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Fragen und Antworten (KI)
• Was sind die
Grundthesen von Bergsons Theorie des Komischen?
Der Begriff • Komödie (kōmōidía, κωμῳδία) stammt aus dem Altgriechischen
und setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen:
-
kômos (κῶμος)
bezeichnet einen ausgelassenen Umzug mit Gesang und Tanz
während des •
archaischen Dionysoskults (»Dionysien)
zu Ehren des rauschhaften Gottes »Dionysos,
der die Athener während der mehrtägigen Festtage in einen
"Ausnahmezustand" (Brauneck
2012, S.21) versetzte.
-
ōdḗ (ᾠδή)
bedeutet Lied bzw. Gesang
In der • griechischen Antike
bezeichnete man mit dem Begriff Komödie ursprünglich die gesungenen Spott- und
Festgesänge bei solchen Umzügen. Die Komödie sollte "als Teil der
Dionysien [...] Lachlust, Heiterkeit erregen und Missstände der
Zeit verhöhnen." (Wilpert
1969, S.420)
Nach dem Mittelalter, das mit dem Begriff wenig anfangen konnte,
gewann er erst wieder in der Frühen Neuzeit an Bedeutung, wird
aber lange als Oberbegriff für das Drama überhaupt "oder für
'Drama mit gutem Ende'" (Scherer
2010, S.50) verwendet.
Die ▪ Dramengattung
▪
Komödie dreht sich um Komisches. So prägnant, wie dies
gesagt ist, lässt sich indessen nicht fassen, was das Komische
selbst ist.
Kablitz (2007, S.289) gibt als Definition zum Eintrag
"Komik, Komisch" im Reallexikon der deutschen
Literaturwissenschaft (2007) dazu vor: "Gegenstände,
Ereignisse, Sachverhalte und Äußerungen, die Lachen verursachen;
bzw. die Eigenschaft, die diese Wirkung erzeugt."
Unser •
Alltagsgebrauch des Wortes
komisch verweist, wenn er reflektiert wird, darauf, dass
das Komische in der Alltagskommunikation zahlreiche
verschiedene Bedeutungsfacetten besitzt. Als erste Annäherung an
den Begriff und die Theorien des Komischen ist ein solcher
Zugang dennoch empfehlenswert.
Viele Philosophen haben über das Wesen und die Funktion des
Komischen nachgedacht. Platon sah im Komischen etwas Negatives,
das nur dann dargestellt werden dürfe, wenn es zur
Tugenderkenntnis beiträgt. Aristoteles hingegen wertete es nicht
ab: Für ihn ist das Komische eine Nachahmung des Lächerlichen,
einer harmlosen Form des Hässlichen, die kein Leid verursacht.
Im Mittelalter wurde das Lachen restriktiv behandelt und mit dem
Sündenfall verknüpft. In der Frühen Neuzeit entwickelte Hobbes
die Überlegenheitstheorie, nach der Lachen aus dem Gefühl der
Überlegenheit über andere entspringt. Kant betonte die
physiologische Wirkung des Komischen, während Schopenhauer es
als kognitive Inkongruenz zwischen Vorstellung und Wissen
verstand. Jean Paul sah darin den Kontrast zwischen Ideal und
Wirklichkeit, dessen Erkenntnis befreiendes Lachen auslöst. Im
20. Jahrhundert erklärte Bergson das Komische als Wahrnehmung
von Starrheit im Lebendigen: Lachen soll unflexibles Verhalten
korrigieren. Freud schließlich deutete es als Entlastung:
psychische Energie, die unnötig wird, entlädt sich im Lachen.
Die Fragen
inwiefern eine Komödie, darin enthaltene Situationen und Figuren
komisch sind, lässt sich unterschiedlich beantworten.
Eine Komödie,
das vorweg, muss nicht grundsätzlich komisch im Sinne von heiter und
lustig sein. Daher lässt sich auch der Gattungsbegriff nicht so ohne
Weiteres vom Komischen bzw. dem ableiten. Was als komisch
betrachtet wird, ändert sich im Laufe der Geschichte. Davon legt
die Gattungsentwicklung der Komödie bis in die Moderne ein
klares Zeugnis ab.
Viele Dramen, die von ihren Autor*innen als Komödien bezeichnet
wurden, lassen sich zudem nur bedingt unter diesen Gattungsbegriff
einsortieren. Auch die Handlungen und Figuren von Dramen, die
von den jeweiligen Zeitgenossen als Komödien oder Lustspiele
bezeichnet worden sind, fanden die Rezipienten oftmals gar nicht
lustig bzw. komisch.
Selbst die
Abgrenzung des Komischen und Tragischen, der beiden immer wieder
als Folie zur Begriffsbestimmung herangezogenen
Komplementärbegriffe, können das ganze Feld der Dramen, die
diesem Feld angehören, nicht so aufteilen, dass die Grenzlinien
wirklich immer trennen, was zum einen und was zum anderen
gehört. Dennoch bleibt dieses konstruierte komplementäre Andere stets der
Bezugspunkt zur Bestimmung dessen, was die Komödie strukturell
ausmacht.
So betont
Scherer
(2010, S.49) die
strukturelle Analogie zwischen Tragischem
und Komischen: "Das Tragische vollzieht sich im Besonderen,
genauer in diesem Konflikt mit dem Allgemeinen. Das Komische
entsteht dagegen im Allgemeinen, genauer aus dessen Perspektive
durch die Abweichung vom Normalfall." Daher sei das Komische
"ein
Kontrasteffekt aus der Inkongruenz zwischen einer Norm",
dem, was gewöhnlich erwartet werde und "einer
spezifischen
Normverletzung, die auf unterschiedlichen Ebenen angesiedelt
sein kann: situativ, figural, sprachlich und intertextuell." (ebd.,
S.50
Diese als
Über-
oder Unterfüllung der Norm zum Ausdruck kommende Komik ist im
Drama Handlungs-, Situations-, Figuren- und Sprachkomik oder
wird als Komik der literarischen Form als solche, d. h. als
Parodie und/oder Travestie gestaltet.
Gert Egle. zuletzt bearbeitet am:
06.10.2025
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