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Dramaturgie und Inszenierung

Gesten der Figuren

 
 
  Bei der Inszenierung eines dramatischen Textes liefern die Gesten der Figuren wichtige Informationen über das dramatische Geschehen (Plurimedialität des dramatischen Textes). Daher sind gründliche Überlegungen zu ihrer Art, Gestaltung und Häufigkeit bei der simulierten Dramaturgie und Inszenierung unerlässlich. Gesten spielen auch bei der →szenischen Interpretation im Allgemeinen und der szenischen Erarbeitung von Dramentexten eine außerordentlich wichtige Rolle.
 

Gesten sind wie das Mienenspiel des Gesichts (Mimik) wichtige Elemente →nonverbaler Kommunikation. Sie gehören zur Körpersprache im engeren Sinne (vgl. Eunson 1990) und können zum Ausdruck von Informationen, aber auch zur Darstellung von Beziehungen dienen. Gesten begleiten zum Teil so selbstverständlich und unbewusst unser Sprechen, dass die meisten Menschen sogar dann gestikulieren, wenn die Gesten vom Kommunikationspartner gar nicht wahrgenommen werden können, z.B. beim Telefonieren.

Auf der Bühne stellen Gesten im Allgemeinen Körperbewegungen dar, die ohne Veränderung der Position durch einen Schauspieler ausgeführt werden. Nur hin und wieder werden sie auch in Gänge hinein verlängert, die zu Positionswechseln führen.

Gesten können auf der Bühne in unterschiedliche Funktionen besitzen:

  • vorbereitend: Äußerungen oder Handlungen werden durch eine gestische Vorausreaktion unterstützt und angekündigt
  • begleitend: Äußerungen oder Handlungen werden betont, unterstrichen oder akzentuiert.
  • beschreibend: Sprachliche Äußerungen werden anschaulich verdeutlicht oder illustriert
  • demonstrierend: Sprachliche Äußerungen werden tendenziell durch Gesten ersetzt.
  • hinweisend: Die Aufmerksamkeit der mitspielenden Figuren und des Zuschauers wird in eine bestimmte Richtung, auf eine bestimmte Handlung, auf eine bestimmte Figur gelenkt.
  • reagierend: Schneller als das nachfolgende Wort reagiert eine Figur körperlich auf einen zuvor stattgefundenen Vorgang oder eine vorausgegangene Äußerung.
  • unbewusst: Eine Geste, die wie ein unbewusster Reflex auf einen von außen stammenden Reiz zustande kommt.
  • handelnd: Eine Figur hantiert mit Personen oder Gegenständen.
  • konventionell: Gesten, die sich z.B. den gesellschaftlichen Umgangsformen in einer bestimmten Zeit und/oder in einer bestimmten sozialen Schicht zuordnen lassen.
  • rituell: Gesten, die einen religiösen oder mystisch-mythischen Hintergrund haben (z.B. Beschwörungsrituale)
  • mechanisch: Körperbewegungen von Robotern, Puppen, Maschinen oder sonstigen willenlosen Geschöpfen
  • künstlich: überzogene, inhaltslose, inkongruent wirkende, manierierte Gesten

(vgl. Giffei 1982, S.240.)

Um bestimmte Gesten einnehmen zu können, ist es sinnvoll sich des jeweils zugrunde liegenden Gestus der Rede bzw. des Gesprächs bewusst zu sein. Dieser Ansatz, der aus der Dramen- und Theatertheorie Bertolt Brechts stammt, ist für den Ausdruck sehr hilfreich. Allerdings ist die Einnahme eines bestimmten (gesellschaftlichen) Gestus nicht unbedingt ein kognitiver Akt. Denn, wie Holger Münzer betont, wirken "einstudierte Gesten und Mimiken[...] aufgesetzt. Wenn ich den richtigen Gestus habe zu dem, worüber meine Rede geht, entstehen Mimik und Gestik, Tonfall und andere 'Regieanweisungen' von innen (aus meinem Gestus) heraus, d.h. von allein, sofern ich 'es aus mir sprechen' lasse. Insofern übertrage ich auch die Stanislawski’sche Theatererfahrung: 'es spielt aus mir...' auf die Rhetorik: 'es spricht aus mir...'. Es ist dies nur eine konsequente Weiterführung des Kleist’schen Gedankens: 'Reden ist lautes Denken' auf die theatralischen Wirkungsmöglichkeiten, die auch ein Redner nutzen kann. Friedrich Naumann nennt diesen notwendigen vorbereitenden Prozess: '... ganz in die entsprechende Sache eintauchen ...' " (Holger Münzer, www.rhetorik-netz.de, 5.9.02) 

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 13.03.2014

 
      
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