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Formen der Komik

Überblick

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Fragen und Antworten (KI)
Was sind die Grundthesen von Bergsons Theorie des Komischen?

Im • Alltag gebrauchen wir eine Vielzahl von Begriffen und Worten, die wir gemeinhin zum Bereich der Komik zählen: »Sprachwitz, »Slapstick, »Ironie, »Parodie, »Running Gag,

Und: In unserer modernen Medienwelt kommen immer wieder neue Begriffe hinzu, die bestimmte Medienformate zu den Formen der Komik hinzugesellen. Der "Begriff Komik wird heutzutage "als Oberbegriff für Belustigendes unterschiedlicher Ausprägung, vom Witzigen über das Farce- und Nonsenshafte bis zum Satirischen oder Humoristischen "(Wirth 2017, S.2) verwendet. Zudem bezeichnet er häufig ein Gefühl, wenn wir etwas komisch finden.

"Komik ist eine Eigenschaft, die Gegenständen (Äußerungen, Personen, Situationen, Artefatken etc.) zugeschrieben wird, wenn sie eine belustigende Wirkung haben." (Wirth 2017, S.2)

In welche Formen man Komik einteilt, ist einigermaßen willkürlich, wenngleich sich verschiedene Theoretiker wie der Philosoph und Psychologe »Theodor Lipps (1851-1914) oder der Philosoph »Henri Bergson (1859-1941) in seiner Abhandlung "Das Lachen" (1900) um eine Typologie bemüht haben. Letzterer unterscheidet Komik in Formen, Haltungen, Bewegungen, Charakteren und Situationen.

Für »Rüdiger Steinlein (1943-2015) "(zieht) Komik als ästhetisches Phänomen (...) ihre Effekte aus der Inszenierung einer Normabweichung, einer Störung des Ideal- bzw. Normalzustandes in physischer, psychisch-charakterlicher, materieller etc. Hinsicht." (Steinlein 2019, S.8).

Unter systematischer Perspektive kann man die verschiedenen Formen der Komik auch unter den nachfolgenden Kategorien verorten (vgl. Wikipedia)


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Die Formen von Komik, die im Übrigen auch historische Formen sind, lassen sich die sich nach ihrem Ursprung, ihren Erscheinungs- und Ausdrucksformen oder im Hinblick auf die von ihnen ausgehende komische Wirkung unterscheiden.

Hier stehen die "Mikroformen" des Komischen im Mittelpunkt der Betrachtung, d. .h. "die eingesetzten Techniken, Strukturen und Funktionsweisen nicht etwa eines komischen Stückes oder Romans, sondern eines konkreten, eng eingrenzbaren komischen Textteils [...]" (Baltzer 2013, S.89)

Als deren Hauptformen können die Sprachkomik, die Situationskomik, die Charakterkomik, die Körperkomik und die Sozialkomik voneinander unterschieden werden, die allerdings oft miteinander verbunden werden oder vom einen in das andere übergehen, wie dies z. B. bei der Figur des »Mr. Bean der Fall ist, der mit seinen mechanisch wiederkehrenden Verhaltensweisen stets Situations- und Charakterkomik verbindet.

Zu diesen Hauptformen können noch weitere Formen hinzukommen. Dazu kann man die etwas unklar als "Gedankenkomik" bezeichnete Form verstehen, die Parodie und Satire sowie die Groteske, die sich mit den Hauptformen der Komik auch immer wieder verbinden können. Dazu kommen noch die Travestie, die Posse und die Burleske.

Die Komikforschung hat hierzu sehr differenzierte Untersuchungen angestellt, die aber unter literaturdidaktischer Perspektive betrachtet, weder im Einzelnen dargestellt noch beurteilt werden können oder sollen. Daher müssen ein paar wenige Überlegungen in diesem Zusammenhang genügen, die eine gewisse Orientierung geben können.

Sprachkomik

Gemeinhin versteht man unter Sprachkomik eine Komik, die durch den Gebrauch der Sprache – z. B. Wortspiele, Missverständnisse, absurde Logik oder Stilbrüche entsteht.

