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 Die Welt an der Wende zum 19. Jahrhundert

Gesellschaftlicher Wandel im Alten Reich

Heinrich von Kleist (1777-1811)«Der zerbrochne KrugHistorischer Hintergrund

 
Fachbereich Deutsch
Glossar Literatur Autorinnen und Autoren ▪ Heinrich von Kleist (1777-1811) Überblick Biografie Erzählende Texte Dramatische Texte Überblick Der zerbrochne Krug Gesamttext (Rechercheversion) Didaktische und methodische Aspekte Überblick Historischer Hintergrund Überblick Geschichte der Niederlande vom 16. bis 18. Jahrhundert Sexualität und ihre Normen in der Frühen Neuzeit Ländliches Alltagsleben in der Frühen Neuzeit [ Die Welt an der Wende zum 19. Jahrhundert Überblick Politische Verhältnisse im Alten Reich und in Europa Absolutismus und aufgeklärter Absolutismus im 18. Jahrhundert Gesellschaftlicher Wandel im Alten Reich ◄ • Alltagsleben in Berlin um 1800 ] Literaturgeschichtlicher Kontext Entstehungsgeschichte
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Heinrich von Kleists (1777-1811)Komödie • "Der zerbrochne Krug" enthält zahlreiche Bezüge zu den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen der Zeit an der Wende von 18. zum 19. Jahrhundert.

Der • Zeitraum zwischen dem Ende des Siebenjährigen Krieges (1756-63) und der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation (1806), von Zeitgenossen auch kurz Deutsches Reich, in der Wissenschaft heute Altes Reich genannt, ist geprägt von vielfältigen Prozessen des Wandels in verschiedenen Bereichen von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft.

In den Jahren, die zwischen 1763 und 1806 liegen, erhöht sich das Tempo des gesellschaftlichen Wandels in einer ganzen Reihe von Bereichen. Es kommt zu Veränderungen in der Wirtschaft und Gesellschaft, auf den Gebieten von Kommunikation und Kultur, im Bereich territorialer Innen-, Außen- und Reichspolitik.

Das Jahr 1763 markiert dabei die Entstehung des so genannten deutschen Dualismus der beiden Großmächte Österreich und Preußen im Reich und das Jahr 1806 stellt mit der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation eine tief greifende Zäsur dar, in deren Folge die kleinen und meist noch ständisch regierten Territorien, Reichsstädte, Reichsritterschaften, geistliche und auch viele weltliche Herrschaften von der Landkarte verschwinden. Die alten Institutionen des Reiches (Reichstag, Reichsstände, Reichskreise, Reichsgerichte etc.) lösen sich auf.

Beginn der Auflösung der alten ständisch-feudalen Gesellschaft

Die Auflösungstendenzen in der ständischen Gesellschaft, die die Zeit prägen, zeigen in den zahlreichen Gebieten des Reiches ein unterschiedliches Gesicht und vollziehen sich zum Teil auf sehr unterschiedliche Art und Weise und, fast immer, in einem unterschiedlichen Tempo. Sie beruhen auf dem Bevölkerungswachstum, betreffen die Geschlechter- und Familienbeziehungen, zeigen sich in den veränderten Strukturen wirtschaftlicher Entwicklung und in der Entstehung der so genannten "gelehrten Stände“, die in vielen Gegenden an die Stelle ehemals geburtsständisch verfasster Gesellschaften treten.

Nach dem • Siebenjährigen Krieg (1756–1763), in dem das zur Großmacht aufgestiegene »hohenzollerische »Preußen unter »Friedrich II. (1712-1786), dem Großen gegen das »habsburgische Österreich unter Maria Theresia (1717-1780), Russland, Schweden und verschiedene Reichsfürsten in den Kampf um »Schlesien zog und etliche deutsche Fürsten zwangsrekrutierte Soldaten ins Ausland verkauften, damit England und Frankreich auf dem nordamerikanischen Kontinent ihren Kampf um Kolonien führen konnten, waren die Folgen des verheerenden Krieges mit seinen Hunderttausenden von Toten und großen Zerstörungen in Deutschland noch lange Zeit zu spüren. Die Nachkriegsjahre brachten Elend und Versorgungskrisen, die zu Hungerrevolten führten – Vorboten der Französischen Revolution.

