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Kurzzeitgedächtnis (KG)

Die klassische Theorie vom Kurzzeitspeicher


PSYCHOLOGIE
Glossar Entwicklungspsychologie Persönlichkeitspsychologie Wahrnehmungspsychologie Kognitionspsychologie
Überblick Hauptbereiche Wissensrepräsentation Gedächtnis Überblick Alltagstheorien Arten des Gedächtnisses (strukturorientierte Betrachtung)Überblick Mehr-Speicher-Modell (Atkinson/Shiffrin 1968) [ Kurzzeitgedächtnis (KG)Überblick ► Klassische Theorie des Kurzzeitspeichers (KS) ◄ ▪ Theorie des Arbeitsgedächtnisses (AG) ] ▪ Langzeitgedächtnis (LZG)Mnemonische Prozesse im Gedächtnis Besondere Gedächtnisleistungen Bausteine  Lernpsychologie Emotionspsychologie Motivationspsychologie Kommunikationspsychologie Wahrnehmungspsychologie
 

Die strukturelle Betrachtungsweise des ▪ Gedächtnis des Menschen, bei der im Gegensatz zur prozessorientierten (prozeduralistischen) Betrachtung mnemonischer Prozesse ( gr. mneme = Gedächtnis) zunächst einmal verschiedene Gedächtnisarten unterschieden werden, geht im Wesentlichen auf das sogenannte Mehr- bzw. Drei-Speicher-Modell zurück, das »Richard C. Atkinson (geb. 1929) und »Richard M. Shiffrin (geb. 1942) (1968) systematisch entwickelt haben. Das Modell wird auch als modales Modell bezeichnet.


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Verarbeitungstiefe
1)
(levels of processing); ▪ kognitionspsychologischer Begriff (Craik/Lockhart 1972) der mit dem metaphorischen Gebrauch des Begriffs "Tiefe" ein "Gedächtnisprinzip" (Wentura/Frings 2013, S.104) bezeichnet, wonach die Erinnerungsleistung an bestimmte Gedächtnisinhalte von ihrer tiefen (Elaboration) oder eher flachen Verarbeitung  von Informationen abhängt; in der Regel werden sie dann tief verarbeitet, wenn es gelingt die neuen Informationen und mit vorhandenem Wissen (z. B. Weltwissen, Fachwissen, Anwendungswissen, prozedurales Wissen, Textmusterwissen, Textsortenwissen, Textstrukturwissen etc.) "anzureichern", um damit neue und schon im Gedächtnis gespeicherte Informationen zueinander in Beziehung zu setzen; damit steht der Verarbeitungstiefeansatz im Gegensatz zum »Mehrspeichermodell, das von einem Kurzzeitgedächtnis und Langzeitgedächtnis ausgeht; im Gegensatz zu der Vorstellung, wonach das Kurzzeitgedächtnis eine bestimmte Kapazität für neu eingehende Informationen besitzt, die, bevor sie von weiter neu eingehenden Informationen überschrieben werden, memoriert werden müssen, um ins Langzeitgedächtnis überführt zu werden (Theorie gilt als veraltet!), betont der Verarbeitungstiefeansatz, "dass das Memorieren die Gedächtnisleistung nur dann verbessert, wenn das Material in einer tiefen und bedeutungshaltigen Art und Weise memoriert wird." (Anderson 2013, S.121); zugleich wird davon ausgegangen, dass "es keine Kurzzeit-Übergangsstation zum Langzeitgedächtnis" gibt und "wir Informationen in einer Art und Weise verarbeiten, die dem Aufbau einer Spur im Langzeitgedächtnis förderlich ist" (ebd., S.121); demzufolge können die Informationen also direkt von den sensorischen Gedächtnissystemen (z. B. visueller sensorischer Speicher bzw. ikonisches Gedächtnis, auditorisch sensorischer Speicher bzw. echoisches Gedächtnis) ins Langzeitgedächtnis gelangen (vgl. ebd., S.118-121);V. stellt das "Ausmaß der kognitiven Aktivitäten" dar, "die eine Lernende bzw. ein Lernender darauf verwendet, eine dargebotene Information zu erlernen." (Stangl, W. (2021). Stichwort: 'Verarbeitungstiefe'. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: https://lexikon.stangl.eu/9824/verarbeitungstiefe/ (2021-01-22); tiefe Verarbeitung ist eine elaborative Verarbeitung, bei der das zu behaltende Material mit zusätzlicher Information angereichert wird (vgl. Anderson 2013, S.131); dabei führen selbst generierte Elaborationen zu einer besseren Erinnerungsleistung als vorgegebene Elaborationen; allerdings müssen die Elaborationen "das zu erinnernde Material zwingend treffen." ( Anderson 2013, S.131); 2) im Zusammenhang mit ▪ Leseweisen (Lesetechniken) und ▪ komplexen Lese- und Rezeptionsstrategien kann man z. B. davon ausgehen, dass das einfache Durchlesen, Wiederholen, Anschauen Unterstreichen und Markieren für eine flache Verarbeitung bzw. eine Verarbeitung an der Oberfläche stehen, während kognitive Operationen wie Anwendungen für das Gelesene selbst zu finden, Fragen zum Text zu generieren und zu beantworten oder auch produktive Verarbeitungen wie z. B. ein Rollenspiel zu einem Text zu gestalten für eine tiefe, elaborierte Form des Textverstehens und damit der Informationsverarbeitung stehen; Beispiele dafür sind z. B. ▪ Elaborationsstrategien wie sie in der ▪ SQ3R-Technik oder der  ▪ PQ4R-Methode (Thomas/Robinson 1972), die z. B. mit ihren abschnittweisen Fragen zu einem Text auf eine tiefe Verarbeitung zielt, beim Lesen und Verstehen von Texten verwendet werden können; 3) Probleme und Kritik am Verarbeitungstiefeansatz: "Ein von der Gedächtnisleistung unabhängiges Kriterium der Verarbeitungstiefe ist nicht einfach zu bestimmen." (Wentura/Frings 2013, S.104); außerdem verkürzt der Ansatz Gedächtnisleistungen auf die Enkodierung, ohne die Bedeutung der Situation, in der die Informationen abgerufen werden (=Abrufsituation) und das "Zusammenspiel von Enkodier- und Abrufsituation" (vgl. ebd., S.105) zu berücksichtigen; zudem bleibt die Bedeutung item-spezifischer und relationaler Gedächtnisfunktionen unberücksichtigt - vgl. Elaborationen, Elaborationsstrategien, Elaborative Inferenzen, Gedächtnis, Arbeitsgedächtnis, Buffer, Item-spezifisches Gedächtnis, relationales GedächtnisUltrakurzzeitgedächtnis, sensorisches GedächtnisKurzzeitgedächtnis, Langzeitgedächtnis, Gedächtnisbild, Gedächtnisprotokoll

