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Den Gedankengang eines Textes erfassen

Die Strukturmethode


Bei der Strukturmethode setzt man zur Erfassung des Gedankengangs eines Sachtextes an textinternen Strukturen des Textes selbst an. Die Methode kann allerdings eine differenzierte Herausarbeitung des Gedankenganges nicht ersetzen, liefert aber wertvolle Hinweise auf Strukturen, die dabei zu berücksichtigen sind. Wer, in der Regel top-down, erkennen kann, welcher "Strukturtyp"  von Text vor einem liegt oder wie der Text sein Thema entfaltet, kann unter Zuhilfenahme anderer, eher bottom-up-orientierter, Methoden einen Gedankengang u. U. leichter erfassen.

Bei der von uns so genannten Strukturmethode greifen wir auf Ausführungen von Heinz-Ulrich Schaeder (2007) zurück, der in einer systematischen Auflistung auf der Grundlage des texttypologischen Modells von »Karl Bühler (1879-1963) (»Organon-Modell) versucht, strukturelle Eigenarten von Texten durch strukturierende Begriffe abzubilden. Dabei ist natürlich klar, wie auch der Autor selbst betont, dass es keine in ihrer Anzahl festgelegten Strukturen von Texten gibt. Die logische Struktur eines Textes lässt sich letzten Endes eben doch nur nur aus diesem selbst gewinnen. Zudem wird man noch Mischtypen zu berücksichtigen haben. Aber als immer wiederkehrende Strukturstereotypen können sie doch Zugänge zum Gedankengang eines Textes schaffen. Wir geben seine Darstellung hier in leichter Abänderung wieder.

Schaeder unterscheidet dabei Texte

Darstellende Texte mit einer primär sachlogisch-aufklärenden Strukturierung setzen dabei die folgenden strukturierenden Begriffe ein und/oder lassen sich mit ihnen erfassen:

Darstellende Texte Strukturbegriffe Beispiele
Argumentativ (thetisch/antithetisch) strukturierte Texte
  • These (Antithese), Hypothese

  • Argument (Gegenargument, Beweis, Indiz

  • Schlussfolgerung, Konsequenz

  • Der Autor behauptet/vertritt die These...

  • Er stützt seine Behauptung mit dem/den  Argument(en)

  • Er veranschaulicht seine Argumente mit dem Beispiel von ...

  • Am Ende zieht er die Schlussfolgerung, dass ...

Von einem Phänomen/Ereignis ausgehende Texte
  • Phänomen

  • Grund, Ursache

  • Folge

  • Der Autor geht von der Tatsache/dem Sachverhalt/der Entwicklung  o. ä. aus ..

  • Als Gründe/Ursachen für diese ... führt er an

  • Er erwartet daher ...

Begriffsbildende bzw. definitorische Texte
  • Gegenstand/Sachverhalt

  • Definition

  • Vertiefung, Umschreibung, Bebilderung

 

  • "Die produktionssteigernde Folge von Entlassungen nennt man 'Entlassungsproduktivität'. Diese Formulierung beschreibt den Sachverhalt, der sich daraus ergibt, dass die verbleibende Belegschaft, aus welchen Motiven auch immer, ebenso viele Produkte oder gar mehr produziert und somit produktiver ist als die ehemalig zahlenstärkere."

Ein Modell entwerfende Texte
  • Grundlage des Modells/Realität

  • Modellart (z.B. Simulation)

  • Erkenntnisgewinn

  • Die Erderwärmung ist Realität.

  • Nun gilt es die Folgen zu untersuchen.

  • Mit Hilfe der Simulation ...

  • Abschätzen der künftigen Wüstenwanderung

Appellative Texte mit einer primär wirkungslogischen Strukturierung setzen dabei die folgenden strukturierenden Begriffe ein und/oder lassen sich mit ihnen erfassen:

Appellative Texte Strukturbegriffe Beispiele
  • agitatorische (Rede/Flugblatt)

  • wertende (Kommentar)

  • moralische (Traktat)

 

  • Haltung des Autors zum Gegenstand/Sachverhalt (Wertung/Bewertung)

  • Argument (nicht Wirkungsmittel)

  • Handlungsaufforderung (explizit oder implizit)

Der Autor lehnt... ab, begründet dies mit... und fordert auf..

Bei expressiven Texten mit einer primär ästhetischen Strukturierung (wie z. B. Reportage, essayistische Impressionen, Satire)  ist zwar auch ein Sachgehalt vorhanden, doch bestimmt dieser die Struktur nicht. Deshalb spielen strukturierende Begriffe eine untergeordnete Rolle für diese häufig expressiven (Bühler). Hier spielt die ästhetisch begründete Struktur des Originaltextes die entscheidende Rolle.

Strukturmethode mit der integrativen Textanalyse

Auf ähnliche Art und Weise, aber etwas differnzierter, ließe sich natürlich auch das von Klaus Brinker (1997) im Rahmen seiner integrativen Textanalyse entwickelte Modell und seine Ausführungen zur Analyse der grammatischen und thematischen Textstruktur und der thematischen Entfaltung (→deskriptive -,  narrative -, explikative - und argumentative Themenentfaltung) für die Strukturwortmethode verwenden.

                 
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