Zeitgleich begann sich die alte ständisch-feudale Gesellschaft aufzulösen. Sie macht nach und nach einer "bürgerlichen Gesellschaft“ Platz, in der sich das Bildungsbürgertum und das entstehende Wirtschaftsbürgertum jenseits der traditionellen Gesellschaftsstrukturen formierte. Diese neuen gesellschaftlichen Kräfte stellten, wenngleich noch schwach, die Vorherrschaft des Adels zunehmend infrage und beanspruchten eigene Souveränität. Grundlage war die Aufklärung, die Vernunft, Menschenrechte, Fortschrittsglauben und Religionskritik betonte. Sie lieferte dem Bürgertum das ideelle Fundament für den Übergang von der feudalen zur bürgerlichen Gesellschaft. (vgl. Stephan 1989, S.121-122)

Das von ihm vertretene Bildungsideal war die Brücke, die sich zu fortschrittlichen denkenden Adeligen schlagen ließ und in Aufklärungsgesellschaften kam es zwischen dem Bildungsbürgertum und solchen Adeligen auch zu einer gewissen sozialen Annäherung.Das mehr oder weniger gemeinsame Werk dieser "gebildeten Stände“ waren neue Regeln für das Zusammenleben der beiden Geschlechter und der Generationen.

Aber auch im handwerklichen und bäuerlichen Bereich hielz der soziale Wandel Einzug. Die Lebensform des traditionellen "ganzen Hauses“ zeigte Risse und begann zu zerfallen. (vgl. Demel 2005, S.77ff.) Trotz alledem prägten ständische Ordnungsvorstellungen, die die rechtliche Ungleichheit der Menschen legitimieren, noch immer das Gesamtbild der Gesellschaft (vgl. ebd., S. 119) Auch wenn sich Tendenzen zu einer bürgerlichen Klassengesellschaft zeigten, bei der Besitz und Bildung die wesentlichen Bedingungen von sozialem Status darstellten, wurden wichtige (Macht-)Positionen in der Gesellschaft, die ihren Inhabern einen hohen gesellschaftlichen Rang geben, immer noch nach geburtsständischen Konzepten vergeben.

Bevölkerungswachstum in Deutschland

Nach den schweren Verlusten des • Dreißigjährigen Krieges und der • Pest, die beide ganze Landstriche entvölkerten, setzte ausgangs des 17. Jahrhunderts in Deutschland ein Bevölkerungswachstum ein.

Um 1750 lebten in Deutschland – ganz genau weiß man das nicht – ca. 22,6 bis 26,5 Millionen Menschen, fünfzig Jahre später zwischen 25,1 und 31 Millionen.

Da die landwirtschaftliche Produktion im gleichen Zeitraum ebenfalls erhöht werden konnte, zudem noch die Verkehrsverbindungen besser wurden, konnten auch Missernten mit ihrem drastischen Geburtenrückgang als Folge, wie 1770/72 geschehen, nicht mehr jene Hungersnöte auslösen, denen in den langen Jahren zuvor immer wieder Hunderttausende zum Opfer gefallen waren. Und auch Krieg und Seuchen dezimierten die Bevölkerung nicht mehr im gleichen Ausmaß wie früher. Aber noch immer wüteten Krankheiten wie die Pocken, Typhus, Ruhr und Malaria unter den Menschen. Die • Pest freilich, diese Geißel der Menschheit, war verschwunden. Vor allem die »Pocken waren es, die alle drei bis fünf Jahre wüteten, und vor allem Kleinkinder hinrafften. Noch 1804 erkrankten daran 800.000 Menschen, wovon 75.000 starben. (vgl. Demel 2005, S.81)


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Die allgemeine Bevölkerungszunahme  im 18. Jahrhundert fiel auf dem Gebiet des Alten Reichs (Heiliges Römisches Reich) mit seinen zahlreichen Territorien und mannigfaltigen Herrschaftsstrukturen ▪ unterschiedlich aus. In Preußen spielten neben den allgemeinen Faktoren für das Bevölkerungswachstum spielten territoriale Erweiterungen und Wanderungsgewinne, die sich aus der »merkantilistischen Förderung der Einwanderung durch den "Großen Kurfürsten" »Friedrich Wilhelm (1620-1688) und »Friedrichs II. (1712-1786), des Großen, ergaben, eine besonders wichtige Rolle.

