▪
Szenische
Interpretation
▪
Techniken des szenischen Interpretieren
▪
Rollenbiographie
(Selbstdarstellung)
▪
Habitus- und Haltungsübungen
Für
die ▪
Inszenierung eines dramatischen Textes
sind die ▪
Bewegungen der Figuren neben den ▪
Positionen und Tableaus wichtige Elemente der Raumnutzung
auf der Bühne.
Sie gehören zu den ▪
Codes
und Kanälen, mit denen der dramatische Text im Zuge der Inszenierung seine
Informationen über das dramatische Geschehen vermittelt. (▪
Plurimedialität
des dramatischen Textes).
Für das didaktische Prinzip der simulierten Dramaturgie und
Inszenierung sind Überlegungen zu den Positionen und Bewegungen
von Figuren unerlässlich und lassen sich ohne größeren äußeren
Aufwand auch als "Stellproben" und ▪ "Standbilder"
(Szenenarrangements, ▪
Tableaus) mit größeren Gruppen umsetzen. Körperhaltung und
Bewegungen spielen auch bei der ▪
szenischen Interpretation im Allgemeinen und der ▪
szenischen Erarbeitung von Dramentexten eine
außerordentlich wichtige Rolle.
Die nachfolgende Abbildungen skizziert die
Gänge von Figuren im Verlauf
einer bestimmten Szene eines Theaterstückes.

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Erläuterungen zur Abbildung: Figur 1 tritt zu Beginn der Szene
von Position 1 in den Mittelgrund und geht dann auf Figur 2 zu (Position
2). Figur 2 weicht zurück und gesellt sich zu Figur 3 und Figur 4.
Daraufhin treten die Figuren aus dem Hintergrund vor (4.1, 4.2., 4.3).
Bewegungen als Gänge
Bewegungen sind die Gänge, die zwischen den Positionen
liegen. Die Art und Weise, wie sich dieser Positionswechsel bzw.
der jeweilige Gang vollzieht, hat grundsätzlich wichtige
Bedeutung.
Der äußere, handlungsbedingte oder innere, psychisch
motivierte Positionswechsel hat natürlich auch eine stark
charakterisierende Funktion, selbst wenn diese Gänge weitgehend
ohne die in ihrer Durchführung eingenommenen ▪
Haltungen und ▪
Gesten betrachtet werden.
So macht es schon einen Unterschied,
-
ob der
jeweilige Gang einer Figur auf der Bühne auf gerader Linie
erfolgt – sozusagen wie an einer Schnur gezogen – oder auf
geschwungener oder unbestimmter Linie,
-
ob die
jeweilige Distanz schnell oder langsam überwunden, der
Positionswechsel betont auffällig oder unauffällig vollzogen
wird.
Grundsätzlich drücken Gänge etwas aus, "z.B. den Zustand, das momentane
emotionale Befinden einer Figur, ihr Verhältnis zu anderen Figuren. Sie
zeigen Absichten und Ziele an. Jeder Positionswechsel ist auch ein
Beziehungswechsel. Insofern verdeutlichen Gänge die komplexe Interaktion
im zeitlichen Ablauf einer Handlung." (Giffei
1982, S.241)
Bewegungsrichtung und Achsenverhältnisse
Darüber hinaus spielen auch die Bewegungsrichtung und die
Achsenverhältnisse – ähnlich wie beim Film – eine Rolle.
So geht vom Gang einer Figur an die Rampe für den Zuschauer eine ganz
andere
Wirkung aus als vom Gang einer Figur, die die Bühne quert oder gar
in den Hintergrund tritt.
-
Tritt eine Figur aus der
Mitte von hinten nach vorn, so steigt damit die Spannung und
situationsbedingte Erwartungen werden geweckt.
-
Bewegt sich eine Figur
dagegen von vorne nach hinten, tritt der umgekehrte Effekt ein: eine
Figur wendet sich dadurch u. U. vom Geschehen ab und "verabschiedet"
sich.
-
Spannungssteigernd wirken
auch Bewegungsrichtungen, die diagonal von hinten nach vorne verlaufen,
wobei sogar zum Teil vertreten wird, dass die Spannung bei einer
Richtung von rechts hinten nach links vorne größer sei als im
umgekehrten Fall.
Bewegungen und die Aufmerksamkeit des Zuschauers/der Zuschauerin
Der Grad an Aufmerksamkeit, die eine bestimmte Figur
vom Zuschauer erhält, wird also auch von ihren Bewegungen im
Raum bestimmt, die eine perspektivische Wirkung besitzen.
-
Wer von hinten nach vorne
kommt, wirkt dadurch größer und erhält damit auch eine größere
Aufmerksamkeit.
-
Wenn sich Figuren
parallel zur Rampe bewegen, behalten sie ihren Aufmerksamkeitswert.
-
Werden Figuren im Raum so
aufgestellt, dass ihre Positionierung einer Tiefenstaffelung
gleichkommt, die zum Vergleich anregt, dann erhält die vorderste, in
kürzester Distanz zur Rampe positionierte Figur in der Regel die größte
Aufmerksamkeit.
Bewegungen der Figuren im Kontext des Bühnenbildes
In den seltensten Fällen ist die Bühne jedoch leer. Das
Bühnenbild
sieht meistens bestimmte Eingänge, Ebenen und
Einrichtungsgegenstände vor, die für die Gänge im Bühnenraum
bestimmte Richtungen, Perspektiven und Wegstrecken eingrenzen.
Von ihnen hängen Richtungswechsel ab, sie bieten einer
Figur Haltepunkte (z.B. ein Sofa oder ein Stuhl) oder
stellen sich als Anspielobjekte (z.B. ein Tisch) im
wahrsten Sinne "in den Weg" und damit zur Verfügung. Insgesamt
gesehen bestimmt also die Organisation des Raumes in hohem Maße
Richtung, Achsenverhältnisse, Perspektiven, ja sogar das Tempo
und den Rhythmus von Bewegungen.
(vgl.
Giffei 1982, S.243)
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Szenische
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Techniken des szenischen Interpretieren
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Rollentexte
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Rollenbiographie
(Selbstdarstellung)
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Habitus- und Haltungsübungen
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Rollengespräche
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Methodenrepertoire zur
szenischen Erarbeitung von Dramentexten
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
22.09.2025
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