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Aspekte der Erzähltextanalyse: Borchert, Mein bleicher Bruder

Texterfassung mit Annotationen

Parallelkonspekt

 
FAChbereich Deutsch
Center-Map Glossar Literatur Autorinnen und Autoren ● Wolfgang Borchert  Kurzgeschichten Nachts schlafen die Ratten doch Die KüchenuhrAn diesem Dienstag Die KirschenDas BrotDie drei dunklen Könige Mein bleicher Bruder Text [ Aspekte der Erzähltextanalyse Texterfassung mit Annotationen (Parallelkonspekt) Inhaltsangabe Erzähltechnische Mittel Sprachliche Mittel Interpretation ] Bausteine ▪ Die Katze war im Schnee erfrorenDer Kaffee ist undefinierbar Die lange lange Straße lang Die Mauer Das Gewitter  Die traurigen Geranien Im Schnee, im sauberen Schnee Bleib doch, Giraffe ▪ Gottes Auge  ... Schreibformen
Rhetorik Filmanalyse ● Operatoren im Fach Deutsch
 

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Konspekt

Arbeitstechnik Konspektieren
Parallelkonspekt
Arbeitstechnik Annotieren

Den Text annotieren und in einem Parallelkonspekt erfassen

DieKurzgeschichte ▪ »Mein bleicher Bruder« von ▪ Wolfgang Borchert wird nachfolgend in einem ▪ Parallelkonspekt erfasst. Dabei kommen fließen textanalytische und interpretatorische Ideen und Ansätze in die ▪ Annotationen, die im Text mit Markierungen und Hervorhebungen, außerhalb des Textes mit Randnotizen vorgenommen werden, in den ▪ Konspekt ein, der die Grundlage der hier vorgenommenen ▪ Sinnkonstruktion bzw. Deutung des Textes darstellt.

Dabei soll damit aber nicht unterstellt werden, dass des nur diese Lesart des Textes gibt, die plausibel gemacht werden kann.

Unvermittelter Einstieg (noch nie bezieht sich auf das Bewusstsein des Erzählers)

- will Eindruck der Einzigartigkeit vermitteln (Hyperbeln), aber: sprachlich-stilistische Eintönigkeit (Parallelismen, Wortwiederholungen, keine wirklich anschaulichen Vergleiche, parataktische Reihung)
- geräuschlose Kulisse

- Sonne "wagt" (Personifikation), Welt "lacht"

I. Beschreibung einer Schneelandschaft an einem Sonntagmorgen

- Weiß, das eigentlich nicht weiß wirkt, sondern blaugrün
- Sonntagmorgen "sauber" (Enallagé Vertauschung) (nur Schnee könnte sauber sein)

- in dieser "schneeigen Sonntagswelt", die "fürchterlich weiß" und "sauber" ist, gibt es aber eigentlich nichts zu lachen

Erzählerblick fokussiert einen Fleck, identifiziert einen toten Soldaten im Schnee

versucht Landschafts-beschreibung des ersten Abschnitts zu einem Kriegsgemälde umzudeuten und seinen Wahrnehmungen eine entsprechende Komposition von Elementen und Farben zuzuschreiben (1. Versuch der Rahmung des dargestellten Geschehens durch den Erzähler)

Welt als Bühne für Marionetten, die von Drähten abhängen, und in der Welt von Befehl und Gehorsam funktionieren (2. Versuch der Rahmung durch den Erzähler)

  • "blöde verrenkt auf der Bühne rumliegen" (Ausdruck emotionaler Distanzierung)
II. Beschreibung des toten Soldaten

- toter Soldat als "Fleck" im Schnee

- Verniedlichung und paradox bzw. grotesk wirkende Bilder

- Blut, Schnee und Sonne (und Fleck) als Elemente der Komposition
- Unsere liebe Sonne als Apostrophé, die an den Leser adressiert ist

- Sonne als Zuschauer, teilnahmslos vs. kindliche Vorstellung von der lieben Sonne

- stumme Schreie lassen niemanden mehr zur Ruhe kommen
- Krieg als Bühne für Marionetten

die noch funktionierende Marionette trifft auf die abgerissene (funktionslose) Marionette

Erzähler gibt das Wort an den lebenden Soldaten ab, die ihn ihrer Unmittelbarkeit sich den Rahmungs-konzepten des Erzählers entzieht

