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Dramaturgie und Inszenierung

Bewegungen der Figuren

Choreografie

 
 
  Für die Inszenierung eines dramatischen Textes sind die Bewegungen der Figuren neben den Positionen und Tableaus wichtige Elemente der Raumnutzung auf der Bühne. Sie gehören zu den Codes und Kanälen, mit denen der dramatische Text im Zuge der Inszenierung seine Informationen über das dramatische Geschehen vermittelt. (Plurimedialität des dramatischen Textes). Für das didaktische Prinzip der simulierten Dramaturgie und Inszenierung sind Überlegungen zu den Positionen und Bewegungen von Figuren unerlässlich und lassen sich ohne größeren äußeren Aufwand auch als "Stellproben" und "Standbilder" (Szenenarrangements, Tableaus) mit größeren Gruppen umsetzen. Körperhaltung und Bewegungen spielen auch bei der →szenischen Interpretation im Allgemeinen und der szenischen Erarbeitung von Dramentexten eine außerordentlich wichtige Rolle.

Erläuterungen zur Abbildung: Figur 1 tritt zu Beginn der Szene von Position 1 in den Mittelgrund und geht dann auf Figur 2 zu (Position 2). Figur 2 weicht zurück und gesellt sich zu Figur 3 und Figur 4. Daraufhin treten die Figuren aus dem Hintergrund vor (4.1, 4.2., 4.3).

Bewegungen sind die Gänge, die zwischen den Positionen liegen. Die Art und Weise, wie sich dieser Positionswechsel bzw. der jeweilige Gang vollzieht, hat grundsätzlich wichtige Bedeutung. Der äußere, handlungsbedingte oder innere, psychisch motivierte Positionswechsel hat natürlich auch eine stark charakterisierende Funktion, selbst wenn diese Gänge weitgehend ohne die in ihrer Durchführung eingenommenen Haltungen und Gesten betrachtet werden.
So macht es schon einen Unterschied, ob der jeweilige Gang einer Figur auf der Bühne auf gerader Linie erfolgt – sozusagen wie an einer Schnur gezogen – oder auf geschwungener oder unbestimmter Linie, ob die jeweilige Distanz schnell oder langsam überwunden, der Positionswechsel betont auffällig oder unauffällig vollzogen wird.

Grundsätzlich drücken Gänge etwas aus, "z.B. den Zustand, das momentane emotionale Befinden einer Figur, ihr Verhältnis zu anderen Figuren. Sie zeigen Absichten und Ziele an. Jeder Positionswechsel ist auch ein Beziehungswechsel. Insofern verdeutlichen Gänge die komplexe Interaktion im zeitlichen Ablauf einer Handlung." (Giffei 1982, S.241)

Darüber hinaus spielen auch die Bewegungsrichtung und die Achsenverhältnisse – ähnlich wie beim Film – eine Rolle. So geht vom Gang einer Figur an die Rampe für den Zuschauer eine ganz andere Wirkung aus als vom Gang einer Figur, die die Bühne quert oder gar in den Hintergrund tritt.

  • Tritt eine Figur aus der Mitte von hinten nach vorn, so steigt damit die Spannung und situationsbedingte Erwartungen werden geweckt.
  • Bewegt sich eine Figur dagegen von vorne nach hinten, tritt der umgekehrte Effekt ein: eine Figur wendet sich dadurch u. U. vom Geschehen ab und "verabschiedet" sich.
  • Spannungssteigernd wirken auch Bewegungsrichtungen, die diagonal von hinten nach vorne verlaufen, wobei sogar zum Teil vertreten wird, dass die Spannung bei einer Richtung von rechts hinten nach links vorne größer sei als im umgekehrten Fall.

Der Grad an Aufmerksamkeit, die eine bestimmte Figur vom Zuschauer erhält, wird also auch von ihren Bewegungen im Raum bestimmt, die eine perspektivische Wirkung besitzen.

  • Wer von hinten nach vorne kommt, wirkt dadurch größer und erhält damit auch eine größere Aufmerksamkeit.
  • Wenn sich Figuren parallel zur Rampe bewegen, behalten sie ihren Aufmerksamkeitswert.
  • Werden Figuren im Raum so aufgestellt, dass ihre Positionierung einer Tiefenstaffelung gleichkommt, die zum Vergleich anregt, dann erhält die vorderste, in kürzester Distanz zur Rampe positionierte Figur in der Regel die größte Aufmerksamkeit.

In den seltensten Fällen ist die Bühne jedoch leer. Das Bühnenbild sieht meistens bestimmte Eingänge, Ebenen und Einrichtungsgegenstände vor, die für die Gänge im Bühnenraum bestimmte Richtungen, Perspektiven und Wegstrecken eingrenzen. Von ihnen hängen Richtungswechsel ab, sie bieten einer Figur Haltepunkte (z.B. ein Sofa oder ein Stuhl) oder stellen sich als Anspielobjekte (z.B. ein Tisch) im wahrsten Sinne "in den Weg" und damit zur Verfügung. Insgesamt gesehen bestimmt also die Organisation des Raumes in hohem Maße Richtung, Achsenverhältnisse, Perspektiven, ja sogar das Tempo und den Rhythmus von Bewegungen.

(vgl. Giffei 1982, S.243)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 13.03.2014

 
      
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