Der Anteil alter Menschen über 55 Jahre betrug im 16. bis 18. Jahrhundert Schätzungen zufolge 5-10% der Gesamtbevölkerung (vgl. Schorn-Schütte 2009, S.263). Noch im 17. Jahrhundert hatte ein neugeborenes Kind, vor allem wegen der immens hohen »Kindersterblichkeit, gerade mal die (statistische) Aussicht auf 30 Lebensjahre, wenn nicht Kriege, Missernten, Naturkatastrophen und Seuchen seinem Leben schon vorher ein Ende setzten. (vgl. Bolte/Kappe/Schmid 1980, S.45ff.) Nach zwanzig Jahren, wenn die Kinder erwachsen wurden, waren jedenfalls im besten Fall noch die Hälfte eines Jahrgangs am Leben.

Trotzdem: die Sterblichkeit der älteren Kinder ging vielerorts zurück, was auch in bestimmten Regionen dazu führte, dass das Heiratsalter der Frauen, im allgemeinen wohl immer noch zwischen 25 und 27 Jahren, deutlich sank. Die Säuglingssterblichkeit blieb dagegen hoch und veränderte sich noch kaum. Je nach Gegend, in der die Menschen aufwuchsen und lebten, betrug die durchschnittliche Lebenserwartung eines Menschen zwischen 1760 und 1800 etwa 60 Jahre. (vgl. Demel 2005, S.82, vgl. Schmidt 2009, S.26)

Ob man allerdings zum Erwachsenen werden konnte, hing auch vom Geschlecht des Neugeborenen, der sozialen Lage, aber auch von der Religion ab. So wurde auf dem Land der männliche Hoferbe eben anders umsorgt als die Mädchen.

Für das Bevölkerungswachstum vor 1800 spielten Fortschritte in Medizin und Hygiene, die sich nur recht langsam entwickelten, keine so große Rolle. Sicher, man wusste wohl besser mit Seuchen umzugehen, aber die medizinische Versorgung war noch immer katastrophal.

Auch wenn fast alle größeren Städte ein Geburtendefizit aufwiesen, das nur durch Zuwanderung kompensiert oder sogar überkompensiert werden kann, wuchsen die (Vor-)Städte an, in denen die Menschen beengt und in z. T. katastrophalen, zumindest aber immer ungesunden Lebensverhältnissen hausten.

Agrarstaat und Urbanisierung

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war Deutschland ein • Agrarstaat und die überwiegende Mehrheit der Menschen lebte auf dem Lande. Schätzungen zufolge waren dies im 18. Jahrhundert bei leicht abnehmender Tendenz ca. vier Fünftel der Gesamtbevölkerung. (vgl. Möller 1994, S.78) Noch 1780 waren in Deutschland von den 10 Millionen Beschäftigten insgesamt noch mehr als 3/5 aller Beschäftigten (65%) im Agrarsektor (Primärsektor) tätig. (vgl. Henning, 1973, S.20)

Im deutschsprachigen Raum stieg die Gesamtzahl der deutschen Städte von etwa 3.500 zu Beginn der Frühen Neuzeit (1500) auf etwa 4.000 um das Jahr 1800. Meistens handelte es sich dabei um Städte kleinerer und mittlerer Größe.

Zu Beginn der Frühen Neuzeit um das Jahr 1500 herum gehörten 90 Prozent aller deutschen Städte zu den Kleinstädten unter 2.000 Einwohnern. Die restlichen 10 Prozent entfielen auf Mittelstädte mit einer Einwohnerzahl von 2.000-10.000 Einwohnern und Großstädte mit mehr als 10.000 Einwohnern. Auch wenn sich um 1800 sowohl die Anzahl der Großstädte (61 gegenüber 26) als auch die der Mittelstädte (ca. 400 gegenüber knapp 200) merklich vergrößert hatte, blieben die etwa 3.000 Kleinstädte in der deutlichen Mehrheit. hatten sich die Gewichte zwischen den Kategorien kaum verschoben. (vgl. Rosseaux 2006, S.20f.)

