Home
Nach oben
Zurück
Weiter
 

 

arbtec_sm.jpg (2576 Byte)

Schreibstrategien

Aus dem  Kopf niederschreiben


Die folgende Schreibstrategie wird oft als "Niederschreiben" bezeichnet und wer sie verwendet dementsprechend "Niederschreiber" genannt. Wir verwenden hier den dafür besser geeigneten Terminus "Aus-dem-Kopf-Niederschreiben", auch wenn dieser Terminus die Sache auch nicht haargenau trifft. Aber die bildliche Vorstellung, die sich damit verbindet, kommt dem, was diese Schreibstrategie ausmacht, doch ziemlich nahe. So gesehen ist der Gegensatz zu dem "Aus-dem-Bauch-Schreiben" (Schreiben in einem Zug) vom Bild her gesehen schon deutlich. Aber natürlich geschieht alles Schreiben im Kopf ... (vgl. Die Vertextung der Gedanken)
Ortner (2000, S.482ff.) spricht bei dieser Schreibstrategie von einer extra-literalen Textentwicklung in großen Zügen und meint damit, dass der Schreiber, ehe er etwas niederschreibt, schon darüber nachgedacht hat, was er schreiben will. Dadurch ist also die Strukturbildung und die Wissensverarbeitung vom eigentlichen Formulieren abgekoppelt.
Im Grunde genommen wird beim Aus-dem-Kopf-Niederschreiben beim Formulieren das aufgeschrieben/niedergeschrieben, was schon im Gedächtnis, gewissermaßen als Prätext (Wrobel 1995) repräsentiert ist. "Niederschriften zur Speicherung von Gedanken"  (vgl. Mrotzek/Böttcher 2011, S. 36), nicht einmal als Gedächtnisstütze, fertigt der Aus-dem-Kopf-Niederschreiber nicht an. Größere Umstrukturierungen und Korrekturen werden beim Schreiben nicht mehr vorgenommen. Die Strukturierung im Kopf "muss losgelöst von der Formulierung geleistet werden." (ebd.)

Diese klare Zweiteilung von Denken und Schreiben unterscheidet das Aus-dem-Kopf-Niederschreiben von Schreibstrategien wie dem Scheiben in einem Zug, dem Einen-Text-zu-einer-Idee schreiben ganz deutlich, hebt es aber auch von den Strategien des Versionenschreibens oder Versionenredigierens ab.

Bei Schülerinnen und Schülern lässt sich die Verwendung dieser Schreibstrategie in Zusammenhang mit den unterschiedlichsten schulischen Schreibformen beobachten. Ein Indiz dafür ist die Tatsache, dass manche von ihnen, auch im Zusammenhang mit schulischen Schreibformen wie der Problem- und Texterörterung, oder auch bei der Textanalyse, für welche die Strategie des Schritt-für-Schritt-Schreibens oder die Strategie des planenden Schreibens eher naheliegen, ohne schriftliche Stoffsammlung, Arbeitsgliederung oder sonstigen Konzeptgestaltungen auskommen.
Allerdings besteht auch die Gefahr, dass Schülerinnen und Schüler glauben, ihre Textproduktion "aus dem Kopf" vorstrukturiert niederzuschreiben, wenn sie in Wahrheit Schreibstrategien folgen, die eher für die Schreibformen geeignet sind, mit denen der Aufsatzunterricht in der Primar- und Sekundarstufe beginnt, wie z. B. die Anwendung des Einen-Text-zu-einer-Idee-Schreibens bei bestimmten Formen des Erzählens (z. B. Erlebniserzählung, Nacherzählung etc.)

 

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 29.09.2013
 

                 
  Überblick ] Verhaltensstrategien ] Strategie/-typen ] Fragebogen ]  

                   


          CC-Lizenz
 

 

Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA) Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de