Heinrich von Kleists (1777-1811)
•
Komödie • "Der
zerbrochne Krug" enthält zahlreiche Bezüge zu den politischen
und gesellschaftlichen Verhältnissen der Zeit an der Wende von 18.
zum 19. Jahrhundert.
Der •
Zeitraum zwischen dem Ende des Siebenjährigen Krieges (1756-63) und der
Auflösung des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation (1806),
von Zeitgenossen auch kurz Deutsches Reich, in der Wissenschaft heute
Altes Reich genannt, ist geprägt von
vielfältigen Prozessen des Wandels in verschiedenen Bereichen von Staat,
Wirtschaft und Gesellschaft.
Auf dem Gebiet, des
Alten Reiches entstanden seit dem »Westfälischen
Frieden 1648 etwa 300 souveräne Territorien, von denen einige größer, die Mehrheit freilich klein bzw. sehr
klein waren. Angesichts dieser
territorialen Zersplitterung des Reichs und der
▪
strukturbedingten Probleme des Föderalismus auf Reichsebene wundert es
nicht, dass dies schon zeitgenössische Gelehrte auf den Plan rief, die dem
Reich
einen "einem Monstrum ähnlichen Körper"
bescheinigten, "der sich im
Laufe der Zeit durch die fahrlässige Gefälligkeit der Kaiser, durch den
Ehrgeiz der Fürsten und durch die Machenschaften der Geistlichen aus einer
regulären Monarchie zu einer so disharmonischen Staatsform entwickelt hat,
dass es nicht mehr eine beschränkte Monarchie, wenngleich der äußere Schein
dafür spricht, aber noch nicht eine Föderation mehrerer Staaten ist,
vielmehr ein Mittelding zwischen beiden. Dieser Zustand ist die
dauernde
Quelle für die tödliche Krankheit und die inneren Umwälzungen des Reiches,
da auf der einen Seite der Kaiser nach der Wiederherstellung der
monarchischen Herrschaft, auf der anderen die Stände nach völliger Freiheit
streben" (»Samuel
Pufendorf (1632-1694) , De statu imperii Germanici, 1667, zit. n.
Meid 31989, S.85)
Und von hier aus
war es nur ein kurzer Weg bis zur oben genannten "Schauerlegende",
die die preußische Perspektive auf die Entwicklung des modernen
Staates auf deutschem Boden ideologisch flankierte.
Das Jahr 1763 markiert dabei die Entstehung des
so genannten deutschen Dualismus der beiden Großmächte Österreich und
Preußen im Reich und das Jahr 1806 stellt mit der Auflösung des Heiligen
Römischen Reiches Deutscher Nation eine tief greifende Zäsur dar, in deren
Folge die kleinen und meist noch ständisch regierten Territorien,
Reichsstädte, Reichsritterschaften, geistliche und auch viele weltliche
Herrschaften von der Landkarte verschwinden. Die alten Institutionen des
Reiches (Reichstag, Reichsstände, Reichskreise, Reichsgerichte etc.) lösen
sich auf.

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