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Aufbau der Texterörterung

Reißverschlussprinzip


Der Aufbau einer Texterörterung kann in Form des Reißverschlussprinzips gestaltet werden. In diesem Fall greifen (strukturierte) Textwiedergabe und erörternde Stellungnahme unmittelbar ineinander. (»Gliederungsschema)
 

Bei diesem Aufbau kann man grundsätzlich auch entscheiden, ob man eher einer einer textsukzessiven oder eine textstrukturierenden Bearbeitungsstrategie folgen will.

  • Textsukzessiv, d. h. am Text entlang, lässt sich wohl am besten dann vorgehen, wenn der Text insgesamt gut inhaltlich gegliedert ist und die argumentative Themenentfaltung klar und übersichtlich angelegt ist. In einem solchen Fall sollten die einzelnen ausgesprochenen (explizit ausgeführten) oder unausgesprochen vorausgesetzten (implizit vorhandenen) Glieder der Argumentation auch weitgehend nachzuvollziehen sein..
    Auf der anderen Seite ist die Textnähe bei diesem textbegleitenden Verfahren aber auch mögliche Quelle von Problemen:

    • So kann es sein, dass man sich dem Sog des Textes kaum entziehen kann mit der Folge, dass die eigene Stellungnahme verkümmert und stets nur wie "angeklebt" wirkt.

    • Ferner ist es schwierig, Erörterungsansätze, die über den Text hinausgehen (texttranszendierendes Erörtern) zu verfolgen.

    • Außerdem besteht bei der Textwiedergabe die Gefahr des reinen Paraphrasierens, wobei die Textvorlage dann nur noch zum "Sprungbrett" für eigene Gedanken wird, ohne dem Text selbst und seiner Gedankenführung das nötige Gewicht zu geben.

    • Schließlich wirft diese Strategie sprachlich-stilistische Probleme auf, die bewältigt sein wollen. So muss stets zweifelsfrei erkennbar sein, ob es sich um Textwiedergabe oder um die eigene Stellungnahme handelt.

Dennoch: Eine textsukzessive Bearbeitungsstrategie mit Reißverschlussprinzip kann einen äußerst abwechslungsreichen Aufbau ergeben.

  • Textstrukturierend oder systematisch muss man auf alle Fälle vorgehen, wenn man einen Text vor sich hat, der sein Thema nicht übersichtlich entfaltet. In diesem Fall geht es darum, die hinter der jeweils realisierten, "unübersichtlichen"  thematischen Struktur eines Textes "im Wissen rekonstruierbare »logische« Struktur" eines vorliegenden Textes herauszuarbeiten. (Brinker 2001, S. 63)
    Die textstrukturierende Strategie mit Reißverschlussprinzip erlaubt einen eigenen Zugriff auf den Text, erfordert aber auch einen eigenen systematischen und die Aussagen neu ordnenden Ansatz. Dazu müssen die Aussagen des Textes - ungeachtet der Reihenfolge in der Textvorlage - nach eigener Gewichtung erfasst und mit einer Stellungnahme kommentiert werden. Die Reihenfolge der beim Reißverschlussprinzip gebildeten Paare von Textwiedergabe und Stellungnahme weicht also von der  im Text gestalteten Reihenfolge bewusst ab.
     

  • Mischformen sind darüber hinaus möglich und sind in der Realität auch häufig anzutreffen.

Eine Texterörterung nach dem Reißverschlussprinzip wird sich im Allgemeinen bei der Textwiedergabe schon auf bestimmte Aspekte des Textes konzentrieren und ihren eindeutigen Schwerpunkt in der Erörterung solcher Aussagen haben. So lange dabei die Hauptaussage(n) des Textes nicht unter den Tisch fällt/fallen, ist gegen diese deutliche Gewichtung überhaupt nichts einzuwenden. Streng genommen sollte dies ja auch bei jeder Texterörterung so sein.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 28.03.2017

        
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