgiebig, unter verschiedenen Perspektiven, mittels unterschiedlicher Medien dem Text anzunähern" (Brugger 2004, zit. n. https://www.uni-bamberg.de/germ-didaktik/transfer/online-seminare/schreib-web/schreibprozess/ 9.10.2018).

Prozessorientierung bedeutet aber eben auch, dass der Schreibprozess in Einzelteile zerlegt wird und mit unterschiedlichen Zugängen und Methoden eingeübt und überarbeitet wird. Dies entspricht der "Hauptstrategie" prozessorientierter Schreibdidaktik ab, die darin besteht, "die schreibende Person durch Entzerrung des Schreibprozesses zu entlasten." (Kruse/Ruhmann 2006, S.15)

Damit dies gelingt, müssen geeignete prozessorientierte Schreibaufgaben gestellt werden und der Schreibprozess entsprechend gestaltet werden. Eine dafür sehr gut geeignete Methode ist die Schreibkonferenz.

Was Prozessorientierung aber im Kern von der Produktorientierung beim Schreiben unterscheidet, ist die Bedeutung der Reflexion über das Schreiben beim Schreiben und damit die Fähigkeit zur Überarbeitung in allen Phasen und Teilprozessen des Schreibens.

vgl. auch: https://www.uni-bamberg.de/germ-didaktik/transfer/online-seminare/schreib-web/schreibdidaktik/

 Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 12.11.2018

     
 

 
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