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Hofmannswaldau: Vergänglichkeit der Schönheit

Textanalyse


  Die Interpretation des Sonetts »Vergänglichkeit der Schönheit« von Christian Hofmann von Hofmannswaldau sollte u. a. die folgenden Gesichtspunkte umfassen. Dabei können wesentliche Merkmale der Literaturepoche Barock herausgearbeitet werden:

 

 

Anastrophe (Inversion) - Antithese - Hyperbel - Metapher - Personifikation - Oxymoron

 

Inhaltliche Gliederung des Textes

Zwischen Memento mori (1. und 2. Quartett und 1. Terzett) und Carpe diem (2. Terzett)

1. und 2. Quartett:

  • Topos vom Vergehen der (Lebens-)Zeit des Menschen, die begrenzt ist durch den Tod;
  • Verfall der äußerlichen Schönheit der Geliebten:
     
    "lieblicher corall der lippen" "verbleichen
    "der schultern warmer schnee" "kalter sand"
    "der augen süsser blitz"
    "die kräffte deiner hand"
    "werden zeitlich weichen"
    "das haar ... des goldes glantz" "tilgt tag und jahr"

1. Terzett:

  • Verfall und Bedeutungslosigkeit "schönen" Tuns (anmutiges Gehen und liebenswertes, "kokettes" Verhalten)

    "der wohlgesetzte Fuß"
    "die lieblichen Gebärden
    "theils zu Staub"
    "theils nichts und nichtig werden"
  • Darstellung der Konsequenzen bei direkter Anrede der Geliebten:
    Keiner wird die Geliebte/junge Frau mehr abgöttisch verehren. (Äußerung einer gewissen Genugtuung darüber durch das lyrische Ich)

2. Terzett

  • Gegen die Vergänglichkeit der Schönheit gibt es kein Mittel.
  • "Herz aus Diamant" als Steigerung der Vorstellung von einem "Herzen aus Stein", d.h. unzugänglichem Herzen (als quasi "schiefe" Metapher)

alternativ:

  • Nur das "Herz" (Gefühle, Zuneigung) hat Bestand, weil es von Natur aus dem wertvollsten und gänzlich unverwüstlichen Edelstein gemacht ist.
  • Das Ideelle ist nicht dem Verfall überlassen.

Aussageabsicht:

Aus der Perspektive des werbenden Verehrers ("galante Perspektive") wird das Vanitas-Motiv (Memento mori) verwendet, um das zögernde, männlichem Drängen und Werben offenkundig nicht so ohne Weiteres nachgebende Verhalten (Carpe diem) anzuprangern. In diesem Zusammenhang weist das Gedicht auf Exemplarisches und Typisches und ist nicht an eine konkrete Beziehung zwischen einem unmittelbare Lusterfüllung predigenden männlichen Verehrer und einer diesen hinhaltenden oder nur mit diesem kokettierenden weiblichen Schönheit zu verstehen (entindividualisierte Personenbeziehung).
Die Bipolarität barocken Menschen- und Lebensverständnisses zwischen diesseitigem Lebensgenuss und jenseitiger Lebensorientierung prägt damit auch dieses Beispiel barocker Liebeslyrik.

 
  
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Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA) Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de