 

 

 

Einige Annahmen dieses Modells gelten inzwischen zwar als veraltet (vgl. Anderson 72013, S.119). Insbesondere die Vorstellung, dass Informationen über Reize auf ihrem Weg ins Langzeitgedächtnis stets das zwischengeschaltete Kurzzeitgedächtnis passieren und erst durch ein darin stattfindendes Memorieren (Rehearsal) ihr Ziel erreichen könnten, kann so nicht mehr aufrechterhalten werden.

Dennoch beeinflusst das Mehr-Speicher-Modell bis heute neuere Ansätze der Gedächtnisforschung. Auch wenn das Mehr-Speicher-Modell also insgesamt als  "zu simpel" gilt, "um die vielen Facetten des Gedächtnisses zu erklären" (Gruber 22018, 1.1. Allgemeine Einführung, https://smzn.eu/cFulKD7), bietet es doch zunächst einmal einen guten ersten Zugang zu einer strukturellen Betrachtungsweise des Gedächtnisses. Dies gilt insbesondere unter didaktischen Aspekten, z. B. im Zusammenhang mit Lehr- und Lernprozessen in der Schule zum Thema ▪"Das Lernen lernen". Und: in populärwissenschaftlichen Darstellungen über das Gedächtnis kursiert das Modell wegen seiner "Griffigkeit" weithin unreflektiert.

Kurzzeitiges und langfristiges Behalten: Sensorischer Speicher, Kurzzeitgedächtnis und Langzeitgedächtnis

»Atkinson und »Shiffrin (geb. 1942) (1968) unterscheiden bei ihrer strukturellen Betrachtung des Gedächtnisses drei verschiedene Speicher, die in einer besonderen Weise zusammenarbeiten müssen, damit Informationen aus Reizen, die wir aus der Welt (Umwelt, innere und äußere Welt) über unsere verschiedenen Wahrnehmungssysteme (perzeptuelle Systeme, z. B. Bilder, Geräusche) empfangen, "verarbeiten", selektieren und ggf. in unserem Langzeitgedächtnis so aufbewahren bzw, speichern können (enkodieren) können, dass wir sie, sofern wir über die dafür geeigneten Abrufschlüssel verfügen, sie auch dann wieder abrufen können, wenn "die ursprüngliche Quelle der Information nicht mehr verfügbar ist. " (Gruber (22018, 1.1. Allgemeine Einführung, https://amzn.eu/e4KfCnu).

Damit das gelingt müssen - so die beiden Autoren - Reize stets auf dem gleichen Weg verarbeitet werden, um am Ende, abhängig von bestimmten Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsprozessen - mental repräsentiert zu werden und für einen erneuten Abruf zur Verfügung zu stehen. Im Gedächtnis sind dabei verschiedene Speicher für das kurzzeitige und das langfristige Behalten von Informationen zuständig.

