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Formen der Komik

Scherzaktivitäten im gesprochenen Alltagsdeutsch

Dramatische Texte « Komödie Komik, Komisches und Komödie

 
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Glossar
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Fragen und Antworten (KI)
Was sind die Grundthesen von Bergsons Theorie des Komischen?

Im • Alltag gebrauchen wir eine Vielzahl von Begriffen und Worten, die wir gemeinhin zum Bereich der Komik zählen: »Sprachwitz, »Slapstick, »Ironie, »Parodie, »Running Gag,

Helga Kotthoff (geb. 1953) (1998) hat unter Einbeziehung unterschiedlicher wissenschaftlicher Perspektiven das "Spaß Verstehen" als konversationelle Komik untersucht. Sie will bezogen auf das gesprochene Alltagsdeutsch wissen, "wie Komik und Scherzhaftigkeit in der Konversation hergestellt (werden)" und "Was Menschen (tun), wenn sie scherzen, witzeln und miteinander lachen?" (Kotthoff 1998, S.1) Dabei hebt sie den interaktiven Charakter der Scherzkommunikation hervor.

Auch wenn sich die • dramatische Kommunikation von den in der Alltagskommunikation herrschenden kommunikativen Bedingungen grundlegend unterscheidet, können die von Kotthoff (1998, 347 ff.) aufgelisteten Scherzaktivitäten durchaus für die Arbeit im • Literaturunterricht herangezogen werden, um über die in der von der • dramatischen Rede selbst gestalteten Sprechsituation  (Pfister 1977, S.24) scherzhaften Ausführungen und ihre Bedeutung zu reflektieren.

Eisenberg (2022, S.667-669) hat die von Kotthoff (1998, S.357ff.,) aufgelisteten Scherzaktivitäten in Gesprächen unter Beibehaltung der Bezeichnungen und der Nummerierungsfolge Kotthoffs mit geeigneten Zitaten versehen, dabei die Angabe genauer Seitenangaben verzichtet.

Es handelt sich dabei um:

1. Absurde Phantasien:
"Absurde Phantasien können sich um Anwesende und Abwesende ranken. Sie sind komplexe interaktionelle Konstruktionen, die mit fiktiven Bildern arbeiten,
die eine zusammenhängende Szene ergeben."

2. Absurde Theorien:
"Absurde Theorien spielen mit Wissenschaftlichkeit; sie konstruieren theoretische Konsistenzen. Oft steigt ein Gesprächspartner in das Spiel mit ein, indem er ebenfalls mit gespielter Ernsthaftigkeit Gegentheorien entwickelt."

3. Anekdoten:
"Anekdoten fußen auf Erlebnissen aus dem eigenen Umfeld. Sie werden mit Authentizitätsansprüchen erzählt, die allerdings bei den Detailausschmückungen enden. Anekdoten bieten Raum für kreative Ausgestaltungen durch die Hörer/innen. Sie drehen sich um stabile Protagonisten und haben spaßige Höhepunkte."

4. Frotzelein:
"Frotzeleien provozieren und arbeiten oft mit Ironie und Fiktionalisierung. Die Gefrotzelten können sich verteidigen, können sich aber auch an der Frotzelei beteiligen, indem sie ebenfalls im Theaterrahmen agieren. Neckereien, Frotzeleien und Pflaumereien können nicht scharf voneinander abgegrenzt werden."

5. Ironische Aktivitäten:
"In der Ironie wird die Kluft zwischen Erwartbarem und Tatsächlichem deutlich gemacht. Ironische Aktivitäten sind oft in andere Scherzaktivitäten eingebettet[...]. Sie können komplex sein und aus mehreren Zügen bestehen oder auch einfach. Im vorliegenden Korpus sind die Ironiebeispiele kreativ und deshalb spaßig,was sie nicht immer sein müssen."