Sie wird vor allem von der Situationskomik mit Hilfe des Kriteriums der Übersetzung oder Übersetzbarkeit unterschieden. Dabei wird davon ausgegangen, dass es "nicht dasselbe (ist), ob die Sprache Komik ausdrückt oder Komik erzeugt. Im ersten Fall läßt sich die Komik zur Not in eine andere Sprache übersetzen, auch auf die Gefahr hin, daß sie in einer neuen Gesellschaft, die andere Sitten, eine andere Literatur und vor allem andere Gedankenassoziationen hat, den größten Teil ihrer Substanz einbüßen wird. Im zweiten Fall ist die Komik meist unübersetzbar. Sie steht und fällt mit dem Satzbau oder der Wortwahl. Sie konstatiert nicht einfach mit Hilfe der Sprache irgendwelche besonderen Zerstreutheiten der Menschen oder der Ereignisse. Sie unterstreicht die Zerstreutheiten der Sprache selbst. Die Sprache selber wird komisch." (Bergson 1988, S.71)

Situationskomik

Der Begriff kann sich auf eine bestimmte Situation beziehen und damit auf eine Sachlage oder einen Zustand in einem bestimmten raumzeitlichen Rahmen verweisen, der sich eindeutig von dem abhebt, was die in der Situation agierenden Personen oder auch die Zuschauer*innen des Geschehens erwarten. Die Situation kann sich dadurch bis hin zu einem grotesken oder absurden Geschehen entwickeln.

Bei Situationskomik und Situationskomödien ist der Wissensunterschied zwischen den Figuren und den Zuschauern grundlegend. Nur der Zuschauer bzw. die Zuschauerin weiß von den Voraussetzungen der Situation und kann dadurch ihren Unwert bzw. ihre eigentliche Bedeutungslosigkeit der vermeintlich bedeutungsvollen Situation durchschauen, in die gemeinhin   ganz normale Charaktere/Figuren oft durch eine merkwürdige Verkettung von Umständen hineingeraten sind. Eines der Hauptmotive der Situationskomik ist dabei die Wiederholung, die in unterschiedlichen Stärkegraden mit einander als reine Doppelsituation kontrastieren kann, bestimmte Situationen überlagern oder durch ein raffiniertes Doppelspiel, das dieselbe Situation in einem jeweils anderen Licht erscheinen lässt, vorführen kann.

Als Situationskomik wird aber auch aufgefasst, wenn sich eine Person oder mehrere Personen mit den Elementen (Personen, Objekten) einer Lage, in der sie sich befinden, so auseinandersetzen, dass dies lächerlich wirkt. Dies kann z. B. eintreten, wenn es aus Unkenntnis bestimmter interpersonaler oder beziehungsrelevanter Informationen (z. B. des sozialen Status, Geschlechts etc.) zu inkongruentem Verhalten kommt. Es kann aber auch einfach die so genannte "Tücke des Objekts" sein, wenn eine Person ausgerechnet oder mehrfach hintereinander über ein ihr bekanntes oder von ihr sogar selbst deponiertes Objekt stolpert.

Situationskomik setzt häufig ein bestimmtes Maß an Selbstbewusstsein der Akteurinnen und Akteure voraus, verbunden mit der Tendenz, hierarchischen Ordnungen oder Unterordnungsverhältnissen zu widerstehen. Wesentliche konstitutive Merkmale sind darüber hinaus Spontaneität und Schlagfertigkeit, die eng mit der Fähigkeit korrelieren, das aktuelle Geschehen als (meist latenten) Angriff auf die eigene Person zu identifizieren und humorvoll zu kontern.

Ein weiterer Entstehungsanlass für Situationskomik liegt vor, wenn eine Position durch hyperbolische Übersteigerung bis ins Groteske verzerrt wird oder wenn ein Handlungsplan verfolgt wird, dessen Umsetzung zu paradoxen oder absurden Ergebnissen führt. Situationskomik kann zudem funktional auf Selbstprofilierung abzielen – ein Vorgang, der seinerseits komisch wirkt, insofern er das Streben nach sozialer Selbstdarstellung als Eitelkeit entlarvt.

In der "Höhenkammliteratur" der dramatischen Dichtung in Deutschland gelten z. B. »Heinrich von Kleists(1777-1811), • Der zerbrochne Krug (1808) oder »Gerhart Hauptmanns (1862-1846), »Der Biberpelz (1892/93) als Prototypen der Situationskomödie.

In anderen Medien hat sich die Situationskomik eigene Formate geschaffen (z. B. »Sitcoms) Serien dieser Art, mit ihrem Feuerwerk an Gags, Pointen und komischen Momenten im Rahmen einer dramatischen Handlung, sorgen mit ihren eingespielten Lachern (so genannte »"Lachkonserven" oder englisch "canned laughter") für einen ständigen Lachanreiz, des offenbar ohne diese überreizt-ermüdeten Publikum. Mit Serien wie »Hör mal, wer da hämmert oder ›Friends setzten hier schon in den 1990er Jahren Maßstäbe bei der Publikumsbeliebtheit. (»Weitere Beispiele von Sticom-Serien).