Die drei Speicher sind:

 
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  • Die Information, die aus unterschiedlichen Reizen (z. B. Bilder, Wörter, Geräusche, autobiografische Details, generisches Wissen über die Welt, spezifische Fertigkeiten (motorische F., Sprache usw.) besteht, gelangt dabei zunächst für eine kurze Zeit in das sogenannte sensorisches Gedächtnis (auch: sensorischer Speicher oder Ultrakurzzeitgedächtnis genannt)

  • Wird den Reizen (Informationen) in einem zweiten Schritt Aufmerksamkeit (sie regelt vor allem, was schnell wieder "verfällt" bzw. vergessen wird) zuteil, dann gelangt diese Information in das sog. Kurzzeitgedächtnis.

  • Im Kurzzeitgedächtnis wird die Information durch Rehearsal-Prozesse (gestaltendes Wiederholen wie memorieren oder elaborieren) so lange aufrechterhalten, bis sie gelöscht, ersetzt oder ins Langzeitgedächtnis (LZG), überführt worden ist.

Die Aufmerksamkeit regelt, welche der auf uns einwirkenden Reize weiterverarbeitet werden

In das Kurzzeitgedächtnis, einem insgesamt gesehen eher kurzlebeigen Speicher, gelangen jene Informationen, denen angesichts der unendlichen Zahl von Reizen, die in jedem Moment auf uns einwirken, Aufmerksamkeit zuteil wird. Die Aufmerksamkeit ist dabei also stets selektiv, d. h. sie richtet sich auf die Auswahl relevanter Informationen und unterdrückt damit nicht-relevante. Das ist nicht nur gut, sondern für unser Handeln in der Welt unbedingt nötig. Ansonsten kämen wir mit der Vielzahl auf uns einwirkender Reize gar nicht zurecht und wären angesichts unserer letzten Endes eben doch begrenzten Hirnkapazitäten zur Verarbeitung von Reizen heillos überfordert.

Die aus unserer Umwelt stammenden Reizen treffen dabei auf verschiedene perzeptuelle Systeme, die uns ermöglichen, sie überhaupt wahrzunehmen. Dazu gehören visuelle, auditorische oder auch haptische Systeme, die mit bestimmten neurophysiologischen bzw. neurobiologischen Prozessen verbunden sind. Jedes dieser Wahrnehmungssysteme - vereinfacht könnte man auch Sinne sagen - kann für sich genommen also nicht alles wahrnehmen, was um uns und in uns geschieht.

  • Wenn man sich z. B. auf einer Party mit lauter Musik mit jemandem unterhalten will, muss und kann man bis zu einem gewissen Grad sämtliche Hintergrundgeräusche "ausblenden", und hören, was der/die Gesprächspartnerin* sagt.

  • Und auch mit dem Sehen (= visuelle Modalität) ist das nicht anders. Metaphorisch umschreibt man die selektive Aufmerksamkeit beim Sehen als "Lichtkegel der Aufmerksamkeit" ("spotlight of attention"). Wir sehen einfach nicht alles, was in unserem Blickfeld liegt. Das macht die sogenannte "Veränderungsblindheit" ("change blindness") besonders deutlich. Wir sind einfach "nicht in der Lage, alle Informationen in einer typischen Szene im Überblick zu behalten. Wenn sich einzelne Elemente der Szene im selben Moment verändern, in dem eine Störung der retinalen Wahrnehmung auftritt (wie eine Augenbewegung oder ein Szenenschnitt in einem Film)", können wir nämlich "die Veränderung oft nicht erkennen, wenn sie in den Kontext passt." (Anderson 72013, S.48) So bemerken wir z. B. meistens nicht, wenn sich in einer solchen Situation die Farbe eines Autos verändert. Aber es gibt natürlich noch viel extremere Beispiele: So fragte ein Versuchsleiter in einem berühmten Beispiel von Simons und Levin 1998) Passanten nach dem Weg. Während der Passant den Weg erklärte, wurde von Arbeitern zwischen dem Versuchsleiter und dem Passanten eine Türe hindurchgetragen, die für eine kleine Weile die Sicht des den Weg erklärenden Passanten auf den Versuchsleiter versperrte. Während dieser kurzen Zeitspanne nahm eine andere Person die Stelle des Versuchsleiters ein. Das bemerkenswerte Ergebnis: Nur etwa der Hälfte der als Wegerklärerinnen* agierenden Versuchspersonen (7 von 15) bemerkten diesen Wechsel. Und auch ein von Gruber (22018, 1.3 Gedächtnis und Wahrnehmung, https://amzn.eu/337E1dE) mit einem »Beispiel auf YouTube zeigt eindrücklich, wie "den meisten Betrachtern wohl entgeht, dass der Kirchturm am linken Bildrand graduell ausgeblendet wird."

 Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 17.12.2023

 
 

 
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