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Auch in größeren Staaten wie Preußen oder Sachsen waren die Lebensbedingungen in den Städten allerdings so schlecht, sodass das Bild einer "guten alten Zeit" bröckelt.

Familienstrukturen im Wandel

Die Familie bestand, dem gesellschaftlichen Idealbild des "ganzen Hauses“ entsprechend aus einem "Hausvater“, einer ihm rechtlich untergeordneten Mutter und den Kindern. Durchschnittlich lebten in den meisten Regionen Mitteleuropas ca. 4-5,5 Personen in einem Haushalt.

In diesem traditionellen Familientyp herrschte zwar grundsätzlich eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, aber häufig überschnitten sich die Arbeitsgebiete des als ein "Arbeitspaar“ aufzufassenden Ehepaars. Traditionell aber galt: Während der Hausvater das unbestrittene patriarchalische Oberhaupt der Familie darstellte, kümmerte sich die Frau um die Kinder und um den Haushalt i. e. S. (vgl.  Demel 2005, S. 88) Zum Haushalt zählten häufig noch Dienstpersonal, Knechte und Mägde, sowie mitarbeitende Verwandte, die mit der Familie unter dem gleichen Dach leben.

Allerdings ist die Lebensform des "ganzen Hauses" aus drei Gründen auch schon in Auflösung begriffen. Wohnung und Arbeitsstätte beginnen sich räumlich voneinander zu trennen, die Beziehung der Ehepartner zueinander und der Eltern zu ihren Kindern wird zusehends emotionaler und das Dienstpersonal (einschließlich der Handwerksgesellen) löst sich heraus und gewinnt an Mobilität. (vgl. ebd., S.88)

Insbesondere die Mutterliebe, so wie wir sie auch heute noch sehen, ist als familialer und sozialer Wert wohl eine Erfindung der Zeit um 1760, in der die von den gehobeneren Schichten kultivierten Empfindsamkeit emotional tiefer gehendere Beziehungen zu den Kindern entstehen ließ. Die Sicht auf die Heranwachsenden veränderte sich dabei. Man wollte dem "unschuldigen“ Kind eine "gute Kinderstube“ zuteil werden lassen, wollte es zu einem vernünftigen Menschen bilden, zugleich aber vor allen sexuellen "Ausschweifungen“, besonders in der Pubertät bewahren, sie mit Selbstdisziplin und Scham zu Herren ihrer Triebe machen. (vgl. ebd., S.90)

Das Verhältnis der Eltern zu ihren Kindern gestaltete sich, je nach Herkunft, sozialem Status und Wohlstand unterschiedlich. Während unter Adeligen und insbesondere in Fürstenkreisen weiterhin ein förmlicher und distanzierter Ton zwischen den Generationen herrschte, gab es in bürgerlichen Kreisen einen Trend zunehmender Emotionalisierung der innerfamiliären Beziehungen, die zugleich ihre eigene Dynamik entfalteten. In Scheidungsangelegenheiten allerdings kamen Männer trotz einer gewissen Liberalisierung hie und dort immer noch besser weg und auch im Zivil- und Zivilprozessrecht blieben die Frauen weiter benachteiligt.

Tendenzen zu einer neuen Art von sozialer Mobilität

Auch wenn der gesellschaftliche Status des einzelnen noch immer überwiegend von seiner Geburt abhing, zeigten sich doch vermehrt Tendenzen einer neuen Art von sozialer Mobilität, die sich in einer Zunahme der Erhebungen von Bürgern in den Adelsstand (Nobilitierung) ausdrückten. Doch insgesamt konnte die ständische Gesellschaft auf diesem Wege die neu entstehenden bürgerlichen Eliten nicht mehr integrieren.

Genauso wenig gelingt dies am unteren Ende der sozialen Stufenleiter. So genannte Randgruppen "ohne Standesehre“, die auch nicht zu den anerkannten Dorf- und Stadtarmen zählen, sind in den ständischen Strukturen nicht mehr sozial zu disziplinieren.