Die Situationskomödie, so formuliert es »Philipp Brunner  im »(Online-)Lexikon der Filmbegriffe, "ist ihrem Wesen nach affirmativ, stellt die herrschende Ordnung nicht in Frage, wirft keine ernsthaften Probleme auf und orientiert sich am Bekannten. Aber gerade innerhalb dieser Grenzen entfaltet sie oft schlüssige Beobachtungsgabe und irrationalen Witz. Wegen ihrer Konzentration aufs Detail und ihres Verzichts auf größere Konflikte entwirft sie selten eine geschlossene Dramaturgie und eignet sich daher besonders zur Fortsetzung. Gerade diese Eigenschaft hat die Situationskomödie für das Fernsehen so attraktiv gemacht, wo sie, zur Sitcom destilliert, im Vorabendprogramm oder spät nachts häppchenweise serviert wird."

Charakterkomik

Unter Charakterkomik versteht man eine Form der Komik, die aus den Eigenheiten, Schwächen oder Widersprüchen einer Figur entsteht. Im Zentrum steht also nicht die Situation oder die Sprache, sondern die Person selbst – ihr Charakter, ihr Verhalten und ihre Reaktionen auf die Umwelt.

In den Stegreifdarstellungen der »Commedia dell arte, dem • Pickelhäring-Klamauk der Wanderbühnen englischer Komödianten in der frühen Neuzeit und der so genannten • Typenkomödie in der Tradition »Molíéres (1622-1673 sowie in bekannten deutschen • Charakterkomödien, aber auch in modernen Sketchen, wie sie z. B. Loriot gestaltet hat, finden sich in unterschiedlichem Individualisierungsgrad zahlreiche Beispiele für diese Art von Komik.

Meist sind es dabei bestimmte Eigenschaften oder auch Angewohnheiten (Ticks u. ä.) einer Person wie z. B. Geiz, Eitelkeit, Naivität, Dummheit, Selbstüberschätzung, die der Person selbst "normal" dem Betrachter allerdings vollkommen übertrieben vorkommen. Diese Inkongruenz ist das Lachstimulans, das von der Charakterkomik ausgeht, da die Zuschauer*innen den Widerspruch zwischen Selbstbild und Wirklichkeit durchschauen, in der sich die die Person verfangen hat.

»Molíére (1622-1673) zeigt dies in seinen Typenkomödien wie z. B. »L'Avare (Der Geizige) 1668, in der der Protogaonist Harpagon durch seinen krankhaften Geiz zu einer komischen Charakterfigur wird. Auch der • Dorfrichter Adam) in »Heinrich von Kleists (1777-1811) Charakterkomödie Der zerbrochne Krug (1811) oder »Gerhart Hauptmanns (1862-1946) Mutter Wolffen in dessen Drama »Der Biberpelz (1893) sind Beispiele für die Charakterkomik im Bereich des deutschen Dramas.

In der erzählenden Literatur ist der» Don Quijote (1600/1605) von »Cervantes (1547-1616) dafür ein prominentes Beispiel. Es erzeugt seine komische Wirkung über bestimmte Eigenschaften der Titelfigur, deren Kampf gegen Windmühlen nur durch seinen Hang zu fantastischen Verzerrungen der Realität, die ihn immer wieder in tragikomische Situationen führt, zu erklären  sind.

Und die Figuren in »Loriots (1923-2011) »Sketchen oder Filmen reizen die Lachmuskeln der Zuschauer*innen häufig durch ihre steif, hölzern, unflexibel und überkorrekten Verhaltensweisen.

Körperkomik

Unter Körperkomik (auch physische Komik genannt) versteht man eine Form der Komik, die aus dem körperlichen Verhalten, der Bewegung oder dem äußeren Erscheinungsbild einer Figur entsteht. Sie wirkt also nicht durch Sprache oder Charakter, sondern durch das Sichtbare und Körperliche.

In der »Commedia dell arte, den Vorführungen der ersten Wanderbühnen englischer Komödianten in Deutschland während der frühen Neuzeit und bei den »Hanswurstiaden deutscher Wandertruppen bis zum Beginn des 19. Jahrhundert hinein, standen Possen aller Art, derbe Späße und obszöne Gesten, überhaupt das • nonverbale, körperbetonte Spiel meistens im Vordergrund und erzeugten die komischen Wirkungen, die • das Publikum von solchen Darbietungen erwartete.

