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Lesestrategien

PQ4R-Methode

Thomas und Robinson, 1972


Die von Thomas und Robinson (1972) entwickelte PQ4R-Methode eine Lesestrategie dar, die von den Autoren zur Erarbeitung eines Lehrbuchkapitels vorgeschlagen wurde. Ihr wichtigstes und zentrales Merkmal ist das Generieren und Beantworten von Fragen zum Text als Voraussetzung des Textverstehens. Die Bezeichnung stellt ein Akronym dar, das sich aus den Anfangsbuchstaben der englischen Bezeichnungen für die unterschiedlichen Phasen des Konzepts ableiten. Insgesamt werden 6 Phasen unterschieden.
  
1 Preview
(Vorprüfung)
2 Questions
(Fragen)
  • Stellen Sie Fragen zu den Abschnitten. (Manchmal kann man einfach eine vorhandene Abschnittüberschrift zu einer angemessenen Fragenformulierung nutzen.)

  • Notieren Sie sich diese Fragen auf einem separaten Blatt.

  • (Vgl.  W-Fragen-MethodeFragemethode)

3 Read
(Lesen)
  • Lesen Sie den Abschnitt sorgfältig. (vgl. intensives Lesen)

  • Versuchen Sie dabei (ggf. auch im Anschluss daran), die Fragen zu beantworten, die sie an diesen Abschnitt gestellt haben.

4 Reflect
(Nachdenken)
  • Denken Sie beim Lesen auch über den Text bzw. den Abschnitt nach, indem Sie versuchen, ihn zu verstehen.

  • Suchen Sie ggf. nach geeigneten Beispielen.

  • Stellen Sie den Inhalt des Textes in einen Bezug zu ihrem Vorwissen darüber.

5 Recite
(Wiedergeben)
  • Wenn Sie den Abschnitt mit den Arbeitsschritten 2-4 erarbeitet haben, versuchen Sie nun, indem sie den Text beiseite legen, sich an die Informationen des Abschnitts zu erinnern.

  • Versuchen Sie dazu die von Ihnen formulierten Fragen zum Abschnitt zu beantworten.

  • Wenn Sie Schwierigkeiten bei Ihren Antworten haben, lesen Sie die Abschnitte noch einmal durch, die Ihnen zu erinnern schwerfallen.

6 Review
(Rückblick)
  • Wenn Sie das ganze Kapitel mit den Arbeitschritten 1-5 durchgearbeitet haben,, gehen Sie es gedanklich noch einmal durch.

  • Rufen Sie sich dabei die wichtigsten Gesichtspunkte noch einmal in Erinnerung.

  • Versuchen Sie erneut, die Fragen zu beantworten, die Sie abschnittweise gestellt haben.

(vgl. Anderson 1996, S. 191f., überarbeitet und ergänzt)

Der Erfolg der PQ4R-, wie auch der ähnlichen SQ3R-Methode, beruht darauf, dass sie, wenn man ihr folgt, eine elaborative Verarbeitung des Textes ermöglicht (vgl. auch: Elaborationsstrategien). Diese besteht grundsätzlich darin, dass der zu erfassende Textinhalt um zusätzliche Informationen erweitert wird. (vgl. Anderson 1996, S. 187, S.191) In wissenschaftlichen Experimenten konnte nachgewiesen werden, dass insbesondere das selbständige Stellen von Fragen an den Text die Behaltensleistung bei der darauf bezogenen Texterfassung am deutlichsten unterstützte. Nicht ganz so effektiv ist die Beantwortung vorgegebener Fragen, aber beide führen zu einem deutlich größeren Erfolg als das "bloße Lesen" eines Textes.
Für die PQ4R-Methode ist die Komponente, den Text in einem Rückblick mit den gestellten oder selbst generierten Fragen im Kopf noch einmal durchzugehen, besonders wichtig, wie Experimente von Rothkopf (1966) belegen. Dabei können diese Fragen als Advance Organizer wirken und damit vor dem entsprechenden Textabschnitt stehen oder aber auch im Anschluss an diesen aufgeführt werden. Dieser "verglich den Nutzen von Fragen, die sich auf den folgenden Text beziehen, mit jenem Nutzen, der entsteht, wenn die Fragen erst gegeben werden, nachdem gelesen wurde, und somit ein Rückblick auf den Text zu werfen ist. Rothkopf instruierte die Probanden, einen langen Text zu lesen, wobei alle drei Seiten Fragen eingestreut waren. Die Fragen waren relevant für die drei Seiten, die den Fragen folgten beziehungsweise ihnen vorangingen. Unter der erstgenannten Versuchsbedingung sollten die Probanden den nachfolgenden Text mit diesen Fragen im Kopf lesen. Unter der letztgenannten Bedingung sollten sie auf das, was sie gerade gelesen hatten, zurückblicken und die Fragen beantworten. Die beiden Experimentalgruppen wurden mit einer Kontrollgruppe verglichen, die den Text ohne spezielle Fragen las. Diese Kontrollgruppe beantwortete 30 Prozent der Fragen eines Abschlusstests zum gesamten Text korrekt. Die Experimentalgruppe, deren Fragen eine Vorschau auf den Text bildeten, beantworteten 72 Prozent der Testitems, die relevant zu ihren Fragen waren, und 29 Prozent der irrelevanten Fragen korrekt  [...]. Die Experimentalgruppe, deren Fragen eine Rückschau auf den Text bildeten, beantworteten 72 Prozent der relevanten Items und 42 Prozent der irrelevanten Items korrekt. Es hat also den Anschein, dass die Rückschau auf den Text mit Fragen im Kopf einen Gewinn allgemeinerer Art erbringt." (ebd., S.192f.) (vgl. in diesem Zusammenhang auch: Advance Organizer)

                 
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