Egal ob man sesshaft oder "unbehaust“ war, ob Scharfrichter oder Prostituierte in größeren Städten oder zu einer der aus Angehörigen beider Geschlechter bestehenden Diebes- oder Räuberbande zählte, die es nahezu überall und in nicht allzu geringer Zahl gab: sie wurden alle vom religiösen Leben und geselligen öffentlichen Leben ausgeschlossen. (vgl. ebd., S.120) Mit dem Entzug gemeinsamer Religionsausübung, bei den Katholiken auch der • Verweigerung von Sakramenten, die oft auch • Wandertruppen von Schauspielern als "fahrendem" und "ehrlosem" Volk verweigert wurden (vgl. Maurer-Schmoock 1982, S.107), ging damit auch bei solchen Randgruppen der wirksame Kitt verloren, der diese noch irgendwie an die Gesellschaft binden konnte.

Aber trotzdem: auch neue Mechanismen sozialer Integration lassen sich beobachten. So kommt es in Württemberg um 1800 in Mode, Ehepartner und Taufpaten danach auszusuchen, wie vermögend sie sind und über welchen sozialen Status sie in der Gesellschaft verfügen. (vgl. Demel 2005., S. 122)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 06.07.2026

   
   Arbeitsanregungen:
  1. Analysieren Sie, inwiefern das aufklärerische Bildungsideal an der Wende zum 19. Jahrhundert eine doppelte Funktion erfüllte: einerseits als "Brücke" zur Annäherung zwischen Bildungsbürgertum und fortschrittlichem Adel, andererseits als Instrument der sozialen Grenzziehung nach unten.
  2. Erklären Sie das Spannungsverhältnis zwischen der Entstehung einer neuen bürgerlichen Klassengesellschaft und dem gleichzeitigen Fortbestehen der geburtsständischen Vergabe von Machtpositionen im Zeitraum zwischen 1763 und 1806. – Wie lässt sich dieses Spannungsverhältnis zwischen dem Entstehen einer bürgerlichen Klassengesellschaft (basiert auf Besitz und Bildung) und der fortdauernden Legitimation rechtlicher Ungleichheit erklären?
  3. Arbeiten Sie die primären Faktoren heraus, die das deutliche Bevölkerungswachstum im Alten Reich gegen Ende des 18. Jahrhunderts ermöglichten, obwohl die medizinische Versorgung und die hygienischen Bedingungen in den Städten weiterhin katastrophal blieben.
  4. Beurteilen Sie die Wirksamkeit und die gesellschaftlichen Folgen traditioneller Disziplinierungsmaßnahmen (wie den Ausschluss aus dem religiösen Leben und die Verweigerung von Sakramenten) gegenüber den wachsenden Randgruppen ohne Standesehre. – Welche Rolle spielte der Ausschluss aus dem religiösen Leben bei der endgültigen Entfremdung dieser Gruppen von der Mehrheitsgesellschaft?
  5. Untersuchen Sie die ökonomischen sowie emotionalen Ursachen, die zum Zerfall des traditionellen „ganzen Hauses“ führten, und erläutern Sie, wie sich in diesem Zuge das gesellschaftliche Verständnis von Kindheit und Erziehung wandelte. – Welche wirtschaftlichen und emotionalen Faktoren bedingten diesen Strukturwandel innerhalb der Familie, und wie veränderte sich dadurch die gesellschaftliche Wahrnehmung von Kindheit und Jugend?
  6. Vergleichen Sie die demografische Entwicklung im Alten Reich und zeigen Sie auf, wie speziell der preußische Staat merkantilistische Instrumente nutzte, um sich im Kontext des „deutschen Dualismus“ geopolitische Vorteile zu verschaffen.
  7. Setzen Sie die im Text beschriebenen Auflösungsprozesse der alten Reichsinstitutionen und die Transformation der familiären Werte in Beziehung zu Heinrich von Kleists Komödie Der zerbrochne Krug.
    Erörtern Sie hierzu, inwiefern die Figur des korrupten Dorfrichters Adam und der Konflikt um Eves Ehre als Spiegelbild dieser historischen Umbrüche verstanden werden können. – Inwiefern spiegeln sich diese historischen Bruchstellen in einer Dorfgemeinschaft wider, in der ein korrupter Dorfrichter (Adam) amtiert und die Ehre einer jungen Frau (Eve) verhandelt wird?
 

 
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