6. Konversationelle Grotesken:
"Grotesken drehen sich um den Leib, der mit Entstellungen imaginiert wird.“

7. Konversationelle Karikaturen:
"Karikaturen beziehen sich meist auf Personen. Sie verbinden Erheiterung mit
Kritik."

8. Konversationelle Parodien:
"In der Redewiedergabe entsteht durch Perspektivenbrüche Komik. Die Personenparodie wirkt erheiternd, stellt aber die Parodierten nicht als unsympathisch dar wie die Karikatur. Parodien können sich auf Gattungen, Personen, Formeln oder Aktivitäten beziehen.“
"Wie Karikaturen und bestimmte Ironie-Typen sind sie intertextuell.“

9. Literarische Komik:
"Diese umfaßt viele Texttypen (komische Geschichten, Parodien, Komödien, Farcen, Grotesken, Witze etc.), die teilweise auch mündlich realisiert werden können, im Mündlichen allerdings mit anderen Verfahren arbeiten."

10. Narrative Witze:
"Positionen, die Pointen immer auf der Textebene verorten, wurden ebenso zurückgewiesen wie solche, die Witzigkeit und Komik auf das Vorhandensein einer Pointe beschränken. Narrative Witze werden sehr darbietungsorientiert erzählt."

11. Necken:
"Im Necken werden kleine Schwächen der Angesprochenen spielerisch auf’s
Korn genommen. Es ist harmloser als Frotzeln."

12. Pflaumereien:
"Pflaumereien sind provokant und spielen mit Gesichtsbedrohungen. Andere Anwesende beteiligen sich an den Pflaumereien, bei denen aber der Adressat ge-wechselt werden kann [...]. Zur Provokation gesellt sich die Gegenprovokation. Pflaumereien sind gesichtsbedrohlicher als Neckereien und Frotzeleien und werden optimalerweise spaßig gekontert."

13. Rätselwitze:
"Bei richtigen Rätselwitzen stellt man eine Frage, wartet dann kurz auf die Antwort, und präsentiert erst danach eine witzige Antwort mit Pointe."

14. Sarkastische Aktivitäten:
Sarkastische Aktivitäten werden oft gemeinschaftlich in Abwesenheit betroffener Personen inszeniert. Sie "kommunizieren indirekt eine starke Ablehnung und Verurteilung der thematisierten Aktivitäten, die vordergründig begrüßt und gelobt werden." "

Die dem Sarkasmus eigene Distanzierung von Gesagtem kann in der Konversation auf verschiedene Art und Weise verfolgt werden.

Man kann

  • dazu gestisch eine Haltung einnehmen, die dem entspricht, was bei geschriebenem Text Anführungszeichen leisten.

  • Distanzierung mit phonetisch gedehnten Reibelauten (Frikative), durch das Ansaugen von Luft beim Sprechen oder durch Schnupflaute ausdrücken

  • Ausführungen, die eigentlich Enthusiasmus und Begeisterung ausdrücken sollen, mit  einer totalen melodischen Monotonie präsentieren(Form-Inhalt-Kontrast).

  • an Stellen, an denen eigentlich Empathie erwartet wird, eindeutige Übertreibungen machen, (z. B. Du brichst mir das Herz oder Du rührst mich zu Tränen)

  • seine Worte hyperkorrekt in einer Mischung aus melodischer Monotonie und übertriebener Lautstärke vortragen (z. B. Du bist ja SO COOL)  (vgl. Kotthoff 1998, 180 ff.)

"Sarkasmus hat mit Ironie einen starken Überlappungsbereich, ist aber nie freundlich im Bezug auf das Objekt."

15. Scherze auf eigene Kosten:
"Bei amüsanten Schilderungen auf eigene Kosten werden eigene Defizite, Missgeschicke, Irrtümer oder eigenes Fehlverhalten in der Modalität des Spaßigen dargeboten. Von Beginn an wird kontextualisiert, daß das Dargebotene erheitern soll und nicht etwa Mitleid oder Ratschläge erheischt. In der scherzhaften Darbietung bietet die Erzählerin Seiten ihres Images dem Gelächter preis, denen sie insgesamt wenig Bedeutung beimißt."

