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Dramaturgie und Inszenierung

Positionen und Tableaus

 
 
  Für die Inszenierung eines dramatischen Textes stellen Positionen und Tableaus neben den Bewegungen der Figuren wichtige Elemente der Raumnutzung dar. Sie gehören zu den Codes und Kanälen, mit denen der dramatische Text im Zuge der Inszenierung seine Informationen über das dramatische Geschehen vermittelt. (Plurimedialität des dramatischen Textes). Für das didaktische Prinzip der simulierten Dramaturgie und Inszenierung sind Überlegungen zu den Positionen und Bewegungen von Figuren unerlässlich und lassen sich ohne größeren äußeren Aufwand auch als "Stellproben" und "Standbilder" (Szenenarrangements, Tableaus) mit größeren Gruppen umsetzen. Stellproben, Standbilder und Tableaus u. ä. spielen auch bei der →szenischen Interpretation im Allgemeinen und der szenischen Erarbeitung von Dramentexten eine außerordentlich wichtige Rolle.

Die Figuren eines Dramas nehmen im Verlauf der dramatischen Bühnenhandlung verschiedene Positionen ein und verändern diese durch Bewegung (Positionswechsel). Positionen sind also zunächst einmal Standorte auf der Bühne, die sich in einem Grundrissplan (Draufsicht) festhalten lassen.

Die Positionen, die die verschiedenen Figuren zueinander aber auch im Hinblick auf das Publikum einnehmen, haben eine große Bedeutung für das dramatische Geschehen. Immer drücken sie eine Beziehung aus: zwischen den Figuren und zum Publikum.
Die räumliche Anordnung der Positionen führt u. a. zu einer Einteilung in dominierende und untergeordnete Positionen, wobei dies allein jedoch wenig darüber aussagt, ob eine Figur wichtig oder unwichtig ist. Allerdings kann die Positionierung einer Figur auch dafür ein wichtiger Anhaltspunkt sein. Hier kommt es also immer auf das Zusammenwirken mit anderen Faktoren an, die Informationen über das dramatische Geschehen liefern (Plurimedialität des dramatischen Textes).
Grundsätzlich kann man daher sagen: Positionen, die sich in der Mitte der Bühne befinden oder im Vordergrund der Bühne eingenommen werden, erlangen im Allgemeinen mehr Aufmerksamkeit als Positionen an der Seite oder im Hintergrund.

Zu den Positionen, die von den Figuren eingenommen werden, gehören ferner Körperrichtungen. Dabei unterscheidet man:

  • Frontalstellung: eine Figur wendet sich direkt dem Publikum zu
  • Profil- und Halbprofilstellung: eine Figur steht seitwärts oder halbseitwärts zum Publikum
  • Rückenstellung (ggf. ³/4 – Rückenstellung): eine Figur steht mit dem Rücken zum Publikum

Auf der Bühne können Figurengruppen in festen Positionsgruppierungen "aufgestellt" sein, die ihre Standorte nicht verändern. Derartige unbewegte Positionsgruppierungen nennt man Tableau.
Im Allgemeinen jedoch verändern die Figuren im Verlauf ihrer Bühnenpräsenz ihre Positionen: Sie bewegen sich, gehen aufeinander zu, distanzieren sich räumlich voneinander, treten auf und ab. Dabei sind diese Positionswechsel natürlich besonders wichtig. Sie finden nicht ohne Grund statt, sondern werden bewusst inszeniert, um das Bühnengeschehen zu "beleben". Allerdings muss ein Positionswechsel motiviert sein. Ein motivierter Positionswechsel stellt also eine räumliche Bewegung dar, die entweder durch die Bedingungen des äußeren Handelns oder durch die innere, seelische Dynamik einer Figur ausgelöst wird.

In einem Theaterstück werden Bewegungsabläufe, die außerhalb der Bühne ununterbrochen "fließen", durch einzelne Tableaus gegliedert, um dem Zuschauer mit dieser Art Momentaufnahme den Nachvollzug des dramatischen Geschehens zu erleichtern. Für derartige Tableaus lässt man daher bestimmte Figurengruppierungen wie ein bewusst komponiertes Gruppenbild für einen Moment stehen, damit sich die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf Bedeutung der räumlichen Beziehungen und die eingenommenen Haltungen (Attitüden) der Figuren richten kann. Diese Arrangements dienen dabei auch der Rhythmisierung der szenischen Aktionen.

(vgl. Giffei 1982,  S.238f.)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 12.03.2014

 
      
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