Unersättlich säuft und frisst sich der • Pickelhäring oder andere Narrenfiguren seiner Art, durch, oft "verbunden mit einer an den ungeeignetsten Orten lustvoll und demonstrativ vollzogenen Ausscheidung".(Fischer-Lichte 199, S.76) Darüber hinaus handelt der Pickelhäring von seinen sexuellen Bedürfnissen angetrieben, die er stets im Hier und Jetzt zu befriedigen sucht. Dementsprechend ist auch seine Sprache und sein mimisch-gestisches Spiel von sexuellen Anzüglichkeiten gekennzeichnet, "die unmißverständlich dem Fäkal- und Sexualbereich zuzuordnen sind." (ebd.) Was die Narren in dieser Hinsicht boten, bewegte sich mit ihrer • exzessiven Freizügigkeit zumindest am Rand der • Scham- und Peinlichkeitsschwellen der Zeit, die mehr und mehr körperliche Vorgänge verbargen (Bologne 2001, S.12)

Als besonders typisch für Körperkomik gelten Ungeschicklichkeit oder Übertreibung in Gestik und Mimik (z. B. Stolpern, Fallen, Grimassen), bestimmte körperliche Erscheinungsformen (besondere Schlaksigkeit und unvorteilhafte Kleidung wie z. B.»Jaques Tati, 1907-1982, »Karl Valentin 1882-1948) übermäßige Körperfülle, unvorteilhafte Kleidung, etc.)  oder miteinander kontrastierende körperliche Erscheinungen (z. B. ein großer und ein kleiner Partner wie bei »Laurel und Hardy) oder auch mit der Körperlichkeit verbundene Missgeschicke, peinlich wirkende Körperlagen, die oft mit Slapstick als übertriebene, manchmal derbe Form der Köperkomik verbunden ist. Die Tölpel taumeln, stolpern, ringen mit Alltagsdingen ("Tücke des Objekts"), ihre Körpersprache ist expressiv und wuselig. Ein Verdienst der Slapstickstars war es, ihre geschickte Akrobatik, die gewöhnlich verletzungsfrei ausging, möglichst ungeschickt aussehen zu lassen.

Eine Fülle von Beispielen zur Körperkomik liefern  Stummfilme mit »Charlie Chaplin (1889-1977) (Lichter der Großstadt, 1931) oder »Buster Keaton (1895-1966) (Der General, 1926) in den Hauptrollen, aber auch Clownereien aller Art setzen auf diese Form von visuellen Gags.

So verband Chaplin in seiner wohl berühmtesten Rolle des "Tramps", eines Underdogs mit der Haltung eines Gentlemans in übergroßer Hose und Schuhen, enger Jacke, Bambusstöckchen und zu kleiner Melone immer wieder Slapstick mit ernsten bis tragischen und sozialkritischen Elementen.

Darüber hinaus gibt es im Film eine ganze »Reihe weiterer bekannter Slapstick-Komödien von der »Pink-Panther-Reihe mit Peter Sellers (1963–1983), über »Die nackte Kanone (1988), »Mr. Bean (1989) bis hin zu »Der Schuh des Manitu (2001), um nur einige zu nennen.

Sozialkomik

Sozialkomik bezeichnet eine Form der Komik, die aus gesellschaftlichen Verhältnissen, Rollen und Normen entsteht. Im Mittelpunkt steht also nicht die einzelne Figur (wie bei der Charakterkomik), sondern das soziale Umfeld, in dem sie sich bewegt — also Klassen, Berufe, Milieus oder gesellschaftliche Regeln. Insofern nähert sie sich der Typenkomik an.

Die Komik entsteht durch Konflikte zwischen Individuum und Gesellschaft. Oft werden gesellschaftliche Unterschiede (z. B. Arm – Reich, Stadt – Land, Adel – Bürgertum) übertrieben oder bloßgestellt.

Ziel ist häufig eine kritische oder satirische Darstellung sozialer Zustände. Man lacht nicht nur über Personen, sondern auch über gesellschaftliche Missstände oder Konventionen, deren Normen im komischen Modus verletzt werden können, ohne dass dies Folgen hat.

So legt »Molíéres (1622-1673) Komödie »"Der Tartuffe oder Der Betrüger (Originaltitel: Le Tartuffe ou L’Imposteur)" (1664) den satirischen Zeigefinger auf die religiöse Heuchelei seiner Zeit und die Doppelmoral in der bürgerlichen Gesellschaft. Das Stück geht der Zensur zu weit und wird in der ursprünglichen Fassung verboten.

