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Instruktionspsychologischer Ansatz

Advance Organizer

 

Eines der vier Textgestaltungsprinzipien, die vom instruktionspsychologischen Ansatz bei der  Verständlichkeitsstrategie »kognitive Gliederung/Ordnung« ermittelt wurde, ist der Advance Organizer. (Ausubel, 1968) 

Darunter versteht man kurze Vorstrukturierungen, die dem eigentlichen Lernmaterial als Einführung vorangestellt werden. Sie benennen nach herkömmlicher Ansicht die wichtigen Textinhalte in abstrakterer Form als im Text selbst. 

Über die wirksame Gestaltung eines Advance Organizers gehen die Forschungsergebnisse auseinander. 

  • Die ältere Forschung betont, dass ein Advance Organizer aber im Allgemeinen nur dann wirksam wird, wenn er tatsächlich auf einem höheren Abstraktionsniveau als der Text selbst liegt. Bloße inhaltliche Zusammenfassungen des nachfolgenden Textes sind keine Vorstrukturierungen.
    Vorstrukturierungen, die analog zu den Strukturen des Textes aufgebaut sind, bringen bessere Ergebnisse bei der inhaltlichen Zusammenfassung als Advance Organizer, die zwar inhaltlich identisch, aber nicht in diesem Sinne analog aufgebaut sind.

  • Die jüngere Forschung hebt dagegen hervor, dass sich konkrete, d.h. weniger abstrakt formulierte Vorstrukturierungen auf das Behalten längerer Texte positiv auswirken. Sie aktivieren wahrscheinlich das vorhandene Vorwissen intensiver und verbinden sich damit zu einer reichhaltigen Vorstellung, einem mentalen Modell.

(vgl. Christmann/Groeben 1999, S. 186 )

Aus dieser widersprüchlichen Lage ziehen Ursula Christmann und Norbert Groeben den Schluss:
"Führt man die ältere und neuere Forschung zu Vorstrukturierungen unter Optimierungsperspektive zusammen, so empfiehlt es sich, Advance Organizer zu konstruieren, die zwar auf einem höheren Abstraktionsniveau liegen als der Text selbst, gleichzeitig aber konkrete Konzepte und Analogien enthalten, die den Aufbau eines mentalen Modells ermöglichen." (Christmann/Groeben 1999, S. 186)

Advance Organizer müssen indessen nicht die Gestalt längerer Einführungstexte annehmen. Auch Fragen zu einem Text, die dem Text oder einzelnen Abschnitten vorangestellt werden, können diese Funktion übernehmen. Das belegen u. a. die kognitionspsychologischen Untersuchungen von Frase (1975), der Belege für die elaborative Verarbeitung von Textmaterial durch vorangestellte Fragen fand: "Er verglich zwei Gruppen von Probanden im Hinblick auf das Behalten eines Textes. Die eine Gruppe hatte Themen erhalten, über die sie vor dem Lesen des Textes nachdenken sollte; die Kontrollgruppe prägte sich den Text ein, ohne dass sie vorher irgendwelche Themen erhalten hatte. Die Themen - manchmal werden sie auch Advance Organizer (Ausubel, 1968) - waren in Frageform formuliert, und die Probanden sollten darauf antworten. Sie sollten die Antworten auf die vorangegangenen Fragen finden, während sie den Text lasen. Diese Anforderung sollte sie dazu veranlassen, den Text sorgfältiger zu verarbeiten und über seine Implikationen nachzudenken. Die Advance-Organizer-Gruppe beantwortete 64 Prozent der Fragen eines nachfolgenden Tests korrekt, die Kontrollgruppe lediglich 57 Prozent. Die Fragen dieses (Folge-)Tests konnten in zwei Blöcke unterteilt werden; Fragen, die für die Advance Organizer relevant waren, und Fragen, die dafür nicht relevant waren. Wenn sich beispielweise eine Testfrage auf ein Ereignis bezog, das dem Eintritt Amerikas in den Zweiten Weltkrieg voranging, dann wird diese Frage dann als relevant erachtet, wenn die Advance-Organizer-Frage die Probanden in die Richtung lenkte zu lernen, warum Amerika in den Krieg eintrat. Die Advance-Organizer-Gruppe beantwortete 76 Prozent der relevanten Fragen und 52 Prozent der irrelevanten Fragen korrekt. Die Gruppe erbrachte also bei denjenigen Themen, für die sie nicht vorgewarnt war, nur eine etwas schlechtere Leistung als die Kontrollgruppe; allerdings war die Leistung sehr viel höher bei jenen Themen, für die sie vorgewarnt worden war." (Anderson 1996, S. 191)

 

                   
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