16. Sexuelles Witzeln:
"Sexuelle Witzeleien werden oft an doppeldeutigen Worten aufgehängt, deren eine Bedeutung im Bereich der Sexualität liegt. Sie arbeiten mit der Technik des Wortspiels, was besonders gut funktioniert, da es zu sexuellen Aktivitäten eine reichhaltige Metaphorik gibt. Sie verletzen Tabus auf eine Weise, für die die Sprecher schlecht verantwortlich gemacht werden können, da sie sich immer auf die harmlose Bedeutung zurückziehen können."

17. Sich-Mokieren:
"Im Sich-Mokieren wird das Objekt abgewertet; das Amüsement ist verhalten, da das Moment der Entrüstung relativ stark ist. Eine geteilte Meinung der Anwesenden wird postuliert."

18. Spaßige Aufwertungen von Nichtigem und Banalem:
"Es wird auf eine Art mit alltäglichen Wissensbeständen gespielt, die man schon als Blödelei bezeichnen könnte. Es findet eine Umschichtung üblicher Relevanzstrukturen statt."

19. Spaßige Anspielungen:
"Anspielungen sind bei den meisten Scherzaktivitäten von Bedeutung. Hier soll auf solche verwiesen werden, bei denen die Anspielung allein den Scherz ausmacht.“
"Spaßige Anspielungen weisen auf unerwartete Dimensionen des Kontexts hin, die »Bisoziationen ermöglichen."

20. Spaßiger Rollentausch:
"Je nach Kontext und Beziehungskonstellation kann der spaßige Rollentausch von beiden Involvierten betrieben werden oder nur von einem.“

21. Spaßige Schilderungen:
"In der Schilderung wird zwar deren Realitätsgehalt offen gehalten; sie verfolgt
aber Authentizitätsansprüche.“
„Schilderungen sind weniger auf Pointen hin orientiert als Witze oder Anekdoten.
Unterschiedliche Sachverhalte können durch verschiedene Verfahren komisiert werden. Die Gestaltungsorientierung der Darbietung ist offensichtlich. Die Hörer/innen können sich durch das Einwerfen witziger Bemerkungen beteiligen."
"Spaßige Schilderungen beschränken sich nicht auf sachliche Darstellungen."

22. Spottaktivitäten:
"Spotten und Lästern wird häufig scherzhaft betrieben. Dabei wird die Ebene der Realität stärker verlassen als beim Sich-Mokieren. Beide Aktivitäten finden eher statt, wenn die Objekte des Spotts nicht anwesend sind."

23. Veräppelungen:
"In Veräppelungen wird etwas Unwahrscheinliches so dargeboten, daß dies zunächst geglaubt wird. Danach steigert die Sprecherin das Behauptete so stark weiter ins Absurde, daß der Schwindel auffliegt. Meist endet eine Veräppelung in gespielter Empörung oder demonstrativen Bestätigungen des Gesagten durch die Hörer/innen, die dann auch im Theaterrahmen agieren.“

24. Verfremdungen von Konventionen:
"Hyperformalität macht eine häufige Scherzstrategie aus."
"Im Scherz kann mit ganz unterschiedlichen Konventionen gespielt werden."

25. Verwischungen von Medien- und Realwelt:
"Grenzen zwischen Medialität und Realität werden zum Schwinden gebracht. Im Spiel mit dem Banalen werden übliche Niveauunterscheidungen eingeebnet."

26. Witzige Bemerkungen:
"Die witzige Bemerkung ist fiktional. Sie bisoziiert Rahmenelemente auf eine Weise, daß eine Pointe entsteht."
"Witzige Bemerkungen kommen unerwartet, sind aber lokal kohärent."

27. Wortspiele:
"Wortspiele können mit Assonanzen, ungewöhnlichen Phonemkombinationen, semantischen und intonatorischen Ambiguitäten spielen. Sie gehen in unterschiedliche Scherzaktivitäten ein."

Gert Egle. zuletzt bearbeitet am: 09.10.2025

 
 

 
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