  • narratorialer Bericht mit Wertungen und der Wiederholung des grotesk wirkenden Bildes vom "sauberen Sonntagmorgen", an dem die "fürchterlich stumme Rede" (= sehr stumme, zu stumme oder auf den Inhalt vorausdeutend "fürchterlich" im Sinne von schrecklich, grausam?)
III. Der Soldat vor dem Toten

1) Hinführender Erzählerbericht zu dem inneren Monolog des Soldaten

mitleids- und teilnahmslose Verhöhnung und Verspottung des draußen an einem Bauchschuss furchtbar krepierten Toten

"blöde Stellung", "ach so", "dich mit Blut besudelt", "unappetitlich", "bekleckert" etc.

unerträglich "deine ewige gute Laune"

direkte "Zwiesprache" mit dem Toten

Genugtuung über den Tod des anderen: "das ist gut so, sehr gut so."

Ursache dafür: Demütigung durch den Toten, der ihn vor den anderen lächerlich macht mit der Bemerkung "Mein bleicher Bruder Hängendes Lid"

körperlicher "Defekt" = ein hängendes Augenlid und eine sehr weiße Haut

Bemerkung verstärkt alte, nicht überwundene Demütigungen, die den Sprecher (= Leutnant) schon in seiner Kindheit und Jugend schwer verletzt haben


2) Innerer Monolog des Soldaten (Leutnants)

Innensicht

Personale (figurale Perspektive) des vor dem Toten Stehenden

Vielzahl rhetorischer, aber im Geist an den Toten gerichtete Fragen, die sich immer wieder um die zur Schau getragene "ewig gute Laune" des Toten, sein gutes Aussehen, seinen Erfolg bei Frauen kreisen, ehe die Rede auf die Ursachen der Antipathie zu kommt: Die tief alte Verletzungen immer wieder evozierende Herabsetzung mit der Bemerkung "Mein bleicher Bruder  Hängendes Lid"

herabsetzendes Wortspiel mit Indianernamen und dem "körperlichen Makel" des Leutnants

Motiv der Laus (s. u.)

zeitliche Aussparung

pars pro toto (Gesichter), ein Dutzend Soldaten als Bunkerbesatzung

Direkte Rede ( ohne Anführungszeichen ( Verzicht auf Markierung als Stilmittel), szenische Darstellung

III. Der Auftrag zur Bergung des Toten vor dem Bunker

Frage, ob der Leichnam überhaupt geborgen werden soll

 

Melder überbringt Befehl, dass einer, am besten der Leutnant, zum Bataillon kommen soll

Handlungsspielraum des Leutnants: kann auswählen, ob er selbst geht oder ob er jemanden anderen sendet

Unteroffizier Heller singt, erzählt Weibergeschichten, "frötzelt" mit "seiner ewig guten Laune und macht einen Witz auf Kosten des Leutnants

bekommt von diesem Befehl, zum Bataillon aufzubrechen

Heller folgt dem Befehl ohne Zögern (Jawohl; "Mehr sagte man nie)

Direkte Rede ( ohne Anführungszeichen, aber mit schlichter Inquit-Formel und Doppelpunkt markiert

IV. Die Ereignisse in der vergangenen Samstagnacht im Bunker (Rückwendung, Analepse)

nicht-lineares Erzählen

personale Perspektive des Leutnants

vor dem Bunker außergewöhnlich starkes Gewehr- oder Geschützfeuer

besonders dunkle Nacht

Motiv der Laus (s. u.)

flüstert (im Ggs. zur vorigen stummen Rede), aber wagt nicht laut auszusprechen, was er empfindet

Wiederholung (Amplifikation): Genugtuung über den Tod Hellers

Laus (symbolisch für alle jene schon immer auf ihm herumgesessen haben, ihn wegen seines körperlichen Makels "gemobbt" haben, wird von ihm "geknackt"

kleiner Blutspritzer als Kainsmal (Schuldfrage)

V. Die Soldaten bringen den toten Heller

personale Perspektive des Leutnants

Motiv der Laus

offenes Ende als Frage: Hat sich der Leutnant schuldig gemacht? Ist er als Opfer selbst Täter geworden?

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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 09.09.2020

    
 

 
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