»Gotthold Ephraim Lessings (1729-1781) Lustspiel »Minna von Barnhelm (1767) ist ein frühes deutsches Dramenbeispiel, das die Standes- und Ehrenvorstellungen nach dem »Siebenjährigen Krieg (1756-1763) thematisiert und den Konflikt zwischen bürgerlichen und militärischen Wertvorstellungen, gesellschaftliche Etikette und männliches Ehrgefühl auch sozialkomisch auf die Bühne bringt. Aber auch andere deutsche Komödiendichter, deren Unterhaltungslustspiele nicht unbedingt zur "Höhenkammliteratur" gezählt werden, haben wie z. B. »Kotzebue (1761-1819) mit seinem Stück »Die deutschen Kleinstädter (1803) provinzielle Engstirnigkeit und soziale Selbstgefälligkeit zum Thema gemacht und die bürgerliche Moral, Standesdenken und kleinbürgerliche Heuchelei verspottet. »Carl Sternheims (1878-1942) Drama »Die Hose (1911), die die ganzen bürgerlichen Fassaden bloßstellt, gilt vielen als Prototyp der sozialkritischen Komik der Moderne.

Weitere Formen der Komik

Neben den oben genannten Hauptformen der Komik lassen sich weitere Formen der Komik bestimmen, wobei die nötige Abgrenzung hierbei nicht immer überzeugend gelingt, zumal viele Merkmale auch den Hauptformen zugeordnet werden können oder als als Funktionen von ihnen betrachtet werden können.

Beispiele dafür sind die Parodie und die Satire, und die Groteske, bei der einem das Lachen im Hals stecken bleiben soll, ebenso wie die Posse, Burleske und die Travestie.

Für Lipps (1898, S.168) sind Travestie und  "Arten der komischen Gruppierung oder der unmittelbaren Aneinanderrückung des Erhabenen und des Nichtigen. [...] In der Travestie wird das Erhabene in Worten und Wendungen, die einer niedrigeren Sphäre angehören, dargestellt, in der Parodie umgekehrt das Niedrige und Triviale durch Einkleidung in eine dem Erhabenen zugehörige sprachliche Form zu einem Scheinerhabenen gestempelt. Dort zergeht die Erhabenheit des Inhalts durch die Form, die vermöge des Inhaltes Erhabenheit sich anmasste, in sich selbst. Hier zergeht die erhabene Form durch den Inhalt und zugleich der durch die Form zum Scheinerhabenen aufgebauschte Inhalt in sich selbst."

Komisches, das als possenhaft bezeichnet wird, lässt sich nach Lipps (1898, S.168f.), "zunächst als ein Derbkomisches charakterisieren. Possenhafte Komik ist eine Komik, bei der wir nicht lächeln, sondern über etwas, vor allem über Personen herzlich lachen, sie, wenn auch gutmütig, belachen, verlachen, auslachen. Aber wir nennen andererseits mit diesem Namen nicht dasjenige Derbkomische, das jemandem natürlich anhaftet oder geschieht, Sondern, wie jeder fühlt: Das Possenhafte ist jederzeit ein beabsichtigtes, gemachtes. Es ist eine gewollte Weise, jemanden komisch erscheinen zu lassen. [...] Die possenhafte Komik ist die Komik der 'Streiche', die dem Dummen, Ungeschickten, Feigen, vielleicht aber sehr klug, geschickt, tapfer sich Dünkenden oder Gebärdenden, auch dem mit einem Gebrechen Behafteten gespielt werden und diese Eigenschaften hervortreten lassen und dem Lach preisgeben. [...]
Dieser possenhaften Komik tritt dann zur Seite die 'burleske'. Auch Burlesk ist nicht eine Bezeichnung für eine bestimmte Art des Komischen, sondern für eine Weise etwas komisch erscheinen zu lassen oder eine Weise der Darstellung mit komischem Inhalt oder Effekt. Und zwar erscheint es historisch und durch den Sprachgebrauch genügend gerechtfertigt [...], als burlesk die parodierende und travestierende komische Darstellung zu bezeichnen.
Endlich werden wir berechtig sein [...], als 'grotesk' die komische Darstellung zu bezeichnen, für welche die Karikatur, die Übertreibung, die Verzerrung, das Unglaubliche, das Ungeheuerliche, das Phantastische das Mittel zur Erzeugung der komischen Wirkung ist."

Gert Egle. zuletzt bearbeitet am: 14.10.2025

 
 

 
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