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Zur
figuralen Charakterisierung
im Drama können nach
Pfister
(1977, S.251) folgende explizit-figurale Techniken verwendet
werden.
-
Fremdkommentar, der in einem Monolog oder in einem Dialog
abgegeben wird
-
Eigenkommentar, der in einem Monolog oder in einem Dialog
abgegeben wird

Unter dem Aspekt einer "aufführungsbezogenen Lektüre" (Payrhuber 1998) müssen auch
diese Elemente bei der
literarischen
Charakteristik einer Figur im Literaturunterricht berücksichtigt werden.
Beispiele:
Fremdkommentar
Franz Moor charakterisiert seinen Bruder
Karl in
Friedrich Schillers Drama "Die Räuber" (I,1) als
Fremdkommentar, wobei er sich dabei als
Sprachrohr von charakterisierenden
Äußerungen seines Vaters (in roter Farbe markiert)
darstellt. Zugleich steuert er aber auch eigene
kommentierende Äußerungen zur Charakterisierung Karls (grüne
Markierung) bei.
DER ALTE MOOR. Oh - meine
Aussichten! Meine goldenen Träume!
FRANZ. Das weiß ich wohl.
Das ist es ja, was ich eben sagte. Der
feurige Geist, der in dem
Buben lodert, sagtet Ihr immer, der
ihn für jeden Reiz von Größe und Schönheit so empfindlich macht, -
diese Offenheit, die seine Seele auf dem Auge
spiegelt, diese Weichheit des Gefühls, die ihn bei jedem Leiden in
weinende Sympathie dahinschmelzt, dieser männliche
Mut, der ihn auf den Wipfel hundertjähriger Eichen treibet und über
Gräben und Palisaden und reißende Flüsse jagt, dieser
kindische Ehrgeiz, dieser
unüberwindliche Starrsinn und alle
diese schöne, glänzende Tugenden, die im
Vatersöhnchen keimten, werden ihn dereinst zu einem warmen Freund
eines Freundes, zu einem trefflichen
Bürger, zu einem Helden,
zu einem großen, großen Manne
machen. - Seht Ihr's nun, Vater! - der feurige Geist hat sich entwickelt,
ausgebreitet, herrliche Früchte hat er getragen.
Seht diese Offenheit, wie
hübsch sie sich zur Frechheit herumgedreht hat!
seht diese Weichheit, wie zärtlich sie
für Koketten girret, wie so empfindsam für die Reize einer Phryne!
Seht dieses feurige Genie, wie es das Öl
seines Lebens in sechs Jährchen so rein weggebrannt hat, dass er bei
lebendigem Leibe umgeht, und da kommen die Leute und sind so unverschämt
und sagen: c'est l'amour qui a fait ça! Ah! seht doch diesen kühnen,
unternehmenden Kopf, wie er Plane schmiedet und ausführt, vor denen die
Heldentaten eines
Cartouches und Howards verschwinden! - Und wenn erst diese prächtigen
Keime zur vollen Reife erwachsen - was lässt sich auch von einem so zarten
Alter Vollkommenes erwarten? - Vielleicht, Vater, erlebt Ihr noch die
Freude, ihn an der Fronte eines Heeres zu erblicken, das in der heiligen
Stille der Wälder residieret und
dem müden Wanderer seine Reise um die Hälfte der Bürde erleichtert
-
vielleicht könnt Ihr noch, eh Ihr zu Grabe geht, eine Wallfahrt nach
seinem Monumente tun, das er sich zwischen Himmel und Erden errichtet -
vielleicht, o Vater, Vater, Vater -
seht Euch nach einem andern
Namen um, sonst deuten Krämer und Gassenjungen mit Fingern auf Euch,
die Euren Herrn Sohn auf dem Leipziger Marktplatz im Porträt gesehen
haben.
DER ALTE MOOR. Und auch du,
mein Franz, auch du? O meine Kinder! wie sie nach meinem Herzen zielen!
FRANZ (mit Lachen ihm
nachsehend). Tröste dich, Alter! du wirst ihn nimmer an diese Brust
drücken; der Weg dazu ist ihm verrammelt, wie der Himmel der Hölle - Er
war aus deinen Armen gerissen, ehe du wusstest, dass du es wollen könntest
- Da müsst ich ein erbärmlicher Stümper sein, wenn ichs
nicht einmal so weit gebracht hätte, einen Sohn vom Herzen des
Vaters loszulösen, und wenn er mit ehernen Banden daran geklammert
wäre - Ich hab einen magischen Kreis von Flüchen um dich gezogen,
den er nicht überspringen soll - Glück zu, Franz!
weg ist das Schoßkind - der Wald
ist heller.
Eigenkommentar
Franz Moor charakterisiert sich selbst in
Friedrich Schillers Drama "Die Räuber" (I,1) als
Eigenkommentar, aber er
spricht über sich auch wieder so, als habe ihn der
Vater so bezeichnet.
DER ALTE MOOR. Und auch du,
mein Franz, auch du? O meine Kinder! wie sie nach meinem Herzen zielen!
FRANZ.
Ihr seht, ich kann auch witzig sein, aber mein Witz ist Skorpionstich.
- Und dann der trockne Alltagsmensch,
der kalte, hölzerne Franz, und wie
die Titelchen alle heißen mögen, die Euch der Kontrast zwischen ihm und
mir mocht' eingegeben haben, wenn er
Euch auf dem Schloße saß,
FRANZ (mit Lachen ihm
nachsehend). Tröste dich, Alter! [...] Ich
habe große Rechte, über die Natur ungehalten zu sein, und bei meiner Ehre,
ich will sie geltend machen. - Warum bin ich nicht der Erste aus
Mutterleib gekrochen? warum nicht der Einzige? Warum musste sie mir diese
Bürde von Hässlichkeit aufladen? gerade mir? Nicht anders, als ob sie bei
meiner Geburt einen Rest gesetzt hätte. Warum gerade mir die Lappländersnase?
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