|
Wo man auch hinsieht, überall trifft man auf Texte, die von irgendjemandem
für irgendeinen Zweck verfasst worden sind. Als Ergebnisse geistiger
Leistungen von Menschen werden dabei gesprochene Worte, Gedanken und
Gefühle, Texte anderer niedergeschrieben. Wenngleich ein Text streng
genommen nicht schriftlich fixiert sein muss, um als Text zu gelten, gehen
wir hier von schriftlichen Texten aus, wenn wir von Texten
sprechen.
In diesem Zusammenhang gilt also: Wer Texte verfassen will,
muss auch schreiben können. Gerade mal 3000 Jahre ist es her, dass das
Alphabet erfunden worden ist und seitdem stellen das Schreiben und
Lesen die grundlegenden Kulturtechniken unserer Zivilisation dar. Und
doch weltweit sind noch immer Millionen von Menschen Analphabeten, und
selbst in einem hoch entwickelten Land wie Deutschland geht man davon aus,
dass bis zu 5% der Menschen weder schreiben noch lesen können.Solche Arbeit mit Texten
ist also stets Textproduktion durch einen oder mehrere Verfasser.
Die Texte, die solcherart entstehen, können nach verschiedenen Kriterien
in
Textarten und
Textsorten eingeteilt werden.
Dabei ist das Verfassen von Texten keineswegs eine Kleinigkeit.
Unzählige Schülerinnen und Schüler, aber auch Erwachsene jeden Alters
leiden unter Schreibstörungen, sehen sich von Schreiblähmungen und
Schreibkrisen geplagt und ihr Kampf um das geschriebene Wort ist eine
lange Leidensgeschichte wechselnder Schreibblockaden. Dagegen hat
sich seit den siebziger Jahren eine kreative Schreibbewegung gebildet, die
in unzähligen Schreibwerkstätten die Lust am Schreiben stärken will. (vgl.
Werder, Lutz von 1993, S.13ff.)
Das Verfassen von Texten erfordert
Schreibkompetenz. Nach
Fix (2008, S.33)
kann darunter die Fähigkeit verstanden werden "
- pragmatisches Wissen,
- inhaltliches (Welt- und bereichsspezifisches) Wissen,
- Textstrukturwissen,
- Sprachwissen
in einem Schreibprozess so anzuwenden, dass das Produkt den
Anforderungen einer (selbst- und fremdbestimmten) Schreibfunktionen
(z. B. Anleiten, Erklären, Unterhalten ...) gerecht wird.
Dazu gehört die Integration von folgenden Teilkompetenzen:
- Zielsetzungskompetenz (Setzen eines konkreten Schreibziels
aufgrund der Analyse der Schreibfunktion und -situation
(Leserantizipation: Wissen über die Angemessenheit des
Geschriebenen für die Leser)
- Inhaltliche Kompetenz (Vorwissen aktivieren, neues Wissen
rezipieren, Semantik)
- Strukturierungskompetenz (eine sinnvolle, kohärente
Textstruktur finden, ein Textmuster realisieren)
- Formulierungskompetenz (operationales Sachwissen, bis hin
zur motorischen Umsetzung; Syntax, Lexik, Morphologie,
Orthografie), Revisionskompetenz (Problemdiagnosefähigkeit,
Überarbeitungsverfahren)."
Die herkömmliche
Aufsatzdidaktik konzentrierte sich, so lange sie das Schreiben
"überhaupt nicht als steuerbares und lernbares Handlungssystem"
betrachtete, vor allem darauf "zu lehren, was gute Texte sind" (Kruse/Ruhmann
2006, S.13), kümmerte sich aber leidlich wenig darum, auf welche
Weise und in der Abfolge welcher Schritte ein solcher Text produziert
wird. In einem davon geprägten Unterricht, der dem produktorientierten
Schreiben grundsätzlich den Vorrang gibt, "in dessen Vollzug das zuvor
im Unterricht erworbene Textsortenwissen lediglich mechanisch angewandt
wird" (Wildemann 2007,
S.41), fungiert natürlich auch die Lehrkraft "in erster Linie als
Vermittler von Schreibnormen, die der Schüler schließlich umsetzen
soll." (ebd.)
Demgegenüber gibt die prozessorientierte Schreibdidaktik dem Schreib-
und Formulierungsprozess ein deutlich anderes Gewicht, die (Kruse/Ruhmann
(2006, S.14) mit drei Grundthesen zusammenfassen:
-
"Schreiben
ist viel mehr als Hinschreiben"
Damit wird unterstrichen, dass beim Schreiben nicht nur Wissen aus
dem Gedächtnis wiedergegeben wird, sondern, dass man sich dabei auch
Wissen aneignen und neues Wissen konstruieren kann. Didaktisch
bedeutet dies auch, dass das Schreiben selbst ein wichtiges Vorgehen
beim Lernen selbst ist.
-
"Schreiben
ist Problemlösen"
Die These geht davon aus, dass das Schreiben selbst einen komplexen
Vorgang darstellt, bei dem etliche Probleme gleichzeitig gelöst
werden müssen. Solche Probleme betreffen Fragen des Inhalts, der
sprachlichen Gestaltung und der Einschätzung der
Kommunikationssituation, in der ein Text steht.
-
"Schreiben ist
systematisch lernbar und lehrbar"
Mit dieser These wird unterstrichen, dass die Fähigkeit zur
Textproduktion als Ergebnis eines Lernprozesses verstanden werden
kann, bei dem durch ein schrittweises Erlernen bestimmter, den
jeweiligen Schreibprozess kennzeichnender Teilschritte die dafür
nötige Textproduktionskompetenz erworben werden kann. Indem die
Schülerinnen und Schüler ihren Schreibprozess damit in Teilschritten
unter die Lupe nehmen können, können sie auch mit Hilfe
unterschiedlicher Strategien ihre jeweilige Textproduktion
optimieren. Dies bedeutet auch, dass Alltagbeurteilungen nach dem
Muster "Der eine kann, der andere kann halt nicht schreiben." ein
Stück weit der Legendenbildung zugeschrieben werden kann. Aber
solche Vorstellungen sind oft im Bewusstsein vieler Schülerinnen und
Schüler vorhanden, die sich, ohne zu wissen warum, immer wieder an
Schreibaufgaben scheitern sehen, obwohl sie angeblich doch so viel
zum Thema "gewusst" hätten.
Texte, die als Ergebnis geistiger Auseinadersetzung von Menschen
zustande kommen, i. e. S. "geschrieben" werden, lassen sich als
Schreibformen bezeichnen. Hier wird aus didaktischen Gründen
unterschieden zwischen:
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
23.10.2012 |
|