Home
Nach oben
Zurück
Weiter
 

 

arbtec_sm.jpg (2576 Byte)

Schreibstrategien

Textteile schreiben


Das Schreibprodukt in Einzelteile zu zerlegen, die jeder für sich bearbeitet werden können, ist das Prinzip der Schreibstrategie des Textteile-Schreibens.
In einem nicht-linear angelegten Schreiben entstehen so nach Ortner (2000, S.540ff.) portionierte Produktsegmente, die als "Inseln" fungieren, die noch zusammengesetzt werden müssen. Dafür muss der Zusammenhang zwischen Teilen wie z. B. Einleitung, Hauptteil oder Schluss aber erst noch hergestellt werden. Insofern ist dem Schreiber auch längere Zeit nicht klar, wie die Gesamtgestalt des Textes aussehen wird.

Im schulischen Kontext ist die Anwendung dieser Schreibstrategie nicht unbekannt. So hat es sich längere Zeit als eine gängige Praxis bei Textinterpretationen zu einem literarischen Thema (Ganzschrift) in der Sekundarstufe II erwiesen, sogar auf schriftlich vor der Klausur angefertigte Vorfassungen zurückzugreifen, deren Inhalt und Gestalt noch ganz unabhängig von der jeweiligen konkreten Aufgabenstellung z. B. als Einleitung entwickelt wurden. In der Konsequenz führte dies längere Zeit dazu, dass solche Einleitungen, sprachlich oft sehr geschliffen und inhaltlich mit Fachwissen zu Autor, Epochen und historisch-sozialem Kontext "gespickt", nicht nur immer länger wurden, sondern auch immer häufiger nicht mehr in die Gesamtform des gesamten Aufsatzes eingepasst werden konnten. Nicht nur, dass sprachlich die Übergänge zu den Teilen, die während der Klausur verfasst wurden, sehr deutlich sichtbar wurden. Es zeigte sich auch oft kein Zusammenhang zu der eigentlich zu bewältigenden Schreibaufgabe.
Mittlerweile hat man, zumindest im Bereich schriftlicher Abiturprüfungen, solche "vorgefertigten", aus dem Gedächtnis niedergeschriebenen, meist "nur" auswendig gelerntes Wissen reproduzierenden Textteile entsprechend eingeordnet. In jedem Fall darf diese Praxis nicht mit dem Aus-dem Kopf-Niederschreiben verwechselt werden.

Grundsätzlich ist gegen eine derartige Schreibstrategie jedoch im schulischen Kontext nichts einzuwenden und, wenn ein Schüler bzw. eine Schülerin es versteht, diese Strategie adäquat einzusetzen, gibt es gegen einen Textproduktionsprozess, der sich beliebig zwischen den "Inseln" hin- und herbewegt, keine Vorbehalte, zumal sie sich ja durchaus auch mit anderen Schreibstrategien wie z. B. dem planenden Schreiben oder dem Schritt-für-Schritt-Schreiben kombinieren lässt. Allerdings ist auch nicht auszuschließen, dass der Grund, weshalb sich ein Schüler für das Schreiben auf Inseln entscheidet, ähnlich wie beim Working by Chaos auf eine Überforderung zurückgeht. In einem solchen Fall gelingt den Schreibern oft nicht, den geforderten Zusammenhang der Teile herzustellen.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 29.09.2013
 

                 
  Überblick ] Verhaltensstrategien ] Strategie/-typen ] Fragebogen ]  

                   


          CC-Lizenz
 

 

Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA) Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de