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Dramaturgie und Inszenierung

Haltungen der Figuren

 
 
  Haltungen der Figuren stellen für die Inszenierung eines dramatischen Textes wichtige Elemente dar, mit denen die Gestalt einer Rolle auf die Bühne gebracht wird. Sie spielen auch bei der →szenischen Interpretation im Allgemeinen und der szenischen Erarbeitung von Dramentexten eine außerordentlich wichtige Rolle.

Haltung bedeutet im Hinblick auf die Inszenierung eines Theaterstückes zweierlei.

  1. Der Begriff bezeichnet eine äußerlich sichtbare Körperhaltung.
  2. Der Begriff steht für einen bestimmten Zustand der inneren Befindlichkeit einer Figur. In dieser Verwendung kennzeichnet er Einstellungen einer Figur, die sich auch in ihrem äußeren Verhalten ausdrücken.

Wer etwas fordert, sich für etwas entschuldigt, wer traurig oder fröhlich ist, Mut oder Angst zeigt, drückt dies gewöhnlich auch durch bestimmte Körperhaltungen aus. Wenn ein Schauspieler eine bestimmte Haltung einnimmt, so tut er dies in der Regel, um sein Verhalten in einer bestimmten Situation nachvollziehbar zu motivieren. In diesem Fall spricht man von Attitüde.

Grundsätzlich kann man zwischen Grundhaltungen und ihren situationsbedingten Abwandlungen unterscheiden.

Die charakteristische(n) Haltung(en) einer Figur findet/finden sich, sofern eine eher dynamisch angelegte Figur diese im Verlauf eines Bühnengeschehens handlungsbedingt nicht ändert, in allen äußerlichen Körperhaltungen bzw. -stellungen wieder. Der Typus des Ängstlichen wird sich daher in einem solchen Fall immer ängstlich zeigen, ob er nun sitzt, steht oder geht.
Haltungen kommen auch häufig aus Gesten zustande, deren Bewegung "angehalten" wird. So nimmt eine Figur, die über längere Zeit mit den Händen einen Augenschirm auf der Stirn bildet, die Attitüde eines genauen "Beobachters" ein, jemand, der die Hand zur Vergrößerung der Ohrmuschel eine Weile ans Ohr legt, wird damit ein "Lauscher".

Haltungen sind aber auch für die Herausarbeitung von Korrespondenz- und Kontrastbeziehungen zwischen den Figuren wichtig. Durch sie können hierarchische soziale Beziehungen, z.B. König und Untertan, Chef und Mitarbeiter, ausgedrückt werden.
In diese Richtung zielt auch Bertolt Brechts Begriff des Gestus, der bis zum gesellschaftlichen Gestus abstrahiert werden muss, einer Haltung also, die die Herrschaftsverhältnisse in einer (Klassen-)Gesellschaft widerspiegelt. Wenn einander kontrastierende (soziale) Gruppen in einem Bühnenstück einander gegenübergestellt werden sollen, ist der Ausprägungsspieltraum besonderer, individueller Haltungen dementsprechend eng. Meistens sollen "dadurch die typischen Merkmal der Gruppe" nicht aufgelöst werden.

(vgl. Giffei 1982, S.236f.)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 12.03.2014

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